Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 39 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 39 Der Israelit 1. Oktober 1937 „Der polnische Staat — Gemeingut aller seiner Bürger". Warschau, 18. Sept. Das Warschauer Berufungsgericht hat das in erster Instanz über Juda Leib CKaskielewic2 wegen Ermordung des Sergeanten Jan Bujak in Minsk- Mazowieck verhängte Todesurteil aufgehoben und den Täter zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Das am 17. September nachmittags verkündet© Urteil ist insbesondere darum von Bedeutung, weil das Berufungsgericht die These von der Mitverantwortung gewisser Bevölkerungskreise und Zeitungen, die in der Begründung des erstin stanzlichen Urteils aufgestellt worden war, fallen gelassen und darüber hinaus sich ausdrücklich auf den in der Verfassung niedergelegten Grundsatz berufen hat, daß der polnische Staat Gemeingut aller seiner Bürger ist. Auch das psychiatrische Gutachten, das schon beim ersten Prozeß vorgelegen hat, und in dem Chaskielewicz als ein pathologisch veranlagter Mensch bezeichnet wird, der für seine Handlungen nicht im vollen Umfang verantwortlich gemacht werden könne, ist diesmal vom Gericht berücksichtigt worden. ,: Dänemark. Das Urteil eines dänischen Gerichtes. Kopenhagen, 16. Sept. Zu dem vor kurzem gegen sechs Redakteure judenfeindlicher Zeitschriften wegen Verbreitung unwahrer Behauptungen über die jüdische Bevölkerung Dänemarks gefällten Urteil sind jetzt die Gründe veröffentlicht worden. Das Gericht erklärt, die in den betreffenden Broschüren und Zeitschriften veröffentlichten Behauptungen müßten im allgemeinen als eine Herabwürdigung der Ehre der in Dänemark ansässigen, Angehörigen der jüdischen Gemeinschaft Dänemarks betrachtet werden; es sei kein Beweis dafür erbracht worden, daß die Lebensführung der dänischen Juden eine derartige ist, daß sie die veröffentlichten Behauptungen rechtfertigen würde oder daß die unsittlichen Vorschriften, deren sie beschuldigt werden, von ihrer Religion gutgeheißen werden. Das Gericht hält es für unerheblich, daß die Beschuldigten Stellen aus mosaischen Büchern zitiert haben — über deren Interpretierung im übrigen Meinungsverschiedenheiten bestehen —, die bestimmte Lebensregeln enthalten, welche den heutigen moralischen Anschauungen nicht entsprechen« Da die Angeklagten keinen Beweis dafür erbracht hätten, daß die jüdische Gemeinschaft in Dänemark solche Lebensregeln befolgt, findet das Gericht, daß die von Oberrabbiner Dr. Friediger in seiner Aussage gemachte Feststellung durchaus zutreffend ist, daß die Juden sich naturgemäß vollkommen den Gesetzen des Landes anpassen, in dem sie wohnen. Bei dem Versuch, zu einer Entscheidung über die Frage zu gelangen, ob die Angeklagten wider besseres Wissen gehandelt haben, hat das Gericht im ' Hinblick darauf, daß die Angeklagten so sehr unter der falschen Vorstellung von einer „jüdischen Gefahr" stehen, daß sie an sie zu glauben scheinen, es nicht für richtig gehalten, ihre Gutgläubigkeit anzuzweifeln; sie können daher nicht der Verleumdung" schuldig erachtet werden mit Ausnahme von Olsen, dessen Aeußerungen so ungeheuerlicher Art sind, daß sie als verleumderisch im Sinne des Gesetzes angesehen werden müssen. Die Angeklagten werden darum schuldig befunden, gegen die jüdische Religionsgemeinschaft und die jüdische Religion entehrende, diffamierende und beschimpfende Aeußerungen getan zu haben, Olsen außr^dem auch verleumderische Erklärungen gegen die Juden. England. Jacob Rosenheim und H. A. Goodman berichten über die Kenessio Gedaulo. London, 23. Sept. Ueber die Ergebnisse der letzten Kenessio Gedaulo wurde in London in einer unter dem Vorsitz des politischen Sekretärs der Aguda, H. A. Goodman, abgehaltenen Versammlung berichtet. Der Vorsitzende hielt dem verstorbenen Altpräsidenten der Tschechoslovakei, Thomas G. Masaryk, einen von den Anwesenden stehend angehörten Nachruf. H. A. Goodman erklärte, niemand habe sich bei der Einberufung der Kenessio vorgestellt, daß die Frage des geplanten Judenstaates einen der wichtigsten Verhandlungsgegenstände bilden werde. Trotzdem sei es in Marienbad und nicht in Zürich gewesen, wo die Stimme des historischen jüdischen Volkes zu hören war. Der Redner wies auf die dringende Notwendigkeit hin, in diesem Augenblick einig zu sein. Die Aguda habe sich wiederholt bemüht, eine Kooperation der verschiedenen Organisationen her- I beizuführen. Der von ihr gemeinsam mit der Neuzionistischen Organisation gemachte Vorschlag, eine Round Table-Konferenz einzuberufen, sei jedoch von der Jewish Agency nicht einmal beantwortet worden. Das Colonial Office habe versichert, daß die Ansichten der Aguda und ihrer Anhänger in Palästina von der neuen Palästina-Kommission gehört werden würden. Es sei bedauerlich, daß es jetzt wieder zu einer Zersplitterung in Parteien kommt, während die Gegner der Juden geeint sind.' Schuld daran seien diejenigen, die die Orthodoxie--unter das' Joch eines weltlichen Nationalismus bringen wollen. Der Präsident der Weltorganisation, Jacob R o - Senheim, stellte fest» daß alle Delegierten in Marienbad sich darin einig gewesen seien, daß der Judenstaat nur auf religiöser Basis und unter Mitwirkung der Aguda aufgebaut werden kann. Es sei bedauerlich, daß von einem Teil der jüdischen Presse die Kongreßbeschlüsse fälschlich so dargestellt wurden, als werde in ihnen die Errichtung des Judenstaates abgelehnt. Die Meinung der Idealisten, die eine religiöse Entwicklung, für den Judenstaat erhoffen, habe sich gegenüber der Furcht der Realisten vor Behinderung der Orthodoxie in Palästina durchgesetzt. Beide Anschauungen kämen in den Beschlüssen des Rabbinischen Rates und der Kenessio zum Ausdruck. Palästina. Die industrielle Produktion Palästinas. — Halbjahres-Ziffern aus einigen Zweigen. Jerusalem, 16. Sept. Die letzte Ausgabe des Commercial Bulletin bring«: Halbjahresziffern für die Produktionshöhe einzelner Zweige der palästinensischen Industrie. Im ersten Halbjahr 1937 wurden 396.927 kg Zigaretten erzeugt, gegenüber 396.736 kg im ersten Halbjahr 1936 und 376.000 kg im ersten Halbjahr 1935. Im Juni betrug die Produktion 78.000 kg gegenüber 67.000 kg im sei: ben Monat des vorangegangenen Jahres. Die Tabakerzeugung zeigt eine kleine Steigerung von 7465 auf 7661 kg im Juni d. J., dagegen ist die Halbjahresproduktion von 44.370 kg i. J. 1936 auf 40.339 kg in diesem Jahre gesunken.. Außerdem wurden 4407 kg Schnupftabak hergestellt, etwas mehr als im ersten Halbjahr 1936. Die Zigarrenerzeugung war niedriger als im vorangegangenen Halbjahr. Die Streichhölzerproduktion im ersten Halbjahr 1937 betrug 125.000 Groß Schachteln gegenüber 217.000 Groß im ganzen Jahr 1936, die Salzproduktion im ersten Halbjahr 1937 4993 to gegenüber 9139 to im ganzen Jahr 1936. Die Produktion von Methylspiritus erreichte nicht die Hälfte der vorjährigen Jahresproduktion (239.433 gegenüber 604.000 kg). Die Juden bilden 29,3 Proz. der Bevölkerung * Palästinas. Jerusalem, 17. Sept. Nach amtlicher Schätzung betrug die Bevölkerungszahl Palästinas Ende Juni 1937 1,316.767. Die Nomaden und Angehörigen der Armee sind hierbei nicht miteingerechnet. Die Zahl der Gesamtbevölkerung ist somit seit Ende März um 624 gestiegen. Daß diese Zahl so klein ist, ist darauf zurückzuführen, daß Ende Juni zahlreiche Touristen außerhalb des Landes weilten. Die natürliche Vermehrung der Bevölkerung im zweiten Vierteljahr 1937 betrug 6046; es wurden 12.416 Geburten und 6370 Todesfälle verzeichnet. Der Verlust durch — zum größten Teil saisonbedingte Ausreise betrug 5422t Die Gesamtbevölkerung am 30, Juni setzte sich aus 809.394 Mohammedanern (6l,5 Proz. der Gesamtbevölkerung), 386.084 (29,3 Proz.) Juden, 109.769 (8,3 Proz.) Christen und 11.520 sonstigen Personen zusammen. fnp 1 * Türkei. Türkei und Libanon in der Palästina-Frage neutral. Istambul,17. Sept. Wie die ITA. aus höchst autoritativer Quelle erfährt, hat die Türkische Regierung beschlossen, in der Frage der Teilung Palästinas absolute Neutralität zu wahren,. Es wird erklärt, daß die Türkei zwar an der Wohlfahrt der früheren ot'tomanischen Territorien stark interessiert sei, sich aber nicht in die inneren Angelegenheiten dieser Länder einzumischen gedenke. Bei aller Sympathie für die politischen Bestrebungen der Araber werde die Türkei nichts unternehmen, was geeignet wäre, das Prestige des Völkerbundes zu schmälern. China. Hilfsaktion der Juden im Fernen Osten für die jüdischen Flüchtlinge aus Schanghai. Scha'nghai, 14. Sept. Die Juden des Femen Ostens haben für die notleidende jüdische Bevölkerung der infolge der bekannten Vorgänge geräumten Viertel von Schanghai eine Hilfsaktion eingeleitet. Von der Jüdischen Gemeinde Schanghai selbst wurden bisher 3000, von den Juden in Manila 2000 und von den Juden in Dairen 1000 Dollar für" diesen- Zweck aufgebracht. Personalien. Altona-Hamburg, 16. Sept. Im vergangenen Monat starb im ,57. Lebensjahr Josef Schulz. Derselbe zählte zu den achtbarsten Gemeindemitgliedern Altonas und zeichnete sich durch seine aufrichtige Frömmigkeit und sein großzügiges Wohltun im, Verborgenen, wie auch durch seine herzliche Gastfreundschaft aus. — Die außergewöhnlich große Beteiligung bei seiner Beisetzung kündete von der Beliebtheit und Wertschätzung des Verstorbenen. In großangelegter Rede zeichnete Oberrabbiner Dr. Th. W e i s z sein Lebensbild. Sanitätsrat Dr. L. Frank würdigte seine Verdienste als Gemeinde Vertreter und in den letzten Jahren als stellvertretender Vorsitzender der Gemeindebürger, daß er mit Eifer und Verständnis an allen Beratungen der Gemeinde teilnahm. Rabbiner E. D u k e s z widmete ihm als Deputierten der Chewra Kadischa einen Nachruf und sagte ihm, dem, Minhag der Chewra Kadischa entsprechend, die Chawruta auf. Sein Andenken wird stets bei Ost- und Westjuden in Ehren erhalten bleiben. brto Hamburg, 17. Sept. Im 77. Lebensjahr verschied im Heinischen Krankenhaus Josef Levy. Er entstammte einer frommen Friedrichstadter Familie und bewahrte sich Zeit seines Lebens das biedere aufrichtige und gütige Wesen, das die dortigen jüdischen Gemeindemitglieder kennzeichnete. In Friedrichstadt übernahm er die Schlachterei seines Vaters, die noch unter Dr. Löbs Aufsicht stand, zog vor 27 Jahren nach Hamburg, wo er ebenfalls eine Schlachterei unter Aufsicht führte. Viele Jahre hindurch fungierte er ehrenamtlich als Schliach zibbur an den hohen Festtagen in Friedrichstadt und bis zum vorigen Jahre in Segeberg. -Bei der Ueberführung widmete ihm Herr Rabbiner D u k e s z , Altona, einen Nachruf, da er jahrzehntelang Gelegenheit hatte, den Verstorbenen kennen und schätzen «zu lernen. — Bei der Bestattung in Langenfelde entwarf Herr Oberrabbiner Dr. J. Carlebach in tiefempfundenen Worten das Lebensbild des Heimgegangenen, seine Tugenden, sein gütiges Wesen und sein hilfsbereites Wirken zeichnend. Rabbiner Dr. B.Cohen widmete ihm als Friedrichstädter geistlicher Beamte Worte des treuen Gedenkens. b"*! Mannheim, 22. Sept. Wie wir erfahren, konnte unser ibid und Sniö Salomon Oppenheimer in seiner Eigenschaft als Synagogeowart der Claus- Synagoge jüngst auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste unseres n033n iva zurückblicken. Der Synagogenrat der Gemeinde ehrte den pflichtgetreuen Beamten, die Baalebatim brachten ihm ihre guten Wünsche dar, und die schönste Ehrang erwiesen ihm die Herren Rabbiner Dr. Unna (Jerusalem) und Herr Rabbiner Dr. Lauer (Mannheim), indem sie ihn mit dem "on -Titel auszeichneten. Es ist nichts Gewichtigeres und nichts Zutreffenderes über unseren jüngsten lan zu sagen, als die Worte, die m dem gemeinsamen Schreiben der beiden Herren Rabbiner an Herrn Oppenheimer stehen; idk^m tf*iiia ff im^npa j?BW t\w mranra -mvm n-nt» vbo nonan n->m rrnnv MB «narrt v>w\ 0*118 \prb* niteb oyv ~u»a» asis« b» w«wa an*« mn wm\ tfrm ri033m 31t) invn IS bt?w Wir wünschen, der so Geehrte möge sich in Rü^- tigkeit und in tätigem- Leben der ihm erwiesenen YD3 noch viele, viele Jahre erfreuen! D. Wochenkalender. Vom2.bisO Oktoberl937/Vom27.Tischrifais4.Marchß5c|lwaD569.l Samstag Sonntag - Montag Dienstag Mittwoch Ponnerstag Freitaft Samstag 2 27 'öl' sp pbiri V-, 3 28 *P Okt. 4 5 6 ■ p»m» 29 30 X tip nbj> rbp 7 2 np 8 3 «bp 9 •4 aap 'nnj'a-oa h'Brtna enn twr 'k «nn t?s*n '3 m