Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 39 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Oktober-1937 Der Israelit Nr. 39 Seite 7 fung für.jjdajs kiinstlerische Lehramt auf besonderen Antrag 2ugelas^n, werden können. Ebenso können nach diesem Erlaß' von Fall zu Fall judische Kandidaten iUhd^Kandidatinnen, die die wissenschaftliche oder künstlerische Prüfung für das höhere Lehramt abgelegt?" haben, zur Ablegung der) pädagogischen Prüfung zugelassen werden, , Meldungen zu diesen Prüfungen bittenwir unter Beifügung der notwendigen Unterlagen an die Schulabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158, einzureichen, die sie dann ihrerseits weitergeben wird. Die Woche- Berlin. In einer kurzen, eindrucksvollen Feierstunde gedachte der Landesverband Berlin im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten der gefallenen jüdischen Soldaten des Weltkrieges. Auf dem Ehrenfriedhof in Weißensee waren zahlreiche Gruppen des Landesverbandes angetreten. Amsterdam. In Anwesenheit von Vertretern der Staatsbehörde und jüdischer Organisationen fand Tschechoslovakei. Masaryk-Gedächtnis-Stiftung der Prager Juden. P r a g , 16. Sept.! Der Vorstand der Prager Jüdischen Gemeinde hat beschlossen, eine Masaryk-Gedächtnisstiftung der Prager Juden zu schaffen. Der genaue Zweck der Stiftung, der kultureller oder sozialer Art sein soll, wird später bestimmt werden. Das Zentralkonsistorium der Juden Frankreichs und das französische Oberrabbinat haben anläßlich des Todes Masaryks an die Prager Jüdische Gemeinde ein Beileidstelegramm gesandt. In einer stark besuchten' Trauerkundgebung dSrjüdischen Organisationen würdigten der Vorsitzende des Zionistischen Distriktskomitees für Böhmen, Dr. Felix Resek, und Dr. Otto" Arje das Andenken Masaryks. An die Tschechoslovakische Regierung und an die Familie des verstorbenen Altpräsidenten wurden Beileidstelegramme gerichtet. In Mährisch-Ostrau haben alle jüdischen Parteien gemeinsam eine Sitzung abgehalten, nach der an alle jüdischen Organisationen in der Republik die Aufforderung gerichtet wurde, an den gemeinsamen Kundgebungen der Bevölkerung und an den Gedenkfeiern für den Altpräsidenten teilzunehmen. Beileidstelegramme werden an den Präsidenten der Republik, an den Ministerpräsidenten und an die Familie Masaryks gesandt. Dieses Programm war seither die Grundlage für .die Entscheidungen in politischen Fragen, für die Entscheidungen des Rabbinischen Rates der Ägudas Jisröel. für die Erez Jisroel-Arbeit Mit der aktuellen Frage der .Gründung des jüdischen Staates nach;; dem Vorschlage der Royal Commission und ihrer ganzen Problematik wird der große Rabbihische Rat sich zu befassen haben. Seine Entschließungen können nur im Sinne und im Geiste dieser ersten Klarstellung erfolgen. Die III. Kenessio Gedäulo, voran der große Rabbinische Rat, denen die hervorragendsten geistigen Führer der Judenheit angehören, war eine Manifestation des königlichen Lobsängers; 'pffV VXVb aVlp Ach korauw ljereow jischau lischkaun kowaud h&atzenu. '; "'•• ~;" ' " - Korrespondenzen. Deutsches Reich. Erleichterte Einwanderung nach Venezuela. , - ' •. B e r Ii n , 16. Sept. Der Hilfsverein der Jucten in Deutschland gibt folgendes bekannt:. Die venezolanische Regierung hat das bisher 1000 Bolivares betragende. Landungsdepot, für Einwanderer auf die Hälfte, das heißt auf .500 Bolivares, herabgesetzt. Da nach dem augenblicklichen Stande etwa 3 Bolivares einem USA-Dollar entsprechen, beträgt das jetzige Landungsdepot nur noch rund 400 Goldmark. Diese Erleichterung; der. Einwanderung nach Venezuela ist insofern von Bedeutung, als das Land zu den wirtschaftlich " gesündesten des südamerikanischen Kontinents gehört und besonders Handwerkern, 'aber auch Landwirten mit etwas Kapital gute Möglichkeiten bietet.' Leider ist die Einwanderung nach Venezuela für. Staatenlose höchstens in Ausnähmefällen, für Östjuden überhaupt kaum möglich. Schlichtungs-Ausschuß des Kulturbundes« B e r 1 i n , 16. Sept. Der Herr Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda hat auf Antrag unter dem Geschäftszeicheii SJ 2313 die Einrichtung eines Schlichtungsausschusses beim Reichsverbänd der Jüdischen Kulturbünde genehmigt. Der Schlichtungsausschuß befaßt sich mit etwaigen Streitigkeiten zwischen den dem Reichsverband angeschlossenen Organisationen sowie zwischen aktiven Mitgliedern (Künstlern) mit diesen Organisationen und zwischen den Künstlern untereinander. Der Schlichtungsausschuß ist jeweils mit. drei Angehörigen der streitenden Berufsgruppen (Musik, ..Theater, Bildende Kunst und Schrifttum) unter Vorsitz eines Vertreters des Reichsverbandes besetzt. Zum Ständigen Vorsitzenden hat der Reichsverband ^Rechtsanwalt Dr. Eisner berufen. i , Information jüdischer Schufzhäfflinge, B e r 1 i ri , 24. Sept. - Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: ' m ' ' " , . ';! Die zuständigen Behörden prüfen gegenwärtig; die Frage der E nittl a s s u n>gUe.i n e r.:Ä n za,h 1 j ü d ischer Schutzhäftlinge. Um den Schutzhäftlingen eine sprachliche und berufskundliche Vorbereitung der Auswanderung und Information zu ermöglichen, ist der Reichsvertretung der Juden in Deutschland gestattet worden, geeignetes Material zur Verfügung zu stellen.;, 1j\ «»«vu;,.- Prüfungen für Lehramts-Kandidaten/ '■ -■: ': " —- Berlin, 23. Sept. ' Die Reichsvertretühg 7 der' Juden in Deutschland teilt, miti : T .'.j- ' ü>\ '' - ■«* '. r;\;Purcb.;/Erlaß-;idete,;-Her^''Rei^^">;Wd") Preußischen Ministers.j.für Wissenschaft,;.Erziehung und.\^dlk'sbil^ düng vom 2. .7'.'' 1937 ist' 'angeordnet, daß einzelne jüdischeuStüdierende; die das 'vb'fgeschr'le;bJehe Höbhj schülstudium »abgeleistet: häben, zur Ablegtihg - der wissenschaftlichen : Prüfung vPfür;; das, höhere; Lehramt, zur Prüfung für das Handelslehramt sowie zur Prü- "die Einweihung des Erweiterungsbaues des Heimes der bekannten Wohlfahrtsorganisation „Joodsche Invalide" in Amsterdam statt. In dem gesamten Gebäude können nunmehr 400 Sieche und Kranke untergebracht - werden. Oberrabbiner Sarlouis weihte die Synagoge des* GebäudüS ein. Budapest. Zur Wiederkehr des 100. Todestages Rabbi Akiba Egers fand in Budapest eine Feier statt. Oberrabbiner H e v e s i würdigte die Bedeutung und die Verdienste Rabbi Akiba Egers als Gelehrten und Führer. Kowno. Der litauische Staatspräsident hat anläßlich des Staats-- feiertages zwei jüdische Bürger ausgezeich- Polen. Madagaskar-Expedition nach' Polen zurückgekehrt. Warschau, 16. Sept. Amtlich wurde bekannt gegeben, daß die nach Madagaskar zur Untersuchung der Eignung dieses Gebietes für die Ansiedlung von Juden entsandte Expedition, zurückgekehrt ist. Der Expeditionsfüfirer, Major L e p e c k i, ist in Paris von dem polnischen Außenminister Oberst Beck empfangen worden. net. 1 Der Einwohner von Kowno, Hirsch K o r k i n , erhielt eine Medaille für die Rettung des ehemaligen Innenministers : und jetzigen Vizebürgermeisters von Kowno, Oberst Rustejko, vör; einem Attentat. Ferner wurde dem jüdischen Einwohner von .Kalvarya, A. Blumensohn, eine Aust Zeichnung verliehen. — Der bekannte litauische Flieger P i r a g i u s hat dem Makkabi vorgeschlagen, daß dieser ein Flugzeug kaufe, mit dem Piragius in Begleitung eines jüdischen Piloten einen Propagandaflug von Kowno nach Tel Awiw unternehmen will. Paris. In Anwesenheit von fast hundert Delegierten aus zwanzig Ländern und etwa 5000 Gästen wurde in Paris der erste Weltkongreß für . j ü d i s c h e Kultur eröffnet. An "dem Kongreß nehmen Schriftsteller und Külturärbeiter aus allen Ländern Europas, sowie aüs den Vereinigten Staaten, Kanada, Kuba, Brasilien, Argentinien, Südafrika und Palästina teil. Philadelphia. Auf dem jüdischen Friedhof in Philadelphia Wurde ein Denkmal zur Erinnerung an 142 Opfer des Pogroms enthüllt, der vorachtzehn Jahren in dem Städtchen Sokoliewski . im Kreise Kiew stattgefunden hat. Das Denkmal wurde von Angehörigen und Landsleuteh der Opfer, die zum Teil den Pogrom am Vorabend Rosch Haschana 1919 miterlebt haben, errichtet. , Von der. Iwria-Bank. Berlin, 17. Sept. Im Anschluß an eine in der'ITA wiedergegebene Notiz der Jüdischen Gemeinde zu Berlin über: den Status bei der Iwria-Bank e, G. m. b. H. zu Berlin, teilt die neue Verwaltung der Iwria-Bank mit, daß sie unter den geschilderten Umständen keine Möglichkeit sah, die* Geschäfte der Bank weiterzuführen und daher genötigt war, die Schalter zu schließen.-: und ., dasgerichtliche"' Vepgleichsverfanren einzuleiten. > ' In iCgem-Communique der Jüdischen Gemeinde zu Berlin muß der auf Zeile T15 beginnende Satz richtig lauten: „Die . Gemeinde, die im Interesse der Erhaltung zählreicher jüdischer Existenzen zwecks Her^- stellung' der Liquidität' der' Iwria-Batik darlehensweise Mittel=. in Höhe ' von rund einer»' Million Reichsmark zur,^Verfügung -gestellt hat und den Einlegern 'gegenüber., e.ine Garantie in Höne von 300.000 RMtl übernonime^hat, sieht sich nicht in.der Lage, über diese Beträge hinaus 'weitere Gelder5"dei:/''Iwria-Bank zu gewähren.'' .m ' ■'■ •'. Verhandlung über Berufungen. Warschau, 17. Sept. Ueber die Berufung, die gegen das über den 33jährigen Juda Leib Chaskiel e wicz wegen Ermordung des Sergeanten Jan Buj&k verhängte Todesurteil eingelegt worden ist, hat die Verhandlung stattgefunden. Im Verlauf der Verhandlung zeigte sich wieder, daß Chaskielewicz, der völlig verwirrte Aussagen machte, für seine Tat nicht verantwortlich gemacht werden kann. Er erklärte aber mit Bestimmtheit, daß nur seine Erfahrungen während seiner Militärdienstzeit, nicht jedoch politische Motive ihn zu der Tat veranlaßt hätten. Der Staatsanwalt verlangte die Bestätigung: der Todesstrafe mit der -Begründung, daß die Tat nicht unter individuellen Gesichtspunkten, sondern vom Standpunkt der gesamteli Gesellschaft beurteilt werden müsse. Die Anwälte der Privatkläger hielten schaffe judenfeindliche Reden, Sehr eindrucksvoll waren die Plädoyers der Verteidiger Dombrowski, Honigwill und Landau. Zum Schluß erklärte der Staatsanwalt, er gebe zu, daß Chaskielewicz nicht völlig normal ist, dennoch sei er für seine Tat verantwortlich. Weiter stellte der Staatsanwalt fest, daß er keine jüdische Partei für das Verbrechen verantwortlich mache. Chaskielewicz begnügte sich in seinem Schlußwort damit, Gerechtigkeit für sich zu verlangen. Das Todesurteil wurde aufgehoben und in lebenslängliches Zuchthaus verwandelt. Als Adv. Dombrowski das Gericht verließ, versetzte ihm ein Mann einen Schlag mit dem Rufe „Du Judenknecht.' Das hast Du dafür, daß Du einen Juden verteidigst!" Der Mann, ein Nitionalradikaler namens Kazimierz Du-';najski( wurde verhaftet. . Das Gericht in Lublin hat an dem, zweiten Berufungsverfahren gegen Personen, die an den judenfeindlichen Ausschreitungen in Prz.ytyk bezw. an ihrer Abwehr im März 1936 teilgenommen habeu, das Urteil gefällt. Die Gefängnisstrafe für Scholem Lesko ist von 8 auf 7, diejenige des Elieser Kirschenzweig von 6 auf 5 und die Isaac Friedmanns von 5 auf 3% Jahre herabgesetzt worden. Die von den Verurteilten bisher' verbüßte 1% jährige Haft wird auf die; .Strafzeit angerechnet...; Bei. drei nicht jüdischen-Angeklagten, die zu. Gefängnisstrafen von geringerer Dauer verurteilt worden waren, wurde das Strafmaß bestätigt. Zwei nichtjüdische Angeklagte' wurden freigesprochen.;f In der1 Begründung ' erklärte das Gericht, die iiSchul.d der Verurteilten sei 'erwiesen. Die Strafe 'sei herabgesetzt, Worden, um ..die. Voraussetzung, für. die Errechnung, der .Untersuchungshaft, zu schaffen. Nach der Urteilsverkündung erklärte der Verteidiger Leskös, Adv." Szümänski; daß er hochmals ein Revisipns-; gesifch " an1 den Obersten Gerichtshof richten werde.