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Der Israelit · 1937-10-01 · Heft 39 (1.10.1937) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 39 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 39 Palästinaproblems voraussichtlich in folgender Weise erfolgen: Die Britische Regierung wird in den nächsten Tagen eine neue Kommission einsetzen, die sich nach Palästina begeben wird, um Einzelheiten des Planes mit den Vertretern der Juden und der Araber zu besprechen, Die Kommission wird einen ins Einzelne gehenden Teilungsplan ausarbeiten, der der nächsten Tagung des Völkerbundes im Januar vorgelegt werden wird. Sodann wird der Völkerbund von sich aus eine Kommission ernennen, die diesen Plan prüfen und die Stellungnahme des Völkerbundes zu ihm formulieren wird. In welcher Weise diese Völkerbundskommission zusammengesetzt sein soll, steht noch nicht fest. Es heißt, daß Polen An^ Spruch darauf erhebt, in der Kommission vertreten zu sein; wahrscheinlicher aber ist, daß die Dreierkommission, die dem Völkerbundsrat die Entschließung ausgearbeitet hat, und der die Außenminister von Rumänien, Lettland und Norder Agudas Jisroel. Von Rabbiner J. Horovicz in Jerusalem. Wir erinnern uns noch der Zeiten, als die Verkündung der Balfoür-Deklaration in weiten Kreisen der Judenheit ungeahnte Begeisterung ausgelöst hat. Die Judenheit glaubte, nach den Schrecken und Wirrnissen der schweren Kriegsjahre nicht nur die Ruhe in ihren Wirtsländern wieder gefunden, sondern darüber hinaus zu- ' mindest den Anfang des Endes der schweren Goluszeit gefunden zu haben. In Ere2 Jisroel selbst waren die Engländer eingezogen. Die jüdisch-religiösen Belange waren unklar. Weder wußten die rabbinischen Führer, wie sie sich: zu der neuen politischen Situation verhalten. sollen, noch verstand die Mandatarmacht sich in das religiöse Leben der palästinensischen Judenheit einzufügen. Weizmann hat damals richtig erkannt, daß nur dann ein wirklicher Aufstieg von Erez Jisroel möglich ist, wenn die religiösen Führer, die Rabbiner, in den Aufbau des Landes mit einbezogen, werden. In dieser Erkenntnis hat er nach dem Einzug der Engländer in Erez Jisroel auch eine Rabbinerversammlung einberufen und versucht, die Rabbiner in eine innige Verbindung mit der zionistischen Organisation zu bringen. Die gesetzestreuen Führer haben gleich verstanden, welch große Gefahr durch dieses Vorgehen für die Orthodoxie in Palästina, ja darüber hinaus für die ganze Welt L drohte, In dieser Erkenntnis fand1 im Jahre 1921 auf Einladung der Agudas Jisroel in Wien eine große Versammlung der rabbinischen Führer der Agudas Jisroel und anderen führenden Persönlichkeiten statt. Es seien hier einige Namen genannt: Rabrfi Chaim Oser Grodzensky, die führenden "Chassidimrabbis von Ger, Czortkow, Rodzin, Sadagora, Sokolow, die Thoragrößen Spira, Lublin; Breuer, Frankfurt a. M.; Fürst, Wien; Schreiber, Preßburg und noch viele andere. Ich hielt ein Referat über die Läge in Erez Jisroel unter besonderer Berücksichtigung i der Situation der orthodoxen Gemeinden und J deren. Führer in Jerusalem. . [ J Die.. Rabbiner und. die. Jeschiwaus in Ere2 i Jisroel waren während des Krieges hauptsächi lieh durch die Pekidim und Am'ar-k'aliai i i n; A m s t e r d a m , durch deutsche Und;höllänj dische Erez Jisrqel-Freunde , .^regelmäßig unterstützt worden,,, Dagegen konnten diese monat- « Der Israelit wegen angehören, auch zur Prüfung des neuen Teilungsplanes ermächtigt werden wird. Auf diese Weise würde das Dreierkömitee sich als ständige Kommission bis zur endgültigen Lösung des Problems konstituieren. Sobald der Bericht der Dreierkommission dem Völkerbund vorliegen wird, soll eine aus Sachverständigen bestehende technische Kommission vom Völkerbund eingesetzt werden, deren Aufgabe es sein würde, die genaue Grenzziehung für die geplanten beiden Staaten. und das unter britischem Mandat verbleibende Gebiet vorzunehmen. Diese Kommission dürfte im Januar ernannt werden. Sie wird rein technische Aufgaben zu erfüllen und mit der politischen Seite des Planes nichts zu tun haben. Man erwartet, daß die Grenzkommission ihre Arbeiten bis zur Ratstagung im März 1938, keinesfalls aber später als bis zur Ratstagung im Mai 1938 beendet haben wird. liehen Subventionen nach dem Kriege nicht mehr gezahlt werden und die Folge davon war, daß der Einfluß der Orthodoxie durch den zionistischen Waad Hazirim, der nicht nur die politische, sondern auch Finanzmacht hatte, verdrängt wurde. Die Situation in Erez Hakdauscho war damals verzweifelt, Der moderne Zionsgedanke von der neutralen jüdischen Nation, nach der Art aller übrigen Kulturvölker, deren nationale Bedeutung nicht von dem Lehrinhalt der Thora bedingt, nicht auf dem ewigen Fundamente der Thora aufgebaut ist, hat ' das historische, das gesetzestfeue, das wahre Judentum in seinen Grundfesten erschüttert. Die Rabbiner- und Notablen-Versammhmg in Wien erkannte die Größe der Gefahr und man ersuchte den Gerer Rebbe, nach Erez Jisroel zu fahren, in meiner .Begleitung, der ich doch' aus, eigener Anschauung und ducrh langjährige Erfahrung, die Verhältnisse im Lande genau kannte. Es sollte in Jeruscholajim mit den Führern der Orthodoxie, mit Rabbiner Diskin s. z. 1. und Rabbiner Chajim Sonnenfeld s. z. 1. beraten und in gemeinsamer Aussprache mit diesen rabbinischen Größen des heiligen Landes, Richtlinien vereinbart werden, wie man sich zu den neuen Verhältnissen einstellen soll.? Die Situation erheischte notwendig eine Vereinbarung über die Frage, inwieweit die ortho-» doxe Judenheit in Er.ez Jisroel mit der zionistischen Organisation und den von ihr geschaffenen Verwaltungsstellen zusammengehen, oder getrennt marschieren' sollte. Die Fahrt mit dem Gerer Rebbe kam zustande. In vielen Unterhaltungen" mit den genannten rabbinischen Führern, ..wurde das Problem immer wieder erwogen, von allen Seiten beleuchtet und versucht, einen Weg zu finden, um einerseits der Thora ihre Herrschaft zu sichern,, und andererseits den, Bedürfnissen der jüdischen Menschen in:Erez Jisroel gerecht zu "Hverdenj, Die zionistische Organisation war nun einmal die legale Vertreterin, anerkannt? von lEng? lahd und von dem Völkerbund. Von dem1 gro? Ben Teil des jüdischen Volkes, der der zionistischen Organisation nicht angehörte, hafte ].' man der englischen Regierung' nie erzählt, sie wußte nichts von der Orthodoxie, nichts von ihrem1 pe~: stand und nichts' von ihrer Große' un^§iär}?ei Und so war sie von der offiziellen Vorzugs-: Stellung der Zionisten förmlich ausgeschaltet, j 1. Oktober 1937 Die Führer aber, die, in Jerusalem zusammen saßen, waren sich klar darüber, daß die. Orthodoxie, die allein seit der Zerstörung des jüdischen Staates, den Jischuw im Heiligen Lande erhalten, hat, niemals auf Erez Jisroel Verzicht leister. kann, daß sie die Mitverantwortung dafür trägt, daß in Erez Jisroel, dem Lande der Heiligkeit, auch die heilige Thora ihre nationale Heimstätte finde, , Die Zeitverhältnisse erzwangen Antwort auf die brennende Frage: Wie kann das gesetzestreue Judentum an. dem geplanten Aufbau von Erez Jisroel sich beteiligen? Mit anderen Worten: Es standen sich gegenüber die Einneitsbestrebungen des zionistisch orientierten jüdischen Volkes ohne die Tauroh unddie durch aie; Tauroh geeinte Orthodoxie. Eine interessante Episode:soll in diesem Zusammenhange nicht unerwähnt bleiben: fe " Ich saß in Begleitung des Gerer Rebbe beim damaligen Hochkommissar, jetzt Lord Herbert S ä m u e ,1,; um auch mit - ihm' die uns bewegenden Fragen und. Probleme zu erörtern, um sein Verständnis f% unsere Ziele anauregeu und dadurch die englische'. Regierung unseren Wünschen zugänglich zu machend In zwangloser Unterhaltung saßen wir beim schwarzen Kaffee. Gerade während dieser Unterhaltung erscholl das Telefon und Sir Herbert Samuel, ganz bleich vor Schreck, erhielt aus Jaffa einen Anruf, daß dort Aräberuhrühen ausgebrochen seien. Die weitere Verhandlung wurde unauffällig abgebröchen* Empfang und Abschied trugen freundlichen Charakter". j Eine düstere Episode, kein günstiges Omen. Eine Fortsetzung dieser Aussprache hat nachher noch anläßlich eines Besuches des Hochkommissars in; meiner Wohnung stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit berichtete ich ihm auch von der bevorstehenden ersten Kenessio Gedaulo. Schon am folgenden, Tag überbrachte mir ein Ordonnanzoffizier ein von Sir Herbert Samuel eigenhändig geschriebenes, se.hr warm gehaltenes Begrüßungsschreiben für die erste Kenessio Gedaulo. Trotzdem kam damals ein Programm für die Erez Jisroel-Arbeit zustande. Die Richtlinien wurden von den rabbinischen Führern Rabbi Diskin und Rabbi Sonnenfeld und lehawdil ben hachajim vom Gerer Rebbe und von mir schriftlich festgelegt und von uns Vieren unterschrieben. Das Original liegt im Archiv der allweltlichen Agudas Jisroel. Das Programm umfaßt im Wesentlichen vier Punkte. 1, Wir dürfen uns nicht unserer Pflicht, am Aufbau Erez Jisroels mitzuarbeiten, entziehen. Es soll ein Weg gesucht werden zur freiwilligen Teilnahme an dem Aufbauwerke durch Klarstellung der Grundsätze, ohne Preisgabe von Prinzipien. ' j 2. Die gesetzestreue Judenheit ist es, die immer, seit der Zerstörung des Tempels un4, des jüdischen Staates, jüdische« Menschen in Erez Jisroel: erhalten hat.. Die. Orthodoxie war es, die diesen Grund legte, auf dem allein der Weiteraufbau möglich war. 3. Für die Zukunft, für die Zeit, in der jetzt der Neuaufbau von Erez Jisroel mit neuer Kraft undneuem Mut in Angriff genommen werden sollte, sollen wirtschaftliche Fragen nach Möglichkeit; gemeinsam. mit. andtere^ amf Auf bau beteiligten Gruppen unter Sicherung unserer religiösen Belange, gelöst werd^n<-, 4.. Die Anstalten von Tauroh Awaudo und Geniiilus Ghasodim,; die" 'nach sr dferi Forschriften des[e\r$£eh Tfiorärebhte;s^ geregelt wierden müssen, sollen, ■g^ir^di.;.yönVu jenen ] Organisationen, di e..; sich; nicht., der, .u^'e^ng't^t^QUyeiMtäi der Thorax unterwerfen^ , KEREN HATORAH steht im Dienste unserer "Jugend! Talmud Tora-Schulen - für unsere Jugend! Religionsunterricht in lehrerlosen Gemeinden - für unsere Jugend! Keren Hatorah-Heime - für unsere Jugend! \ Subventionierung des Jeschiwa-Besuches - für unsere Jugend! Landesdirektorium des Keren Hatorah, Hamburg, Postscheckkonto: Hamburg 24753 Historisches zur Erez Jisroel-Politik

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