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Der Israelit · 1937-10-01 · Heft 39 (1.10.1937) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 39 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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™^ -* Nr. 39 Israelit 1, Oktober 1937 In Heiligkeit und Reinheit, zu Freude und ewigem Lichte.. Zum 100. Todestag« Rabbi Akiba Egers ^"ST¬ IL Lichtwerke iür die Ewigkeit. Verlief die bisherige Wirksamkeit des jungen Rabbi Akiba in Heiligkeit und Reinheit und im Glänze wachsenden Familienglücks, so war Posen für ihn die Stätte der ewigen Werte, die vom mblV UN' dem Lichte der Ewigkeit umstrahlt, bleiben. Posen ward nach Berlin vom grellen Strahle der falschen Aufklärungssonne zu allererst getroffen. Es tobte hier der Kampf zwischen den Generationen, zwischen gestern und heute. Rabbi Akiba ging der Ruf eines treuen Hüters der Tradition, eines unversöhnlichen Kämpfers voraus. Die Neuerer hatten allen Grund, die starke Hand dieses körperlich so schwachen Rabbi zu fürchten und mobilisierten alle Kräfte gegen ihn. Und als sie ihr Spiel verloren geben mußten, versuchten sie es mit' allerlei Bestimmungen, einem neuen Gememdestatut, seine „bigottische Art" zu zähmen. An Rabbi Akiba mußten sie aber erkennen, daß sich mit dem aus fremden Kulturen erborgten Spielzeug ge gen diese feste Burg nichts ausrichten ließ, Sie zogen sich nach und nach in ihr Versteck zurück, und ihrer welche fanden es sogar für ratsam, teils geschlagen, teils aufrichtig überzeugt, dem Rabbi die Hand zu bieten. Das Rabbihaus war bald Mittelpunkt des ganzen Gemeindelebens, das damals, wie kaum in einer anderen Gemeinde der Welt, frisch und kräftig pulsierte. Hier wurde der Streit der Parteien geschlichtet, hier wurden auch alle Gemeindeanliegen geordnet, hier in Beratungen Gefahren von Einzelnen und jüdischen Gesamtwesen abgewendet. Zu Bergen häuften sich die Briefe und Anfragen von auswärts, auch vom Auslande, im Hause des Posener Oberrabbiners. Dabei fand der schwache Mann noch Zeit und Muße, an seinen großen Werken zu arbeiten, seine Randbemerkungen ü"Wn fast zum kompletten Talmud, seine unter X"p5n JTDWr) bekannten Responsen, die in ihrer Kürze ein Bild der Zeit in all ihren Nöten und Bewegungen wiederspiegeln, seine Zusätze zur Mischna, die sich jmjwnn bv irpyn mSDW nennen, die in ihrer prägnanten Kürze an die Bemerkungen des Wilnaer Gäon erinnernden nirßn u. v. m. zu beenden. Man wundert sich nicht über die gewaltige geistige Produktion, wenn man das Tagespensum des Posener Oberrabbiners kennt. Die vierte Morgenstunde, Sommer wie Winter, findet ihn schon beim Mischnastudiüm. Nach dem Frühg'ttesdienst hält er vor Baale Batim einen populären Lehrvortrag aus Talmud und benutzt gleich die Gelegenheit, die daran beteiligten Notabeln für die laufenden Wohlfahrtszwecke in Anspruch zu nehmen. Nach einem kurzen Frühstück eilt er wieder zur Gemoroh und von dort zu. dem tiefen Lehrvortrag in der Jeschiwa, der bis 12 Uhr mittags dauert. Die Frucht der Je- SChiwa-Diskussionen, bei denen er die Richtung gibt und die er vor jedem Abschwenken ins Uferlose und Unsachliche bewahrt, ist in den genannten Werken niedergeigt. Nach dem frugalen Mittagsmahl liest Rabbi Akiba die eingelaufene Korrespondenz, mit dem Bleistift in der Hand, um gleich die Antwort zu notieren. Einige Mittagsstunden wirkt er als Vorsitzender des Bes-Din, vorher und nachher und zwischendurch Studium, nichts wie Studium, . entweder allein, oder mit auserlesenen Schülern. Ein populärer Lehrvortrag, der immer größeren Besuch findet, füllt die Zeit zwischen Mincha und Maariw aus. Erst in später Abendstunde kann , er a,n den Schreibtisch, um die halachischen- und Gemeindefragen nach den gemachten Notizen zu beantworten. Große Predigten hält er nur vier- oder fünfmal im Jahre. Alles Tun ist bei ihm Lernen, alles Lernen ist Tun. Bei den Gerichtssitzungen sind ihm alle Koryphäen der früheren Zeiten, alle Klassiker der Halacha, fast leiblich zugegen. Beim Lernen sieht er jeden behandelten Fall als1 konkrete Angelegenheit. Es gibt keine - grauen Theorien, alles ist im Rabbinerhaus Leben und lebenschaffende Arbeit. Die mehr als tausend Jünger, die durch das Lehrhaus des Posener Oberrabbiners gegangen sind, wirken in gleicher Art und drücken dem jüdi sehen Leben in den Posener Landen und weit darüber hinaus für ein Jahrhundert den Eger'- schen Stempel auf. Und diese Jünger stellten auch die beste Schutztruppe für das alte Gesetz, das in den folgenden Jahren immer größeren Gefahren ausgesetzt wurde. Berlin, dem Schauplatz für die Reformexperimente Jacobsons und Kassels, folgt 1817 Hamburg mit dem Reformtempel und mit dem dreijährigen Zyklus der Thoravorlesung. Der Apostel der Reform Lieberm a n n streut Saaten aus, die auch später, nach dem Liebermann durch seinen Uebertritt zum Christentum gezeigt hatte, wohin; sein Weg führte, ihr Gift nicht verlieren. Der Arader Reformrabbiner Aron C h o r i n , von den Rabbinern nach den Anfangsbuchstaben seines Namens A c h e r TTlS genannt, hört nicht auf, die gesetzestreuen Führer herauszufordern. Damals entstand das bedeutsame Gutachten Rabbi Akiba Egers gegen die Orgel, die Abschaffung des hebräischen Gebetes, die Ausschaltung von Zion und Jerusalem aus den Gebeten, das an der Spitze der bekannten Gutachtensammlung heute noch für uns die beste Waffe im Kampfe gegen die Verfälschung des G'ttesdienstes bietet. Daß dabei Rabbi Akiba auch dem neuen Geiste Rechnung trug, eigentlich nur den Ungeist bekämpfte, aber dem wahren Geist diente, beweisen seine* Anordnungen im jüdischen Schulwesen, die sich' den staatlichen Anforderungen anpaßten. In dem gesetzestreuen modernen Prediger, den er erkoren hatte, Rabbi Salomon Pleßner, fand er einen wertvollen und wirksamen Mitarbeiter. Vor allem aber bewährte er sich im Wohlfahrtsleben ais ein Mann, der der Welt und dem Leben durchaus zugekehrt war. Es gab damals Arbeit, es gab Not in Posen und Umgebung zu lindern, und Rabbi Akiba war immer aneifernd und mit hinreißend in der vordersten Reihe. 1831 wütete die Cholera in Posen. Unter den Juden fordert die unselige Krankheit die wenigsten Opfer. Im Mittelalter hätte das einen Grund zur Judenverfolgung abgegeben. Im aufgeklärten Preußen des Friedrich Wilhelm III. kommt man aber auf den wahren Grund dieser Erscheinung. Es sind die vom Rabbinate getroffenen Anordnungen, die von der Gemeinde wie Thoragesetze beachtet werden, die der Seuche Halt gebieten, Und der Rabbi bekommt vom Kgl. Kabinett ein Verdienstorden, der ihm unter Worten höchster Anerkennung überreicht wird. Seine Anordnungen werden der gesamten Bevölkerung als Muster und Vorbild dahingestellt. Ein Denkmal des wohltätigen Wirkens RabV: Akibas in Posen ist das neue Bes Hamiti.. rasch und das neue Krankenhaus,' ff:- welche Zwecke ein Posener Philanthrop, Sakmon Benjamin Latz, auf Einwirkung des Rabbi ein größeres Legat bestimmt hatte. Die Verwaltung dieses Testamentes brachte dem Rabbi noch zuletzt einige Enttäuschungen und Kränkungen ein. Nicht minder verdüsterte seine letzten Lebensjahre der bekannte Slawiter . Talmud druck er streit. Rabbi Akiba hatie den Wilnaer Talmuddruckereien, die mit so viel Liebe und Aufwand zur Verbreitung der Lehre beitrugen, die Konzession /für 15 Jahre erteilt, indem er alle Konkurrenz mit einem religiösen Verbot ausschaltete. Daran fühlten sich die Slawiter Buchdrucker nicht gebunden und verbreiteten das falsche Gerücht, Rabbi Akiba hätte seine Verfügung zurückgezogen. Man scheute sich auch nicht vor der Ausstreuung, Rabbi Akiba hätte zugunsten seines Sohnes Schlomo, der angeblich Nutzen aus dem Wilnaer Monopol zog, entschieden. Daß die Slawiter Druckerfamilie ein so tragisches Ende nahm (es wurde den Brüdern ein böser Prozeß angehängt, der* mit Tod und Sibirien endete), muß nicht in direktem Zusammenhange damit stehen, machte aber damals auf die jüdische Welt gewaltigen Eindruck. Die letzte und größte. Ehrung seines Lebens wurde dem Rabbi in Warschau zuteil, als er zur Hochzeit seines Sohnes Samuel dort ankam; wahrhaft königliche Ehren mit Fahnen und Illuminationen wurden ihm entgegengebracht. Zahllose Streitanliegen, die seit Jahren anhängig waren, wurden dort unter Anwesenheit und Mitwirkung des hohen Gastes geschlichtet. Die Ueberlieferungen und Anekdoten aus dieser Zeit, die das große Herz wie den großen Geist und die ragende Autorität Rabbi Akibas festhalten wollen, sind Legion und sollen zum Teile anderem Zusammenhange erzählt werden. Zeigen doch diese teilweise wilden Ränkenblumen mehr als die historisch verbürgten Tatsachen, welchen leuchtenden Ruhmeskranz die Volksliebe um das Haupt dieses großen Führers gewunden hat. Am Rosch Haschana 1837 müßte der 76jährige Rabbi schon im Bette liegend die Schofartöne hören. Er war bereits so schwäch, daß die Lippen nur noch ein schwaches Amen auf die Segenssprüche lispeln konnten.. Ani Kol Nidre- Abend fiel der milde Schein der Jörn Kippurze auf das verklärte Antlitz des Kranken, der, in seine Sterbekleider gehüllt, das Ende in Heiligkeit und Reinheit abwartete. Die Lippen bewegten sich den ganzen Versöhnungstag noch im leisen Gebete. Drei Tage später, am 13. Tischri, — die „vier Arten" standen bereits im Zimmer wie die reife Frucht der ernsten Tage —, hörte das große Herz zu schlagen auf/ Und es ging die Trauerbotschaft in die jüdische Welt hinaus: „Rabbi Akiba ging in Heiligkeit und Reinheit zur Freude und zum ewigen Lichte hinüber." dVw nxi nna«rt> rtnnoi nmpi Eine neue Palästinakommission? Edens Vorschlag an den Völkerbund. Der englische Außenminister Eden hat in der Erklärung, die er am Dienstag Nachmittag vor dem Völkerbundsrat abgab, die Einsetzung einer neuen Kommission durch die Britische Regierung vorgeschlagen, die nach Palästina gehen und mit Juden und Arabern über einen annehmbaren Plan zur Teilung Palästinas verhandeln soll. Eden zeichnete in seiner Erklärung die historischen Hintergründe der Palästinafrage, und führte aus: Dies ist , ein Problem, das nicht nur die Araber und die Juden, sondern den gesamten Völkerbund angeht. Die Mandatarmacht kann ohne Ermächtigung des Völkerbundes keine Schrr.;? zur Abänderung des Mandatsregimes unternehmen. Selbstverständlich kann die Britische Regierung nicht die Ausarbeitung von EinzelheiUn eines Teilungsplanes, wie er von der Kgl. Kommission vorgeschlagen wurde, vornehmen, we. n sie nicht die Sicherheit besitzt^ daß der Volk •'* bundsrat im allgemeinen seine Zustimmung äv n gibt, daß diese Aufgäbe in Angriff genomny-;' wird. Um diese allgemeine .Zustimmung bitte :' - heute. ■ .., Die Regierung Sr. Majestät ist, wie der Vo|- kerbundsfat 'bemerken Wird, so führ Eden fo ■ an keinen einzelnen Punkt und an keinen be-

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