Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1937)
- Date
- 1937-12-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 70 wer es singt, muß glücklich sein, (wenn die erste Strophe verklungen) Es kündet das Lied, daß aus Not und Leid der Herr stets hat sein Volk befreit. Den Vätern im Aegypterland hat er den Retter einst gesandt. Und als der Haman sie bedrängt, wurd' er am Galgen aufgehängt. Stets hätten G'tt sie danken müssen, doch wollten sie von ihm nichts wissen. Einst hatte Israel, wie oft es schon getan, seinen G'tt verlassen in eitlem Wahn. Dem Griecheng'tt, der ohne Macht, hat es dann Opfer dargebracht. Nicht hielt es mehr der Thora heiliges Gebot, drum bracht' es G'tt in Drangsal und in Not. Geschändet ward durch Griechen der Altar, nur bringen durfte man dem Zeus die Opfer dar. Da rief Mathatias, ein Priester aus Modin: „Wohlan, nun lasset uns für G'tt zum Kampf auszieh'n." Doch könnt' er brechen nicht der Griechen Uebermacht, die tapferen Söhne sein, sie haben es vollbracht. Solang es Menschen gibt auf dieser Erdenwelt, wird man erzählen sich von Judas großem Held. Für Vaterland und Freiheit, für Israels höchstes Gut. zog in den großen Kampf die Schar mit Löwenmut. Seit jener Stund', da man den Feind zu Boden streckt, muß wandern ich nun immer, wenn Schnee die Erde deckt. Ob gottlos sind die Menschen, ob herrschet Frömmigkeit, ich muß mein Volk erinnern an jene große Zeit, Ich sah mein Volk in Zeiten, da es so glücklich war, und sah es überfallen von einer Mörderschar. Es brachte Leid das Dunkel und Leid das Sonnenlicht. Doch hielt es fest am Glauben, stand fest und wankte nicht, (erregt) (der Schammes tritt leise ein) Doch heut' in meinem Volke der G'ttesglaube wankt, auch da, wo an den Pfosten noch die Mesusso prangt. Die Tora, die uns einst am Sinai ward gegeben, nicht finden wir sie dort, wo heute Juden leben. Was einst uns ist gewesen ein heilig teures Gut, „Verrostet und veraltet!" ein Tor, der's halten tut! (stützt das Haupt in die Hand) Schammes j Was soll der Jammer, soll das Klagen, jetzt da ich die Freud' in die Häuser getragen? Würdest du seh'n, wie alle sich freu'n, du würdest wahrlich nicht traurig sein. C h an ukka: Ich weiß, du bist von leichtem Sinn, lebst fröhlich in den Tag dahin, , ■ . Doch sieh', es kommt ein Mann daher, geh', frag', ob aus der Stadt er war'. Schammes: , Wohin des Wegs, mein lieber Freund? Du hast es eilig, wie mir's scheint, Brüderschaft: In unserm schönen Bruderverein möcht' ich nicht der letzte sein. ' Will dort hören von Israels Hort, will dort hören der Tora Wort, will dort hören vom Chanukalicht, und was zu tun ist meine Pflicht. Hab' Dank, mein Freund, für die herrliche Kunde, das war mir wie Balsam auf schmerzender Wunde. Doch sage mir, .getreu und wahr, warum ihr euch nennt die „Brüderschar". Brüderschaft: Weil wir den Kranken, der leidet schwer, pflegen, als ob er ein Bruder uns war'. Weil wir dem Bruder, wie G'tt es gebot, beistehen wollen in Krankheit und Not. Chanukka: Hab' nochmals Dank, mein lieber Gesell, das klang wie himmlische Zympeln hell. Fürwahr dein Tun verrät edlen Sinn, von Herzen ich dir dankbar bin. Noch eine Bitte: sage mir: „Wie steht es mit der Jugend hier?" Jugend b u n d: (tritt ein) Das tue ich sogleich dir kund, bin Mitglied von dem Jugendbund. — Einst standen die Väter — wie dir bekannt — am Berge G'ttes — im Wüstenland — dort sollten der Gebote zehn empfangen sie aus Himmelshöh'n, Doch wollte der Schöpfer aus der Väter Hand für's teure Gesetz ein teures Pfand. Es sprachen die Väter in Bangen und Beben, „Wir wollen als Pfand unsere Kinder dir geben. Drum, wo auch die Väter sind lässig und neu, muß halten die Jugend unserem G'tte die Treii. Drum schuf auch die Jugend hier unseren Bund. Was hehr ist und heilig, hier wird es uns kund. Wir wollen da hören, wie die Väter gelitten, und wie sie für ihren Glauben gestritten, den Großen zu folgen auf ihrer Spur und lernen auch jüdische Literatur, Und nimmer uns schämen, daß wir aus jüdischem Blute und stolz es ausrufen: „Ich bin ein Jude". , Chanukka: Du hast mir eingehaucht ein neues frisches Leben, laß' einen Kuß dir auf die Stirne geben. - So lange die Jugend so denket und spricht, wird nimmer erlöschen das G'tteslicht, S c ha m m e s : Wie danke ich G'tt, wie bin ich so froh,