Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1937)
- Date
- 1937-12-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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fHm= II Hill— üüLHJLfc— -Hl °J°I oll °—o 1 olololl I— =DBIS -HIIHIIH -HIIHI Erziehung' und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Orgfan des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands n^rc=grair ]|öJ^jo][o=o][ö][ö|o![ Die Träume. Pentatetichunterricht und Bibelexegese im Geiste unserer großen Meforschim. Dargestellt von Hauptlehrer Adler in Nürnberg. Vorbemerkung. Es ist meines Erachtens eine unfruchtbare Arbeit, weiterhin noch ein Langes und Breites darüber schreiben zu wollen, nach welcher Methode man die Kinder Tauroh lehren kann und soll, Lernt denn irgendwann und irgendwo ein Kind in den ersten Jahren seines Lebens seine Muttersprache nach einer Methode? Sein Ohr ist das einzige Organ, das die Worte auffängt, Sein Mund spricht sie nach und sein Gedächtnis bewahrt sie mit Treue auf. Auf diese selbstverständliche Art lernt das Kind die Regungen seines Geistes klar auszudrücken, seine Seele erwacht, sie wird geformt und veredelt, wenn auch seine Ausdrucksweise seinem Denken noch hie und da nachhinkt. Könnte die Aneignung der Sprache der Väter, wie ich unser Hebräisch nennen will, nicht auf demselben Wege möglich sein? Zum Beispiel durch einen i n - t e n s i v e n Pentateuchunterricht? Ich betrachte es als Hauptaufgabe unseres Religionsunterrichis, daß er den Geist, die Gedanken des Posuks entwickelt, damit Taurohgeist und T a u r o h - wissen der von uns herangebildeten Generation in allen Phasen ihres Lebens Stab und Stütze werden und die Klage des Psalmisten verstummt: Sie wissen nichts und sie verstehen nichts und müssen darum im Dunkel wandeln. In diesem Sinne möchte ich das Haftauro-Wort variieren: Nicht durch Methodik und nicht mit Iwrith, sondern mit meinem Geiste, spricht der Herr Zebaoth. — Also! Pharao sieht im Traume eine herrliche Flußlandschaft am Nil. Dem Flusse entsteigen zunächst die sieben fetten Kühe, die im Grase des Ufers weiden. Sie werden von den nachfolgenden sieben mageren Kühen verschlungen, als wären sie nur reine Nebelgestalten; denn man merkt es den dürren Kühen nicht an, daß diese die fetten verschlungen haben. Von diesem Traume erwachte Pharao, der bald wieder einschlief, um von sieben vollen, guten Aehren an einem Halme zu träumen, die in kurzer Zeit von sieben versengten, leeren Aehren verzehrt wurden. Am Morgen hämmern die Pulse in seinen Schläfen. Die Traumdeuter beziehen die Kühe und Aehren auf sieben Länder, die der König gewinnen und verlieren wird oder auf sieben Töchter, die ihm geboren werden und sterben müssen. Die Beziehung zwischen Kühen und Aehren wird von den ägyptischen Weisen nicht gefunden. Ein Geist von G'ttes Gnaden, wie Josef, stellt die Verbindung zvri- 'sehen Kuh und Aehre im Traumleben Pharaos her. Die Kühe bedeuten das Pflügen (w>in) und die Aehren die Ernte <-vspl *) Den König hat G'tt mit diesem Traume die Zukunft schauen lassen. Pflügt ein König oder bindet er in heißer Sommerzeit Garben, daß sich diese Feldarbeiten in seinen Träumen spiegeln? Im Traume spricht G'tt durch Bilder mit ihm. War es ein guter oder böser Traum? Alles hört Josefs Geist aus Pharaos Erzählung heraus, sogar das Tempo der kommenden Ereignisse. Wie wunderbar fein die Fruchtbarkeit in den sieben Aehren an eine» Halme angedeutet wird! Bei den schlechten Aehren heißt es nicht, daß sie. an einem Halme wuchsen. Wozu' denn auch? Die schlechten Aehren wuchsen ganz anders. Etwas von der Persönlichkeit des Josef! Niemand konnte die Träume so richtig deuten wie er. Wir kennen ihn ja schon lange als den m»bnn byn nicht zu übersetzen mit „Träumer", sondern als den „Meister der Träume". Auch er träumte einmal von Aehren, die in Garben gebunden auf dem Felde lagen. Seine Garbe stand, aber auf wie eine Königin, stolz und gerade, während die Garben seiner Brüder einen Kreis bildeten und sich vor seiner Garbe bücktenf „Du wirst kein König über uns werden, wenn du glaubst, du könntest über uns herrschen." In dieser Weise, rasch fertig mit dem Woi*i, deuteten die Brüder seinen Traum. Als er später noch von den 11 Sternen, dem Mond und der Sonne träumte, die in seinem Traume vor ihm sich *) Im Kap. 45, 6 spricht Josef davon, daß noch fünf Jahre Hungersnot sein wird, wo weder Pflügen, noch Ernten ist. Kann man mit dürren Kühen pflügen oder wird man leere Aehren ernten? verneigten, da kam der Haß lawinenartig ins Rollen. Wie? sprachen die Brüder, vor einem Menschen sollen sich die Himmelsgestirne bükken? „Nur vor G'tt allein, der den Himmel und die Himmel der Himmel mit ihren Heeren, die Erde und alles, was darauf, die Meere und alles, was darinnen ist, geschaffen hat und alles belebt, vor' dem nur beugt sich das Heer des Himmels." (">nni .nnro ri>sn» Josef kannte die Bedeutung seiner Träume selbst nicht. Sein Vater schalt ihn in Gegenwart der Brüder, Hatte Jakob nicht auch einmal etwas Seltsames geträumt? Von der Leiter, die auf der Erde s-tand und deren Sprossen bis zum Himmel emporfiihrten, an denen beflügelte, g'ttliche Wesen auf- und niederstiegen? Jakob „hütete" diesen zweiten Traum Josefs. Kann man überhaupt einen Traum nur so erfinden? Als die Brüder nach 20 Jahren aber mit leeren Getreidesäcken vor ihm erschienen, um Brot und Futtergerste bei ihm zu holen, da schoß ihm blitzartig die Deutung seiner Träume durch den Sinn, die er „für sie geträumt hatte." Seine Träume bezogen sich nicht auf die Vergangenheit, sie waren eine Zukunftsverheißung. Von seiner Garbe wurden sie spater ernährt und belebt; vor ihm mußten sich die Sterne, auch die Sonne der Familie, der greise Vater, verneigen bis zur Erde. Der Lehrer des Pentateuchs hat in der Schule keinen Kindergarten mehr vor sich, in dem man allerdings noch märchenhaft erzählen dürfte. In der Schule, in der kurz bemessenen Religionsstunde, heißt die Parole: Gib Geist von deinem Geiste, den du an den Schätzen der Meforschim getränkt und gespeist hast, auf das Haupt unserer Jugend, Glanz von deinem Glänze, denn dafür bist du geschaffen und dazu bist du bestellt! Etwas von der methodischen Behandlung eines Unterrichtsgegenstande«; wollen wir auch im Pentateuch anwenden. Ein geschichtlicher Text, auf den ein gewissenhafter Religionslehrer zunächst sich selbst gründlichst vorzubereiten hat, muß zum mindesten wie ein Lesestück durchgenommen werden. Schwere Wörter werden erklärt, an bekannte Formen wird erinnert, Zusammenstellungen werden gemacht und aufgezeichnet und dann kommt die Vertiefung, wie ich sie eben gezeigt habe. Der Religionsunterricht darf nicht an der Oberfläche stehen bleiben. Die dargebotene Tauroh wachse aus einem Goldkern, getrieben und in allen Teilen organisch verbunden, vom Fuße bis zur Blüte wie die Menora des Heiligtums empor. •!<in nisas DE>n *>a wsa iwprp mini njn rmw> ]n tqw Die Geschichte von den Oelkrüglein. I. „Das Geschenk zog vor ihm her, während er in ,.jener Nacht" im Lager übernachtete." ivb n^ina) Nach dem Sohar war es die Jomkippurnacht, wo Jakob aufblieb. Mitten im Jabok auf seinen marmorsäulenartigen Beinen wie eine Brücke auf ihren Pfeilern stehend, setzte er die Seinen und das Seine vom diesseitigen Ufer an das jenseitige. Nur noch einige unbedeutende Oelkrüglein, von denen er sich nicht trennen konnte, weil er sie im Schweiße seines Angesichtes erworben hatte, wollte er hinübertragen. „Jakob war einsam und allein, da rang jemand mit ihm, so gewaltig, daß der Staub bis zum Himmel emporwirbelte." Ein riesengroßer Hirte, gehüllt in einen weiten Mantel, stand in einsamer Nacht plötzlich vor ihm und sprach: „Warum hast du deine Herden als Geschenk förtgesandt, ohne davon den Zehnten zu geben, den du doppelt versprochen hast? Mit elf Söhnen wurdest du begnadet, aber nicht einen von ihnen hast du als Priester geweiht." — Sofort bestimmte Jakob vier Söhne als Erstgeborene und Levi als Zehnten zum Priester. (T, Jonathan ben Usiel.) Die fremde Gestalt glaubte genug Angriffspunkte im Leben des Erzvaters entdeckt zu haben und packte ihn mit überirdischer Kraft an den Lenden. Der Ringkampf zwischen dem Engel und Jakob wogte hin und her, bis die Sterne erloschen uüd die Morgenröte leuchtete. War Jakob nicht von seinem Schutzengel begleitet, weil die Schrift erzählt: Jakob blieb ganz allein? Wer mitten in der Nacht einsam und allein auf gefährlichen Wegen wandelt, den begleiten die Engel nicht. War es nicht kleinlieh und engherzig von Jakob, daß er wegen ein paar Oelkrüglein sein Leben freventlich wagte? (Problemstellung!) Tausende von Werten: Herden, Gold und Edelsteine hatte er seinem Bruder als königliches Geschenk entgegengesandt, um dessen Versöhnung mit sich herbeizuführen und dann bückt er sich „mitten im Flusse stehend ans Ufer wegen — geringer Oelkrüglein; um ihren Besitz kämpft er mit Riesenkräften gegen eine himmlische Gestalt und Gewalt. Sein G'tt, der wie ein Wächter über ihm stand, hielt sein Wort: stets bei ihm zu sein und der Sieg, der Preis der Oelkrüglein, fiel auf Jakobs Seite. In Jakobs Armen der Engel weint und fleht: ■rib^b iV Vav>i bxb w Vs->wi Der himmlische Genius segnet noch den Sieger. Vorausschauend wollte der prophetische Erzvater seinen Enkeln ein leuchtendes Beispiel an Heldenmut und Heldenkraft geben. Der Besitz von Millionenwerten und Milliardenschätzen bedeutete ihm nichts, er verschenkte seinen Reichtum und besaß doch noch alles, Sa ^b w>> er besaß die geistigen und körperlichen Kräfte, um alles von neuem zu erwerben. Aber wegen der Oelkrüglein, für die Sinnbilder der Reinheit, der geistigen Krait, für mm iir. dafür wagt er sein Höchstes, sein Leben, darum kämpft er in „jener Nacht", daß das G'tteslicht im Kreise seiner Kinderschar nimmermehr erlösche auf ewige Zeit. Und wenn jemals eins flackernd erlischt, dann strahlt dafür ein anderes neu empor. (Das verstehen auch Kinder!) naV sba mV '»19p naV apy mvi ..Jakob blieb allein übrig." Lies nicht „allein", sondern vertausche das Bes mit einem Chaf und dann hast du den Grund für sein Alleinsein gefunden: Jakob blieb allen Gefahren trotzend bei seinem ..Krüglein". Der Jahrtausende überschauende Erzvater erblickte in seinem prophetischen Geiste „das Wunder vom Oelkrüglein" in der Hasmonäerzeit, wo das Licht der Thora zu erlöschen drohte. Sein Heldenbeispiel entzündete den Makkabäermut und führte dadurch das Chanuckawunder hefbei in jenen Tagen um diese Zeit, (int? pt« QV2 vtnxb) II. (Melochim II, 4.) „Die Frau des früh verstorbenen, sehr g'ttesfürchtigen Hausmeisters von Achab, namens Obadja, bat Elisa, den Propheten, um Beistand und Hilfe. Der Zinsherr König Joram war gekommen, um sein Wuchergeld zu holen, das er Obadja zum Ansehaffen von Speisen und Getränken für die vor Isebel in Höhlen versteckten Prophetenschüler geliehen hatte. Die Witfrau besaß keinen Pfennig im Hause, weshalb ihre beiden Söhne als Schuldknechte dem Könige dienen sollten. „Hast du gar nichts im Hause?" fragte der Prophet. Sie antwortete: „Nichts, außer einem bißchen Oel." Er sprach: „Gehe hin, erbitte dir Krüge von draußen, von allen deinen Nachbarinnen, leere, auch zersprungene Krüge und deren nicht zu wenig. Dann gehe heim und schließe die Tür hinter dir zu und hinter deinen Kindern und gieße Oel in alle diese Krüge, und die vollen stelle beiseite!" Sie ging weg von ihm und verschloß die Türe hinter sich und ihren Söhnen; sie reichten ihr die Krüge hin und sie goß ein. Und als die Krüge voll waren, sprach sie zu ihrem Sohne: „Füge auch die Scherben der zersprungenen Krüge zusammen!" Da verbanden sich die Scherben zu ganzen Krügen wie von einem Gusse, die auch noch gefüllt werden konnten. „Bringe mir noch einen Krug her!" sprach sie zu ihrem Sohne. Dieser antwortete: „Es ist gar keiner mehr da." Da hörte der Oelquell auf zu fließen. Sie ging hin und berichtete es dem G'ttesmann. Er sprach: „Warte es nicht ab, ob der Preis des Oeles noch höher steigt! Verkaufe das Oel in den Krügen und dein Erlös wird hinreichend sein, um deine Schulden zu bezahlen. Du selbst aber samt deinen Kindern kannst von dem Uebrigbleibenden leben, bis die . Toten erwachen," In dieser Erzählform ist die Erklärung enthalten. Durch den Propheten Elisa wurde auch ein Wunder mit den Oelkrüglein bewirkt. Dieses Wunder kann uns Lehrern als ein lebenvolles Sinnbild dienen. Ich wage es, ihm folgende Deutung zu geben: Das Oel deutet die Kenntnisse, das Wissen, an, das wir in die noch geistig leeren Schulkinder gießen, die aufnahmebereit, aufgeschlossen uns zugeführt werden. Sie kommen von der Straße, aus guter Kinderstube, aus dem Kindergarten und sollen lernen, was ihnen im Leben nützt und frommt. Wenn ihre