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Der Israelit · 1937-12-02 · Heft 48 (2.12.1937) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 48 (2.12.1937)
Date
1937-12-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 48 D e r Isr ae 1 i t 2. Dezember 1937 wir eine Kundgebung durch den Druck veröffentlichen und ihr dadurch eine größere Bedeutung beizumessen scheinen. Wir möchten diese Behauptung durch ein Beispiel belegen. a . ' „Unser Sohn Peter ist angekommen." Namen der Eltern, Ort. So kurz diese Notiz auch ist, — der Raum, der ihr gewidmet ist, könnte allerdings für manche diplomatische Note ausreichen, — so regt sie doch den denkenden Leser zu manchen Fragen an. „Unser Sohn Peter ist angekommen." Ja, wo war er denn bisher? War er auf Reisen? Wohl in weiter Ferne? Die Ankunft setzt doch eine Abreise und sogar eine beabsichtigte, vielen bekannte Abreise voraus. Wenn es sich um „unseren Sohn Peter" handelt, so muß uns und unseren Freunden der Reisende mindestens vorher bekannt gewesen sein und seine Absicht, uns zu besuchen. Man erwartete also gerade diesen Peter. Wer hat ihn so benannt, wer ihn als Peter vorgestellt, und wann ist das geschehen? Und gerade Peter? Hat vielleicht sein Großvater z. B. Peter Bergen geheißen? In diesem Falle ließe sieh denken, „daß die Freunde, denen, das Bild des Großvaters, seine rühmlichen Eigenschaften und Leistungen noch gegenwärtig sind, die Freude und das Glück der Eltern des Neugeborenen, ihre Hoffnung, daß dieser dem Verstorbenen nachfahren werde, dadurch bekräftigen sollen, daß sie ihren Glückwunsch und ihren Trost in die Worte kleiden; Peter Bergen lebt wieder, ist wieder unter uns." Was aber würde wirklieh der Großvater zu diesem Peter gesagt haben? Und weiter: Die Geburt interessiert die nächst« Verwandten, die an dem glücklichen Ereignis, an der Nachricht von dem gesundheitlichen Wohlbefinden von Mutter und Sohn Anteil nehmen. Von wieviel Personen aber setzen die Eltern voraus, daß sie besonderes Interesse daran nehmen, daß dieses Kind gerade Peter heißt? Dieses wahrscheinlich mit dem modernen Storchenflugzeug gerade erst angekommene Söhnchen? Aber; „Die Lehmanns, die Müllers, die Hasens und viele andere haben das doch gerade so gemacht?" Hm, hm. — Alter schützt vor Torheit nicht, und — gedankenloses Nachmachen ist Torheit. Die „Britischen Israeliten" gegen die Teilung Palästinas, Der Weltverband „British Israel", der einige tausend Mitglieder zählt und die Ansicht vertritt, daß. die Engländer Nachfahren der verlorenen zehn Stämme sind, hat soeben eine Broschüre „Die Souveränität Palästinas" veröffentlicht, in der entschieden gegen die Teilung Palästinas Stellung genommen und die Forderung nach Umwandlung Palästinas in eine Kronkolonie erhoben wird. Der britische Thron sei die moderne Fortsetzung des Thrones Davids. Als Eckstein des Friedens im Nahen Osten solle Paläs- tina „das leuchtendste Diadem in der britischen Krone" werden. Die „Britischen Israeliten" wählen biblische Bezeichnungen für die modernen Staaten: England ist für sie Ephraim, die Vereinigten Staaten sind Manasse, die englischen Dominiens bezeichnen sie als die „jungen Löwen", Sowjet-Rußland ist für sie Gog usw. Die Juden halten sie für die Nachfahren des alten Judas und gestehen ihnen einen Anteil an ihrem nationalen Erbe in Palästina nur für den Fall zu, daß sie sich mit dem „wahren Volk Israel", den Engländern, vereinigen. Aus der Agudas Jis^oel-Bewegung. Jüdische Familienreinheit, Vortrag, gehalten auf dem 1. Weltfrauenkongreß der Histadruth Olamith N'schei Uwenoth Agudath Israel (Agudistische Frauenorganisation) in Marienbad am 14. Ellul 5697 von Ele Schmuelowitz, Kowno (Lit.). (Fortsetzung.) Wenn nun im zweiten Teil des Vortrages von der Theorie zur Praxis der Weg gefunden werden soll, so müssen wir die Mittel aufzeigen, mit denen man die jüdische Familienreinheit nna«?nn mno wieder neu begründen kann. Es sind dies: 1. Religiöse Heirat. — 2. Scheitel. — 3. Heiratsvermittlung . /nVs nossn) — 4, Schriftliche Pfopaganda. — 5. Mündliche Propaganda. — 6. Die Verbreitung der Kenntnis der Vorschriften von nnstPBii mntt. Religiöse Heirat. Das war einst eine selbstverständliche Notwendigkeit, heute ist es eine Seltenheit. Hätte ehemals ein religiöser Jude es gewagt, ein nicht-religiöses Mädchen zu heiraten, so wäre seine jüdische Gesinnung in Zweifel gezogen worden. Heutzutage ist es eine ganz gewöhnliche Erscheinung. Religiöse Männer, rrvm »33 Thorabeflissene, Agudisten (sogar extreme) und Orthodoxe schlechthin, sie heiraten ungestört freidenkerische junge Mädchen, Mädchen, welche sich über Religiosität lustig machen. Keiner aber verurteilt solche Handlungsweise.' Man sucht noch nach Entschuldigungsgründen: „Die Zeit ist nun einmal so!" Um zu begreifen, was es mit solchem Gerede auf sich hai mag man einen Blick auf die Vaa /^V?' auf jene Zeit, da Esra von Babel heraufzog, werfen, um seinen Brüdern zu helfen, die frühere geistige Höhe zu erreichen. Da war seine erste Forderung! sich von den fremden Frauen zu trennen. Wohl handelte es sich damals um fremdstämmige, nicht jüdische Frauen. Wie weit ist es aber von fremdem Geiste zu volksfremdem Geist? Haben wir heute nicht einen „Nationalismus" vor uns, der auf rr">a» mno aufgebaut, dennoch durch und durch Assimilation bedeutet? Sehen wir denn nicht, wie ein jüdisches Land neu erstellt wird, das in großen Teilen doch fern ist allem, was man „jüdisch" nennt? Hat denn der volksfremde Geist nicht einen Fremdgeist innerhalb des Judentums gezüchtet? Wehe dem Volk, das die große Gefahr übersieht, die in der Verwandtschaft dieser Geistesarten liegt! Drum wurde Esra nicht gerade freudig gestimmt, selbst als er an den bevorstehenden Bau des Tempels dachte, solange die jüdische Familie so darniederlag. Wozu einen Tempel erbauen? Das Enpnn rva kann nur dann Hilfe bringen, wenn die jüdische Familie ein Leben von mnttl n»vij? Heiligkeit und Reinheit gebt. Ist dem nicht so, wer soll dann gewürdigt werden, den Berg G'ttes hinanzusteigen und die Schwelle des Heiligtums zu betreten? Und um dessentwillen hat Esra geweint und getrauert und nicht geruht, bis die Wendung zum Guten kam. Auch in unserer Zeit verdienen scharfe Verurteilung die Männer, die ein jüdisches Familienleben beginnen wollen in einer Ehe mit nicht religiösen Frauen, wie auch (was viel seltener geschieht), die Frauen, die das Gleiche mit nichtreligiösen Männern beginnen wollen. Eine Heirat auf Grund dergleichen religiösen Anschauungen, auf Grund eines Judeseins, das nicht mechanischer Art, vielmehr voll Streben nach Vollkommenheit ist, geschlossen durch und durch, das muß das Gebot der Stunde sein! Nur so können wir einen Sieg im Kampf für die jüdische Familienreinheit erwarten. Nicht theoretische Vorträge, ja selbst nicht eine Kenessio Gedaulo, wie hoch sie auch von uns geschätzt werden mag. nicht dies und ähnliches kann eine Wendung zum besseret! bringen. Die Krankheit muß von ihrem Ursprung her geheilt werden. Und wir müssen ein für alle Mal begreifen, daß sie nicht außerhalb von der Familie, sondern gerade in ihr liegt. Und solange religiöse Männer nichtreligiöse Frauen heiraten werden, kann die Aenderung zum Guten nicht kommen. Das zweite Mittel zur Sicherung der Familienreinheit ist E>Ki "1D3 die Verhüllung des Haupthaares, kurz gesagt; der „Scheitel". Eigentlich erheischt, diese Frage einen besonderen Vortrag. Denn die Zerrüttung ist auf diesem Gebiet nicht weniger als auf dem Gebiet, welches das Eigentliche von -newnn mno ausmacht. Ganze Länder kann man durchstreifen, in denen ein Scheitel eine recht seltene Erscheinung ist. Auch hier kann man feststellen, daß der Mann im Prinzip geneigt ist — nicht so die Frau. Und um des lieben Friedens willen drückt man ein Auge zu. Was kann man tun — ,,es ist solch eine Zeif'i „keiner trägt einen Scheitel",' ,,zu allem bin ich bereit, nur zu einem Scheitel nicht!" Man sollte aber darauf hinweisen, und zwar offen, daß im Grunde auch dies „alles", zu dem man bereit ist, bei solcher Haltung fragwürdig wird. Wenn eine Frau es wagt, öffentlich (o'jn'i'J eine Bestimmung der Thora zu verletzen durch die Weigerung, einen Scheitel zu tragen, um wievielmehr vFsrn> dann wenn es sich um die nicht kontrollierbare Erfüllung der Gebote handelt. An dieser ganzen Frage mag der Osten viel vom Westen lernen. Westjuden sind von mehr geschlossener Art, das, was ihnen zu eigen ist, ist ihnen einverleibter, kompromißloser Besitz. Es mag im Osten viel Thora zu Hause sein, es fehlt aber Geschlossenheit der Gesinnung. Es ist wahrlich an der Zeit, zu begreifen, daß die Pflicht der Haarverhüllung ein unteilbares Etwas im Rahmen der die Familienreinheit unseres Volkes sichernden Bestimmungen ist. In der Erfüllung dieser Pflicht liegt Wegweisung für ,das Judesein der Frau, ohne sie ist. Tür und Tor den Irrungen geöffnet. Auch bezüglich des Scheitels bedürfen wir einer radikalen Aenderung. Die Frau muß diese Pflicht auf sich nehmen, nicht aus Angst vor dem Manne, auch nicht mechanisch wie auf „Bestellung". Nein! nnsrt». Um der Sache selbst willen muß es getan werden, als Ergebnis des gesamten religiösen Gedankenganges. Der Mann soll gar nicht viel von der Notwendigkeit eines Scheitels reden, die Frau allein aus jüdischer Bewußtheit heraus, weil G'tt es will und die Thora es gebietet, deswegen lege sie den Scheitel an. (Schluß folgt.) Agudas Jistoel-Ortsgruppe in Leipzig. Nach den Feiertagen wurde die Tätigkeit erneut aufgenommen. Herr Dr. Lipschütz gab in einem eigenen Vortragsabend ein zusammengefaßtes Bild von dem Verlauf der Kenessio, wobei er in bewußter Betonung der agudistischen Auffassung von Welt und Leben gerade die hinter den Tagungsinhalten stehenden großen Linien aufzeigte, die sich durch Reden und Kundgebungen hinzogen. Was die geistigen Führer unseres Geschlechts zu den Fragen der Zeit nicht von sich aus, wohl aber aus den unvergänglichen Quellen jüdischer Ueberlieferung zu sagen haben, das trat in zeitloser Prägung gleich einer Mahnung und einem Trost aus den Verkündungen jener sonst so stillen, nun, zu Rufern gewordenen Männer der Kenessio hervor, In einem weiteren Vortrag „die Blickrichtung der Gola nach Erez Israel" unternahm Herr Rabbiner Dr. Ochs eine Exkursion durch die Geschichte des. jüdischen Volkes, die in ihrer starken Bindung zu '>"x nichts anderes zu sein scheint wie eine .große Sehnsucht und Liebe zu dem Land, das unserem Stammvater Enn^aK „zwischen den Stücken" zugeschworen, von i^M rmbv im heißen Gebete nach dem Tempelbau für sein Volk zum dauernden Besitz erfleht ward. Der Feuereifer, mit dem Daniel, Esra, Rabbi Jochanan u. v. a. der Gola den Blick auf V'K wiesen, begründete die starke Hinwendung der „Zerstreuten" im Westen der Gola durch die Zeiten des Mittelalters bis in die jüngste Vergangenheit, in der kulturelle und nationale Werke in größerem Ausmaß die Brücke von der Gola zu schlugen. Aber nur echter nun -Wille kann ,,y« wieder zu dem machen, was es einst gewesen, dem Land "~?mE?i und seiner g'ttlichen Lehre. In wöchentlichen Lernkursen; nows (Rabb. Dr. Ochs), nvivm (Rabb. Rogosnitzky), (Studienrat J. Sonn) wird den thoratreuen Kreisen der Gemeinde Gelegenheit geboten, das zur Lebensführung nötige Wissen zu erlangen. Treffen der Agudas Jisroel-Jugendorganisation in Holland. Den Höhepunkt der agudistischen Jugendarbeit bildet immer das alljährliche Treffen. Dann kommen Jugendliche aus allen Ecken des Landes nach einer der gastfreien K'hillot im Zentrum Hollands, um dort einige Tage unter Gleichgesinnten zu verbringen. Ansprachen und Diskussionen über Idee und Organisationder Aguda und gemütliche Veranstaltungen wechseln miteinander ab. Dieses Jahr wird das siebente „week-end" in Hilv e r s u m verbracht werden. Herr Oberrabbiner Ph. Frank, der Bezirksrabbiner und frühere Vorsitzende der Jugendorganisation, wird dabei anwesend .sein. Auch Mitglieder der Jugendorganisationen aus anderen Ländern werden herzlichstwillkommen sein. Nähere Auskunft erteilt der Generalsekretär der holländischen Jugendorganisation-M. Nathans, H. Zwaardecroonstraat 17, Haag, bei dem man sich auch zur Beteiligung bis zum 15. Dezember anmelden mochte. Das Treffen findet vom 31. Dezember bis 2, Januar statt. Die Kosten belaufen sich auf G. 4.—. Agudas Jisroel-Frauengruppe in Basel. Die A g u d a s Jisroel-Frauengruppe eröffnete ihr Winterprogramm letzten Sonntag Abend mit einem Vortragsabend „Marjenbader Ausklänge" von Frau Goldschmidt-Lewenstein, Zürich, und Frau Meta Prinz. Nach kurzer Begrüßung durch die Präsidentin, Frau Selma Guggenheim, orientierte Frau Goldschmidt-Lewenstein die zahlreich erschienenen Damen in formvollendeter Weise über die Arbeit des Frauenkongresses in Mariettbad und die Aufgäben, an deren Lösung mitzuarbeiten heute für jede jüdisch-religiöse Frau selbstverständliche Pflicht sein muß. Dieser Appell zur Mithilfe an der Lösung unserer Gegenwartsaufgaben hätte nicht besser ergänzt werden können als durch das anschließende Referat von Frau Prinz, die über die „Jüdische Mutter von einst und jetzt" sprach. Frau Prinz verstand es, in klaren und eindringlichen Worten die Pflichten der jüdischen Mutter von heule, die im Gegensatz zur Mutter von einst nicht nur j Respektsperson, sondern Kameradin ihrer Kinder sein j muß, vor Augen zu führen und den Weg zu zeigen, j den sie gehen muß, um bei ihren Kindern Vertrauen j und Verständnis zu finden. Die mit größtem Interesse ] und Beifall aufgenommenen Ausführungen der beiden Referentinnen hatten neben ihrem großen ideellen auch den praktischen Erfolg, daß auch die Baseler Frauengruppe,' dem Beispiele der Züricher folgend, beschloß, nach längerer Unterbrechung wieder regelmäßig jeden Montag abend zusammenzukommen, um in gemeinsamer Arbeit an der Erfüllung unserer Aufgaben mitzuhelfen. Der Weltverband der religiösen Journalisten. Wie das Jüdische Presse-Büro aus London mitteilt, wird demnächst in London eine Konferenz des Welt Verbandes der religiösen Journalisten unter Beteiligung des in Marien« bad gewählten Präsidenten dieses Verbandes, Herrn Redakteur S. S c h a c h.n owitz, stattfinden. Auf der Tagesordnung steht die Stärkung der orthodoxen Presse in der Welt, die Schaffung eines innigen Kontaktes zwischen allen religiösen Journalist^*! ufld Schriftstellern. Noch andere wichtige Fragen der jüdischen und Agudapresse werden zur Sprache kommen. Interessenten, die sich an der Konlerenz zu beteiligen wünschen, wenden sich an folgende Adresse: Jüdisches Presse-Büro, 9 Whitechapel Road. London E. 1. Werkstätte für Lederwaren (ERNST GRÜNBAUM Kl. Eschenheimerstr. 10 ♦ -Tel. 28462 Anfertigungen Reparaturen jeder Art

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