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Der Israelit · 1937-12-02 · Heft 48 (2.12.1937) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 48 (2.12.1937)
Date
1937-12-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Feuilleton-* Beilage Nummer 48 1937 Jessod Hamaalah. Von den Schicksalen einer alten jüdischen Kolonie in Palästina, Von Mosch'e Smilianski. '■'' Hat je Euer Fuß diese entlegene Ecke betreten? Ein wundervoller, bezaubernder Platz, in einer Ebene, die sich golden im Flusse spiegelt/ Mitten durch den Fluß bahnt sich der Jordan seinen Weg in seinem Vorwärtstreiben vom Fuße des Hermon zum Kopfe des Kinereth.; Aber das lebendige Leben schritt über die Ecke hinweg, sie blieb verschlossen und verriegelt. Es fahren keine Wagen durch die Kolonie. Sie schlummert zwischen den Bergen und Felsen, hie und da nur geweckt von dem langsamen Trott eines Kameles oder Esels auf dem schmalen Pfad am Hange. Fremde finden den Weg selten hierher, für den Bödenertrag gibt es hier keine Käufer, und die Mittel ihres täglichen Bedarfes, soweit sie der Boden nicht liefert, muß sich die , Kolonie, aus weiter Ferne herholen, so werden die Bewohner durch die Gewalt der Verhältnisse zur völligen Bedürfnislosigkeit erzogen, —^r—. ' ■' . . ' „Drei Monate wohnten wir in der Kolonie. Zuerst liebten w,ir den herrlichen' Boden mit seinen herzlichen Naturwundern. Nach und nach aber schlich sich - Angst in unser Herz,' nicht Angst .vor den- Beduinen, die. in. .der Gegend herumstreifen, es war mehr die Angst um uns selbst.. Wir empfänden, daß wir uns mählich in Wilde verwandeln. Keine Zeifung, kein Buch^ kein Brief, keine Zigarre und 5kein Bad. Es schie'tt.'iUhs, daß unsere Haare, und 'Nagel ins unermeßHcKe anwachsen. Und an einen! hellen Tage flüchteten "'wir4 uns vor; dieser Angst. Als wjr auf den Mauleseln nach drei Tagen in Haifa -anlangten, war es uns, als Hvaren wir; aus der Wüste in-feiner Metropole^ angelangt' .... ." ..• , \> .;.._* ••. > So erzählten mir drei Jünglinge vor dreißig Jahren. Und als wir, mein Freund und. ich; fünf Jahre später auf unseren Gäulen zum ersten Male in Jessod Hamaalah angeritten kamen, fanden wir den-Bericht jener Jünglinge bestätigt. Es schien uns,: als sollten wir für ewig in diesen einsamen Bergen eingeschlossen bleiben. Vor vierzig Jahren kam aber in diesen Erdenwirikel' Rabbi F Ts c h e 1 Salo'mo n mit' seinen Getreuen, im Ganzen zehn Leuten, und sie schlössen sich hier ein, nicht für Tage und nicht für Monate, auch nicht. für Jahre, sondern für ihr ganzes Leben. Sie kamen aus der Stadt Messe.ritz in Polen, im Jahre 5643 (1893), von der Leidenschaft getrieben, sich auf dem Boden der Väter anzusiedeln. Sie sahen sich in der Gegend um, bis sie das Bodenstück fanden, auf dem sich heute die Kolonie erhebt. Hier waren sie wie bezaubert von der Schönheit der Natur. Der brachliegende Boden war Eigentum eines sefardischen Juden in Safed, eines französischen Staatsbürgers. Salomon und Freunde kauften ihm den Boden ab und wußten nicht, daß sie in die Hand eines unehrlichen Spekulanten geraten waren. Sie zahlten den vollen Betrag, aber unerfahr ren, wie sie waren, unterließen sie es, Vertrag und Kaufbrief bei den Behörden bestätigen zu lassen. AuE dem -Boden trieben sich wilde Araber mit ihren Schafherden herum. Eine Erlaubnis zur Aufrichtung von Bauten hatten die Pioniere nicht. Ohne alle diese nötigen Voraussetzungen verteilten die Männer unter Führung Salomons den Boden unter sich, von dem sie e i n Stück für eitlen gemeinsamen Garten bestimmten. Die Arbeit ging gut vonstatten, und bald war die Erde gepflügt, Rebstöcke und Feigenbäume gepflanzt. -!In der Mitte sollten sich die Wohnhäuser erheben. ' Das Ganze nannten sie Jessod Hamaalah. Sie machten aber die Rechnung ohne die Wirte, als welche sich die benachbarten Fellachen fühlten. Eines Tages erhoben , sie sich, zerstörten Gitter und Garten,' unter '.Geltendmachung alter unkontrollierbarer, Ansprüche^ Die Juden setztenV-sich' zuf..^e"hr. Aber die herbeigerufenen tückischen f. Regierüngsbeamt'en waren auf . Seiten der Araber, und verhindert, teh miit Gewalt"den' Weiterbauji »V^J.,ftabt,Iceine Baii: - erlaubnis?1 schrieen sie, „folg^ipb seid Ihr fremde und habt.das. Land/zu verlassen!''' . m 'V , . , ].. [..''[ Unverzüglich eilten^ die/-Leute, nach' Safed, , zu ihrem „Freund" und. ursprünglichen/Bö4e??^esitz'er'.• Dieser , sprach in aller Ruhe/ „Gewiß sollt : Ihr Vertrag und Kaufbrief,, genehmigt und besiegelt,', erhalten,, auch , Bauerlaubnis,. durch meine Verwendung, denn iph genieße den Schutz des französischen Konsulats, aber es ist von neuem, eine größere. Summe von Goldfranken zu zahlen." Es waren süßlich gesprochene Worte, die den Siedlern sehr bitter schmeckten. Sie waren nach Entrichtung der ersten Summe nun vollkommen mittellos, so daß sie ihm zum Teile den Boden verpfänden mußten. Sie mußten aber alles hergeben, damit der Streithandel mit den Arabern endlich geschlichtet und ihnen die Weiterbebauung des Bodens ermöglicht wird. Zeitgenossen schildern diesen Rabbi Fischel Salomon wie folgt: „Ein Mann in den mittleren Jahren, mit Gesichtszügen, die von Energie und Intelligenz zeugen. Auf dem Feld ist er der fleißigste von allen und er versteht so anzupacken, daß er ü«s -allen Vorbild ist." Neben den Widerständen von menschlicher Seite kam noch die Tücke des Objektes hinzu. Der Boden war schlimm vernachlässigt, die Wasserverhältnisse unerträglich, statt des labenden Wassers überall Sümpfe, die Fieberkrankheit ausströmten. Im ersten Sommer lägen alle Kolonisten schwer krank an Malaria darnieder und einer starb. Das erste Grab in der Siedlung wurde gegraben, von den Freunden und Mitarbeitern, unter Führung Rabbi Fischeis. Ein anderer wurde infolge: des dauernden Fiebers, auch vielleicht durch die Einsamkeit, geistig umnachtet. Drei Jahre hindurch ununterbrochen zittierten und litten die Begründer der Kolonie unter den Klauen des französischen „Freundes",' des' Kaimakam, des Fiebers und der Geldwucherer. Bis zuletzt der Mann kam, der den ganzen Jischuw ausgelöst hat und auch die mutigen Pioniere von Jessod Hamaalah von all den Nöten befreite: Baron Edmund v.,Rothschild, der „Nadiw Hajodua". Es fehlte auch nachher nicht an Rückschlägen, aber Fischel Salomon verließ seinen Posten nicht und blieb an die Scholle gebunden vierzig Jahre hindurch. Noch im hohen Alter bearbeitete er selbst den Boden und füllte seine Tenne eigenhändig. Auch in den schwersten Zeiten der Unruhen, da Blut ringsherum floß, verließ Fischel Salomon seine Kolonie und seine Tenne nicht. Wem sollte er sie auch überlassen? (Aus dem psri iso im Verlage 7»an Tel Awiw 5687.) Als der Chofez Chajim nach Erez Jisroel wollte. Im Jerusalemer „Kol Israel" erzählt Rabbi Mosche Blau eine,. Reminiszenz -an die Zeit, da .man -sich in Jerusalem rüstete, den Chofez Chajim zu empfangen. Ich befand mich, erzählt Rabbi Blau, zur Feier des „Wasserschöpfens" im Beshamidrasch von Rabbi Jpssef Chaim .Sonnenfeld b~*h, am „Chol hamoed .Sukkoth 5685 (1925). Unter den Gästen sah ich' auch Rabbi David Potasch aus Tel Awiw. Dieser nahm mich zur Seite, und, flüsterte mir ins Öhr: „Ich habe Ihnen ein Geheimnis zu verraten. Chofez Chajim möchte nach Erez Israel übersiedeln, wozu aber drei Voraussetzungen geschaffen sein müssen: Einwanderungserlaubnis für ihn, seinen Schwiegersohn und seine Familie, hundert Pfund für die Reisekosten und eine entsprechende Wohnung. Die Sache muß zunächst vertraulich bleiben." Die Wohnung wolle er, Rabbi David Potasch, besorgen, Visum und Reisekosten sollte ich aber beschaffen. Von irgend einer Partei dürfe das Geld nicht kommen, das habe sich der Rabbi. ausdrücklich ausgehalten. Die Angelegenheit sei dringlich, es müsse alles in wenigen Tagen besorgt werden. Keine leichte Sache, in Jerusalem hundert Pfund zu erhalten, ohne daß die Spender den Zweck der Aktion erfahren, und in wenigen Tagen. Aber trotzdem nahm ich die Aufgabe auf mich. Tags darauf trug ich die Angelegenheit Rabbi Sonnenfeld vor und legte ihm, nahe, daß wir uns sofort an die Regierung wegen der Einreiseerlaubnis wenden müssen. Ich war im Zweifel, ob Rabbi Chaim das Gesuch am Chol hamoed unterzeichnen werde, denn nie im Leben hatte ser eine Feder eingetaucht;oder sonst, irgendwie geschrieben am Chol hamoed. Zu meiner Ueberraschung sagte aber Rabbi Chaim: „Um zu ermöglichen, daß der Chofez Chajim nach Erez Israel kommt, unterzeichne ich auch heute, am Hoschana Rabba, — wenn nötig mit beiden Händeni" So faßte ich das Gesuch ab, und Rabbi Sonnenfeld luriterzerchriete es mit Freüde und Begeisterung. Noch am gleichen Tage wurde das Gesuch der zuständigen ^Regierungsstelle überreicht. '■' * : ] Nun begannen für mich die schweren Sorgen: i Wie jerhält man die für damalige Zeit horrende Summe!von hühdert Pfund in "■.Jerusalem, ohne irgend eine Partei oder ein Institut in Anspruch zu nehmen, ohne den Geldgebern tyerfäten ~ Iii' dürfen."■•fürwelchen 'Zweck^dielSpende bestimmt;sjei? Am Simch'ath Thora, auf de'm ,Wege nach der Scnechuna „Schaare Ches-- sed", da ich ganz Versunken in das Problem einhergehe, trifft mich einer meiner Bekannten aus dem Vierteh' cler mich mit Freude begrüßt. Sofort1 kommen wir''in ein Gespräch. „Man sagt," fing er an, „daß in unseren Tagen der heilige Geist den Menschen nicht mehr gegeben sei. So will ich Ihnen etwas von Chofez Chajim erzählen, um zu beweisen, daß wir heute noch auserkorene Männer mit prophetischer Gabe besitzen; Es begab sich in einem Städtchen in der Nähe von Radin, daß ein Jude von den zaristischen Behörden in Haft, genommen wurde — wegen eines angeblichen Vergehens, auf das vielleicht lebenslängliche Gefängnisstrafe stand. Mit Geld wäre der Mann im ersten Stadium zu retten gewesen. Als die Verwandten weinend zum Rabbi von Radin kamen, verbot er ihnen e n t s c h i e den, es. mit Geld zu versuchen, Alle Bitten nützten nichts, Chofez Chajim versteifte sich darauf, daß kein Groschen zur Befreiung des Verhafteten ausgegeben werde. Den tieferen Sinn seiner Verordnung verstand man nicht, und ein anderer Weg schien nicht gegeben. < Nach einigen Tagen kam der Angeklagte frei nach Hause, ohne daß sich jemand etwas hätte kosten lassen. Und nun behaupte noch jemand, es gäbe in unserer Zeit keine Männer mit heiligem Geist und prophetischer Gabe." Diese Begegnung und dieses Gespräch, die Tatsache, daß der Mann just den Namen nannte, der mit seit einigen Tagen nicht aus dem Kopfe ging, flößten mir Mut ein. All dieses sprach' mir von der Wunderwirkung, die dem Namen des Chofez Chajim innewohnte, so deutlich, daß mich die Geschichte an sich fast gar nicht mehr interessierte. Nun war die Reihe an mir, zu reden: „Hört, lieber Freund, sprach ich. Ihr sprechet von der Größe des Chofez Chajim. Wie wäre es nun, wenn wir die Möglichkeit hätten, Chofez Chajim nach Erez Israel zu überbringen?" . „Er wäre:-der richtige < Mann, um Erez Israel zu retten, seine .Heiligkeit würde bald das ganze Leben im Lande in ihren Bann ziehen," ereiferte sich mein Partner. „So will ich Euch etwas verraten," setze ich fort, „Chofez Chajim möchte wirklich nach Erez Israel übersiedeln, es fehlen nur hundert Pfund für die Reisekosten. Freilich muß die Sache zunächst, wenn sie nicht vereitelt werden soll, vollkommen vertraulieh bleiben." V Mein Partner überlegte ein paar Minuten still und' angestrengt. Dann aber wandte er wieder sein strahlendes Gesicht mir zu. „Morgen schon will ich die hundert Pfund beschaffen, aber unter der Bedingung, daß der Chofez Chajim nie erfährt, von wem das Geld kam.'' Der Jude aus dem Viertel Schaare Chessed, der gerade nicht zu den Reichsten gehörte, hatte auf die Minute sein Versprechen eingelöst und auch ich tat meine Schuldigkeit. Das Visum und die Einreiseerlaubnis waren fertig. Aber es kam einiges dazwischen, und Erez Israel war nicht das Glück beschieden, das große Licht in sich aufzunehmen. Israel im Galuth und die Schechina im Galuth — und auch Chofez Chajim blieb in der Gola! Geburtsanzeigen. Von Heinrich Einstädter. Schon die ersten Abschnitte der Thora, die vor kurzem verlesen wurden, enthalten Familiennachrichten. Sie führen den Namen des Familienvaters an, sein Alter bei Geburt des ältesten Sohnes und die Anzahl der Jahre, die er nachher noch verlebte, so daß sich daraus die Gesamtlebenszeit und im Zusammenhang mit den übrigen Notizen das Wesentliche eines Stammbaums ergi&t. In besonders interessanten Fällen sind auch die Namen der Ehefrauen ■ und ihrer Abstammung verzeichnet. Ganz verschieden hiervon sind die Familiennachrichten, die heutzutage veröffentlicht werden. Bei ihnen unterscheidet man Geburtsanzeigen, Verlobungs-, Vermählungs- und Todesanzeigen. Letztere fallen allerdings nicht immer unter den Gesamtbegriff „Familiennachrichten", insofern bei ihnen häufig die Weglassung des Verwandtschaftsgrades des Verstorbenen zu den Unterzeichnern (wie Vater, Mutter, Bruder usw.) üblich geworden ist. Auch sonst haben sie im ' Laufe der Zeit eine Wandlung erfahren, indem anstelle einer Bemerkung über Zeit und Ort der Bestattung öfters die Notiz tritt: Die Beerdigung findet in der Stille statt. Heue Wollen' wir aber ' mur von den Geburtsanzeigen sprechen, i Sie finden sich meistens in den Famihenblättern, 'und das ist " auch vernünftig. Aber immerhin wird noch ein beträchtlicher Teil in der großen politischen und wirtschaftlichen Tagespresse 'veröffentlicht; was kaum zu; erklären ist;' denn der Leserkreis dieser Blätter geht weit über den Bekanntenkreis der Inserenten hiriäüs, und er hat gewöhnlich für den Anzeigenteil ausschließlich geschäftliches Interesse. Viele dieser Geburtsanzeigen lassen die Sorgfalt und Ueberlegung vermissen, die stets und ganz besonders in den Fällen angebracht ist, in denen

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