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Der Israelit · 1937-12-02 · Heft 48 (2.12.1937) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 48 (2.12.1937)
Date
1937-12-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 48 Der I s r a el-i t 2. Dezember 1937 Rumänien. Nachrichten aus Rumänien. Bukarest, 25. Nov. Dr. Wilhelm Fildermann, der Präsident der Union rumänischer Jude«, hat sein Amt, das er zwanzig Jahre bekleidete, niedergelegt. Die rumänische Regierung hat das Verbot zionistischer Sammlungen in Rumänien aufgehoben. Steigender Einfluß des Antisemitismus in Rumänien. Bukarest, 24. Nov. Der Präsident der nationalen Bauernpartei hatte eine fast dreistündige Unterredung mit dem Führer der früheren Eisernen Garde, der jetzigen Vaterlandspartei. Man hört, daß ein Uebereinkommen zur Sicherung freier Wahlen und Bildung eines Blocks zustande gekommen sei. Das Wahlmanifest der nationalen Bauernpartei verspricht den Bauern das Recht zum Waffen-Tragen und regt sie an, „in das Herz der Städte einzudringen und alle Juden und Fremden, die den rumänischen Handel und die rumänische Industrie monopolisiert hätten, auszutreiben." Die Union rumänischer Frauen hielt einen Kongreß ab, der ebenfalls Resolutionen im Sinne der Nationaliiserung der rumänischen Wirtschaft fordert, ferner das Verbot der Mischehen und die Entlassung aller rumänischen Beamten, welche Frauen nichtrumänischen-- Blutes heiraten. Eine vierte Resolution wünscht, daß Ausländer für 10 Jahre kein rumänischer Bürger werden sollen und auch nicht das Recht haben sollen, sich in Rumänien niederzulassen. Die Ostjüdische Zeitung" in Czernowitz konstatiert, daß die-Haltung der rumänischen Regierung gegenüber den Juden sich kaum geändert habe, jedenfalls nicht zu Gunsten der >Juderi. Es könnte allerdings sein, daß die Teilnahme der Antisemiten an der Regierung zu einer gewissen Mäßigung ihres Tones führen werde. Bulgi arien. Brief aus Bulgarien. Sofia, 19. Nov. Bulgarien ist aus dem Weltkriege verkleinert und zerstückelt hervorgegangen, ist umringt von Griechenland, Rumänien und Jugoslavien. Wer, wie ich, Sofia seit dem Weltkrieg nicht gesehen hat, findet sie größer, die Straßen länger und breiter. Die Bevölkerungszahl, damals 150.000, beträgt heute 350.000 Seelen. Auch die jüdische.Gemeindc hat sich wesentlich vergrößert' und. zählt, gegen 18.000 vor dem Kriege, heute £6.000 Seelen. Das bedeutet keine Vermehrung der bulgarischen Juden an sich, sondern zeigt den großen Zustrom der Juden aus der Provinz nach der Hauptstadt, die jetzt mehr wie die Hälfte der bulgarischen Judenheit beherbergt. Sehr stark ist unter den bulgarischen Juden die Auswanderung nach Palästina, die aber keine Flucht bedeutet. Man geht nicht nach Palästina, um seine Lage zu verbessern, sondern aus ehrlicher, aufrichtiger Liebe zum heiligen Lande. Eine jüdische Emigration nach anderen Ländern als nach Palästina gibt es in Bulgarien nicht. So kommt es denn, daß von 50.000 Juden in Bulgarien über 10.000 in Palästina;.;. wohnen und einen der :.. arbeitsamsten Teile der Bevölkerung dort abgeben. 20 Proz. der bulgarischen Judenheit sind mithin nach Palästina abgewandert. Die Scheidewand zwischen den sefardischen ,und aschkenasischen Juden ist in Sofia und in ganz Bulgarien dicker als in den anderen Balkanstaaten. Von den 36 jüdischen Gemeinden in Bulgarien sind 33 sefardische und nur drei aschkenasische. Letztere befinden sich in den Städten Sofia, Rustschuk und Warne. Es sind im ganzen nur einige Tausend aschkenasische Juden unter den 50.000 jüdischen Seelen im Lande. Die Sefardim sehen auf die Aschkenasim herab. Die' spaniolische Sprache hat einige Redewendungen, die nicht gerade von'Liebe für die abendländischen Brüder zeugen, nnswsn mnt? wird unter den Sefardim sehr hoch gehalten. Fälle von Taufen kommen fast gar nicht vor, Mischehen gibt es leider schon mehr, aber in allen solchen Fällen geht die christliche Frau zum Judentum über. Für unsere Begriffe selbstverständlich noch kein idealer Zustand, wenn uns auch verbürgt wird, daß diese Neujüdinnen es mit allen Vorschriften des jüdischen Ritualgesetzes zuweilen noch genauer nehmen, als die geborenen Jüdinnen. Der Patriotismus der bulgarischen Juden wird von Regierung und Volk hoch anerkannt. „Unsere Juden", sagen die Bulgaren mit einigem Stolz, und tausend jüdische Kriegsopfer besiegeln die jüdische Treue zum bulgarischen Vaterland. Das jüdische religiöse Leben ist in Bulgarien unter den Sefardim gut konserviert. Eine Renaissance in gut jüdischem Sinne wäre sehr zu erwünschen, doch fehlen dafür leider die Männer. Ch. W. Italien. Fortschritte in einer italienischen Gemeinde. Rom, 24. Nov. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Florenz hat beschlossen, die Mitwirkung weiblicher Choristinnen beim G'ttesdienst nicht mehr zuzulassen. Der- Damenchor hatte lebhafte Proteste von Seiten eines Teiles der Gemeinde hervorgerufen, und der Beschluß wurde gefaßt, um einen offenen Konflikt mit dem orthodoxen Teile der Gemeinde zu vermeiden. England. ■ ~ Statistik des Terrors in Palästina. London, 24. Nov. Im Parlament gab es wieder eine Reihe von schriftlichen und mündlichen Anfragen in Palästina- Angelegenheiten. Ü. a. antwortete der Kolonialminister, daß während der Zeit vom Januar 1936 bis Oktober 1937 in Palästina 410 Mordtaten vorkamen. Davon gelangten 113 zur Aburteilung. Todesurteile sind sieben ergangen, wovon sechs durch den High Commissioner in Zwangsarbeit oder in. Gefängnisstrafe umgewandelt wurden. 43 Personen; sind unter dem Verdacht von Mordtaten verhaftet worden und noch nicht abgeurteilt.. Auf eine Frage, wieviel von diesen Mordtaten von Arabern und wieviele von Juden begangen worden seien, antwortete Ormsby- Gore: „Es ist schwer zu sagen, Es sind Mordtatea von beiden Seiten vorgekommen. Gewiß waren es mehr Morde von Seiten der Araber als vö,n Seiten der Juden." Weitere Anfragen beziehen sich auf den Legislative Council^ auf das "königliche Begnadigungsrecht und die Besetzung des Jerusalemer Bürgermeisteramtes. Brasilien. Vor einer Synagoge in Rio de Janeiro (Brasilien) Rechts der Schammes, der bereits 20 Jahre im Lande ist, links ein neueingewanderter Jude aus Litauen, in der Mitte ein junger F ra rik f u r t e r , der sich als thoratreuer Lehrer betätigt. AUS EREZ ISRAEL. An der Bahre der iüni Märtyrer von Kirjath Anawim« Jerusalem, 20. Nov. Ueber die Reden, die an der Bahre der fünf Märtyrer im Hadassah-Spital zu Jerusalem und am Grabe in der Kolonie gehalten wurden, entnehmen wir noch einem Berichte Hillei L i e b e r m a n n ' s " palästinensischen Zeitungen folgendes: Oberrabbiner Herzog: „Es sind dies keine Toten der Familie allein, es sind die heiligen Märtyrer von ganz Israel. Klall Israel beweint mit Jerusalem die fünf Heiligen, die mitten in der Arbeit, die Oeden Erez Israels zu neuem Leben für das jüdische Volk zu wecken, meuchlings ermordet wurden." Mosche Shertok: „Fünf jüdische Arbeiter sind vor Tagesanbruch friedlich hinausgezogen, um einen Weg zu ebnen durch tausendjährige Wüste. Sie haben keinem etwas zuleide getan, keinem etwas genommen, und wurden ermordet. So erklären wir den Mördern: Ihr sollt wissen, daß Ihr nicht nur unschuldiges Blut vergossen habt, Ihr habt dieses Blut auch umsonst vergossen. Denn Euer Ziel wird nie erreicht. . Wir werden uns durch diese Opfer nicht schrecken lassen, den Boden der Heimat weiter zu bearbeiten. Wir werden hier bleiben, auch wenn jeder Jude in Erez Israel gezwungen sein sollte, mit der Waffe in der Hand über die: Straße zu gehen. Unsere. Hauptforderung an die Regierung geht dahin, dem Banditentum endlich . ein 'Ende zu . machen, das -dauernd, unschuldiges jüdisches .Blut; vergießt und einen iSchandfleck im Lande 'bildet. Aber mit einer P o Ii t i k der., R a c he er te i c h eri wir nichts. Die Zeit ist zu ernst für blutige und unnütze Experimente. Wir wollen , uns .auch stark machen g e g e n s o 1 c h e G e d a nk e n;, u n d G e 1 us t e." . ■ Der Vater eines Märtyrers: „Du hast- Dich von Tins weit entfernt, entfernt, leider auch von dem, was uns heilig ist. Aber gestorben bist Du als Jude, als Heiliger, als Opfer für das jüdische Volk, und das ganze jüdische Volk beweint Deinen jungen frühen Tod." Rabbi Mosche Blau für die A g u d a s J i s - roel: > „Ihr seid gekommen, liebe Kinder, ins Land, um hier zu leben und den Boden zu beleben und habt nun das frühe Grab in diesem Boden gefunden. Man sagt mir, daß einer von Euch erst vor wenigen Tagen „illegal" ins Land und zu der Arbeit gekommen ist. Er lief wohl Gefahr, aus dem Lande gewiesen zu, werden. Nun, teurer Bruder, wird man Dich aus dem Lande nicht mehr austreiben, Du hast Dich im Lande eingebürgert, mit Deinem Blute, das diesen Boden getränkt hat. Ihr sollt aber wissen: Nicht nur Euch, sondern auch uns wird keine irdische Macht mehr aus dem Lande bringen! Wir werden im Lande bleiben und mit Hilfe G'ttes die Bauarbeit fortsetzen, die Ihr angefangen und der Ihr Euer Leben geopfert habt." Abwehrmaßnahmen. r Jerusalem, 23. Nov. Wie verlautet, ist. es den Truppen gelungen, die arabische Terroristenbande unter Führung von Abdullah in den Hügeln von Acre und Safed zu u m-, z i n g e 1 n. Die Truppen warten jedoch ab, bis sich die. Bande aus Nahrungs- und Munitionsmangel ergibt. .; .; Eine Bande von 10 Arabern, die von der transjordanischen-Polizei gefangen wurde, gestand, jaaß sie 'in, der jüngsten. Zeit in Palästina „gearbeitet*,, habe. Mehrere; bekannte Gegner des Emir AbÜuila, dar runter auch, Rashid P a s h a, der. 4 $35 mit L^'Weiz- •mann Verhandlungen führte, .sind mich Akaba v e rbannt worden. Der: curfew ist'. heute, aufgehoben, worden. Die PalästinarR'egierung j. erhielt 20 .ICistein mit Tränengasbomben zur Benützung gegen Massendemonstrationen. Aus Däinaskus wird berichtet, daß die britische Regierung Frankreich ersucht hape^ den . franzosisch-syrischen Vertrag nicht vor der Lösung des Palästina-Problems zu ratifizieren. Der Sekretär des aufgelösten arabischen Komitees ist in Cairo angekommen. Jüdische Proteste. Jerusalem, 16. Nov. Der Einwa n d erungsausschuß der Jewish Agency hielt unter dem Vorsitz von Alijahu D o b k i n eine Sitzung ab, in der einstimmig eine Protestresolution gegen das neue Einwanderungsgesetz angenommen wurde. Die Resolution besagt im Wesentlichen, daß das Gesetz eine unmittelbare Verletzung einer der wesentlichsten Bestimmungen des Palästina-Mandates darstelle, indem es das Prinzip der ökonomischen Aufnahmefähigkeit, wie es in dem Weißbuch von 1922 festgelegt und 1930 vom Völkerbundsrat bestätigt wurde, kurzerhand durch die Willkür des High Commissioner ersetzt. Die Behauptung, daß das Gesetz nur einen provisorischen Charakter trage, kann an diesem offenen Widerspruch zum Mandat nichts ändern. Während der ersten neun Monate 1937 sind 8683 'Juden nach Palästina eingewandert, gegenüber 26 528 in der gleichen Periode des Vorjahres. 13138 Juden sind in diesem Jahre neutralisiert worden. Drohender Lehrerstreik. Jerusalem, 26. Nov.! 'öer' „Waad leumi'' steht Vor einem Defizit von iLst. 8000.— im Schulbüdget und hat daher' beschlossen, die von ihm gezahlte Zulage von Lst, ü-7 Wqnätlich für*; jeden Lehref \'zü&c)tzukiefi&Ü. Fürf den Fall der Ausführung dieses ^Beschlussesi1 wollen" die Lehrer in Streik treten; " Dabei zahlt der Wiaäd leumi Monatsgehälter yoii Lst. '9.— bis' Lst.? 18.—- (nach 'achtzehnfahriger Dienstzeit) sowie je Lst'. ^.— Frauen- und "Kinderzulägen.'' '." , '; ' I Die 'Situation mag zu weiterer Zentralisierung des Schulwesens führen. V.. . - Die .1 c^k alen ,.' # vom Waad;; leumi nicht subventionierten 'Schulen sind z. T. 2—^3 Monate > mit; der Gehaltszahlung im Rückstand.

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