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Der Israelit · 1937-12-02 · Heft 48 (2.12.1937) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 48 (2.12.1937)
Date
1937-12-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 48 Der I s r a ei i t 2. Dezember 1937 spruch, der nämlich vor dem Anzünden des Chanukahlichtes gesprochen wird. Wir danken darin dem Schöpfer für die Wunder, die er unseren Vätern erwiesen in jenen Tagen zu dieser Zeit. Was bedeutet diese Wiederholung: ,,in jenen Tagen zu dieser Zeit?" Den gleichen Segensspruch sagen wir auch vor dem Verlesen der Megilla am Purim. Nach unserer Feststellung, daß das Ghanukah-Fest an eben demselben Tage wie das frühere Weihefest begangen werden konnte, verstehen wir in diesem Segensspruch die Wiederholung. Es sollte damit betont werden, daß es durch g'ttlichen Beistand den Hasmonäern vergönnt war, an eben dem gleichen Tage wie in früheren Zeiten das Altarweihefest zu begehen. In diesem Sinne meint das I. Makkabäerbuch: „Um dieselbe Zeit, an ebendemselben Tag, an welchem die Heiden den Altar verunreinigt hatten, wurden Tempel und Altar wieder eingeweiht, (1,54,) „Das Gleiche lesen wir auch im IL Makkabäerbuch; „So feiert die Tage, an denen Nehemja den Tempel samt dem. Altar erbaut hatte." (1, 18.) Diese zweite Stelle zeigt deutlich den Zusammenhang zwischen dem viol älteren Altar-Weihfest und dem viel späteren hasmonäischen Chanukah. Wir möchten noch bemerken, daß wie zur Chanukahzeit auch um die Purimzeit den Juden an eben demselben Tage, als ihnen die Vernichtung drohte, die g'ttliche Errettung kam. (Vgl. Esther 9, 1.) Darum wird der gleiche Segensspruch auch am Purimfeste gesagt. Nun wenden wir uns zum zweiten Punkt unserer Betrachtung: der besonderen Auszeichnung der Frauen beim Chanukah-Feste. Es ist üblich, daß die Frauen, solange die Lichter brennen, keinerlei Arbeit verrichten. An manchen Orten ist es sogar Brauch, daß. am ersten und am letzten Tage des Festes seitens der Frauen die Arbeit eingestellt wird. Einen triftigen Grund hierfür konnte man bisher nicht finden. Man verweist gewöhnlich auf den Bericht der Judith, Da jedoch der ganze Vorgang, von dem das Buch Judith uns berichtet, nach allgemeiner Auffassung in einer viel früheren Periode spielt als die Hasmonäer aufgetreten sind, kann die Erzählung über Judiths Tat in keinem Zusammenhang mit unserem Chanukah-Fest stehen. Dies wird auch von sämtlichen Dezisoren anerkannt; jedoch ein anderer Grund für die Sonderstellung der Frau bei diesem Feste wird nicht angegeben. Wir glauben drei verschiedene geschichtliche Berichte anführen zu können, die diese Ehrung der Frauen erklärlich machen dürften. 1. An verschiedenen Stellen der Makkabäerbücher lesen wir, daß gerade die Frauen durchihren Heldenmut vorbildlich für die Männer waren. Sie haben trotz der Todesandrohungen ihre neugeborenen Kinder beschnitten. Mit Musik und Jubelgesang hat eine Mutter diese jüdische Pflicht erfüllt und ist dann auf die Mauer Jerusalems gestiegen, um öffentlich zu zeigen, wie sie dem Befehle des feindlichen Königs Trotz biete. Sie büßte ihr Leben hierbei ein. Auch der Dichter zum Chanukahfeste rühmt besonders die lapferkeit der Frauen. (I. Makk. 1, 60; II. Makk. 6, 10.) 2. Man würde schön äüs dieser Tatsache allein begreifen, daß die Frauen nach dem Siege der Hasmonäer das achttägige Fest als Erinnerung an den achten Tag, da das neugeborene Kind, nach jüdischer Vorschrift, in den Abraham-Bund aufgenommen wird, feiern sollten. Außerdem wird im II. Makkabäerbuch von einem Brief erzählt, den die Juden an den Philosophen Aristobolus, dem Lehrer des Königs Ptolomäus, geschickt haben; in diesem wird erwähnt, daß Ant.ijochus, der all das Leid über die Juden gebracht hatte, in Persien durch eine Priesterin im Götzentempel erschlagen wurde. Die Juden sollten — so wird in dem Brief aufgefordert — dessen eingedenk sein, daß G'tt durch eine Frau den Antijochus gestraft hatte, (II, 1, 13.) 3. Und hiermit wollen wir Zugleich einen Zusammenhang zwischen unserem Chanukah und dem Neumondstag festzustellen versuchen. In den verschiedensten Midraschim zu Chanukah wird übereinstimmend berichtet, daß der Antijochus den Juden verboten hatte, den Neumondstag zu feiern. Die Erklärer wissen nicht, was der König hiermit verboten hatte, denn wir kennen ja am Neumondstage keine Feier. Nun ist es jedoch bemerkenswert, daß auch unsere Gebete am Neumondstage von einer Errettung aus Feindesland erzählen. Die Lösung dieser schwierigen Frage kann uns der Bericht in einem alten Midrasch geben. Hiernach war den jüdischen Frauen verboten, die in der Thora vorgeschriebene monatliche rituelle Reinigung an sich vorzunehmen. Für die Erfüllung des g'ttlichen Gebotes haben, die Frauen vielfach ihr Leben eingesetzt. Nach dem hasmonäischen Sieg ist selbstverständlich auch dieses Verbot aufgehoben worden. Eingedenk dieser vielen Beweise des Opfermutes der Frauen wurde ihnen von den Gesetzeslehrern an unserem Chanukah-Feste eine besondere Stellung eingeräumt. weihe" (1, 9). Die Wiederheiligung von Tempel and Altar standen auch im Mittelpunkt der hasmonäischen Feier, In der Folge sollte dieser Charakter des Festes erhalten bleiben. Gerade um diese Zeit, wie wir den Prophetenbüchern entnehmen können, wurde nach Erbauung des zweiten Altars, nach der Rückkehr aus Babylon, ein Altarweihefest im Monat Kislew eingerichtet: „Richtet doch", so spricht der Prophet Chaggai, „euren Sinn von diesem Tage an (dem 24, Kislew), da gegründet wurde der Tempel des Ewigen . . .!" (2, 8.) Aehnlich meint Secharja; „Stärket eure Hände am Tage, da der Grund gelegt ist im Hause des Ewigen!" (8, 9) Die G'ttesmänner erwarten alles Heil und viel, viel Segen von diesem Gründungstage des Tempels, dem 24. Kislew. Demnach muß doch wohl dieser Tag, von dem alles Heil erwartet wurde, dementsprechend feierlich begangen worden sein. Auch indirekte Beweise können wir für diese unsere Annahme anführen. Wir wissen aus der Fastenrolle (bekanntlich eine Rolle, in die alle Sieges- und Festtage, von Begründung des zweiten Tempels an, verzeichnet wurden), daß ein jedes freudige Ereignis im Volksleben durch einen Festtag verewigt wurde. So berichtet uns diese Rolle von 36 Festen. Zwei Gedenktage sind für die Einweihung der Stadtmauern Jerusalems verzeichnet: der 7. Ijar und der 7. EUul. Ist es möglich und auch nur denkbar, daß der Gründungstag des Tempels, von welchem das Heil erwartet wurde, in Vergessenheit geraten war? Uns erscheint es daher als sicher, daß unser Chanukahfest von dem Gründungstag des Tempels her rührt, und daß die Hasmonäer dieses Fest nur erweitert haben.*) Nun begreifen wir auch einen geschichtlichen Vorgang, der unmittelbar zum Aufstand der Makkabäer führte. Es ist dies die Tatsache, daß die Heiden gerade den 25. Kislew als Tag auswählten, an welchem sie den geheiligten Altar im Vorhof des Tempels niederrissen, um an gleicher Stelle einen Götzenaltar zu errichten. (I, Makk. 1, 54.) Die Heiden haben ganz bewußt gerade diesen Tag der Tempel- und Altarweihe gewählt, um das Volk besonders zu kränken. Die Hasmonäer bemühten sich nach ihrem Siege, den früheren Festtag wieder einzusetzen. Unsere Ausführung gewährt uns eine Erklärung für den bisher von sämtlichen Kommentatoren als auffallend empfundenen Segens- *) Die Verschiebung des 24. Kislew, des Gründungstages des Tempels, auf den 25., sei hier nicht weiter erörtert. Wir glauben, einen halachisch«« Grund hierfür zu haben. Miszellen zu den laufenden Wochenabschnitten. Mitgeteilt von S. Speier. Kap. 41. V. 1. „Es war nach Vorlauf zweier Jahre, da träumte Pharao, und siehe: er stand am Flusse." d>a> dw bedeutet, daß an dem Tag, da Pharao träumte, genau zwei Jahre verstrichen waren. * * Kap. 41. V. 4. „Da redete def Oberste det Schenken zu Pharao und sprach: Meiner Sünden gedenke ich heute." Die Mehrzahl „meiner Sünden" weist auf das Vergehen gegen Pharao sowie auf die Sünde gegen Joszef hin, dessen Bitte, sich um seine Befreiung zu bemühen, der Oberste der Schenken nicht erfüllt hatte. * * Kap. 42. V .1. „Jaakow sah, daß Getreide in Aegypten war." Jaakow sah Bewohner des Landes, die Getreide aus Aegypten mitgebracht hatten. — Das Getreide wird mit "ins? bezeichnet, weil es den Hunger „bricht". Eine Bestätigung für diese Deutung bietet Tehillim 104, 11: osax onns „Wildesei löschen ihren Durst." *) 1) Aehnlich bedeutet in der Sprache der Mischna iai» Quittung, da diese den Schuldschein „zerbricht", aufhebt. (Ketuwot Perek 9, Mischna 9) und an anderen Stellen). Kap. 42. V. 7. „Joszef sah seine Brüder und erkannte sie; er stellte sich aber fremd gegen sie und redete mit ihnen hart." 'Vers 3 „Joszef erkannte seine Brüder" bedeutet, daß, nachdem Joszef sich mit seinen Brüdern unterhalten hatte, er imstande war, jeden einzelnen zu erkennen, "OJrm heißt: er verstellte sich, Joszef änderte Aussehen und Kleidung, indem er die königlichen Gewänder anlegte. In diesem Sinn finden wir "OJnn in Melachim I 14, 5f. Das Chanuckah-Lied; von seinem Sinn und seiner Geschichte. Der Mund der Ahnen im hellenistischen Wirkungskreis, die Lippen der Väter unter maurischem Himmel haben dieses Lied nicht gekannt, nicht gesungen. Erst die schweren Zeiten der Verfolgungen des frühen Mittelalters, Kreuzzüge und nicht enden wollender Haß gegen Juden haben einen fast unbekannten Künstler bewogen, Bitte und Erinnerung, Vergangenheit und Zukunft in dichterische Form zu gießen. Und er hat jüdische Herzen, jüdische Lippen, jüdische Tonkünstler gefunden, die seine Worte bis auf unsere Tage gern und mit zunehmender Begeisterung festhalten, weitergeben, I. Der Ve-rfasser: Wie das Akrostichon — die Anfangsbuchstaben der ersten fünf Verse — zeigt, hieß der Verfasser Mordechaj und lebte nicht später als um die Mitte des 13. Jahrhunderts. Wo er gelebt hat, können wir nur vermuten. Da aber sein Lied z. B. im Ritus Avignon ganz unbekannt ist, werden wir in Deutschland seine Heimat erblicken dürfen. Weiteres ist über ihn nicht zu sagen. II. Der Wortlaut in möglichst wortgetreuer oder freier Uebertragung ist allgemein bekannt. III. Sprache und Quellen. Dieses Lied ist. noch ein typisches Produkt der paitanischen Literatur, Es besteht in seinen-Versteilen aus einer Fülle von biblischen Zitaten, um deretwillen sich der Dichter alle Freiheiten der Wortstellung und der Bilder erlaubt hat. Der Anfang ist eine Umstellung der Worte in Psalm 31, 3. „Mein Bethaus" ist aus Jes. 56, 7 genommen, „Die Walstatt der Opfer" ist ebenfalls jesajanisch 14, 21, wie auch das Bild der „schnaubenden Feinde" in Jes. 56, 10 seinen Ursprung hat. Die „Weihe des Altars" stammt von der Einweihung des Wüstenzeltes Bemidbar 7, 34. Fast wörtlich nach Ps. 88, 4 ist der Anfang der zweiten Strophe gebildet, der zweite Teil der gleichen Strophe hat Ps. 31, 11 zum Vorbilde. Die Fortsetzung ist fast wörtlich aus Schemoth 1, 14 geholt, während „der ägyptische Kälberdienst'r aus Jerm. 46, 20 übertragen ist. Israel wird als „G'ttes Kleinod" nach Schemoth 19, 5 bezeichnet. Das Meereslied in Schemoth 15, 5 war das Muster für den Schluß der zweiten Strophe. Dem Schluß des AI hanissim ist der Anfang der dritten Strophe nachgebildet, trai der Dränger ist die typische Bezeichnung für die ägyptischen Fronvögte. Und so läßt sich für jede Wendung ein Beleg in *|"an finden. IV. Der Inhalt: Die erste Strophe erzählt stillschweigend von der noch unerfüllten Hoffnung ,des wieder erstandenen Altars und dem Wunsche, diese heilige Stätte von neuem weihen zu können. Damit wird der Blick von der Gegenwart in eine erwünschte Zukunft gelenkt. Und diese Zukunft liegt nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeit und berechtigter Erwartungen. Die Geschichte hat bereits in vier schweren Stadien die große Hilfe G'ttes erwiesen, in Aegypten bei der Rückkehr aus dem babylonischen Exil, bei der Errettung zur Zeit von Mordechai und

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