Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1937)
- Date
- 1937-12-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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jtfWWftFtf'Jr-ftfii&^t* mmm. 2, Dezember 1937 D e Israelit Nr. 48 Seite 3 F a I s c hes Makkabäertum (Fortsetzung von Seite 1.) geht dahin, daß sie endlich energische Schritte zur Ausrottung jenes Banditentums unternimmt, das unser unschuldiges Blut vergießt und ein Schandflecken des Landes ist. Aber nicht mit Racheakten werden wir etwas erreichen. Wir müssen wissen, daß die Zeit zu ernst für blutige und nutzlose Experimente ist. Wollen wir stark sein, so müssen wir uns auch stark machen gegen solche Gedanken und Anwandlungen!" Als die „Habima" in Palästina ein Schomr im -D r am a von Ever Hadani aufführte, in dem ein. mutiger und schußbereiter Schomer der „Held" ist, schrieb einer der erfahrensten Schomrim, Zwi Nadaw, im „Hapoel Hazair: „Natürlich dachte niemand von uns, daß er, wenn man auf ihn schösse, nur ,,Schma Jisrael" rufen solle. Es war eines der selbstverständlichen Ziele des Schomer, den Juden zur Selbstwehr zu erziehen. Aber unsere Stellung zu den Arabern war von Beginn an das Streben nach ihrer Freundschaft und nach Frieden. Wir lernten die Tradition, die Bräuche und Sitten unserer Nachbarn, um mit ihnen in Kontakt und Uebereinkunft zu kommen. Wir nahmen selbst ihre schönen Bräuche an wie die Gastfreundschaft und die Beschützung eines jeden, der Schutz bei uns suchte. Wir beobachteten auch diejenigen ihrer Sitten, die uns theatralisch und lächerlich vorkamen. Wir hatten eine Vorliebe für den Beduinen und respektierten ihn. — Es kam in unseren Versammlungen vor, daß unter dem Eindruck der Ermordung eines Wächters, die Taktik; Kugel für Kugel, die Taktik der Rache vorgeschlagen wurde. Aber die Haltung der Schomer-Organisation war eine ganz andere. In jener Zeit, als es noch keinen Regierungsschutz gab, wäre es auch ganz unmöglich gewesen, selbst für zwei oder drei außerordentlich mutige Menschen, umgeben von vielen arabischen Dörfern und Hunderten von Beduinenzelten, allein auf ihre Kraft* gestützt, 20 000 bis 30 000 Dunam Getreide zu bewachen. Es war immer wieder nötig, siclv d i p 1 o m_a t i & c h e r Mit - t e 1 -zu bedienen, um ernste Zusammenstöße zu vermeiden. Aber in Wirklichkeit waren wir sehr darauf bedacht, unser Verhalten den Arabern gegenüber auf unserer genauen Kenntnis der arabischen Psyche aufzubauen. Ein guter Schomer verschoß nur selten eine Kugel. Auf einen Schuß war er gehalten, mit völliger Stille und Selbstbeherrschung zu reagieren. Es gab immer Menschen unter uns, die radikale Maßnahmen verlangten, im Leben aber richteten sich alle nach der Taktik des „Schomer" und dem Geist seiner Beschlüsse." Dieses Wort eines Schomers an Schomrim sollte jede Verherrlichung eines falschen Makkabäertums endgültig zum Schweigen bringen! urrisoriixw«*'k;a*=a^^ Wochenrundschau- Das Todesurteil in Haifa. — Erez Israel im Spiegel der Weltpolitik. — Jüdische Solidarität und jüdische Leistung. — Günstige Wendung in Polen? Die Hinrichtung des bald achtzigjährigen Scheich Farhan-es-Sadi in Haifa ist eine ganz und gar e n g 1 i s c h e Angelegenheit, mit der wir Juden nur ganz mittelbar zu tun haben. Wenn die englische Regierung, die fast zwei Jahre hindurch dem wilden, blutigen Terror gegenüber ein solch hohes Maß von Ueberwindung und Selbstbeschränkung entgegenbrachte, nunmehr mittels der Militärgerichte bis zum äußersten geht, so wird sie wohl ihre triftigen Gründe dafür haben, zu denen wir keine Stellung zu nehmen brauchen. Der Verurteilte war intimer Freund und Mitarbeiter von Fauzi Kaukjis, an dessen Namen viel jüdisches Blut klebt, Aber wir haben niemals nach dem Kopfe der Rebellen gej schrieen. Wenn England jetzt mit eisernem Besen auskehrt, so meinen wir nur, dieses große Reinemachen hätte schon, vielleicht ohne Militärgerichte und Todesurteile, im Frühling 1936 beginnen müssen. Daß man so lange wartete, um jetzt aufs Ganze zu gehen, ist, wie gesagt, eine Sache der englischen Politik, oder richtiger der englischen Strategie im Aufständsgebiet, in die wir nicht hereinzureden haben. Freude und Genugtuung hat die Hinrichtung; auch .in der jüdischen Presse, Palästinas, so weit sie uns zu Gesicht kamen, nicht''ausgelöst; : Mänj jfkann' Jeis ^e^steh^n.;' Abgesehen; &qn den bereits angedeuteten' Gründen, wird damit ein ' Präzedenzfall' geschaffen, der sich auch : einmal gegen jüdische Heißsporne auswirken müßte, die in jugendlichem Abwehreifer, vielleicht nach dem. bekannten Grundsatz!.' „d^r Hieb ist die beste Parade", mal die Grenze der Notwehr überschreiten könnten. Wir: haben angesichts dieses ersten Urteils nur die Hoffnung zu wiederholen, daß es nun genug der Schrecken sein mag, und, daß es endlich den Besonnenen in der arabischen Nation gelingt, dem verführten: Volke klarzumachen, daß mit Banditentum, mit Mord" und Totschlag das' jüdisch-arabische Problem in Palästina nicht zu lösen ist. Was die Vernunft bis jetzt nicht vermochte, wird vielleicht die Furcht fertigbringen. Möge aber die Furcht vor dem Galgen nur ein Weg sein,-der-die Vernunft und die ruhige Besonnenheit zum Ziele hat. Die Vorgänge in und um Palästina finden anhaltend starkes Echo in der Weltpolitik und in der Weltpresse. Der „Osservatore Romano" in Rom, das Organ des Vatikans, veröffentlichte einen Leitartikel zum 20. Jahrestag der Baifour-Erklärung, sowie einen ausführlichen Bericht über die Verhandlung der Mandatskommission in der Palästinafrage. Beide Artikel sind in gemäßigtem Tone geschrieben und geben einen objektiven Ueberblick über die Haltung der Juden und der Araber gegenüber der Baifour-Erklärung. Man erwartet eine Ansprache des Papstes über die politische Situation in Palästina in der nächsten Sitzung des K a r d in al-Kollegiums. Die einflußreiche französische Monatsschrift „Correspondence d'Orient" schlägt zur Frage der jüdisch-arabischen Verständigung einen Waffenstillstand von fünf Jahren vor. Für diesen Zeitraum müßten sich die Araber verpflichten, nichts gegen die jüdische Einwanderung zu unternehmen und die Zionisten diese Einwanderung während der fünf Jahre auf eine gewisse, von der Mandatarmacht garantierte Ziffer zu beschränken. Indessen könne das Problem nur im Rahmen der Gesamt - Mittelmeer - Probleme gelöst werden. Der Plan nimmt sich auf dem Papier ganz gut aus. In der Praxis? Die Beschränkung der Einwanderung kommt leider ohne jüdisches und zionistisches Zutun. Und was die Araber betrifft, so muß man bedenken, daß der Terror nicht von der arabischen Nation in ihrer Gesamtheit ausgeht — und Banditen pflegten keine Waffenstillstandsverträge abzuschließen. Im übrigen bedürfte es keiner fünf Jahre, e i n Jähr ruhiger Ueberlegung würde genügen, das arabische Volk in Palästina für alle Zeiten zur Vernunft zu bringen. * * * Dr. Wolf gang S. Matz dort spricht im Frankfurter „Jüdischen Gemeindeblatt" unter vielen, anderen auch das folgende „offene Wort" aus: „Viele Juden, ganze Berufsgruppen, sind in ihrer Existenz auf den Verkehr und Austausch aufeinander angewiesen. Die Anforderungen, die wir in dieser Beziehung an uns stellen, können nicht scharf genug sein. Deshalb verlangen wir von einander auch eine erstklassige Leistung und einen Wettbewerb, bei dem nur die beste Leistung den Ausschlag gibt. Es gibt keine Rücksicht, die einen jüdischen Auftraggeber dazu verleiten könnte, sich aus falsch verstandener jüdischer Solidarität mit einer minderwertigen Leistung zufrieden zu geben. Hilfsbedürftigkeit und Unterstützungswürdigkeit sind allein noch keine Voraussetzungen für eine Berücksichtigung im sauberen Wettbewerb, erst die Leistung entscheidet, und diese wirbt für sich, auch im jüdischen Kreise. Dies gilt für die Tätigkeit des selbständigen jüdischen Handwerkers und Gewerbetreibenden, nicht weniger aber auch für den jüdischen Angestellten im Betriebe seines, jüdischen Arbeitgebers; Gewifr darf ein jüdischer Unternehmer seinen jüdischen Beschäftigten nicht fühlen lassen, daß er als Jude allein ihm noch einen Arbeitsplatz ermöglicht; keineswegs darf aber der jüdische Angestellte durch Distanzlosigkeit und mangelnde Arbeitsdisziplin auf die Nachgiebigkeit des jüdischen Arbeitgebers rechnen. Wir Juden in Deutschland müssen aneinander einen besonders strengen Maßstab legen und darauf achten, daß Wert und Niveau unserer Leistung gehalten und, wenn möglich, dauernd gesteigert werden. Wir müssen hinsichtlich der arbeitsmäßigen Forderungen gegeneinander hart und streng sein." Das ist absolut richtig. Nur darf hinzugefügt werden, daß es immer noch welche unter uns gibt, die an die jüdische Arbeit und den jüdischen Arbeiter und Handwerker mit einem gewissen Vorurteil herangehen, obwohl dieses durch die jüdische Leistung längst beseitigt sein soll. Auch darf der Berücksichtigung des sabbathaltenden jüdischen Arbeiters, Handwerkers — und auch Kaufmanns (Inhabers eines offenen Ladengeschäftes) in diesem Zusammenhange das Wort geredet werden. Eine günstige Wendung in Polen scheint sich anzubahnen. Wie aus Warschau berichtet wird, widmet man große Aufmerksamkeit den Entscheidungen des Wilnaer Kongresses des polnischen Verbandes ehemaliger Frontkämpfer (POW), an deren Spitze der frühere Premierminister Koscialkowski steht. Die Zeitungen weisen darauf hin, daß der Kongreß, der durch eine Radio-Ansprache des Marschall R i d z- S m i g 1 y beehrt wurde, einen Einfluß auf das Regierungslager im Sinne einer gemäßigt zentralistischen Politik ausüben wird. Die von dem Kongreß angenommene Resolution betont stark die Forderung, daß an der Konstitution der polnischen Republik festzuhalten sei. Man erwartet, daß die Tendenz der Koc-Partei, Unterstützung bei den Jugendorganisationen der Nara-Jugend zu finden, einen Rückschlag erfahren werde. Allerdingst ist nicht zu erwarten, daß dadurch die Politik der Regierung in der Judenfrage eine grundsätzliche Aenderung erfahren wird. Diese Politik wird sich auch weiter aufbauen auf der Polonisierung des Wirtschaftslebens, der Förderung der jüdischen Emigration und auf der strikten Ablehnung aller Methoden der Gewalt und des Terrors zur Lösung der Judenfrage. Die Fortsetzung der Artikelserie „Der jüdische Staat" von Dr. Ph. Biberfeld mußte wegen Raummangels diese Woche zurückgestellt werden. Geschichtliche Betrachtungen zum Chariukahfesfe Von Rabb. Dr. Neuwtrth'in Berlin. Im Folgenden wollen wir einige Gebräuche des Chanukahfestes vom geschichtlichen Standpunkt aus betrachten. Drei Punkte sollen hierbei besonders berücksichtigt werden: 11 der Zeitpunkt der Einsetzung des Festes, 2. die Stellung der Frau bezüglich der Sitten dieses Festes und 3. die Beziehung des Chanukahfestes zum Neumondstage (Rosch Chodesch). Bisher betrachtete man im allgemeinen die Hasmonäer als die Begründer des Chanukahfestes. Sie haben nach ihrem Siege über die inneren und äußeren Feinde diesen Erinnerungstag eingesetzt; Wir glauben Beweise anführen zu können, daß diese Ansicht nicht in allen Teilen aufrecht zu erhalten sei. Wir getrauen uns, die Frage aufzuwerten: gab es vor den Hasmonäern, ja Jahrhunderte vorher, vielleicht nicht schon ein auf Tempel und Altar bezügliches, dem Chanukah ähnliches und an dem gleichen Datum des Monats Kislew begangenes Fest? Knüpften die Hasmonäer nicht an einen bereits seit Jahrhunderten den gleichen Zwecken und Zielen dienenden Tag an? Um diese Frage zu beantworten, möchten wir zunächst die makkabäischen Berichte über den Charakter dieses Festes als Grundlage anführen. Nach diesen haben die Hasmonäer für alle Zukunft ein Fest der Altar-Weihe bestimmt: „So feiert denn", lautet der Bericht, „die Tage der Altars-Weihe Jahr für Jahr zu ihrer Zeit." (I. Makk. 1, 59). So nennt auch das zweite Makkabäerbuch unser Fest „Tage der Tempellaüftim STRUMPFHAUS METZGER ZEIL 87 auch Herre'nwäsche, Trikotagen und Badewäsche \ Winter-Mäntel und Anzüge aller Art gut und preiswert bei Auf W.unsch «np3-VErarbeitung Frankfurt a. M. Hindenburgplatz 12 am Hauptbahnhof EsgasaaEjsss^a^ag^'saa^jg^ ~:iY'-r-