Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 37-38 (17.9.1937)
- Date
- 1937-09-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 37/38 Der' Israelit 17. September 1937 Zum Schluß schreibt Dr. Fischer: Wenn die Schaf-' fung eines Jüdischen Nationalheims in Palästina eine Staatsnotwendigkeit ist, wie aus den meisten Antworten auf die Rundfrage des „Curentul" hervor-:' geht, so ist dies gleichzeitig ein tiefgehegter Wunsch der Judenheit. Gleichgültig aber, welche Haltung Genf zu dieser Frage einnimmt, kann die Entschei dung dieses Forums die bürgerlichen Rechte der Ju den in den Ländern, in welchen sie leben, nicht be rühren. Um so weniger , darf dies die Deklassierun von Zehntausenden arbeitsamer Menschen zur Folg haben. Es ist weder richtig noch gerecht und auch nicht einmal im Interesse des Staates gelegen, in seinem Innern Zentren der Not und der Verzweif lung zu schaffen. Eine reale Lösung kann nur durch eine kulturelle,' soziale und materielle Hebung des rumänischen Elementes und insbesondere der Bauern Schaft erreicht werden. Das steht jedoch in gar kei nem Zusammenhang mit dem Judenproblem. Die Ju den sind bereit, den rumänischen Staat in der Er füllung seiner historischen Mission in diesem Teile Europas zu unterstützen. Italien. Gesamtjüdische Aufgäben und die Judenheit Italiens, Aufruf der italienischen Rabbiner. Rom, 10. Sept. Im Hinblick auf die in letzter Zeit an die Juden Italiens mitunter gerichtete Aufforderung, jeden Zusammenhang mit der Gesamtjudenheit und ihren Aufgaben zu lösen, ist ein Aufruf bemerkenswert, den „Die Rabbiner Italiens an ihre Brüder" gerichtet haben. In dem von Oberrabbiner Prato und anderen hervorragenden Rabbinern unterzeichneten Aufruf heißt es u, a,; „Es ist nicht unsere Aufgabe, . die guten oder schlechten Seiten des völkerrechtlich garantierten und unter Völkerbundskontrolle gestellten Jüdischen Na tionalheims und den neuen Teilungsyorschlag zu prü fen. Wir wünschen nur, daß die. italienischen Juden dessen eingedenk sein mögen, daß diese Versuche, die notleidenden Juden zu rehabilitieren, von der g'ttlichen Vorsehung vorausgeschaut und gebilligt worden sind und daß ihr Erfolg völlig von der Treue abhängt, mit der die Juden an den Vorschriften der Thora festhalten." In dem Aufruf wird vor den. Gefahren einer Spaltung gewarnt und der Versuch gewisser italenisch jüdischer Elemente, das Judentum in eigener Weise zu interpretieren, und in Italien eine von der übri gen Judenheit losgelöste Reform>Synagoge aufzurichten, verurteilt. Treue zur eigenen Geschichte und Sendung hindere nicht die Erfüllung der Pflichten gegenüber dem Staate. Wer sein Leben nicht der jüdischen Ueberlieferung gemäß gestaltet, könne nicht behaupten, daß er das Judentum repräsentiert. Frankreich. Judenfeindliche Ausschreitungen in Marokko« Paris, 9. Sept. Die panarabischen Nationalisten in Meknes (Französisch-Marokko) haben gegen das französische Regime Kundgebungen veranstaltet, die in einen Judenpogrom ausarteten. Viele jüdische Geschäfte wurden zum Teil vernichtet, zum Teil ausgeraubt. Die Fremdenlegion schritt gegen die etwa 10.000 Aufrührer England. Hilfsaktion in England für Juden in Polen. London, 3. Sept. Der United Appeal for Jews in Poland hat eine Aktion zur Aufbringung von 50.000 Pfund«für notleidende Juden in , Polen eingeleitet. Ein gemeinsamer Ausschuß des Verbandes der jüdischen Hilfsorganisationen Großbritanniens, .des gemeinsamen britischen ORT-OSE-Komitees für djen Wiederaufbau der osteuropäischen Judenheit und des Keren Hathora hat jeinen Aufruf erlassen, in dem erklärt wird, daß das Ergebnis der Sammlung zur Durchführung eines großzügigen Planes unmittelbarer und konstruktiver Hilfe dringend benötigt wird. Unterzeichnet ist der Aufruf von dem Vorsitzenden des United Appeal, Dr. D. Jochelman, von Chiefrabbi Dr. J. H. Hertz und Hacham Dr. M. Gaster als Präsidenten, ferner von Prof. Selig Brodetsky, Jacob Rosenheim, Oberrabbiner Dr. Isaäc Herzog, Rabbi Dr. I. Mattuck und anderen führenden Persönlichkeiten. Dänemark, Verurteilung wegen Verbreitung judenfeindlicher Schriften in Dänemark. Kopenhagen, 8. Sept. In Kopenhagen hat ein Prozeß gegen sechs Redakteure judenf eindlicher Zeitschriften wegen Verbreitung fälschet,J, diffamierender und" verleumderischer Behauptungen. gegen die Judenheit Dänemarks stattgefunden. Einer der Angeklagten, Lemvigh- Müller, wurde wegen Veröffentlichung der Flugschrift . „Die Moral der Juden" zu 40 Tagen, Aäge Ander sen, der Führer einer der drei radikal Judenfeind iiichen Gruppen in Dänemark, zu 60 Tagen Gefängnis wegen Veröffentlichung von drei Flugschriften, die schwerste Beleidigungen und Schmähungen der Juden enthielten, N. Olsen, der Redakteur; von zwei judenfeindlichen Zeitschriften, zu 80 Tagen Gefäng nis wegen eines Artikels, in dem die Juden beschul digt werden, nichtjüdische Frauen zu vergewaltigen und von Mprdlust beherrscht zu sein, N. Moeller zu 20 Tagen Gefängnis wegen Herstellung eines Plakates mit beschimpfenden Aeußerungen £egen das Alte Testament verurteilt. Der Redakteur "einer weiteren judenfeindlichen Zeitschrift, Waldemar Jensen, is bereits wegen Veröffentlichung verleumderischer An griffe gegen Mitglieder des dänischen Kabinetts zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die angeklagte Frau Hennig wurde freigesprochen, weil die Veröffentlichung eines von ihr gehaltenen judenfeindlichen Vortrages gegen ihren Wunsch erfolgt war Das Gericht verfügte weiter die Beschlagnahme aller beanstandeten Flugschriften und Zeitungsausgaben. Es erklärte, daß die in diesen Veröffentlichungen gegen die Juden erhobenen Beschuldigungen jeglicher Grundlage entbehren, Syrien. Die Panarabische Konferenzj in Syrien. Keine Staatsmänner unter den Teilnehmern. — Nur wenige Delegierte aus Palästina. Damaskus, 8. Sept, An der sogenannten panarabischen Konferenz die am 8. September in Bloudan bei Damaskus eröffnet wurde, nehmen nur wenige palästinensische Delegierte teil, da den wichtigen palästinensischen Führern kein Einreisevisum gegeben worden ist. Auch ist weder Nuri Pascha noch sonst ein bekannter aktiver arabischer Staatsmann zu den Beratungen eingetroffen. Nur' der ehemalige Ministerpräsident des Irak, Nägi Esweedy, und ein früherer irakischer Minister sind anwesend. Aus Palästina sind der Vertrauensmann des Mufti, Dschemal el Husseini, Izzat Darwat, Issai Lissa und Fakry Bey Nashashibi sowie Abdul Hadi, der Sekretär des Obersten Arabischen Komitees zugegen. Den Vorsitz , auf der Konferenz führt Nebil il Asma Bey. Außerdem sind De legationen aus Aegypten und Syrien erschienen. * '! Damaskus, 9. Sept; Auf dem Panarabischen Kongreß, de* am Mitt woch Abend in Bloudan bei Damaskus eröffnet wurde, sind alle arabischen Staaten mit Ausnahme des Jemen vertreten. Vierhundert Delegierte nehmen an den Beratungen teil. Aufgabe des Kongresses ist es, eine einmütige Stellungnahme gegen die zionistischen Bestrebungen in Palästina herbeizuführen. Zum Vorsitzenden des Kongresses wurde Nadschi Esweedy, der i. J. 1929 bis 1930 Ministerpräsidenf des Irak war, gewählt. Vizepräsidenten sind der frühere ägyptische Unterrichtsminister Mohammed Ali Pascha Alloübah, Emir Schekib Arslan und Metropolit Horaikeh aus Hama. , Die Eröffnungsansprache Nadschi Esweedy wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. Er schilderte die Etappen der arabischen Nationalbewegung, die in! der Hoffnung auf einen arabischen Staatenbund gipfelt und in der Unterstützung der Araber Palästinas durch alle Araber bei der Abwehr der Gefahren des Zionismus und eines jüdischen Staates zum Ausdruck komme. Der Zionismus, so sagte er, sei eine krankhafte Wucherung am Körper der ararischen Länder, die beseitigt werden müsse, da sie sonst zum Tode dieses Körpers führen würde. Der Redner wandte sich sodann gegen die Beschuldigung, daß die Araber nicht für den Frieden einträten. Die Politik ^es Westens beruhe auf Gewalt und nicht auf Recht. An alle Araber ergehe die Aufforderung, drastische Maßnahmen zu treffen. Die Engländer und Araber seien bisher Freunde und Verbündete gewesen und sie seien England dankbar. Wenn aber England nicht aufhöre, den Zionismus jzu; unterstützen, dann könne es nicht mehr darauf rechnen, in Zeiten der Not bei den Arabern . Unterstützung zu finden. Die Araber und die Engländer stünden jetzt an einem Scheidewege: - Erigländ müsse ' zwisch'en Juden : und Arabern wählen-. Werde die .' britische Politik sich nicht ändern, dann müßten und würden die Araber ein neues Bündnis zum Schutze ihrer Rechte suchen, Mohammed Ali Pascha erklärte, für Aegypten sei der Zionismus - eine noch größere Gefahr als für die übrigen arabischen Länder. Aegypten müsse als erster unter den arabischen Staaten den Arabern Palästinas zu Hilfe eilen und sie vor Vernichtung retten. ' Noch heftiger waren die Aeußerungen der übrigen Redner. Es wurde die Forderung aufgestellt, daß die 400; Millionen Mohammedaner der Welt den Arabern Palästinas als den Hütern der Heiligen Stätten zu Hilfe kommen. Mit. stürmischem Beifall wurde der Appell des Metropoliten Hofaikeh aufgenommen, dje Einigkeit zwischen Christen - und Mohammedanern aufrecht zu erhalten. Die sogenannten chrisjilich^en Mächte wollten jetzt das Heilige Land demjenigen ausliefern, die den; Gründer des Christentums, gekreuzigt hätten. Das würde, so lange Araber leben, nie. geschehen, # . ' "'■ ''■'-. ■.'.■'iij-. In Soerabaja auf Java in Niederländisch-Indien fand am Montag eine' von rund tausend Mohammedanern 'besuchte Protestversammlung gegen! die Teilung Palästinas statt. 'Es wurde eine.* Protestresolution gefaßt, die dein Größmufti von Jerusalem,;-der Britischen Regierung, dem Völkerbund und dem Panarabischen Kongreß in Bloudan übersandt wurde. Amerika. ■ - - f: Die jüdischen Arbeiter der New Yorker Konfektion spenden den Ertrag eines Arbeitstages für die Juden in Polen. New York, 3. Sept. Die jüdischen Gewerkschaften der New Yorker Bekleidungsindustrie haben mit den Arbeitgebörverbänden ein Abkommen getroffen, demzufolge sie sich bereit erklären, den Arbeitsausfall zu Rosch Haschana durch Nacharbeit an einem sonst arbeitsfreien Tag wett zu machen. Für diese Nacharbeit wird Ueberstundentarif gezahlt; den Mehrverdierist, der auf 50.000 Dollar geschätzt wird, haben die Gewerkschaften für das Hilfswerk zugunsten der hotleidenden Juden in Polen bestimmt. Personalien. Amtseinführung des Bezirksrabbiners Gotthelf Wohlgemuth. . Kitzingen a. M., 3. Sept. Am 29. August, nachmittags 3 Uhr, fand in dei festlich geschmückten Synagoge zu Kitzingen die feierliche Installation des neu gewählten Bezirksrabbiners Gotthelf Wohlgemuth, Sohn des früheren, so bald verstorbenen Rabbiners Dr. Joseph Wohlgemuth s. A. statt. Von Nah und Fern waren Gäste, Vertreter der Bezirksgemeinden, Lehrer, Delegierte der Nachbargemeinde Würzburg und dirt Mitglieder der Gemeinde Kitzingen selbst herbeigeeilt, um Zeugen zu sein von der erhebenden FeieJ in. der herrlichen Synagoge zu Kitzingen. / Männersynagoge und Frauenempore' waren überfüllt, ein Beweis der Anteilnahme an diesem^ für den Rabbina tsbezirk Kitzingen wichtigen Ereignis. Punkt 3 Uhr betrat der neue Rabbiner, begleitet von dem amtierenden Bezirksrabbiner, Herrn Dr. Hannover, Würzburg, und dem ersten Vorstand der Gemeinde Kitzingen, Herrn Gustav L a u b e r und der Gesämtverwaltung das herrlich beleuchtete GHteshaus vom Synagogen-Chor mit Boruch-haboh empfangen. Herr Vorsteher Lauber begrüßte alle erschienenen Gäste und dankte zunächst Herrn Rabb. Dr. Hannover für die 2% jährige. Verwesung des Bezirks Kitzingen und dem Israelitischen Gemeindeverband, •der die Wiederbesetzüng des Rabbinats Kitzingen, in Verbindung mit dem Rabbinat Ansbach in entgegenkommender. Weise ermöglicht' hat.. Sodann gedachte er in ergreifenden Worten des .verewigten "Rabb. Dr. J. Wohlgemuth und wandte sich dantt mit herzlichen Worten an . den Sohn, des Verstorbenen, ihm die übernommenen Pflichten vor Augen führendt ans Herz legend sich ganz besonders der . Jugend zu widmen und die Wohlfahrtspflege zu betreuen. In großangelegter, geistreicher rnnd inhaltsvoller Predigt schilderte . sodann;Herr Bezirksrabbiner Dr. Hannover den vielseitigen, verantwortungsvollen Beruf des Rabbiners, besonders in der-heutigen Zeit. Mit tief schürf igen und märkanten Worten entwarf der Redner ein Bild des Vaters des neuen Rabbiners ihn ermahnend, in des Vaters Fußtapfen zu treten zum Wohle des Rabbinatsbezirks Kitzingen und ganz Israel. Zugleich übermittelte Herr Dr.. Hannover in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Verbandes Bayrischer Israelitischer Gemeinden die Glückwünsche ' dieser Institution, sowie auch dl£; Wjinsche der Nachbargemeinde;Würzburg; Darauf ifblgte die Ansprache des . Herrn; Rabbihers Gotjthelf Wohlgemuth. In tiefbewegten Worten gedächte er seines großen Vaters, beteuernd und . gelobend, ^ii in all seinem Tun stets a}s nachahmenswertes Vorbild.- vor Augen zu haben, der Gemeinde und dem Bezirk ■ ein treuer Raw zu sein, die Jugend .nach d.eiQ : Wegen der Tauroh zu erziehen und den Nptleiden4«h; und Hilfsbedürftigen mit Rat und Tat beizustehen.^Ohne ein festumrissenes Programm seines. Wirkens festzulegen, kennzeichnete der junge Rabbiner in wohldurchdachten Worten, wie er sich seine Tätigkeit als Rabbiner, und Seelsorger vorstelle und auszuführen^ gedenke. ,f : , Herr Lehrer und:.Kantor B amb erger gab zunächst der Freude über die Wiederbesetzüng des Rabbinates beredten Ausdruck, der im Herzen des Rabbiners, in . den Herzen seiner 'Angehörigen " und seiner Gemeinden einen Cii^^pir^^9i^0^'''iv^^': dann überbrachte er die Wünsche- .der! 'Isehrer des Bezirkes mit der Versicherung,. daß sie ihm; yollstes Vertrauen und bestes Wollen: entgegenbringen zur gemeinsamen Arbeit in Schule ..und Synagoge. r Mit dem Chorgesäng MätawU^ unter der sicheret! Stabführung des Herrn Jos.' S c H a c h t e r'V schloß die erhebende Feier, die,-. ätlen Teilnehmern: noch lange eine schöne Erinnerung §ein wird.