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Der Israelit · 1937-09-17 · Heft 37-38 (17.9.1937) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 37-38 (17.9.1937)
Date
1937-09-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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'*^y^<TfjT???w^^ Seite 8 Nr. 37/38 Der Israelit der Obersten Leitung Einfluß auf dessen Geschäftsführung- Wir haben beide das Gut in- . spiziert und haben durch Verhandlung die Möglichkeit für die Ansetzung gesetzestreuer Siedler in geschlossener Gruppe erreicht und uns auch erfolgreich bemüht, in das ganze Gut jüdischen Geist hineinzubringen. Wir haben ferner den Agronomen Dyk, den ehemaligen Leiter der Franz Oppenheimer'schen Siedlungsgesellschaft, der heute mit der polnischen Delegation auf Madagaskar ist, für die Mitarbeit bei einer selbständigen agudistischen Siedlung sowie für eine zentrale Organisation zur Berufsumschichtung von Juden gewonnen. Infolge der Auswanderung von Dr. Birnbaum nach Holland und anderer Umstände ist die Tätigkeit der Kommission' selbst unterbrochen worden, Ich habe dann vor etwa fünf Jahren die Forderungen, die ich heute vorgetragen habe, zusammenfassend niedergelegt, und die Weltexekutive der Agudas Jisroel hat diese Forderungen den führenden jüdischen Hilfsorganisationen AHiance, Joint, American Jewish Committee Ica, Hias, Emigchireet Ort, Osa, Hilfsverein Board of Deputies, Joint Foreign Committee übermittelt und den Zusammentritt einer jüdischen Weltkonferenz zwecks Ausarbeitung eines Gesamtplans für ein großzügiges jüdisches Hilfswerk angeregt. Sie fand jedoch kein Echo. Die aufgeforderten Organisationen lehnten den Plan mit ein paar nichtssagenden Floskeln ab. Unsere Warnungen und Beschwörungen wurden achtlos in den Wind geschlagen, In der Zwischenzeit kam die bekannte Entwicklung in Deutschland« und die Lage im Osten hat sich tausendfach ver schlimmert. Wäre damals rechtzeitig gemäß un seren Plänen etwas unternommen worden, so hätte viel Not gelindert und Segensreiches ge schaffen werden können. Jetzt, da die Not riesengroß geworden ist und unser Volk bald nicht mehr die Kraft hat, für seine Existenz zu kämpfen, melden wir unsere Forderungen nochmals an: In dieser Schicksalsstunde des jüdischen Volkes richten wir von dieser Stelle aus an die führenden Organisationen der Juden heit den feierlichen Appell, endlich die Zeichen der Zeit zu erkennen und sich zu einer gemeinsamen Aktion zusammenzuschließen. Eine Weltkonferenz ist unverzüglich einzuberufen, die einen Generalplan für ein großzügiges gesamtjüdisches Hilfswerk auszuarbeiten und durch eine aus ihr hervorgegangene Gesamtvertretung der Judenheit, eine Art Jewish Agency für die ökonomischen Fragen der Diaspora, der Weltöffentlichkeit, insbesondere dem Völkerbund, vorzulegen hat. In jedem einzelnen Lande ist ein oberster jüdischer Wirtschaftsrat zu bilden, der das jüdische Sozial- und Wirtschaftsleben des betreffenden Landes in analoger Weise, "gemäß den dargelegten Gesichtspunkten, planmäßig auszubauen und zu gestalten hat. Wir rufen, wir schreien diesen Appell iv^die jüdische Welt hinaus im Namen der Millionen unserer unsäglich leidenden Brüder, im Namen unserer Jugend, die am Rande der Verzweiflung steht, weil sie ein Leben ohne Licht und Freude vor sich' sieht. Wird unser Ruf diesmal vernommen werden? Wir wisgen nur eines: daß wir nicht warten können, bis die Herren vom grünen Tisch so. weit sind und einsehen, daß etwas getan werden muß. Aber setzen Sie nicht alle Ihre Hoffnungen nur auf die patentierten Versorger! Vertrauen Sie auf Ihre eigenen Kräfte! Von der Masse selbst muß die Initiative, muß der Anstoß zur Rettungsaktion ausgehen. Die jüdische Gasse muß selber ihr Recht fordern und ihr Schicksal selber in die Hand nehmen. Wenn Sie, wenn vor allem die Jugend von der Wichtigkeit der Sache durchdrungen ist, wenn sie begreift, daß es eine große, herrliche Idee ist, 17. September 1937 auf neuer Erde eine von Grund auf gesunde, wahrhaft jüdische Gemeinschaft zu errichten, die auf gerechten sozialen Grundlagen; ohne kapitalistische Ausbeutung, ohne Einflüsse eines fremden Mi- 1 ieus sich in einer echten nationalen Thorakultur voll ausleben und entfalten kana, Wenn sie diesen Gedanken zum Mittelpunkt einer lebendigen Volksbewegung macht, dann wird ihr Enthusiasmus, ihr leidenschaftlicher Wille alle Widerstände; "überrennen. Von Ihnen selber, meine Freunde, hängt es ab, ob Sie, von einem besseren Dasein nur ewig träumen werden, oder, oh Sie im" Vertrauen auf die g'ttliche Hilfe seinen Anfang tatkräftig herbeiführen. Sie schmieden Ihr Schicksal selbst. Wenn Sie wollen, wird der Traum Wirklichkeit! Juden auf höheren Schulen. Von Dr. Hermann Weil in Frankfurt a. M. In Weiterführung meiner statistischen Arbei ten über die jüdischen Schüler und Schülerinnen auf höheren Schulen sollen im folgenden die auf Grund der letzten veröffentlichten amt liehen Zählung vorliegenden Resultate auszugs weise dargestellt werden („Wegweiser durch das höhere Schulwesen des Deutschen Reiches", zweiter Jahrgang). 1. Jüdische Schüler(innen) auf den berechtigten öffentlichen und pri vaten höheren Schulen'einschli.eß lieh der jüdischen Schüler (innen) auf den e n t s p r e c h e n d e n j ü d i s c h e n höheren Schulen. Rassezugehörigkeit Land Preußen Bayern Sachsen Württemberg Baden Thüringen Hessen* Hamburg Saarland Mecklenburg Oldenburg Braunschweig Anhalt Bremen Lippe Lübeck Schaumburg-Lippe insgesamt Deutsches Reich 8650 der jüd. Religion angehörig 5302 978 671 238 411 59 103 772 12 13 9 . 13 8" 43 6 10 2 (deutsche Staatsangehörigkeit) jüdisch jüdisch-mischblüt. 4872 942 321 232 423 '54 104 669 13 12 9 17 8 38 6 9 2 2441 325 202 121 183 57 87 224 17 44 11 16 21 16 2 6 5 7731 3778 Ein Vergleich mit der Gesamtzahl aller Schülerinnen) auf den berechtigten höheren Lehranstalten ergibt folgendes Bild: Unter 673 073 Schülern(innen) waren im Schuljahr 1936 8650 Schülerfinnen) jüdischer Religionszugehörigkeit, das sind 1,3 Pröz. Nach der rassischen Gliederung waren 1,1 Proz. Juden und 0,5 Proz. jüdisch-mis chblütig. 2. Verteilung auf die Geschlechter. Gruppieren wir nach Knaben und Mädchen, so erhalten wir: jüdische Religionszugehörigkeit: 4617 Knaben 5033 Mädchen 8650 nach der rassischen Gliederung: jüdisch Knaben 4071 Mädchen 3660 jüdlsck-mistliklßl. 2026 1752 7731 3778 3. Alle höheren Schulen. Nehmen wir zur Vervollständigung noch die nichtberechtigten höheren Lehranstalten hinzu, die von insgesamt 15 550 Schülern, darunter 184 Juden besucht, wurden, so ergibt sich, daß; insgesamt 8834 Juden unter 688 623 Schüle.i-ninnen) , vorhanden waren. Das sind 1,3. Proz., wobei; auch hier berücksichtigt werden muß, daß die jüdischen Schüler auf jüdischen höheren Schulen eingerechnet sind. Im Vergleich zum Vorjahr mit einer Ziffer von 12 922 jüdischen -Schülern ergibt sich somit, daß im Laufe eines Schuljahres die Zahl der jüdischen Schüler (innen) auf höheren Schulen um 4088, das sind rund 32 Proz. zurückgegangen ist. 4. Jüdische Schüler (innen) auf nichtjüdischen höhere n Schulen. Die Gesamtzahl der jüdischen 'Schüler(innen) die im vergangenen Schuljahr jüdische höhere Schulen besucht haben, ergibt sich nach dem amtlichen Material zu 3235. (Zur Vervollständigung muß hier jedoch ergänzt werden, daß zwei jüdische höhere Lehranstalten in diesem Material nicht aufgeführt sind: das Schulwerk der Adaß Jisroel Berlin mit 402 Schülern und die Jüdische Schule in Halber^stadt mit 63 Schülern.) Da die Gesamtzahl aller jüdischen Schüler weiter oben zu 8834 berechnet worden ist, ergibt sich, daß das herangezogene amtliche Material eine Zahl von 5599 jüdischen Schülern (innen) auf n i c h t j ü d i s c h e n höheren Schulen aufweist. Legen wir nunmehr die Zahl aller Schüler(innen) auf nichtjüdischen höheren Schulen zugrunde, so ergibt sich abschließend, daß insgesamt 5599 Juden unter 685 388 Schülern (innen) vorhanden waren, das sind 0,8 Proz. Es folgt also daraus, daß es unter 1000 Schülern auf nichtjüdischen höheren Schulen 8 jüdische Schüler(innen) gab. Der Prozentsatz hat sich vom Jahre 1935 auf 1936 von 1,45 Proz. auf 0,8 Proz. erniedrigt. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Auslandsreisen jüdischer- Wehrpflichtiger. B e r 1 i n, 10. Sept, „Der Schild", das Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, berichtet auf Grund einer Rücksprache mit den zuständigen Sachbearbeitern im Reichskriegsministerium über die Voraussetzungen für die Mitwirkung der Wehr ersatzdienststellen h&i Auslandsreisen jüdischer Wehrpflichtiger. Danach ist zur Vornahme von Reisen ins Ausland zu vorübergehendem Aufenthalt (zur Erholung oder zu geschäftlichen Zwecken) die Zustimmung der Wehrersatzdienststellen nicht erforderlich. Bei Auswanderung im Sinne des § 17 Abs. 2 des Wehrgesetzes ist zu unterscheiden: die zur Musterung anstehenden Jahrgänge, die Jahrgänge 1913—1917, sowie die noch nicht aufgerufenen, aber bereits wehrpflichtigen Jahrgänge 1918 und 1919 (die das 18. Lebensjahr vollendet haben), bedürfen, solange sie noch nicht den Musterungsbescheid über ihre Zuweisung zur Ersatzreserve II erhalten haben, der Zustimmung des Wehrmeldeamtes zur Auswanderung; die gemusterten jüdischen Wehrpflichtigen) die den Wehrpaß mit: dem Bescheid. „Ersatzreserve II" erhaltenhabenr spwie alle . Angehörigen der Geburtsjahrgänge' vor 1913,' die ohne, weiteres; zur Ersatzreserve II bezjv. nach Völlendung des 35/ Lebensjahres zur Landwehr II gehören, bedürfen: bei der.r Auswanderung! nicht; der Zur Stimmung der Wehrersatzdienststellen,

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