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Der Israelit · 1937-09-17 · Heft 37-38 (17.9.1937) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 37-38 (17.9.1937)
Date
1937-09-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ä£jj«?K«$fip35sgifäg^ >#Kr>£j^ / -»r*-)r>^»*-»i>* 17.'September 1937 D Israelit Nr. 37/38 Seite 7 Straße in Marienbad mit Kenessio Gedaulo- Transparent. (Phot. Arno Katz Ffm.) Es sind folgende Mittel vorgesehen: a) Veröffentlichungen in der Presse über verschiedene Chisuk Hadath-Angelegenheiten und über vielfach vernachlässigte wesentliche Religionsgese'tze. b) Vorträge in Bethäusern und Vereinen. c) Entsprechende Aufrufe. d) Herausgabe von populären Broschüren und Sammlungen von Dinim, s e) Verpflichtung jedes Agudisten täglich eine be- .s stimmte Zeit für das Thoralernen einzuhalten, den Daf Jomi und mindestens drei Seifim Halacha zu lernen. 5. In jeder Aguda-Ortsgruppe ist dafür zu sorgen, daß jeder Agudist selbst und auch mit anderen lernt, um so die Reihen der Lomde Thora zu vergrößern. ' Schabbos. 1. Es ist Pflicht sämtlicher Aguda-Instanzen, sowohl in Erez Jisroel als auch Chuz laarez, alle Mittel anzuwenden, um Schmirath Schabbath zu fördern Als geeignete Wege werden bezeichnet.' a) Aufstellung von Listen von Schomre Schabbath und Unterstützung all jener Geschäfte, Unternehmungen und Arbeiter, die den Schabbath hüten. Die Kenessio Gedaulo fordert alle agüdistischen Arbeitgeber auf, die Schomre Schabbath 2« bevorzugen. 1 b) Vermittlung von Stellen für Schomre Schabbath. c) Gründung von Ghewroth Schomre Schabbath, deren Mitglieder verpflichtet sind, durch Mitarbeit und Geldspenden für Schmirath Schab' bath zu sorgen. Jedes. Mitglied hat seinen persönlichen Einfluß für Schmirath Schabbath geltend zu machen und den Chiilul Schabbath zu bekämpfen. d) Aufklärung der Schomre Schabbath über die Heiligkeit des Sabbattages, Schutzmaßnahmen gegen Chillul-Schabbath durch Fortführung der traditionellen Formen der Sabbatheiligung, wie Thoralernen im Allgemeinen und Hilchotli- Schabbath im Besonderen. e) Aufforderung sämtlicher Gruppen und Rabbiner in Erez Jisroel und Chuz laarez durch den Rabbinischen Rat eine Enquete bezüglich Schmirath Schabbath durchzuführen, und das Resultat der Zentrale bekannt zu geben. 2. Die Kenessio Gedaulo fordert den Keren Hathora auf, die iPropagandatätigkeit für Chisuk Hadath durch Entsendung von Rednern in alle Länder zu unterstützen, 3. In sämtlichen Chadorim, Jeschiwoth ketanoth, Talmud Thoroth und Beth Jakob-Schulen sollen Kurse über Hilchöth Schabbath eingeführt werden. Emigration. 1. Die Kommission für Auswanderung empfiehlt die Schaffung einer Zentrale für Wanderung mit einem hauptamtlichen Leiter innerhalb der Londoner Exekutive. \ 2. Diese Zentrale soll die Beziehungen aufnehmen mit den bestehenden großen territorialen Hilfsorganisationen sowie — unter Hinweis auf die besondere Art der religiösen Einwanderung — mit den Regierungen der für größere jüdische Einwanderung in Frage kommenden Länder. 3< Ferner soll sie mit den zu schaffenden Auswanderungsstellen der jeweiligen Landesorganisationen alle Vorbereitungen für eine großzügige Gruppenwanderung in die Hände nehmen. 4. Es sind eine Reihe von Vertrauensleuten in den Emwanderungsländem zu berufen, die den Einwanderern bei ihrer Ankunft im fremden Lande beistehen und mit ihnen auch nach der Ankunft in ständigem Kontakt bleiben. 5. Es ist zuverlässiges Material über Siedlungs- und NiederiasEuntfsmörflichkeiten zu beschaffen. Broschüren über die ökonomischen und religiösen Schwierigkeiten und deren Ueberwindung in den betreffenden Ländern sollen herausgegeben werden. Ferner soll darauf hingewirkt werden, die Jugend frühzeitig in der Schule und in den Jugendgruppen mit den Problemen von Schimur Hadaß vertraut zu machen, die bei Wanderung und Siedlung in fremden Ländern, ihrer harren. 6. Die Landesorganisationen werden aufgefordert, innerhalb ihres Vorstandes ein besonderes Ressort für Auswanderungsfragen zu schaffen. Uebersee-Auswanderung und Siedlung. Von Maximilian Landau. (Schluß.) Die Frage, die ich jetzt auf aller Lippen schweben sehe, heißt: Und die Finanzierung? Nun, wen nicht schon die eigene Ueberlegung dazu geführt hat, wird durch die Betrachtung der jüngsten Finanzgeschehen in vielen Ländern zu dem Ergebnis kommen, daß das Problem der Finanzierung nicht ein solches der Erschließun^neuer Geldquellen, sondern ein Organisierungsproblem ist. Wenn die geradezu ungeheuerliche Fehlleitung und Verzettelung von Kapitalien in der jüdischen Sozialar.beit abgelöst würde durch Koordinierung gleichgerichteter Bestrebungen und Unterstellung der gesamten Wohlfahrts arbeit unter ein überragendes Ziel, wie das;auf einzelnen kleineren Abschnitten oft mit Erfolg versucht worden ist, wäre schon viel gewonnen. Wir haben über die F i n anzie r un g s - methoden dieses ' Siedlungswerkes bereits unsere ganz konkreten und spezialisierten Ideen. Wir stellen uns nicht etwa eine Finanzierung bloß durch die traditionelle Sammelbüchse vor, sondern aufgebaut auf einer schöpferischen Kombination verschiedener Möglichkeiten unter Verwertung der bisher gemachten Vorschläge und Erfahrungen; wir denken Z, B.* an die Heranziehung der Träger der sozialen Versicherungen und der Erwerbslosenfürsorge, die ihre Unterstützung infolge des Wegzuges der Auswanderer durch Kapitalisierung der ersparten Rentenbezüge quittieren; an Warenkredite der am Unternehmen un-. mittelbar beteiligten Lieferfirmen der Ausriistungs- und Betriebsgüter; Kredite der Reedereien' und Schiffahrtsunternehmungen, welche den Menschen- und Materialtransport betreiben werden; Unterstützung durch den betreffenden Wirtsstaat gegen Beteiligung am späteren Exportgewinn; Zusatzkredite von dessen etwaigen Gläubigerstaaten, welche durch die infolge der Siedlung eintretende Be* lebung der Wirfschaft ein Loseisen ihrer früheren eingefrorenen Kredite erhoffen können, und .ähnliche Möglichkeiten, deren Details ich. hier nicht vor Ihnen ausbreiten kann. Als Basis ist natürlich immer eine internationale Anleihe unter Garantie des Völkerbundes gedacht. Ja, des Völkerbundes. Denn das muß jedem klar geworden sein, daß dieses gewaltige- Kolonisationswerk, das wir vorhaben, nicht bloß eine Angelegenheit der Juden, sondern daß es Sache der ganzen Welt, der ganzen Menschheit ist. Wir müssen jetzt vor dem Weltforum die gesamte jüdische Problematik in voller Breite aufrollen. Wir müssen jetzt vor die Völker der Welt hintreten und sie, die ja doch alle mehr oder weniger von der Juderiffage betroffen sind, auffordern, durch einen umfassenden, großangelegten Plan die Liquidierung dieses Problems in Angriff zu nehmen; sie aufklären, daß es sich nicht darum handelt, einzelne jüdische Menschen irgendwo unterzubringen, sie wieder in zufällige Ritzen und Lücken anderer Wirtsvölker zu stopfen, sie einer neuen ökonomischen und geistigen Mimikry entgegenzuführen, kurz ein unhaltbares Provisorium durch ein anderes zu ersetzen, sondern darum: dem jüdischen Volk als Ganzem, als Volk, als einer körperlich-geistig-seelischen Einheit eine gesunde menschenwürdige Existenz auf neuer Grundlage zu ermöglichen und zugleich die änderen Völker von einer sie tief aufwühlenden und erregenden Unruhe zu befreien. Wir rufen den Völkern der Welt zu: Gebt uns Lebensraum! Gebt uns die Möglichkeit, wieder ein freies und würdiges Dasein zu führen! Gebt uns einen Winkel, wo wir nicht mehr wie gehetztes Freiwild jeder Hand wehrlos preisgegeben sind, sondern wo wir in Sicherheit leben, a r b e i.t e n und unsere nationalreligiöse Kultur ungestört entfaltenkönnen! Das jüdische Volk hat viele Feinde. Aber die wirklich verantwortungsvollen und 'einsichtigen Staatsmänner der führenden Nationen verstehen seine Situation und wollen ihm helfen. Nur müssen wir ihnen klar sagen, was wir wollen, Wir müssen ihnen einen konkreten Vorschlag machen, und zwar einen, der nicht von einer Gruppe allein, sondern vom ganzen Volke ausgeht. Ein so grandioses Werk, wie ich es hier im Umriß angedeutet habe, kann weder politisch noch finanziell von einer Organisation allein in Angriff genommen werden, sondern das verlangt die. vereinigten Kräfte des ganzen jüdischen Vo'lkes. Nur eine alljüdische Wirtschaftskooperation ist imstande, die hier geschilderte Aufgabe auszuführen. Die Agudas Jisroel hat die Problematik des jüdischen Volkes und die wahrhaften Lösungsmöglichkeiten, wie sie in dem Referat dargelegt worden sind, schon lange erkannt. Schon vor etwa sechs Jahren hat die Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland in Erkenntnis der Forderungen der Zeit eine Kommission für Berufsumschichtung und Siedlung geschaffen un-. ter Leitung von Dr. Nathan Birnbaum und mir. Natürlich konnten wir als Gründung der deutschen Landesorganisation uns nur mit den Umschichtungs- und Siedlungsproblemen in Deutschland befassen und taten das im Sinne der oben bezeichneten Arbeit an Ort und Stelle. Wir beteiligten uns an der Tätigkeit des Reichsbundes für jüdische Siedlungen, der das vorbildlich geleitete Gut Großgaglow bei Kotttfus unterhielt und den Erwerb weiterer Güter zum Zweck einer großzügigen Siedlungsakfaon in Deutschland vorbereitete. Dr. Birnbaum gehörte dem Hauptkuratorium' des RIS (Reichsbund für jüdische Siedlungen) an und hatte als Mitglied

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