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Der Israelit · 1937-09-09 · Heft 36 (9.9.1937) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 36 (9.9.1937)
Date
1937-09-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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*TTA*.f* *T^-j.\V*$&f Seite 8 Nr. 36 Der I s r a ,e J x t v 9. . September 1937 Korrespondenzen. Deutsches Reich. Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Presse-Abteilung, Berlin, 2, Sept. Der Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland teilt mit: Durch Erlaß des Herrn Ministers für Volksaufklärung und Propaganda (Sonderreferat Reichskulturwalter Hinkel) ist mit sofortiger Wirkung für alle dem Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland angeschlossenen Kulturbünde, Organisationen und aktiven Mitglieder aller Sparten folgende Anordnung getroffen worden: „Mit sofortiger Wirkung haben alle Mitglieder des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde, die in Drucksachen, Inseraten, Ankündigungen, auf Hausschildern, Visitenkarten usw. durch eine Be rufsbezeichnung auf ihre künstlerische Tätigkeit hinweisen, neben diese Berufsbezeichnung die Worte „Mitglied des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland" in Klammern zu setzen. Dieser Zusatz muß in gleicher Größe und in gleicher Weise sichtbar wie die betreffende Berufsbezeichnung angebracht^ sein. Verstöße gegen diese Anordnung werden schärfstens verfolgt," Eine Möglichkeit zur Einwanderung nach Chile. Berlin, 2. Sept. Die ITA. erfährt vom Hilfsverein der Juden in Deutschland folgendes; Nachdem schon vor einigen Wochen auf die Möglichkeit hingewiesen wurde, eine beschränkte Anzahl jüdischer Familien nach Chile zu bringen — einem Land, in das sonst die Einwanderung fast völlig gesperrt ist und das in klimatischer Hinsicht als besonders günstig gelten kann — wiederholen wir nunmehr, daß diese Möglichkeit immer noch besteht und zwar unter folgenden Voraussetzungen: ■ Der Familienvater muß einen manuellen Beruf ausüben. Ferner soll er möglichst nicht über 40 Jahre sein, mehrere Kinder haben und imstande sein, ein kleines Kapital nach Chile zu transferieren. Hierbei ist zu betonen, daß für Chile besonders günstige Transfermöglichkeiten gegeben sind. Zuschriften sind zu richten an den Hilfsverein der Juden in Deutschland, Berlin W. 35, Ludendorff- Straße 20. Fehler der Auswanderer. — Aus dem neuen Korrespondenzblatt des Hilisvereins. Berlin, 24. August. In Kürze wird ein neues Heft des Korrespondenzblattes „Jüdische Auswanderung" des Hilfsvereins der Juden in Deutschland erscheinen. Das Heft wird als Einleitung einen Aufsatz über „Typische Fehler unserer Auswanderer" enthalten, in dem auf Merkmale eingegangen wird, die sich immer wieder bei der jüdischen Auswanderung und ihrer Eingliederung in andere Länder gezeigt haben. So wird darauf hingewiesen, daß die Abneigung besteht, in die kleineren Städte oder gar aufs Land zu gehen. Eine bessere räumliche Verteilung der Einwanderer bei dem Ueberwiegen kaufmännischer und intellektueller Bor rufe sei doppelt notwendig. Mit der Neigung unserer Auswanderer, so heißt es in dem Aufsatz, dorthin zu gehen, wo schon zahlreiche Juden aus Deutschland leben, steht ein anderer Kardinalfehler, im Zusammenhang: die mangelnde Energie bei der Erlernung der Landessprache. Dieser Fehler -zeige sich schon bei der Vorbereitung der Auswanderung in Deutschland. Viele verlassen sich darauf, daß man Sprachen eigentlich erst im Lande selbst richtig lerne, ein verhängnisvoller Irrtum, da es jeden Einwanderer wohl ausnahmslos schwere wirtschaftliche Opfer kostet, wenn er ohne Kenntnis der Umgangssprache in ein neues Land kommt. Vom rein Wirtschaftlichen abgesehen, ist die Vertrautheit mit der Landessprache die Voraussetzung für jeden näheren gesellschaftlichen Kontakt zu der einheimischen Bevölkerung. Weiter wird darauf hingewiesen, daß ein anderer, allzu häufig begangener Fehler der Auswanderer in der mangelnden Bereitschaft besteht, sich auch innerlich dem neuen Lande anzupassen und nicht stets und ständig den Maßstab des Gewohnten anzulegen. In allen Einwanderungsländern ist viel böses Blut dadurch geschaffen worden, daß unsere Menschen, statt sich in erster Linie als Lernende und Empfangende zu fühlen, an andere, oft noch halb« koloniale Länder die zivilisatorischen Maßstäbe,' etwa des Berliner Westens, anlegen wollten. Andererseits muß auf das dringlichste gewarnt werden, in das andere Extrem zu verfallen, d. h. sich aufzugeben und seine Vergangenheit zu verleugnen. Von allen Fehlern, die der jüdische Auswanderer begehen kann, wäre die Verleugnung seines Judentums der schwerste. Schweiz. Die Schweiz setzt das Abkommen über den Auswandererschutz in Kraft/ Bern, 22. August, Die Schweizer Regierung hat das von der Zwischenstaatlichen Regierungskonferenz für Auswandererschutz am 4. Juli 1936 getroffene Abkommen über die vorläufige Regelung des Rechtsstatus der aus Deutschland Ausgewanderten in Kraft gesetzt. Das Abkommen, das die Schaffung einer Identitätskarte und eines Reiseausweises für die Auswanderer ,u. a. vorsieht, war seinerzeit sogleich von fünf Staaten, von England, Frankreich, Dänemark, Holland und der Schweiz unterzeichnet worden. Nachträglich ist dem Abkommen Portugal beigetreten. Die Schweizer Regierung hat die aus Deutschland Ausgewanderten aufgefordert, sich zur Zuteilung der Ausweise zu melden. Holland. Zweite Konferenz des Weltverbandes polnischer Juden. Amsterdam, 8. Sept Die Tagesordnung des Kongresses enthielt eine ganze Reihe von Referaten über die verschiedensten aktuellen Themen. In Abänderung dieser Tagesord nung wurden aber tatsächlich nur zwei Referate ge halten, die dafür beide die behandelten Themen so erschöpfend und mit einer solchen Sachkenntnis analysierten, . daß sie einen durchaus nachhaltigen Eindruck bei den Delegierten hinterließen. Dr. Taubes aus Amsterdam sprach am ersten Konferenztage über die sozial-ökonomische Lage der JU' den in Polen. Unter Heranziehung des gesamten Zif fermaterials gab. der Redner einen vollkommenen Ueberblick über die wirtschaftliche Lage der in Polen lebenden Zl/Z Millionen ,^Juden. Im Mittelpunkt des zweiten Konferenztages stand das große Kulturreferat von Dr. J. Meitlis aus London. „Wir haben die Aufgabe, die Pioniere der besten jüdischen Volkstraditionen zu sein, zielbewuß und systematisch müssen wir unsere kulturellen Kräfte organisieren, getreu dem Erbe, das unsere Vätef und Bruder in Polen geschaffen haben," - so schloß Her Redner sein mit großem Beifall aufgenommenes Referat. Der Schwerpunkt der sachlichen Arbeit wurde wie immer in den Kommissionen geleistet. Aus den lebhaften Debatten ergab sich, daß der Weltverband nicht die Absicht hat, politische Aktionen gegen die polnische Regierung zu unternehmen oder sich in innerpolitische polnische Angelegenheiten zu mischen.' Er will auch nicht nur ein neues philantropisches Hilfsunternehmen werden. Wohl hat er im Anschluß an die politische und wirtschaftliche Resolution beschlossen, einen Fond von Doli. 1.000.000 zu schaffen, doch bezweckt er hiermit nicht eine übliche Unterstützungsaktion, sondern er will sich aktiv an der Lösung konstruktiver Fragen beteiligen. Gerade darum ist es wichtig, daß er in der wirtschaftlichen Resolution zum Ausdruck bringt, daß der Weltverband die Bemühungen des polnischen Judentums zur Schaffung einer maßgebenden und verantwortlichen Repräsentanz der polnischen Juden in Polen begrüßt und in Zusammenarbeit mit dem polnischen Judentum an der ökonomischen Arbeit in Polen mitarbeiten will. Nach langwierigen Verhandlungen wurde die organisatorische Frage des Weltverbandes in folgender Form gelöst: Die Konferenz wählte eine Exekutive für Europa, die aus 12 Mitgliedern*' (5 aus London, 5 aus Belgien/Holländ, 2 aus Frankreich) besteht, eine Exekutive für Amerika aus 6 Mitgliedern, eine für Palästina ebenfalls aus 6, und eine fÜT Argentinien aus 3 Mitgliedern. Dieses Gremium zusammen bildet die Welt-Exekutive, an deren Spitze der bisherige Präsident des Weltverbandes, Benjamin Winter, aus New York steht. Zur Durchführung der laufenden Arbeiten wurde ein Direktorium gewählt, das aus 4 Mitgliedern besteht, und zwar je ein Mitglied aus Frankreich, England, Belgien, Holland, wo auch der Sitz des Ehrengeneralsekretariats ist. Die Konferenz endete mit einer sehr eingehenden Beratung der neuen Exekutive, und es ist zu hoffen, daß die starken Kräfte, die man trotz der vieXen Debatten immer wieder herausspürte, recht bald eine positive Arbeit leisten werden. Polen. Nachspiel zu den Vorfällen in Brest-Litowsk. Berufungsverhandlung gegen Wolf Czszerbowski, Warschau, 4. Sept. Vor dem Kreisgericht in Wilna wurde am Freitag, den 3. September, die Verhandlung über die Berufung eröffnet, die die Verteidiger Wolf Czszerbowski s;, der in einem persönlichen Streit den Polizisten Kedziora in Brest-Litowsk erstochen hat, gegen die über ihn verhängte Todesstrafe eingelegt haben. Unmittelbar auf den Tod Kedzioras folgten bekanntlich die schweren judenfeihdiiehen Ausschreitungen, von denen der größte Teil der jüdischen Bevölkerung von Brest-Litowsk direkt betroffen worden ist. 1 Staatsanwalt Sokolowsk'i verlangte die Bestätigung den Todesstrafe. Er erklärte, die Atm0- ' Sphäre des jüdischen Protestes gegen das Tierschlachtungsgesetz habe die Tat Czszerbowskis möglich gemacht. Der Vertreter der ZivilklägV'hv der Witwe Kedzioras, Rechtsanwalt Wenclawski, benutzte sein Plädoyer zu schärfsten Angriffen auf die jüdische Gesamtheit. Als er erklärte, daß" nur ei» Todesurteil antipolnischen Terror der. Juden verhindern könne, wurde er vom Vorsitzenden unterbrochen und aufgefordert, zur Sache zu sprechen. Die Verteidiger Rosenthal, Czernichow und Lewin forderten eine Milderung des Urteils mit Rücksicht auf das jugendliche Alter des Täters und auf die provozierenden Umstände, die zu seiner Tat geführt haben. Der Staatsanwalt, der nach den Verteidigern nochmals das Wort ergriff, erklärte, er bestehe nicht mehr auf der Aufrechterhaltung der Todesstrafe, verlange aber, daß eine sehr schwere Strafe über den Täter verhängt werde, die abschreckend wirke und ähnliche Verbrechen verhüten könne. Inzwischen wurde das Todesurteil vom Gericht bestätigt. Eine neue Welle judenfeindlicher Ausschreitun- * gen in Polen. Warschau, 1. 'Sept. Seit Mitte August geht eine verstärkte Welle judenfeindlicher Ausschreitungen über Polen, Größere Exzesse haben sich in 28 Städten ereignet, außerdem häufig kleinere Zwischenfälle in vielen anderen Ortschaften. v Täglich treffen in* Warschau aus den entfernteren Provinzen Abördnungen ein, um bei den Zentralbehörden um Schutz zu bitten- Die Planmäßigkeit, mit der die Angriffe ausgeführt werden, lassen vermuten, daß sie einheitlich geleitet sind. In der letzten Nacht ist das im Zentrumvon Warschau gelegene jüdische Reisebüro „Union Lloyd" von nationaldemokratischen Exzedenten vollkommen zerstört worden. Der erst vor kurzem aus den Vereinigten Staaten eingetroffene Geschäftsführer, Dr, Jesaja Spiegel, wurde verletzt. Per jüdische Fuhrmann Mosche Leib Bedar wurde auf seinem Waiden in Warschau von einem Steinwurf getroffen und so schwer verletzt, daß er bald darauf im Krankenhaus verschied. Zu sehr schweren Ausschreitungen ist es in Bydgoszcz (Bromberg) gekommen. Sechzig Juden wurden verletzt, mehrere von ihnen schwer. Noch immer durchziehen, nationaldemokratische Trupps die Stadt, so daß die jüdische Bevölkerung es vermeidet, die Häuser zu verlassen und die Läden zu öffnen. Viele jüdische Läden sind während der Unruhen geplündert worden. Zu neuerlichen judenfeindlichen Unruhen ist es auch in Stok gekommen, wo uniformierte Nationalradikale zum Boykott der jüdischen Läden aufforderte mit der Behauptung, die Juden hätten während des polnisch-russischen Krieges im Jahre 1920 polnische Soldaten erschossen. Christliche Käufer wurden aus den jüdischen Geschäften gewaltsam entfernt und mißhandelt. Tschechoslowakei. Rabbinatsrat für Karpathorußland neu konstituiert. Der Oberrabbiner von Uzhorod zum Vorsitzenden des Rabbinatsrates gewählt. Prag, 31, August, Das orthodoxe jüdische Zentralbüro für Karpathorußland hat als Oberster Religionsrat der orthodoxen- Judenheit in Karpathorußland die Ergänzungswahl in der fünfgliedrigen Rabbinatsrat vorgenommen, der die Angelegenheiten des Judentums im Osten der Republik leitet. Zum Vorsitzenden des Rabbinatsrates wurde an Stelle des verstorbenen Oberrabbiners von Munkacs, Lazar Spira, der Oberrabbiner von Uzhorod, Josef K o h n , zum neuen Mitgliede des Rates der Schwiegersohn Rabbi Spiras und sein Nachfolger als Oberrabbiner von Munkacs, Baruch Rabinovic, gewählt. Der Rabbinatsrat schlug den politischen Behörden die Ernennung von Regierungskommissaren für eine Reihe von karpathorussischen Kultusgemeinden vor, und zwar für die, Gemeinde in Jasina Dr, Hermann, in Raehovo, Rubin S z e i t e 1 und in Velky-Bockov Ludwig Roth, denen die Führung der Finanzwirtschaft in diesen Kultusgemeinden obliegt. Rumänien. Juden-Exzesse auch in Rumänien. Bukarest, 1. Sept. Ernste judenfeindliche Unruhen werden, aus Buhusi (Moldau) gemeldet. Mit Knüppeln bewaffnete Exzedenten zertrümmerten die Schaufenster jüdischer Geschäfte, hielten jüdische Pässanten;'an' und mißhandelten sie schwer. Der jüdischen Bevölkerung hat sich eine Panik bemächtigt. Die Pplizesi hat Maßnahmen zur Verhütung weiterer Au^sohreituhgen getroffen. ■• ,. > < ,

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