Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 36 (9.9.1937)
- Date
- 1937-09-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9. September 1937 Der Israelit Nr. 36 Seite 5;:' KEREN'H ATOR.A.H steht im Dienste unserer Jugend! i' ■ Talmud Tora-Schulen - für.unsere Jugend! Religionsunterricht in lehrerlosen Gemeinden - für unsere Jugendf Keren Hatorah-Heime - für unsere Jugend.' \ Subventionierung des Jeschiwa-ßesuches - für unsere Jugend! L c ndesd i r ekt ori u m d e s K e r e n H a t orah, Hamburg, Postscheckkonto: Hamburg 2475 3 ^Ihl IttttHHAlatUHt liehe s Schick s a 1 selb st in die Hand nehmen und es in aktiver Weise g e st alt e n. ,- N Die verhängnisvolle Anarchie in unserer- Wohlfahrtsarbeit.-muß. ein Ende nehmen. Es geht nicht an; daß die noch immer reichlich fließenden Mittel unproduktiv verpulvert, die Kräfte in unverantwortlicher Weise verzettelt werden. Wir müssen uns, darüber klar werden, daß der einzige Weg zur wirksamen Beseitigung dieses unwürdigen Zustandes nur die einheitliche Zusammenfassung aller Kräfte der Weltjudenheit und die Aufstellung eines großen, den gesamten jüdischen Wirtschaftsraum um f a s s e n d en und gegen die ci^efltlicheti Ursachen der ökonomischen Juden(krise gerichteten Wirtschaftsplan es sein kann. Ein allgemeiner jüdischer Weltkongreß, wie er trotz seines Mißerfolges immer noch propagiert wird, kann diesem Zweck nicht entsprechen. Nach Lage der Dinge lassen sich nun einmal die tiefgehenden weltanschaulichen und politischen Gegensätze innerhalb der Judenheit heute nicht überbrücken. Ein allgemeiner Weltkongreß kann entweder nur zu einer Vertiefung der Dissonanzen führen oder zu der gewaltsamen Majorisierung aller änderen durch eine Gruppe. Wird dagegen die Zusammenarbeit auf das rein Wirtschaftliche beschränkt, so werden die gefährlichsten Sprengungsmöglichkeiten ausgeschaltet und die Voraussetzungen für ein reibungsloses.Miteinander-Arbeiten gegeben. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, daß dort, wo es einfach um den physischen Bestand der Juden, um die Substanz des Volkes geht, eine. einheitliche Front sämtlicher jüdischer Richtungen und Schattierungen ohne weiteres zu schaffen sein müßte. Wir mögen uns ideologisch noch so erbittert bekämpfen, in einem sind wir uns alle einig; Zunächst einmal müssen die Juden leben und da sein. In dieser Zeit des drohenden Zusammenbruches müssen alle lokalpatriotischen Bedenken, alle autark-souveränen Tendenzen unserer zersplitterten Sozialpolitik, all die Schlagbäume, welche die jüdische Sozialpraxis in ein heute ohnmächtiges Kleingebilde zerteilen, restlos verschwinden: die zwingende und dringliche Notwendig k e i t des Augenblicks ist die einheitliche, alljüdische Wirtschaftskooperation. Die konkreten Aufgaben, die Gegenstand einer alljüdischen Kooperation sein können, werden sich aus der gemeinsamen Erörterung von selbst ergeben. Die Kooperation soll nicht unter der Fessel einer gebundenen Marschroute ins Leben treten, sondern sie soll sich ihre Aufgaben in souveräner Weise selber stellen und ihren Ergebnissen soll hier nicht vorgegriffen werden. Aber so viel ist klar: wenn sie eine wirklich durchgreifende Lösung anstrebt, wird sie ihre Tätigkeit auf jeden Fall unter dem obersten Gesichtspunkt einer Konsolidierung und einer auf Dauer berechneten Sicherung des jüdischen Wirtschaftslebens stellen müsseni d. h. im Sinne einer grundlegenden Aenderung der jüdischen Wirtschaftsstruktur, der Berufsumschichtung und Produktivierung der jüdischen Massen, ihrer allmählichen LoslÖsung von der Markt- und Geldwirtschaft und stärkeren Verbindung mit der Urwirtschaft. Was ist im einzelnen zu tun? Zunächst müssen wir uns klar zu Bewußtsein bringen, daß in den gegenwärtigen jüdischen Wohnländern noch längst nicht alle Möglichkeiten einer wirtschaftlichen sozialen Verbesserung unserer Lage erschöpft sind. Wenn wir die Ursachen erkennen und analysieren, die zur Verschärfung der jüdischen Situation in den jüdischen Hauptwohnländern (Polen, Rumänien u. a. m.) geführt haben, so werden wir dem Uebel weitgehend abhelfen können, wenn wir von uns aus, so weit es in unserer Macht steht, einen Teil dieser. Ursachen beseitigen. Wir werden dabei in Verfolgung unserer eigenen Interessen zugleich im Einklang stehen mit den Wirtschaftstendenzen des Wirtsvolkes. Wir werden, indem wir selbst eine gleichmäßigere Verteilung in den wirtschaftlichen Berufen anstreben, um uns neue zu erschließen, und die speziell jüdischen Erwerbszweige teilweise räumen, zugleich dem Wirtsvolk die Möglichkeit zu der von ihm gewünschten stärkeren Vertretung in den kommerziellen und akademischen Berufen geben und so dem Nätiönälitätenkampf, der zum großen Teil ökonomischer Konkurrenzkampf ist, viel von seiner Spannung und Schärfe nehmen können. Wir müssen unsere Massen von den großen Städten und dem übersetzten Kleinhandel abziehen und sie in andere Berufe und andere Wirtschaftsformen überführen, nicht durch Entfesselung eines neuen Konkurrenzkampfes auf anderen Gebieten, sondern durch Ausfüllung von bestehenden Lücken im Wirtschaftsorganismus des Landes. Konkret gesprochen bedeutet das die Eröffnung neuer Erwerbsmöglichkeiten etwa durch Errichtung von Heimindustrien, die Schaffung eines handwerklichen und industriellen Produktiv-Genossenschaftswesens, das in einem gleichwertigen Konsumgenossenschaftssystem die entsprechende Ergänzung fände, und aus einem gutorganisierten Fachschul- und Lehrstättenwesen für die männliche und weibliche Jugend die vorgebildeten Kräfte bezöge. Das* schließt weiter ein den Ausbau eines gemeinnützigen Kreditwesens, eines Systems von Volksbanken und Gemiluth-Chassodim-Kassen, das von der staatlichen oder sonst einseitig festgelegten Kreditpolitik weitgehend unabhängig macht. Und das bedeutet ferner die Notwendigkeit einer großzügigen landwirtschaftlichen Siedlungsaktion, wobei nicht notwendig an eine einseitige Agrarisierung gedacht ist, sondern eher an neue gemischtwirtschaftliche Verbindungsformen von Landwirtschaft mit Handwerk und Gewerbe. Diese Aktion, auf planwirtschaftlicher genossenschaftlicher Grundlage errichtet, wird in Anlehnung und Benutzung der Agrarreform- Gesetze erfolgen können, wobei die Besiedlung von kultivierbarem Moor- und Oedland besonders ins Auge zu fassen ist. Ich greife mir aus den vorliegenden Möglichkeiten ein Projekt heraus, das mir besonders wichtig erscheint und das schon vor Jahren einmal Gegenstand der öffentlichen Diskussion und interner Beratungen innerhalb der Leitung gewesen ist. Manche von Ihnen werden sich erinnern, daß ich vor einigen Jahren den Plan einer jüdischen Agrarsiedlung auf dem Gebiet der sogenannten Pinsker Rokitno-Sümpfe zur Diskussion gestellt habe, und an die Polemik in der polnisch-jüdischen Presse sowie in unserem fers — der wahren Werte vergesset, seht Euch doch um, wie es mit "Euch bestellt ist, jeder bessere seine Fehler aus, verlasse den schlechten Weg und kehre in Reue zurück. Im neuen Jahr hat nun der in Reue zurückgekehrte Mensch sich zu bewähren und die am Rosch Haschono gefaßten Vorsätze in die Tat umzusetzen. Bewährt er sich, so erhält er all das ihm am Rosch Haschono bestimmte Gute. Versagt er aber, so gereicht ihm auch der Reichtum nicht zum Segen. Nur der sich in seinen guten Vornahmen durch die Tat bewährende "Mensch gelangt zum Genüsse des ihm am Rosch Haschoho bestimmten Guten. Der Gerichtstag am Rosch . Haschono ist ein Tay des Zitterns für alle Geschöpfe. Denn an ihm ergeht für sie alle der Richtspruch. Es ist die Zeit der Rückkehr, die Zeit wahrhafter Reue für alles getane Schlechte und der festen Vornahme für die Zukunft, selbst nur gut zu handeln und seine Familienmitglieder zu gutem Handeln anzuleiten. Denn ßs ist ja zugleich die Zeit, da der ,,Funke" im Herzen erweckt wird. An diesem Tage kann jeder sich Und seinem Hause für ein Jähr Leben und Glück erwerben, Es muß nur der Mensch die Härte seines «erzens brechen und es zur Reue führen, dann erhört der Heilige g. s. E. seine Bitten, wie geschrieben steht (jPsalm 51):; Ein Opfer vor GHt ist ein g e b r o;c h e n e s G em'ü t, ferner: E i n g e br o -. °henes und zermürbtes Herz, o G'tt, v e r schmäh st D u^P i c b%, Der F u r c h %h are' u n d H e i t i g e', der, un Gegensatz zu menschlichen) Verhalten, in seiner unendlichen Erhabenheit unendlich Demütige, er sieht mit Erbarmen auf gebrochene Herzen und ist ihnen mit seiner Hilfe nahe, wie geschrieben steht (Psalm 34): Nahe ist der Ewige denen, die gebrochenen Herzens sind, und denen, die gedrückten Gemütes, hilft Er. Ferner heißt es (Jesaia 57): So spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit tKront und dessen Name heilig ist: „In Erhabenheit und' Heiligkeit throne ich, und bin bei dem Gedrückten, und dem, der gebeugten Gemütes ist, um zu beleben das Herz der Gedrückten und um zu beleben das Gemüt der Gebeugte n." Und im Midrasch (Wajikro 87) heißt es: Wer in Reue zurückkehrt, dem rechnet es der Heilige g. s. E. so hoch an, als ob er nach Jeruscholajim gekommen wäre, daselbst das Heiligtum erbaut, den Altar errichtet und auf demselben alle in der Thora vorgeschriebenen Opfer dargebracht hätte.' Ferner heißt es (Sam. I, 15): Gehorchen ist besser als Opfer. An den Tagen zwischen Rosch Haschono und Jomkippur, da der Mensch durch Rückkehr zu G'tt sich Leben und Glück erwerben kann, ist jeder Augenblick von unermeßlichem Werte. Es bete der Mensch mit restlos hingegebenem Herzen, jeder Bruchteil der Zeit sei erfüllt von Gedanken der Reue und der festen, unerschütterlichen Vornahme guten Handelns für die Zukunft. So wird er eines gütigen, freudvollen Urteilsspruches würdig befunden werden. Kleines Feuilleton. Der neue Almanach des Schocken-Verlages. Der jüdische Buchverlag „Schocken-Verlag" hat unmittelbar vor Rosch Haschanä die neue Ausgabe seines seit 1933 .erscheinenden Jahres-Almanachs herausgebracht. Wieder wird zu wohlfeilem Preis dem breiten jüdischen Publikum eine reiche Auswahl aus den Schätzen alten «jüdischen Schrifttums und aus dem literarischen und wissenschaftlichen Schaffen der Autoren geboten, die sich um diesen repräsentativen jüdischen Buchverlag gruppieren. So finden wir neben Nachdichtungen hebräischer geistlicher Lieder aus verschiedenen Epochen und Kulturkreisen sowie aus Werken Salomo ibn Gabirols von Karl Wolfskehl und Friedrich Bargebuhr, Salomonischen Sprüchen und Midraschim auch jüdische Dichtung in deutscher Sprache, auch Schilderungen, die von dem Empfinden und dem Erleben des jüdischen Arbeiters in Palästina Kunde geben. Aufsätze verschiedener Autoren führen in religiöse . und geschichtliche Probleme ' des Judentums hinein. Von Max Liebermann ist ein Brief an Prof. Landsberger abgedruckt, in dem der Künstler sich über die Stellung Rembrandts zum Judentum äußert. Der Archäologe der Universität Jerusalem, Prof. E. L. Sukenik hat einen mit Reproduktionen ausgestatteten Aufsatz über die Fresken der Synagoge in Dura-Europos beigesteuert. Aus dem übrigen Inhalt ist noch die jüdisch-deutsche lieber* Setzung von zwei Psalmen hervorzuheben, die Felix Falk aus Handschriften der Kgl. Bibliothek in Parma zum ersten Mal veröffentlichte