Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 35 (2.9.1937)
- Date
- 1937-09-02
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 54 mit noch anderen Gästen eine so herrliche Zeit verbracht, daß ich mich veranlaßt fühle, hier in Eurem Blatte einiges von dem, was wir erlebten, wiederzugeben« Auf der Wiese unseres Wirtes Berlichingen ist ein Dorf wie alle Dörfer: klein, mit kleinen, höchstens zweistöckigen Häusern. Vor fast jedem Haus befindet sich ein schöner großer Misthaufen; neben beinahe jedem Haus ist ein Stall mit Kühen oder Pferden sowie Geisen. In der Mitte des Dorfes ist die Kirche; b^Uftb wie beim israelitischen Lager in der Wüste: in der Mitte aller Zelte stand das 'rnx lyiQ* — In B. gibt es außer einem „Cafe" und einigen Gastwirtschaften auch eine von der Aguda sehr fein eingerichtete Jüdische Jugendherberge. Da die Umgegend B.'s wundervoll ist, ist solch eine Herberge wirklich am Platze. — Die älteren unter Euch werden nun fragen: „Hat der Name „Berlichingen" etwas mit dem von Goethe beschriebenen „Götz von Berlichingen" zu tun?" O, ja. Denn dieser Ritter Götz hatte hier sein Stammschloß, so daß später der um dieses Schloß entstandene Ort nach dessen Besitzern „Berlichingen" genannt wurde.- Auch die Familie Berlinger erhielt ihren Namen nach diesem Ort. Etwa 2 km von B, entfernt war der eigentliche Wohnsitz des Götz, das Schloß Jagsthausen, und 2 km nach der anderen Seite von B. Hegt Götz begraben. Während das Schloß in Jagsthausen ein prächtiger Bau ist, denrman das Schloß ansieht, und in dem heute noch ein Freiherr von Berlichingen wohnt, sieht das Schloß in B. wie ein größeres Bauernhaus aus^ das ein Fremder nie als die Stammburg der großen „Berlichinger" erkennen würde, wenn die Einheimischen es ihm nicht sagten. In Jagsthausen wird übrigens in einem kleinen Museum oder, wie die Leute dort sagen, Archiv, unter anderem die berühmte „Eiserne Hand" des Götz gezeigt. — Die Stätte, wo Götz begraben liegt, ist das Kloster Schontal. Dieses Kloster besteht heute aus einer katholischen Kirche und einem evangelischen Priesterseminar. Für uns Juden ist folgendes interessant: Ueber dem Portal der Klosterkirche steht in großen, goldenen, hebräischen "Buchstaben, sogar mit fWittttder WflSüTi.DW der unaussprechliche G'ttesname. Gibt es für jüdische Menschen >einen größeren Stolz, als daß-man den ihnen so heiligen Namen zur Zierde und zur . Krönung nichtjüdischer G'tteshäuser nimmt? So habt Ihr einiges über die historisch-wertrollen Orte um B. herum erfahren. Nun zur Bevölkerung. Die meisten Nichtjudeu sind Bauern; schlichte, einfache und außerordentlich gemütliche Menschen. Von diesen unterscheidet - sich die jüdische Bevölkerung kaum. Die Berlichinger Juden sind sämtlichst Viehhändler. Unser Wirt ist auch gleichzeitig Metzger und hat eine Gastwirtschaft. Man kann von ihm sagen: p WS (er heißt nämlich Metz-r ger). Aber sowohl er, wie seine Familie und die anderen jüdischen Einwohner sind nette, gastfreundliche, fromme Menschen. Keiner von ihnen ist rt3W ^na- Sie waren sehr erfreut, daß sie durch uns hatten; Die Andachten waren für mich sehr interessant; denn ich habe viele Gebräuche kennengelernt. Am ptn f-QW hielt mein Vater einen Lehrvortrag, dem alle, Männer und Fraueni sehr interessiert zuhörten. Eine halbe Stunde vom Orte entfernt liegt friedlich und ruhig am Waldesrand das oViy fPS Vor mehr als 300 Jahren bekam die Gemeinde dieses Feld (5 Morgen groß) und den Platz, auf dem die Synagoge steht, vom Ritter „Götz von Berlichingen" zum Geschenk. Urahne, Großmutter, Mutter und Kind (Familie Metzger in Berlichingen) Berlichingen — ich sehne mich nach deinen Weinbergen, nach deinen Wäldern! Nach deinen Familien, die ich grüße aus der Ferne mit dem Wunsche nait? nö'nm niTisi * Eduard Alexander, Berlin. Rabbi Schimon. Ihr wißt, liebe Kinder, v jeder Feiertag hat seine Vorbereitungszeit. Die Vorbereitungszeit für das heilige niffH Wm-Fest beginnt am 1. Elul. Und warum schon an diesem Tag? Am l. Elul ging>Moses nochmals auf den Berg Sinai, und betete für das Volk, das sich schwer