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Der Israelit · 1937-09-02 · Heft 35 (2.9.1937) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 35 (2.9.1937)
Date
1937-09-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nummer 35 1937 Vor den heiligen Tagen. Von flfeinr, pinstädter. Ein Mann schreitet einsam durch die sich herbstsich färbende Landschaft. Noch vor wenigen Tagen brannte sie unter der Glut der Sonne, die vom. Aufgang bis zum Untergang am blauen Himmel strahlte und satte Farben auf der bunten Erdendecke erzeugte, und jetzt, nach einer kurzen Regenzeit, bietet sie das "Bild des Niedergangs, zeigt sie unverkennbare Spuren des Absterbens der Natur. „Das ist der Lauf der Welt,'-' denkt der Wanderer. „Der Wille des Schöpfers läßt aus dem Nichts der Wesen Fülle erstehen, er erhält und pflegt, vermehrt und erhöht sie, und eines Tages beugt er sie nieder zum Boden, um sie bald darauf wieder zu Erde werden zu lassen." „Das ist alles Irdischen Los!" setzt er die Reihe seiner Gedanken fort, indem er sie bewußt auf das Schicksal des Menschen bezieht. Mahnen doch die „Jomim hanoroim", die ehrfurchtgebietenden Tage, mit ihrem unüberhörbaren Aufruf zur Einkehr, zu innerer Sammlung und Buße! Und finden ihn doch diese Gedanken gerade auf dem Wege zum Gefilde de?, Todes, das der Jude so bezeichnend. auch „Haus der Ewigkeit" nennt. Wer könnte so leichtfertig sein, daß er bei solcher Gelegenheit nicht nur einen Rückblick, sondern auch einen Ausblick auf sein eigenes Leben werfen sollte? Unser Freund hat schon viel Schweres erlitten. Wiederholt hat der Tod klaffende Lücken (Gerissen und auch in diesem Jahre ihm gänzlich unerwartet einen harten, noch täglich fühlbaren Schlag versetzt. Er weiß, daß die Zukunft uns Menschen verhüllt ist und. jeder Tag des Lebens letzter sein kann. „Laß* uns richtig unsre Tage verstehen, damit wir ein Herz der Weisheit heimbringen." Die Worte des Psalmisten lispeln seine Lippen, während Tränen der Wehmut seine Wangen netzen Er gehört nicht zu jenen Menschen, die den größten. Teil des Jahres in einer Art Betäubung verlebeu. Alle Vorkommnisse und Erlebnisse, alle Uebungen und Schriftstellen, die ihm beim Ablaufe des Kalenderjahres aufstoßen, sucht er zu verstehen und zu verwerten. So denkt er auch jetzt an eine Stelle im 51. Kapitel des Propheten Jesaias, die den sieben Trostreden eingefügt ist, welche nach dem 9. Ab im G'tteshause vorgetragen werden: „loh bin stets Ich! — Das ist's, was euch tröstet. Wer bist du, daß du dich fürchten durftest — etw3 vor dem sterblichen Menschen, dem Menschensohne, der wie das Gras dahingegeben wird? Und vergissest G'ttes, der noch jetzt dich gestaltet, noch jetzt den Himmel wölbt und der Erde ihre Festigkeit verleiht^ und machst dir beständig Sorge, den ganzen Tag —". In einer tiefgründigen Abhandlung,, die der Verfasser des „Tiferes Jisroel" dem vierten Bande seines Mischnah-Kommentars unter dem Titel „Or hachajim" (Licht des Lebens) anfügt, hat unser Freund unter zahllosen Bibelstellen, die für Ausführungen über das Weiterleben der Seele, die Wiederbelebung des Körpers und die zukünftigen Welten verwertet werden, erst vor kurzer Zeit auch diese Absätze gefunden, ohne ihren Zusammenhang zunächst klar eriassen zu können. Jetzt — in dieser Stunde, wo er sich auf dem Wege zum „Haus der Ewigkeit" befindet, begreift er ihn, „Laß* uns unsre Tage richtig verstehen, damit wir ein Herz der Weisheit heimbringen." (Ps. 90.) Wohl wissen alle'Menschen, daß sie sterben müssen. . Sie sprechen davon, daß ihre Tage gezählt sind, und — sündigen in der gleichen. Stunde. Schon ihre Sorge,. die sie beständig drückt, ist Sünde, ist Mangel an G'ttvertrauen; Hingegen sollen wir G'tt anflehen, daß er uns verstehen lasse, jeden einzelnen unsrer Tage, die dahinfließen, ohne daß wir es. fühlen, mit vollem. Bewußtsein als eine Zeitspanne zu erkennen, die uns wie . auf JSehwihgen langsam, langsam, aber unaufhörlich :genioben zu einer anderen Welt trägt. Dann dürfen wir sicher sein: An dem Tage, an denr wir am-Ende das Angesicht des lebenden G'ttes sehen, werden wir ihm » ein Herz voll Weisheit zubringen. Ete Tag.; in? Bad Dürrheini (ScHwarzwald), , AhVdresein denkwürdigen Tage trafen sich der Gesamtöb'errat der Israeliten, das Gremium der"Ver? Haltung, zahlreiche Mitarbeiter, geladene Freunde und Gönner im gastlichen Heime des Friedrich-Luisen-Kinderhospizes, um in einer schlichten,, weihevollen Feierstunde das 25jährige Bestehen dieses Gesundheit und Glück spendenden Hauses zu begehen. Ein Tag des Erinnerns sollte er sein, und er wurde zum Gelöbnis für die Zukunfjt, zu einer großartigen Huldigung der Juden Badens für dett verstorbenen Gründer, Geh. Oberregierungsrat Dr. David Mayer und seine Familie. In dem von Kinderhand liebevoll geschmückten Betraum vereinigen sich die Großen mit der Schar der Kinder. Kindel* verschiedenen Alters, verschiedener Herkunft und auch verschiedenster religiöser Schattierungen. Eines aber verbindet sie alle. Daß sie gesund werden wollen und daß sie jüdische Kinder sind. Und sie werden hier gesund, ihr Körper streckt sich und ihre oft arg verkümmerte Seele wird freier und gelöster. Und so gewissermaßen als Wegzehrung fürs Leben bekommen sie noch einen großen Fonds Jüdischkeit mit. Denn das Haus — da es ja allen Kindern offen stehen soll — ist streng orthodox geführt, es untersteht dem Gailinger Rabbinat und ist erfüllt mit einer starken jüdischen Atmosphäre. Lieder, hebräische, versteht sich, einstudiert und teilweise auch komponiert von Herrn Paul Mayer, umrahmen die Reden. Der Vorsitzende, Dr. Fritz Strauß, begrüßt mit warmen Worten. Läßt kurz die Vergangenheit aufleuchten, wie eine Vision taucht das alte ehrwürdige Großherzogspaar auf, das dem Heim den Namen gegeben, wendet sich den schweren Aufgaben der Gegenwart zu. Herr Paul Mayer hält die Festrede. Glühend, voll innerem Feuer. Vergeßt die Leidenschaft nicht, hütet die heilige Flamme der Begeisterung. Wir sind das Volk des Trotzdem. Erlahmen wir nicht in unserer Arbeit! Im Namen des Oberrates spricht dessen neugewählter Vorsitzende, Herr Friedrich Strauß, Und es ist schön und es möge ein gutes Vorzeichen sein, daß gerade dies seine erste offizielle Amtshandlung ist. Seine vom tiefen Wissen um jüdische Dinge erfüllten Worte sind ein einziges Danken. Und aus der mitgeführten, schier unerschöpflichen Geschenkmappe ergießt sich ein reicher Segen von Ehrungen und Auszeichnungen über all die bewährten Helfer und Diener an diesem schönen Werke edelster Menschenliebe. Eine Marie Mayer-Stiftung für die unermüdlich, rastlos werbende Frau Geheimrat, eine Plakette' für die Oberin Bettina Falk, diesen wahrhaft guten Geist des Hauses, den Tugendpreis für Dr; Strauß, und immer neue Namen werden genannt und es ist beglückend, daß diese Reihe so groß ist. Daß es so viele sind, die helfen wollen dem jüdischen Kinde und damit dem jüdischen Volk. Herr Heinrich Maas, der getreue Sachverwalter der Finanzen, hält sein durch Schlichtheit und strenge Sachlichkeit eindruckvolles Referat. Bewegung geht durch die Reihen, da der Erbauer des Hauses, Herr Architekt Lehmann, mit durch Rührung erstick let Stimme erinnert an die Zeit vor 25 Jahren und dann *ait berechtigtem Stolz darauf hinweist, wie der Bau sich in jeder Hinsicht bewährt habe und auch heute noch den modernsten Forderungen entspräche. Die Kinder marschieren ab. Im frohen Gleichschritt, in schöner Ordnung, unter Gesang. Die Großen vereinigen sich nochmals bei einem Mahle, das, gewürzt durch launige Reden, Zeugnis ablegt von der guten Küche des Hauses. Das Fest ist verklungen. Die. Eindrücke aber werden weiterwirken. Jeder, der daran teilnehmen konnte, wird es hinaustragen in seinen Kreis, daß es nichts wichtigeres geben kann, als zu werben und zu unterstützen diese Heilstätte der jüdischen Jugend, auf der ruht die Hoffnung unseres Volkes. Unser Wunsch aber ist, daß das Haus immer seiner^ Bestimmung treu bleiben kann und daß nie der Zeitpunkt eintreten möge, daß durch den Ablauf der Entwicklung sich die Notwendigkeit ergeben wird, dieses Haus für Kinder umzuwandeln in öine Heimstätte für Greise. Dr. S. Heilbronn, Gailingen. Kalenderbetrachtüng zum neuen Jahre 5698. Das neue Jahr hat kalendarisch eine besondere Note, es wird ^ron Selichottagen eingeleitet, die bereits im Monat August ihren Anfang nehmen, ein überaus seltenes Ereignis. Man muß. schon bis zum Jahre 1899—5660 . zurückgehen, welches den 27. August als'' ersten. Selichottag zu verzeichnen hatte. Der älteren, Generation;, ist dieser Tag nocb . in be-! ' sonderer. Erinnerung, da-, an ihm in ganz Deut$ch: land.-der 150.) Geburtstag . Goethes (eigentlich - der - 28: August) festlich! begangen; wurde. Es wird länge währen,..bis: dieserr frühe Termin der SeHchottagewiei der. eintritt) ^a.V^^-si.cÄ^.cjh'iorf, bis/zum- Jähre 1964 gedulden-, müssen,: das den 31; August als den ersten Selichottag bezeichnen wird. Alsdann wird dieses Ereignis im Jahre 1975 (31. August), und 1994 (28. August) wieder eintreten. Das neue Jahr ist ein Schaltjahr, und ein söge-, nanntes überzähliges, d. h. es hat die größte Zahl Tage, die in einem Jahr vorkommen, d. i. 385 Tage oder gerade 55 Wochen. Wie verhalten wir uns mit der Einteilung der Sidraus im neuen Jahre? Da un» sere Tauroh in 53 Sidraus (außer nanan nsm, welche Sidro nie an nat? verlesen wird) eingeteilt ist, wir aber nur, da der erste und letzte Tag nos an Samstag ist und nebst dem nrnin naiz? von mao für das Lesen der laufenden Sidraus nicht in Betracht kommen, nur für 52 Sabbate Sidraus benötigen, wird der Ausgleich dadurch geschaffen, daß die Abschnitte »yo» mtss zusammen gelesen werden. In Erez Israel, wo man den achten Tag Pesach nicht feiert, ist man genötigt, die letzten beiden Sidraus zu trennen, also eine Teilung vorzunehmen. Das neue Jahr bietet weiter das seltene Ereignis, daß an zwei Samstagen drei Seforim „ausgehoben" werden, und zwar an naan map und vmn nsna/ was nur vorkommt, wenn ein Schaltjahr an Montag beginnt. Bemerkenswert ist ebenfalls, daß zwei Jahro nacheinander die bürgerlichen Feiertage Ostern (allerdings nur der erste Tag) und Pfingsten mit unserem Festtage nos und mya«? zusammenfallen. Das beginnende Jahr ist bekanntlich ein riow Jahr. Unsere Leser sind hierüber durch wiederholte Artikel und Hinweise aufs eingehendste informiert. Das Jahr beginnt zum beinahe frühestmöglichsten Termin am 6. September, was erst wieder i. J. 1956, und dann 1975 und 1994 eintritt. In sehr seltenen Fällen kann n*"i auch schon auf den 5. September fallen, es war dies im Jahre 1899, wird aber erst wieder i. J. 2013, und dann 2089 so früh fallen. Es dürfte von Interesse sein, auch die spätesten Termine für fi*«i zu wissen, es ist dies der 5. Oktober, und fiel so n"l im Jahre 1929, und wird alsdann i. J. 1967, 2043, 2062 so spät gefeiert werden. Nach den Vergleichstabellen der jüdischen und christlichen Zeitrechnung von Mahler (Handbuch der jüdischen Chronologie) wird i. J. 2214 das jüdische Neujahrsfest erst auf den 6. Oktober fallen, ein Termin, der, soweit feststellbar, noch niemals vorgekommen ist. Vielleicht kann ein kalenderkundiger Leser sagen, woher diese Anomalie, die natürlich nur wissenschaftliche? Interesse besitzt, sich herleitet. Durch den frühen Termin haben wir den beinahe „längsten" "Visa ear (natürlich ist dies nur scheinbar, da der "rtaa Eav> einerlei, wie er fällt, und an welchem Orte der Welt er auch gefeiert wird, immer ca. 24 Stunden und 40 Minuten dauert). Den spätesten Termin des Ausgangs dürfte wohl in Deutschland der Bezirk Köln mit 7 Uhr 28 Min., den frühesten der von Königsberg mit 6 Uhr 40 Min. haben. Der letztere Fiat? zeichnet sich von den übrigen deutschen Gemeinden durch seine geographische Lage dadurch ab, daß er zur Winterszeit schon Sabbat-Ausgang im Tiefpunkt 4.08, gegen z. B. Frankfurt a. M. mit 5.15 Uhr hat, während des Sommers sind die Differenzen nur unbedeutend. Von Interesse dürften die Zeiten von Sabbat-Ein- und Ausgang für Erez Israel sein. Im Winter ist daselbst (nach europäischer Zeit gerechnet) Sabbatbeginn frühestens 4.08 Uhr, Sabbat-Ausgang frühestens 5.12 Uhr (fast genau wie in Frankfurt a. M.); im Sommer hingegen Beginn spätestens 6.26 Uhr, Ausgang spätestens 7.28 Uhr; in Frankfurt a. M. 7.45 und 9.40 Uhr. Eine praktische Notiz fand ich in den palästinensischen Kalendern verzeichnet.* die Ankündigung des Anfangs- und Endtermins von rwab smp- Da, wie die Erfahrung lehrt, im Publikum oft Unklarheit hierüber herrscht, dürfte eine diesbezügliche Ergänzung unserer kleinen Kalenderheftchen sicherlich freudig begrüßt werden. Joseph Bender. Wochenkalender. Vom 4. bis 11 September 1937 / Vom 28. Elul 5697 — 6. Tiscbri 5698 Samstag.:' Sonntag, Montag Dienstag- Mittwoch Donnerstag. :Freitag > S&mstag- Sepf, '■Mar »öl* *)1 ^in T? np , op?r ' 8>p^ •' 3'?J 5-p V? D»3Si- ,*u»n wo*r'« mvn «Htm 'a ar> "Via 6«

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