Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 35 (2.9.1937)
- Date
- 1937-09-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr; 3^ D e, r. I s -rra e 1 ,i -1 ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^R^^^^p^^J^^^^?. ' - '/.; 2. Sepiteiii]bjer: 1937 das den Tau des Himmels trinkt. Am Ende seines unvergleichlichen Lebens vernahm Moses die Rede G'ttes als Antwort auf seine reichen Bitten; Ich kenne den letzten, sehnsuchtsvollen Wunsch deines Herzens p»n - jiki; Aus der, Höhe will ich, dir das Land zeigen, bis zu dessen Grenze du mein Volk herangeführt hast, das aber nach meinem Ratschluß dein Fuß nicht betreten soll, ja, in dessen Erde nicht einmal dein Sarg ruhen wird, nivffl mit - psn akt Heiliges Land ist dieser Boden nur, durch engste Verflechtung des auf ihm sich abrollenden Lebens mit den Thoragesetzen Werden diese von seinen Bewohnern nicht, erfüllt so fällt G'ttes Zornblick auf Flur und Au, Berg und Fluß, der Erdboden erstarrt zu Eisen, der Himmel wandelt sich in glühendes Erz. Ja, die zehn Worte mit denen G'tt Tag um Tag immer wieder das Schöpfungswunder erneuert, stehen in kausalem Zusammenhang mit dem Zehnwort vom Sinai. „Wäre es nicht um meines Bundes willen bei Tag und Nacht, so hätte ich die Naturgesetze des Himmels und der Erde nicht gegründet." nmnni6 vit nsT iVw nnnn „Wären sie weise, würden sie „dies" verstehen und ihr Ende bedenken." Vom a'»'n n>*ins wollte schon Erzvater Jakob zu den Stämmen sprechen, aber da wich die g'ttliche Majestät von seinen Häupten. Auch Bileam sah, was am Ende der Zeiten geschehen wird. Moses prophezeihte, daß Israel am Ende in voller Rückkehr seinem G'tte nahen wird Err^iWJ T»v Der jüdische Volksmund spricht, daß der jüdische Luach auf 6000 Jahre geht. Zwei Jahrtausende hindurch befand sich die Welt in einem unerfreulichen Chaos, bis Abra^ ham erschien. Mit dem Leben dieses Urahnen beginnen die zwei Jahrtausende der Thora, an die sich endlich die zwei Jahrtausende des Moschiach reihen. Der Erlöser hätte sowohl in diesem, als auch im vorigen Jahrtausend der Weltschöpfung kommen können. Sein Name wurde schon vor der Schöpfung geschaffen, er selbst am Tage des Tempelunterganges ovn DJ ^nn na •>&> p »*ta i>^> sm» Warum aber kam er noch nicht, weder im vorigen, noch im jetzigen Jahrtausend, um die Menschheit zu erlösen? Es gab Zeiten, wo Israel wunderbare Männer als Führer besaß, aber auch Epochen, wo selbst die große Volksmasse zur Erlösung würdig dastand. Nach einem Psalmenwort: vnnvi in m erwächst aber Israel die Erlösung erst dann, wenn die Führerpersönlichkeiten sich mit der Masse des Volkes im einigen Streben zusammenfinden, „das Antlitz G'ttes zu suchen." De' Ruach Hakaudesch antwortet jedoch mit einer Gegenfrage: Di»n dj ^mn dj oapn on'Va «V sm» Warum habt ihr euer Gesetz nicht vollendet weder gestern, noch heute? •wawn i'-ipa dk nrn -sa» n«ra Nur so kommt er: Wenn Israel wieder von so heißer Sehnsucht nach der Thora erfüllt sein wird, wie am Tage, da sie von Himmelshöhen durch. Moses auf die Erde heruntergebracht wurde; wenn Israel sehnsuchtsvoll dem Wiederaufbau des Bes Hamikdosch entgegenbliekt, wenn in Israel wieder die Sehnsucht und Liebe nach dem heiligen Land erwacht, dann firn 83'' 85- In dieser Weise gerüstet, schreiten wir den Festtagen des Tischri mit Bitten und Wünschen für den ^K-rcp Hh? hoffnungsfroh entgegen. Ein Midrasch gibt uns die Zusicherung: Wer von Rausch 'Haschono bis Schmini Azeres zu ansrm nma ,nnnp mit Andacht betet, dessen Gebet wird vom Throne des Allmächtigen nicht leer zurückkehren. nana uvn taraaV Tna '338 nm Unter diesem Heute ist der S c hm ini Azeres zu verstehen. Die 98 Zurechtweisungen von Moses in fcian "»a, die mit den Worten schließen: r-Piannarffts/ werden ausgeglichen durch das riW der Festesreihe: DWH '"Win n^8» sie .werden gesühnt durch die sieben mal vierzehn Opfer am Sukkausfeste. Darum scnneßt uvx nbsn mit der Bitte: nbbp'? xbi nanaV rtinV k*>i ormV . ]1f\b »6l wob V. 13. Zusammenfassend schließt der E 1 u 1-P salin mit einem punktierten NtW' wie einstmals Vater Jakob seine Auseinandersetzung mit Laban geschlossen hat. Mit dem heiligen Schwur t<b")b bekennt Dawid, daß ihn in den Mühseligkeiten des Lebens nur die wahre Emuno aufrecht erhalten konnte, die stille Hoffnung, daß in allen widerwärtigen Erscheinungen des Lebens ein Körnchen verborgenen Glückes ruhen kann, dessen stetige Entwicklung niemand zu hemmen und aufzuhalten imstande ist. Möge das Leben ihm Enttäuschungen aller Art brirfgen — at) seinem festen, königlichen Sinn können alle Orkane der Welt nicht rütteln, denn in seinem «noa besitzt er eine felsenfeste, auf die Grundlage der Thora " gegründete Weltanschauung. Diese selige, innere Stimme ruft ihm . ZU! . fOSI pin Sei stark gegen die Kursschwankungen von. Liebe und Haß, besiege dich-selbst wie ein echter Held, _rj*iiria pm sei stark im Lernen der, Thora, kapituliere nicht vor scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten und handle charaktervoll nach klar. erkannten;. Grundsätzen! ps Ina!f>Tn- - Noch einmal: Vertraue auf G'tt! : Die Gestaltung der jüdischen Schule unter dem Gesichtspunkt jüdischer Lebensführung. Von Wilhelm Stern in Berlin. (Fortsetzung.) Vorbemerkung der S c h r i f 11 e i tu n g Raummangel .nötigt uns zu unserem Bedauern den Aufsatz des Herrn Kollegen gekürzt zu bringen Nachdem der Verlasser bereits in dem ersten: Teil seiner Ausführungen gesagt? Es gilt die Funktionen jüdischer Existenz aufzustellen, denen die Schule ihre Existenz verdankt; es gilt die Zusammenhänge des augenblicklichen Weges zu verstehen und damit seine Auswirkungen — d. L in diesem Falle; die praktische Gestaltung des schulischen Lebens — zu, erkennen, stellt er dann in länge ren, eingehenden Ausführungen die Prinzipien unse res Lebens und damit auch unserer Schule dar. Er fährt dann fort: Weil das Ziel unserer Volksschule schon längst und heute nicht zur Diskussion stehend etwa ist, die Jugend zu einem jüdischen, doch wirklichkeitsnahen Leben zu bringen, mußten , die Prinzipien unseres'Le- > bens herausgearbeitet werden, die auch das System der Schule zu bestimmen haben. iWit bringen sie nunmehr in folgender Reihenfolge: 1. Es ist notwendig zu leben. Das bedeutet: - 2. Es ist notwendig zu handeln. 3. Es ist notwendig zu werten. 3. Es ist notwendig aufzufassen. 5. Letztere drei Lebensäußerungen stehen nach dem Prinzip der Einheit ijn innerem funktionalen Zusammenhang. 6. Das Leben wird von der Thora kontrolliert und bestimmt. a) rational durch die Deduktionen, a) verstandesmäßig, ß) gefühlsmäßig, ' ' '■ b) irrational durch die Chukim. 7. Formal treffen sich „Lehre" und „Leben" in der hebräischen Sprache, die damit eine besondere Bedeutung erlangt. Die Schule, die nach diesem System gestaltet wird, ist nicht nur eine Unterrichtsanstalt, sie wird dazu ein Erziehungsinstitut, nein, das Erziehungsinstitut. Wenn wir nun die aufgestellte Ordnung auf die Schule übertragen, so ergibt sich, daß diese Ordnung glücklicherweise kein äußerliches Schema, sondern ein geistiges S y s t e m ist. Wir meinen damit, daß sich Teilgebiete der Schule und unsere einzelnen Richtlinien nicht immer dekken, sondern manches Fach erscheint unter mehreren Punkten. Andererseits erscheinen in einem Fach auch mehrere Prinzipien, so daß sich eine innere Gesetzmäßigkeit ergibt. Wir sagten, glücklicherweise sei das so; denn wir Wollen nicht und können uns nicht leisten, den ganzen gegenwärtigen Schulbetrieb auf den. Kopf zu stellen. Sondern wir wollen in den gegebenen Rahmen, in die Institutionen unserer Zeit — so wie wir einleitend aufgaben — auch die innere Konsequenz unserer Tage, d. i. in diesem Falle das innere System, hineinarbeiten. Das Leben fordert nach den aufgestellten Prinzipien, daß die Schule die Jugend zu eben dem bestimmten - Lebenstyp bringt. Das hat im Einzelnen folgendermaßen zu geschehen; 1. Der jüdische Mensch muß die Grundlagen für die Lebensnotwendigkeit, d. h. die Möglichkeit zu existieren, bekommen. Die Schule vermittelt das durch a) Rechnen, b) Sprachen (Sprachlehre, formaler Aufsatzunterricht) Anschauung. 2. Er muß befähigt sein zu handeln, d. h. in diesem Falle: körperlich gewandt sein. Die Schule bewirkt das durch Leibesübungen jeder Art (wozu hier auch Schreiben und Zeichnen gehört). 3. Sein Sinn muß aufgeweckt und dem Geschehen ringsum geneigt sein. Dieser Auffassung hat eine jüdische Wertung zu folgen. Da der Schüler diese Tatsachen jedoch nicht selbst vor Augen hat, sondern sie entweder nach der Phantasie reproduziert oder durch Schilderung und Nachlesen, mitgeteilt bekommt, kann diese Arbeit erst einsetzen, wenn die Fächer der Lebenspraxis, besonders Lesen und Anschauen, bereits eine Zeitlang betrieben sind. Die Schule wirkt in diesem Sinne a) in den Fächern der wertenden Erkenntnis: Geschichte und Geopolitik, Gegenwartskunde, Erdkunde, n Lehre der Natur des Lebens (Biologie) und Lehre der Kräfte im Toten (Physik u. Chemie); b) in den Fächern des wertenden Gefühls (Kunst- Unterricht): Literaturkuhde, Aufsatzunterxicht; Musik, Zeichnen. . 4. In ihm muß der Inhalt der traditionellen Schriften lebendig werden. Die Schule bahnt dieses, Ziel an > a) formal: Hebr. Sprache.. ' . ... b) material; Behandlung des Pentateuchs und der Bibel. / ' - Dieser Unterricht stellt zugleich allmählich. die. Grundsätze der Wertung von Lebensvorgängen - auf,: hat also den Fächern der'Erkenntnis eiiie Zeitlang ebenfalls vorauszugehen. den Aufbau der Erkenntnisfächer an, indem der Schwierigkeitsgrad in' jeder Altersstufe, der„jüdischen Urteilskraft"''adäquat sein, muß. . Wir 'kommen darauf noch zurück. 7 Allgemein ist ja heute die Forderung eines „jüdischen" oder „jüdisch ausgerichteten"-Unterrichts Diese Forderung muß unverständlich, ja phrasenhaft klingen, so lange nicht die Stellung und Aufgäben der gesamten einzelnen Disziplinen in einem solchen Prinzip und seinen organischen Teilen fundamental bestimmtisi. Wir hoffen, einen notwendigen Schritt zu diesem Ziele unternommen zu haben. Versuche auf Einzelgebieteh, die bisher, manchmal ein wehig planlos unternommen wurden, lassen sich — wenn in unserer Ebene liegend — nunmehr indas System einbeziehen. , . . . - Wir müssen nun noch an einzelnen Beispielen Teilgebiete,des Systems, die — wenn nur postulativ aufgestellt — nicht in ihrer inneren Notwendigkeit klar erscheinen, beleuchten und die praktisch-schulische Seite berühren. Das bedeutet, daß zu der aufgestellten quantitativen Ordnung der Fächer die qualitative Bewertung des Stoffes zu treten hat. In allen Fächern ist problematisch ( die Auswahl, die Gestaltung und die Verarbeitung des Stoffes. Nur wenn man sich über diese Gesichtspunkte in jedem einzelnen Teilgebiet klar ist, ergeben sich die Gesichtspunkte der Abgrenzün>g der Unterrichtsgebiete gegeneinander, Betrachten wu nun die Teile. 1. Der hebräische Unterricht. Er besteht a) formal aus dem Erlernen der Sprache, b) material aus der Behandlung des Schrifttums, c) formal-material aus der in der Verbindung der Thorabegriffe mit den Lebensbegriffen auf dem Boden der Sprache liegenden Denkschulung. Hier ist der Gesichtspunkt der Auswahl nicht sehr problematisch, da bereits früher Lehrpläne des Hebräischen (ich verweise auf den sehr eingehenden von Stoll) bestanden. Es stünde nur zu fordern, daß der Bedeutung der Religionskunde gemäß ein größerer Raum diesem Fach zuzumessen wäre. Die Gestaltung hätte entsprechend der denkschulenden Bedeutung eine formale Ausrichtung zu erfahren. Beispiel: Das Logische des bpd-Sagens" muß' den Schülern der Oberklasse aufgehen. Am besten ist Raschis Erklärung, die von den Schülern durch Handreichung des Lehrers aus dem Vers zwingend gefunden wird. (Schluß folgt.) Nochmals; Die Pijutim. Die Frage, in welcher Weise, die Piutim in die Sabbat- und Festgebete usw. eingereiht worden sind, ist bedeutsam genug, einige Erörterungen an die Einsendung des „L" in Nr. 23 dieser Blätter zur Aufklärung , zu knüpfen. Gewiß ist der Bericht des Rabbi Jehudo ben Barsilai hanossi aus Barcelona zutreffend, daß diese Dichtungen aus einer Zeit stammen, da infolge von Judenverfolgungen halachische und midraschische Vorträge beim G'ttesdienste verboten waren und man daher (ähnlich wahrscheinlich wie die Entstehung der Haftora) besondere Gebetstücke mit entsprechendem Inhalte verfaßt und eingeführt habe. Dann aber hätte sich das Verbot nur auf einen begrenzten, verhältnismäßig kleinen Raum beschränken müssen. Warum aber erscheinen diese Dichtungen nur an den besonderen Sabbaten und Festtagen? Mußte man nicht annehmen, daß Dichtungen auch für die anderen Sabbate verfaßt worden seien? Oder aber war dies der Fall und man hat sie an gewöhnlichen Sabbaten wieder eliminiert? Warum bezieht sich der Inhalt nur allein auf das Besondere des betr. Sabbats und auch nur auf das Historische, bezw. das Halachische des Tages? Ferner würde der Gültigkeitsbereich der obigen Darstellung dadurch etwas eingeschränkt, daß die Dichtungen, so wie sie heute vorliegen, qloch,zu:;sehr verschiedenen Zeiten und in sehr verschiedenen Ländern -entstanden'sind. Wie kam dann Moses Maimon dazu, diese Einfügungen abzulehnen? Bestand 'in der Zeit, da diese Dichtungen entstanden sind und die Kunst Bücher zu drücken noch nicht erfunden war, bereits die Möglichkeit der schriftlichen Verbreitung von Land zu Land und von Gemeinde zu Gemeinde? Auch haben die Verfasser vermutlich in einem we<- tereti Zeitraum gelebt,'' so daß; man annehmen muß*«, daß die meisten Piutim entstanden sind als persö«- liche Ergüsse frommer, andachtsvoller Stimmungen, als Werke gelehrter Vorbeter, öder vorbetender Gelehrte. , :_ Ist in den Werken späterer Autoren kein Hinweis über die Einweihung der Piutim in' das. Gebetbucn enthalten?, .; V «L..Popper,IrWitzerihausen. Mitteilungen/, die Pädagogische Beiläge „Erziehuns und Lehre"; betreffend, sind an Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen, Kr. Offenbach, zu richten.