Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 35 (2.9.1937)
- Date
- 1937-09-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr, 35 D e r Israelit 2. Septemter 1937 ter: »Moses Deutscher, Krakau, Mosche Hirschsprung, Lemberg, Dr. Falk Schlesinger, Jerusalem, Schmuei Szereszewski, Kowno. Die Jugend auf der Kenessio Gedaulo. Man schreibt uns: Efnes der erfreulichsten Merkmale der Kenessio Gedaulo war die ungemein starke Beteiligung der Jugend aller Länder an ihr. So wie in Wahrheit auch die gesamte Aguda zum größten Teil getragen und befruchtet ist durch die Tätigkeit der Jugendorganisation, so war auch die Kenessio Gedaulo zu einem großen Teile von jungen Agudisten besucht; nicht nur die Jugendtagung als solche, und nicht nur die beabsichtigte Gründung eines Jugend- Amtes legten davon Zeugnis ab, sondern noch bei weitem charakteristischer war eine Kundgebung der Jugend, nachdem bereits die Kenessio Gedaulo geschlossen war. Am Dienstag Abend, als die chassidischen Tänze schon vorbei, die einzelnen Landsmannschaften sich schon entfernt hatten, ersuchten die Vertreter von 18 Jugendorganisationen, an deren Spitze Rabbiner Hirschhorn, der Führer der polnischen Jugend, Dr. Isaac Breuer um eine Aussprache wegen seiner Beteiligung an der zukünftigen Leitung der Agüdas Jisroel. Dr. Breuer hatte bereits an diesem Abend durch seinen Vortrag bekundet, daß er nach wie vor in der Aguda das einzige Instrument der Vertretung des thoratreuen jüdischen Volkes erblicke. Er setzte den Vertretern der Jugend die Gründe auseinander, warum er aus rein sachlichen Motiven glaube, zur Zeit nicht die Verantwortung übernehmen zu können und in die engere Leitung einzutreten, da die von ihm gestellten Forderungen bezüglich der Organisation der Aguda ihre Verwirklichung nicht gefunden hatten; vor allem deshalb nicht, weil geeignete Persönlichkeit sich nicht gefunden haben, die voll und ganz in den Dienst der Organisation zu stellen sich bereit erklärten. Ob dieser Schritt einen Erfolg haben wird oder nicht, ist bis zur Stunde wohl nicht geklärt, aber eines steht fest: Kein papierner Beschluß und keine formale Bestimmung kann auch nur annähernd jene dynamische Kraft auslösen, wie diese aus tiefstem Herzen kommende Willenskundgebung der geeinten Agudajugend! Sie wird mit G'ttes Hilfe die noch nicht gereiften Blütenträume der Kenessio Gedaulo dereinstens zur Verwirklichung bringen. Man mag es vielleicht bedauern, aber man wird es begreifen, wenn diese Jugend voller Selbstdisziplin manches Wort, das ihr auf der Lippe lag, im Plenum unausgesprochen ließ aus Scheu, die Harmonie des Plenums zu stören. Die Stunde wird aber kommen, dessen sind wir überzeugt, da diese Jugend, die schon in die Aguda hineingeboren ist, alle die Hemmungen, die heute noch durch die Unausgeglicheriheit der Landsmannschaften vorhanden sind, überwinden wird und in der dann die organisatorischen Gedankengänge Breuers durch eine opferbereite agudistisch begeisterte Jugend ihre Erfüllung finden werden. Dieser Jugend ist es auch zu danken, daß gleichsam als Symbol für die weitere Erez Jisroel-Arbeit in der Neiilastunde der Kenessio Gedaulo ein praktischer Erfolg für Keren Hajischuw erreicht werden konnte. Diese Jugend, mit all ihrem Sturm und Drang ist das, Köstlichste, was , Agudas Jisroel in den 25 Jahren ihres Bestehens geschaffen hat. Vorschläge und Resolutionen* Kalenderreform. Die Kenessio Gedaulo beauftragt den Waad Hapoel in Fühlung mit dem Jüdischen. Komitee unter Vorsitz von Chiefrabbi Dr. Hertz, London, sofort alle geeigneten Schritte zu tun, um dem Völkerbund die Rabbi Elchonon Wassermann (links), der Gaon aus Baranovicy (Phot. Arno Kätz, Ffm.) schwere Gefährdung der religiösen Interessen aller an der Siebentage-Woche festhaltenden Konzessionen durch die von Chile beantragte Kalenderreform vorzustellen und alles zu tun, um diese Gefahr abzuwenden. Appell für Thora, (vorgelegt von der Chinuch-Kommission). Die III. Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel, an der sich Gaonim und Zaddikim der ganzen Welt beteiligt haben, erinnert an die .große und heilige Pflicht von Limmud-Hathora für jeden Juden. Sie ermahnt alle, die dazu in der Lage sind, an die unbedingte Verpflichtung, die Thora-Anstalten zu unterstützen, angesichts der Tatsache, daß die Thosa der Grundpfeiler der Existenz des* jüdischen Volkes ist. Sie verweist auf die> Tatsache, daß Hie Thora das einzige ist, was dem jüdischen Volke Kraft und Mut zur Erhaltung seiner Eigenart unter den Völkern gibt. . ' ■ Sie ruft das ganze, religiöse Judentum zu einer verstärkten Arbeit , für Limmud-Hathora, zur Verbreitung und Unterstützung der Thora .auf, zur Erhaltung der bereits existierenden Thora-Lehra\ii Erziehungsanstalten, der großen und' kleinen Jeschiwaus, der Chadorim, der Talmud Thora- und Bei.h- Jacobschulen, zur Einrichtung von Abendkursen für Jugendliche, Arbeiter und Baale Batim, vor alkn Dingen, zur Gründung solcher Institutionen überall dort, wo sie noch nicht existieren. Den Rabbonim und denen, die sich mit Zorche Zibur beschäftigen, obliegt in jedem Land und jeder Stadt die Pflicht, einen Teil ihrer Zeit, wenigsten« einen Monat im Jahr, der Stärkung. oder vGründußi von Thora-Anstalten in ihrem Wirkungskreis zu. widmen. r / Alle Juden, Hie nur irgend'wie dazu in der Lage sind, haben die Verpflichtung, die nötigen Mittel zur Erhaltung dieser Thora-Erziehungsanstalten zur Verfügung zu .stellen, sei es durch regelmäßige Spenden, sei es durch Sonderschenkuhgen bei bestimmten Gelegenheiten. Die Kenessio Gedaulo ruft alle Kreise des jüdischen Volkes ^su gemeinsamer Arbeit auf, um in gemeinsamem Streben die Thora und die Ihrer Erhaltung gewidmeten Anstalten über die jetzige schwere Zeit hinüber zu retten und dadurch die Existenz des jüdischen Volkes als Volk der Thora zu gewährleisten. Appell zur Selbsterziehung und Teschewob, Angesichts der schweren Lage des jüdischen Volkes in der jetzigen Zeit,, angesichts der gewaltigen Wellen, die das jüdische .Volk allüberall umbranden, die die jüdischen Menschen in ihrer wirtschaftlichen Existenz vernichten und sie in ihrer persönlichen Sicherheit bedrohen, „ angesichts der großen Ereignisse, die in der letzten Zeit die Welt erschüttern, in denen wir den Finger G'ttes zu erblicken haben, aus denen uns die mahnende Stimme der Vorsehung entgegentönt, angesichts all des Vorhergesagten und in Erkenntnis» aller dieser Ereignisse wendet sich die III. Kenessw Gedaulo der Agudas Jisroel, der viele der größter/ Gaonim und Zaddikim unserer Generation beigewohnt haben, mit lautem, bittendem Ruf zum jüdischen Volke: ipinm-i ipm 'n e» „Volk G'ttes, stärke Dich und Du wirst gestärkt sein". Die Leiden und Nöte großer Teile unseres Volkes mögen uns nicht zur Verzweiflung bringen. Gleich wie unsere Ahnen gerade in den schwersten Momenten ihres Lebens, so müssen auch wir im tiefen Glauben an den Hüter Israels uns selbst stärken und uns innerlich aufrichten. Die tiefe Ueberzeugung, daß gerade aus der jetzigen Finsternis, aus den jetzigen Leiden und Nöten unseres Volkes Hilfe und Trost ausstrahlen werden, sei uns Trost und Aufrichtung für die gebrochenen und geplagten Glieder unseres Volkes. Mögen wir die Warnungen und sichtbaren Zeichen der Vorsehung verstehen, mögen wir mit ge- MWR' Unsere Neujahrsgebete, Von Rabbiner Dr. Phi Frankl in Halberstadt. wnru üb unixi?'p nba t>sp -ins» Wieder ist ein Jahr dahingegangen, Aussaat und Ernte, Frühling und Som« mer sind wieder an uns vorübergegangen, ohne daß unser Schicksal sich zum Besseren gewendet und ernster als je schauen wir empor zu dem b&iw mw mit der Frage: Was ist es mit der Nacht des r-nVa» ist sie bald zu Ende, wird auf die lange, lange Nacht bald auch der Morgen der Erlösung folgen? Es kommt der naon .»m heran. Wie alljährlich greifen wir zu dem "V)tn» und wollen uns aus ihm Trost und Erhebung holen. Aber siehe, obenhin betrachtet, enthält es ' nur wenig von den Problemen, von denen unsere Gedanken in ernster Zeit beschwert sind. Die nwn mti nibst) befassen sich nichtviel mit den äußeren Nöten' des jüdischen Volkes. Sie sind vielmehr in ihrem Hauptinhalte vott'; einem; höheren Gedanken getragen. Nicht das( Ende des; mV»' sondern das Ende des ' (lS'SWfl Mbi 'Wird hier ' herbeigesehnt. Sie fuhren titis in eine höhere Sphäre, ja, "sie lassen uns unser persönliches und das Leid des '"jSl'ap bb? einigermaßen vergessen. Un-; ,'sere Gedanken'1 und unser GeheV an diesen Tagengelten eineßi Höheren, Wir beten ^iraa für' das; tflüV'nli^BVdäß es in höchitenr "Glänze'< erstehen - und die gesamte Welt beherrschen möge. Und es' ist höchst bezeichnend, daß wir am ersten Tage des Jahres, da über Menschen- und Völkerschicksal bestimmt wird, nicht an unser armseliges Menschendasein zuerst denken. Was erlesene, mit dem vrnpn. nn bekleidete Geister ausgesprochen haben: •jn»x bvi "pon bv iiaa fn -\nvb vb 'n Mb Hb „Nicht, uns, G'tt, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre" wird hier zum Gut einer ganzen Volksgemeinschaft. Die? Sehnsucht eines unendlich leidenden Volkes nach Erlösung gilt nicht vornehmlich der n^iss aus großem Leid. Die Sehnsucht gilt vielmehr einem hohen Ideal, dem aus der Tiefe des Herzens kommenden Wunsche nach der Geltung, deso'ner rmbn- Alle diese erhabenen a*B"PBl ntf>sn sind in ernsten Zeitläuften, der'jüdischen rrr?a-Geschichte mit größter. Inbrunst gebetet worden. Im Mittelalter und auch später, in Zeiten, da man jüdischer G'ttes- und Glaubenstreue Scheiterhaufen errichtet hat. In Zeiten, d«a der große men:» "\> die Leuchte der Diaspora, klagte; n!?u ins nbn, da das jüdische Volk von Land zu Land wandern mußte. Und das ruhelose Volk, das keinen ibx-i tp^> nun» keine Ruhe finden konnte, hat keine andere Sorge gekannt,, als für ein hohes Ideal zu beten, für ein Ideal allerdings, für das es, so oft in seiner Geschichte Leben,;i.Habe'.. und Ruhe, geopfert hat. - ■ ... \ -■ ';■ Es ist dies das -e.rhabendste .Moment an unseren, nswn ffin mbsri: Man soll . deshalb nipht ■versäumen,; _auf das* Erzieherische in ihnen hinzuweisen. $ie besagßn:- vom jüdischen Charakter und . von jüdischer .Lebens-' Auffassung viel mehr,;äls . manches.; dickleibige;Buch,- 'das über diesen''Gegenstand geschrieben^ worden ist.* In diesen Gebeten jhat die jüdische Seele das :ge-j .funden, was sie . an den.-hohen r-und ernsten- Tagen! bewegt.'» Diehöchsten :Gedanken der ^erbundenheit| des Menschen mit' seinem G'tte sind durch sie, )3en<. einfachen Menschenseelen vermittelt worden und die Menschen haben sich durch sie G'tt nahe gefühlt. Und es tut dieser hohen Auffassung von unseren Gebeten durchaus keinen Abbruch, wenn wir die Annahme hegen, daß mit dem Gedanken an die Vorherrschaft des tmv rvD^a auch die Hoffnung auf die Erlösung von all dem Leid verbunden gewesen ist. das die Zeitläufte über das jüdische Volk gebracht haben. Unser Inneres erbebt, wenn am . rnitStft der uns doch so geläufige Vers erklingt: •mK'iB»! 7fw? 'n "n> Rihn mra-psn Ho b» "fibY'n "?n G'tt ist König der ganzen Erde, aber auch da^s Schicksal des einzelnen Menschen ist in seiner Hana. Er waltet über Staaten und Länder, aber auch des Einzelnen Ergehen ist bei ihm. Man ist . beruhigt und zuversichtlich bei der Betrachtung, daß wir Menschen alle ohne Unterschied in' seinem Schutze stehen. Oder wer könnte dem Gedanken wehren, bei den' herrlichen Vers: pxa D'mam mra psa DHasninai ^iswa ypnvsirin ov: "?» o^sm>a «npn mi 'r\b o-ns» auch an die Zukunftshoffnungen des jüdischen Volkes zu denken. Es lebt in uns als ersterr.undrhöcl:i■:<■& Wunschgedanke,-daß all die b'M^.'dis um M Laufe des .langen C1^.-verloren gegangen./sind, wieder vor* G'tt neigen .und-Ihn anerkennen. J 'lSS ist der höchste Wunsch, um den vornehmlich unwc Tibon gehti Diese Zuküjiftshqffnung darf jedoch avea denti'-Wunsch; mit e^chl^eß.e>(j. .daß.. jn. >{e^ien. Ta^» da alle Welt sich vor G'ttes Majestät neigen ^-.rd. auch, das jüdische; .Leid,. das jüdische r-ife ihr, LivJe gefunden haben mögen. . . "-. . iÜnd' so ihaben diese Gebete' in ihrem\hohien En!^!-e und; in inrer" Sshm. <^s jQHtlx?h^ aücli'd^s;j Irdisch^ genug, um . uns .HoHnü^ zu