Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 35 (2.9.1937)
- Date
- 1937-09-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 35 D 1 i t 2. September 1937 Von neuem gespannte Lage in Palästina,. Jerusalem, 1. September. Die Befürchtungen, daß es zu neuen größeren Zwischenfällen in Palästina kommen könnte, haben sich verstärkt. In den Kreisen des Jischuw beobachtet man aufmerksam die Haltung der Araber, unter denen erneut eine große Agitation im Gange ist, die darauf hinarbeitet, daß die Terrorakte in verstärktem Umfange wieder aufgenommen werden. In den Moscheen Jerusalems sind Aufrufe von Fauzi el Kaukji, dem Führer der arabischen Terrorbanden während der Unruhen des Jahres 1936, angeschlagen. In ihnen werden die arabischen Banden aufgefordert, sich wieder zu sammeln und ihre terroristischen Aktionen wieder zu beginnen. Die an anderer Stelle gemeldeten Zwischenfälle (Siehe Erez Israel auf Seite 13) sind auf diese verstärkte Agitation zurückzuführen. Unter den Arabern selbst hat die Zahl der Verwundeten und Toten, die durch Terrorakte in Mitleidenschaft gezogen worden sind, erheblich zugenommen. Die gegenwärtige gespannte Lage wird in der hebräischen Presse Palästinas lebhaft erörtert. Die Regierung wird erneut gewarnt, die erforderlichen Maßnahmen zu. treffen, ehe neue Unruhen ausbrechen könnten, Die Palästina-:Verwaltung wird auf die Verantwortung aufmerksam gemacht, die sie unter den gegebenen Umständen trägt. Auf der anderen Seite möchte die arabische Presse auf die arabische Bevölkerung dahin einwirken, daß sie Zurückhaltung bewahrt, damit angesichts der in Genf und London zu erwartenden politischen Entscheidungen kein Vorwand geschaffen werde, der sich für die Araber ungünstig auswirken könnte. Dieser Wunsch nach Zurückhaltung wird auch damit motiviert, daß in den maßgebenden Kreisen Genfs und Londons nicht "der Eindruck entstehen soll, es gebe für das Palästina-Problem keine andere Lösung als die Teilung. Aus einem Aufruf der Reichsvertretung. Berlin, 31. August. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat anläßlich des bevorstehenden Beginnes des neuen Jahres eine Botschaft erlassen, die u. a. folgendes besagt: „Wir sind in eine Zeit hineingestellt, die vcU ist von geschichtlicher Bedeutung und Kraft. Von uns ist gefordert (und alles kommt hierauf an), daß wir diese Bedeutung begreifen, daß wir diese Kraft in uns aufnehmen. Es ist in unserem jüdischen Leben eine Notwendigkeit, daß wir den großen Zug, die weite Linie erlangen. Kleinheit und Kleinlichkeit wäre unsere eigentliche Gefahr. Nur von der Höhe unserer Selbstgewißheit, nur von diesem Aufstieg zu unserem Eigenen und Besonderen geht der Weg zu unserer Zukunft. Wir leben in eilenden und sich wandelnden Tagen, wie ein Abschnitt der Geschichte ist» jedes einzelne Jahr. Was kommen mag, das steht in des Ewigen Hand. Aber wie wir sein sollen in allem, was werden wird, darin liegt unsere Aufgabe. Von uns wird das Unsere erwartet. Geschehnis und Mensch begegnen einander, damit das Gebot G'ttes zur Wirklichkeit werde. Unser Wunsch für alle, für die Gesamtheit und jeden in ihr ist darum ausgesprochen in dem Psalmwort, das Jahr um Jahr den Juden zu seinem Neujahrsfest hinführen will: „Hoffe zu dem Ewigen. Sei stark, und fest sei dein Herz, und hoffe zu dem Ewigen!" Kämpfe um Schanghai bedrohen die jüdische Niederlassung, Schanghai, 31. August. Von den Kämpfen um Schanghai ist die jüdische Bevölkerung dieser Stadt, die' größte jüdische Niederlassung im Fernen Osten, schwer betroffen worden. Schon zu Beginn der Kämpfe hatte sich die Notwendigkeit ergeben, einen jüdischen Selbstschutz zu bilden, der in den Reihen des Freiwilligenkorps an der Bewachung der Ausländersiedlung teilgenommen hat. Die jüdische Selbstschutzabteilung besteht aus 250 jungen Juden, Mitgliedern der Zionistischen und anderer nationaler Organisationen. Die jüdischen Viertel der internationalen Niederlassung wurden von dem jüdischen Selbstschutz bewacht, der auch die Fürsorge für diejenigen jüdischen Einwohner übernahm, die unter dem Bombardement der Stadt zu leiden hatten. Es wurde der jüdischen Bevölkerung bei der Uebersiedlung in die französische und die englische Fremden-Niederlassung Hilfe geleistet. Mit der Fortsetzung der kriegerischen Operationen hat sich die Lage der Juden von Schanghai verzweifelt gestaltet. Das Rabbinat hat einen Aufruf erlassen, in dem Hilfe für die Kriegsopfer gefordert wird. Zahlreiche jüdische Geschäfte und Wohnhäuser sind den bei der Beschießung entstandenen Bränden zum Opfer gefallen. Etwa 5000 Juden sind von den Kriegsereignissen betroffen worden. 500 Juden in Schanghai und 200 Juden in Hongkong haben all ihr Hab und Gut verloren. Das Kadoorie-Institut hat einen Hilferuf erlassen, in dem erklärt wird, daß es nicht mehr imstande sei, allein die Last der Fürsorge für die notleidende jüdische Bevölkerung zu tragen. Die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung von Schanghai lebt in den ausländischen Niederlassungen und gehört zu den begüterten Kreisen . des Handels, der Industrie und des Bankwesens. Immerhin wohnte ein erheblicher Teil der Juden Schanghais auch in dem Chinesen viertel, dessen Vernichtung durch den Gang der Kriegsereignisse unvermeidlich erscheint. Dieser Teil der jüdischen Bevölkerung ist aufs äußerste gefährdet. Von den jüdischen Einwohnern sind 65 Proz. Angehörige osteuropäischer Staaten. Es gibt auch eine Anzahl von Juden englischer, amerikanischer, französischer, holländischer und. deutscher Staatsangehörigkeit. Zahlreiche Juden sind in den letzten Jahren infolge der veränderten Verhältnisse aus Mandschukuo, insbesondere aus der Hauptstadt Charbin, nach Schanghai übersiedelt. Ferner gibt es eine Anzahl von Bagdader Juden; die schon vor achtzig Jahren nach der Oeffnung der freien Häfen eingewandert sind. Sie besitzen zum größten Teil die irakische Staatsangehörigkeit und stehen unter britischem Schutz. Viele große Industrie-, Import- und Exporthäuser in Südchina stehen unter ihrer Leitung., Sehr bedrohlich war die Lage der Juden von Tientsin mehrere Tage lang nach > der>'Niederlage der chinesischen -Streitkräfte. »Judenfeindliche Elemente hatten vor ^der 'Neuregelung der Machtverhältnisse mit Ausschreitungen gedroht Eine jüdische Selbstschutzabteilung sorgte füi die Sicherheit von Leben und Eigentum der jüdischen Bevölkerung. Zahlreiche Juden hätten in der britischen und in der französischen Niederlassung Zuflucht gesucht. Besonders tragisch ist die Lage derjenigen Juden, die unmittelbar vor dem japanischen Angriff in Tientsin;eingetroffen sind. Diese sind zum größten Teil auf die Unterstützung durch die jüdische Gemeinde und die jüdischen Wohlfahrtsgesellschaften angewiesen. Tientsin ist das zweitgrößte jüdische Zentrum in Fernost. (ITA.) Die Oberrabbiner von England und Frankreich zur Frage der Kalenderreform. London, 27. August. Das Jüdische Komitee für Fragen der Kalenderreform, dessen Vorsitzender der Oberrabbiner von Frankreich, Israel Leyi, und dessen Exekutivevorsitzender der Oberrabbiner des Britischen Reiches, Oberrabbiner Dr. J. H. Hertz ist, hat folgende Erklärung veröffentlicht: Die Frage der Kalenderreform ist plötzlich zu einer Angelegenheit von brennendem Interesse für die religiösen Juden überall in der Welt geworden. Der Vorschlag, jährlich eine Acht-Tage-Woche einzuschalten, was zu einem wandernden, jedes Jahr auf einen anderen Wochentag fallenden Wochentag führt, wird dem Völkerbund von' dem Vertreter Chiles unterbreitet, der hierbei von dem Vertreter Sowjet- Rußlands unterstützt wird. Am 1. August ist endgültig beschlossen worden, diesen Antrag bei der Tagung des Völkerbundsrates zu erörtern. Sofort nachdem dies bekannt geworden war, hat sich Oberrabbiner Hertz, der bei der Frankfurter Konferenz von 1931 zum Vorsitzenden der Exekutive des Jüdischen Komitees für Fragen der Kalenderreform gewählt wurde, mit allen Teilen der Judenheit, tbren Rabbinaten und -Konsistorien wegen der zur Verteidigung des Sabbat zu treffenden Maßnahmen in Verbindung gesetzt. Der Chief-Rabbi steht in dauernder Fühlung mit Grand Rabbi Israel Levi und anderen religiösen Führern der Judenheit in dieser das gesamte Judentum zutiefst betreffenden Angelegenheit (Vergleiche Resolution der Kenessio Gedaulo auf Seite 4.) Neue Bestimmungen für die Einwanderung nach Australien. Melbourne, 31. August, Für die Einwanderung nach Australien sind neue Bestimmungen erlassen worden, denen zufolge die Zulassung von Einwanderern in Zukunft davon abhängig gemacht wird, daß sie eine Bestätigung vorlegen, aus der hervorgeht, daß sie für ein bestimmtes Unternehmen fest angestellt worden sind. Bisher genügte in der Regel für die Zulassung eine GaranHe der jüdischen Gemeinde, daß der Einwanderer der Oeffentlichkeit nicht zur Last fallen, werde, uni die Aufenthaltserlaubnis'zu erlangen. Schöne und praktische , Rauschhaschonoh Geschenke.