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Der Israelit · 1937-09-02 · Heft 35 (2.9.1937) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 35 (2.9.1937)
Date
1937-09-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt a* M. 2, September 1937 26. Elul 5697 Nummer 35 569 S. Ein Blatt aus dem Wandkalender verweht und ein neues Blatt — das erste Blatt eines neuen Kalenders — läßt uns den Atem anhalten, gebietet Halt, führt uns eine Höhe hinan, von der \vir den Weg hinter uns überblicken, den We£ vor uns im Nebel erahnen. Was liegt unten im Tale, durch das wir zwölf Monate lang, von Tischri bis Tischri, gewandert sind? Manche der fallenden Blätter des abgelösten Kalenders tragen Zeichen und Vermerke, sind als historische Tage schwarz umrändert oder prangen im hoffnungsfrohen Grün. Es treten Tage hervor, an denen die e n glische Kommission in Jerusalem zusammentrat, um unser Land, — seit zweitausend Jahren in all seiner Schönheit und seinen Leiden der Welt bekannt, seit 50 Jahren in seiner Entwicklung wie in einem Glaskasten vor den Augen der Völker zur Schau gestellt, — nochmals zu „erforschen". EJs tritt der Tag hervor, an dem in London, auf Grund jener Untersuchung, über das Schicksal und die Zukunft Israels und E r e z Israels befunden wurde. Es reihen sich diesem Blatte die Blätter an, auf denen die Tage von Genf, von Zürich verzeichnet sind, wo man zur Zerreißung unseres uns von G'tt verbürgten Heimatlandes Ja und Kein, und am Ende doch Ja sagte! Und ein rotangestrichenes Blatt trägt das Datum des 10. Elul und ein anderes des 1 6. Elul, da die Führer des thoratreuen Volkes in Marienbad zusammentraten und -in ihrer höchsten geistigen Instanz über Erez Israel das entscheidende Wort sprachen. Wahrlich, ein Buch r e i c h en Gedenkens ist das „außer Kraft gesetzte" Jahrbuch des Juden, in dessen Mittelpunkt Erez Israel steht. Die Führer des Thoravolkes haben das letzte Wort gesprochen, und es war, was das Angebot in seiner heutigen Form anbelangt, ein Nein. Weil di e T h o r a s e 1 b s t Nein sagt; weil unsere tausendjährige Hoffnung um Erez Israel Nein ruft; weil unser , altes Gebet am Roschhaschanah Nein sagt ... " ' . Von der „Freude für unser Land", nn»^' spricht das Gebet. Freude kann aber nur in ein ganzes, ungeteiltes Erez Israel einkehren. Die „Wonne Seiner Stadt" verheißt das Gebet. 'ptiWV Wie müßte aber die heilige Stadt trauern und wie wir um sie weinen, wenn sie. Zentrum und Lebensnerv aller Heiligkeit, wie viele anderen Heiligenstädten, außerhalb des. jüdischen Gebietes bleiben-sollte! Ein „Aufsprießen des Glückshorns", ein »Aufleuchten des Dawidslichtes", sieht das Gehet vor i3 ro'hsn 'm rnV pp ntvaxv Wie sollten "Wir nun Ja sagen, wenn auch in dem geplanten Miniaturheime von einem Auflodern des wahren, hellen G'tteslichtes, das das ganze Leben umfassen müßte, leider noch so wenig zu merken ist? Nein, sagten die geistigen Führer der Nation, weil Thora und Tradition, Gebet und Hoffnung ihnen das Nein diktierten. Aber wie sagte doch jener Rabbi in der Stunde des Scheidens: Einen Versuchsballon ließ G'tt auf mit jenem Plane. Er fragt uns: „Seid Ihr für die Geulla reif und bereit oder nicht?" Dieser Ballon ist leer. Ist der Versuch gut und wir haben die Probe bestanden, dann ist vielleicht die wahre Erlösu n g auf dem Wege, und es erstrahlt das Licht Seines Gesalbten „bald in unseren Tagen'' •ii'»'3'mnn3 Ans dem Inhalt: . Seite 2 Neue Spannungen in Palästina Bedrohte .jüdische 'Gemeinden im chinesischen Kriegsgebiete . Seite 2 Eine Kundgebung zur Kalenderreform Seite 2 Neue Einwanderungsbestimmungen in Australien..........Seite 2 Nach der Kenessio' Gedaulo (Resolutionen, Bilder) ....... Seite 3 Rosch Haschana-Artikel .... Seite 4 u. 5 Rückkehr. Von Saul Maus......Seite 6 Zum 100. Todestag von R,AkibaEger . Seite 7 Zum Tode von Lord Lionel Rothschild Seite 7 Beilagen: Erziehung und Lehre Der Kleine Israelit Am anq n^nn iu»j»p wroa nwiaa Mit den Worten nrm» 'KX1»*2' die die zweite Lage unserer Roschhaschanah-Rüstung am ersten Slichothmorgen einleiteten, ist die jüdische Situation von heute restlos gekennzeichnet. Die zwei Worte könnten Ueberschrift des Kapitels sein, in das der spätere Chronist die derzeitige Lage der Juden in der Welt zu fassen haben wird. Am „Ausgang der Ruhe" stehen wir vor Ihm, der auf dem Sitze des Erbarmens thront und flehen Ihn um Gnade und Hilfe an. nra Vds n»ttw iura» s*? nsvin iwa nana "ptoruat? irms m 'X •pritt'? (Schluß der ersten Slicho) „Wir wandten uns nach allen Seiten, Es blieb aus das Glück. So kehren wir beschämt zu Dir zurück, Dich zu suchen, G'tt, in der Drangsal Zeiten." Aus einer Ruheinsel, die uns ein knappes Jahrhundert Heim und Halt vorgezaubert hatte, sind wir fast überall in der Welt wieder in den Strudel des "Galuth gerissen. Wir sin,d am „Ausgang der Ruhe". Aber wie ist es doch in der jüdischen Geschichte so wundersam eingerichtet, daß jedem Schlage irgendwie das Heil v q rangeht, daß bei jedem Sturze sich Israel rettende Hände entgegenbieten, die den Stürzenden auffangen- und ihm den Raum und'die Ruhe geben für die Neuorientierung, ■ nni'jä '^Xiaa Aus ist es mit unserer Ruhe in der Welt, allein rftnfl TnöjPp' Wir haben! ohne es* Vielleicht selber zu ahnen, vorgebaut, v o r dem großen Beben mit der Zufluchtsstätte für den jüdischen Geist uns heuen Halt gesichert. Wenige Jahre vor der Weltkatastrophe saßen einige beherzte, um ihr Volk besorgte Männer im lieblichen Taunusstädtchen Homburg und berieten, wie der geistigen Not des jüdischen Volkes zu steuern sei, wie die immense Kraft der Nation in einem Becken zu sammeln sei, daß sie zur Kraftquelle und zum Jungborn für die kommenden Geschlechter wird. Ein paar Jahre spater bekam die in der beschaulichen Stille der Täunuswälder langsam, gereifte Idee schon Fleisch und Blut in einer großen Konferenz in .der oberschlesischen Stadt Kattowijz. Man rüstete sich zur ersten Größen Versammlung, und es kam der große Krieg, Alles schien aus, die in den Boden gesenkte Saat zertreten, vernichtet. ,nAber kaum neun Jahre später, im Jahre 1923, zeigte sich, daß die Saat gutgedüngten Boden fand und in dunklen Tiefen keimte. Eine Kenessio Gedaulo, und sechs Jahre später eine zweite in Wien, gaben der Idee der Agudas Jisroel den sie tragenden Organismus. Die Organisation war da. Unsere Scharen waren zahlreicher, unsere Kraft stärker, als wir selber ahnten. Neue Stürme kamen, über Erez Israel und die Länder der Gola. Sie haben die stille Saat von Homburg und Kattowitz nicht vernichtet, sie haben im Gegenteil den Boden aufgelockert und eine Frucht zur Reife gebracht, die wir zum Teile schon ernten dürfen. Die dritte Kenessio Gedaulo, unser letztes Äktivum im scheidenden Jahre, zeigte es. Es soll nicht an dieser Stelle ein Ueberblick über die Tage von Marienbad gegeben werden. Die Bilanz und auch das Fazit der „Großen Versammlung" zu ziehen, müssen wir uns für eine ruhigere Stunde vorbehalten. Hier sei nur ganz; allgemein auf das Gesamtbild hinge- (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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