Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 34 (27.4.1937) [27.8.1937]
- Date
- 1937-04-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr, 34 D e f I s r a e Ii t 27. April '1937 Aus der Presse-Versammlung. Iii der Vef-sammlung der Presse, die von etwa hundert Journalisten und Freunden der. Presse besucht war, hielt Herr Redakteur' S, Schachnowitz das einleitende Referat dem wir folgendes entnehmen: So' lange das jüdische Leben überall frisch pulsierte und der Jude jüdisch war, so lange es keine Aguda gab, weil Gesamtisrael eine Aguda war, so " lange es keinen Sabbatverein gab,' weil eine" Sab bateatweihung im jüdischen Kreise gär nicht denk bar war, trug das thoratreue Judentum seine Werbekraft in sich und konnte auf Politik und Propaganda, mithin auch auf Presse verzichten. Man hatte das Beshamidrasch, die Thora, die Gemoro, Cheder und Jeschiwah, wozu moderne Bücher und Blätter? Die Dinge haben sich aber im vorigen Jahrhundert mit einem Schlage geändert. Als zu Ende des 18. Jahrhunderts die neue Zeit einbrach und an den Ghettomauern rüttelte, haben wir es im Thorakreise zunächst gar nicht gemerkt. Wir vertrödelten unsere Zeit und unsere Kraft mit Kämpfen zwischen Chassidim und Misnagdim, zwischen Chassidim und Chassidim, man stritt über Kameoth und dergleichen mehr und sah nicht, daß die Gefahr von anderer Seite für alle drohte, daß der Aufklärungstaumel uns die Zukunft raubte, die Jugend. Wenn ich heute sehe, wie auf der Tribüne der K. G. die Chassidimfürsten neben den litauischen und ungarischen Thorägrößen sitzen und zusammen beraten, SO werde ich als ein Mann, der sich mit Geschichte befaßt hat, den Gedanken' nicht los: Hätten wir vor 150 Jahren, zur Zeit der Kämpfe in Wilna, in Altona, so. etwas wie eine Aguda und Kenessio gehabt, die die Antipoden zusammenführte, uns wäre manches in der Geschichte erspart geblieben, Nun aber haben wir die Organisation. Wir kommen spät, aber wir kommen. Aber eine Organisation ohne Presse ist ein Körper — zwar nicht ohne Seele — aber ein Körper ohne Mund. Daß die Orthodoxie in der Welt einen Stab von Journalisten und Schriftstellern hat, auf den sie stolx sein kann, beweist die Zahl der hier anwesenden Journalisten. Wir wissen auch bei uns die jüdische Presse im Osten zu schätzen. Die Mängel unserer Presse kennen wir selbst, und wir leiden selbst darunter am meisten. Aber wenn wir uns heute nicht so ausbreiten können und unsere Presse nicht so auszugestalten vermögen, wie wir es gerne möchten, so liegt gewiß nicht die Schuld allein an uns. Die Schuld liegt in der irrigen Auffassung weiter ortho- ' doxer Kreise, moderne Bücher und Blätter seien eine Überflüssige Sache, ein Tarn bw>* Wüßten wir, daß unsere Menschen, vor allem die Jugend, ohne .moderne Lektüre Beshamidrasch aufsuchen, statt der Leitartikel Daf Jomi lernen, statt Feuilletons Midrasch aufschlagen, statt Politik „Messilas Jescht>- rim" und „Chofez Chajim" studieren werden, wir alle, ja alle, wie wir hier sind, wollten dann sofort und freudigen Herzens unsere Redaktionen schließen, keinen Artikel und keinen Roman mehr schreiben. Die Problemstellung ist aber eine ganz andere, Die Frage lautet nicht: „Beshamidrasch oder Literatur", sondern; „gute Literatur oder schlechte Literatur?" Ist dem aber so, so haben wir Schriftsteller und Journalisten eben die Aufgabe, für gute geistige Nahrung zu sorgen. Das Beste vom Besten und Reinste vom Reinen ist für unsere Jugend und unsere jüdischen Menschen gerade gut genug. Es ist ein Hunger in unseren Kreisen nach guter Literatur. Diesen ZU Stillen sind wir nicht imstande, solange uns nicht die materielle und moralische Hilfe des( lesenden orthodoxen Publikums in genügendem Maße wird. , : '• Es trifft übrigens gar nicht zu, daß' die früheren Jahrhunderte den Wert einer guten Völksliteratur niqht kannten. Hätte ich hier einen Geschichtsvortrag zu halten, ich könnte Ihnen leicht nachweisen, daß schon im frühesten Mittelalter, auch zur Zeit .des Maharil, eine gute, gesunde Volksliteratur, besonders für Frauen, gab. Schon die Vierländersy - node hatte mit ihren Veröffentlichungen und Bekanntmachungen so etwas wie eine eigene Presse. Heute gilt es, zu zeigen, daß wir auch in unserer Zeit mit ihrem veränderten Geschmack es verstehen, durch Buch und Blatt zum Volk zu sprechen. Die modernste; und allerwirksamste Waffe der anderen Seite war von jeher die Presse. Die Berliner Aufklärung wie die Haskalah im Osten waren aus der Journalistik hervorgegangen. „Hameiz", „Hazefira", „Hachschar", Smolenski, Gordon, Mapu, das waren die Träger und Namen jener Epoche. Und der Zionismus ist, wenn man so sagen will, in Redaktionen '. gehütet. Das Buch eines Redakteurs hat ihn geschaffen. Schriftsteller und Journalisten haben ihn propagiert, nationale Dichter haben ihn besungen. Die Rolle und Stellung des. Publizisten und Schriftstellers in der Orthodoxie und in der Agudabewegung ist bekannt (Referent führt Beispiele an] Referent möchte nicht Klagen und Anklagen erheben. Die Journalisten. sind vielleicht die einzige Gruppe hier, die kein Geld von der Organisation haben will, nur moralische Unterstützung wollen wir. Wir rufen ts>vi» lti> IM/ ja auch die Menschen sind da, wir wollen sie nur suchen und sammeln. Ich kenne das Programm des Verbandes; nicht und habe keine Thesen ausgearbeitet, fch kenne zunächst nur eine einzige Aufgabe für die.heu zu gründende Vereinigung, daß wir uns zusammenfinden, uns gegen-: seitig stärken und ermuntern; von Zeit zu Zeit Unsere Erfahrungen austauschen. Vielleicht werden wir schon bei der nächsten Kenessio Gedaulo eine geschlossene Einheit bilden, die auch ihre Rechte anmeldet und durchsetzt. Zunächst müssen wir unsere Stellung inmitten des Organisationsbetriebes kennen und sie möglicherweise uns selber s'chaf f en. - Wir beschenken damit uns selbst und schenken der Aguda ein kostbares Instrument, eine unentbehrliche Voraussetzung: nämlich das Echo in der Weltr Herr Goodman dankte dem Redner, der als Nestor der orthodoxen Schriftsteller und Journalisten besondere Anerkennung für seine Wirksamkeit im Interesse der Gesamtheit verdiene. Der Name Schachnowitz sei ein Symbol für die gutjüdische schöne Literatur. ., Es beteiligten sich dann an der Debatte die Herren F r i e d e n s o h n , Lodz, König,. Warschau, V r o m e n , Rotterdam, Raw Twerski vom Jewish Weekly, London, Tür kl, Wien, Orlean, Krakau, K a h a n, Czernowitz„<.. 'S c h w a r z m a-n n , K1 a g s b a 1 g , Antwerpen, '.H a r t o g söhn , Frankfurt a. M., Wittenberg, Riga, Raw Krön, L i e b-e,r m ana, Tel Awiw, Arie! Wohlg emuth, Riga, Eiss, Zürich. In einem Korreferat führte Friedenssohhu. a. aus. daß die agudistische Presse in Polen stark zu kämpfen habe, und verfolgt werde von {der andersgesinnten Presse. Man müsse für Poleny Volksliteratüir in jüdischem Geiste schaffen und zu dem. Zwecke eine Zentrale schaffen, die die Literatur verbreite. Er rühmte u. a. die Kinderbeilage des „Israelit". Der Redner regte dann an, dieeigentliche Sitzung, die sich mit allen Details des orthodoxen Pressewesens zu befassen hätte, in Kürze nach einer polnischen Stadt einzuberufen. Man regte dann weiter an, für die, Information der neutralen und allgemeinen Presse über unsre Interessen zu sorgen. — Der seiner Aufgabe bewußte Schriftsteller müsse sich als .Mittler zwischen geistiger Elite und dem Volk betrachten. Der Nachwuchs braucht Vorbilder, auf die er, hinäufblicken kann. Auch muß mehr geschehen, um zu erreichen, daß die Gesetzestreuen in jeder Hinsicht ihre Presse unterstützen. Eine siebengliedrige Kommission wurde mit der Vorbereitung weiterer Einzelheiten beordert. Der Club orthodoxer Journalisten und Schrift'- steller wurde daraufhin einstimmig gegründet. " Ha. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Thora-Lehranstalt Jeschiwa. Frankfurt a, M., 23. Aug. Voq der Thora-Lehranstalt Jeschiwa, Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Das Wintersemester, beginnt Montag, den 4. Oktober., Anmeldungen sind bis spätestens 18. September an den Rektor, Herrn Rabbiner Dr. Joseph Breuer, Frankfurt a. M., Friedberger Anlage 4, zu richten. Den Gesuchen sind Angaben über Alter und Vorbildung (mit Zeugnissen) beizufügen. Subventionsgesuche können im Bedürfnisfalle nur bei rechtzeitiger Anmeldung berücksichtigt werden. , _ Hauptversammlung: des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens. Königsberg, 22. Aug. An der diesjährigen Hauptversammlung des V e rb and es der Synagqgengemeinde.il Ostpreußens, die vor kurzem in Königsberg i. Pr. stattfand, nahmen die Vertreter der Gemeinde Königsberg, der vier anderen Rabbinatsgemeinden und 18 Provinzgemeindeh Ostpreußens teil. Der Verbandsvorsteher, Dr. . Arthur' Ehrlich, bezeichnete in einem einleitenden Rückblick die letzten drei Jahre als die schwerste Zeit des Verbandes und schilderte« insbesondere die Bemühungen des Verbandes, üm die Versorgung aller Kinder mit Religionsunterricht und um die Zukunftssichef ting für die Beamten. Die Grüße der Reichsvertretung der Juden : in Deutsch^ land überbrachte Frau Prof. Cora Berliner. -—;: Das Hauptreferat der Tagung über „Verwaltungsmaßriahr .irien in Kleingemeinden" hielt der Syndikus des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Dr.: »Hermann. Sckild berger. Der Vortragende ging dävpn aus, daß der Landesverband für das ostpreüßische Notstandsgebiet,'obwohl dort nur 2 Proz. der gesamten jüdischen Bevölkerung in Preußen und den, dem Landesverband angeschlossenen Gebieten wohnen, 10—12 Proz. des .für die Zwecke der Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden und zur Aufrechterhaltung von Bezirksrabbinaten aufgewandten" Beträges zur Verfügung stellt. Damit derartige Leistungen auch weiterhin erbracht werden können, ist eine planmäßige Arbeit nach, einerii konstruktiven Gesamtplan zwecks' rationeller Gestaltung der Gesamtarbeit erforderlich. Nur durch die-Aufteilung des Gebietes in Rabbinätsbezirke und Bezirkslehrerstellen läßt es sich erreichen, daß kein Kind ohne Religionsunterricht ist und keine Gemeinde ohne seelsorgerische Betreuung, ein Ergebnis, das in' Osir preußen durch Schaffung von 15 Bezirkslehrerstellen und1 vier Bezirksrabbinaten nahezu erreicht ist. Infolge der verstärkten Abwähderuhg. j der jüdischen Bevölkerung aus den Prövinzgemeindien erwiesen sich besondere. Maßnahmen für diese Gemeinden als' erforderlich. Die wichtigste. Maßnahme', die -der Landesverband unter zahlreichen anderen wie Melder^ stelle für Binnen- und Auswanderung, Sammelstelle : für Thorarollen und Kultusgegenstände," . Steuerabkommen bei Fortzügen — traf, war die Einrichtung einer Sonderabteilung für Vermögensverwaltung und Liquidation in Kleingemeinden und die Einführung eines Systems von ehrenamtlich arbeitenden Vertrauensleuten. Auf diese Weise kann in den einzelnen Fällen schnellstens eingegriffen und vorbeugende Arbeit geleistet werden. Die Gemeinden, die sich in religiösen, seelsorgerischen und kulturellen Fragen an ihren Bezirksrabbiner wenden, erhalten in Gemeindefragen, in Rechts- und Vermögensangelegenheiten Auskunft durch den Bezirksbeauftragten des Landesverbandes, der seinerseits wieder im Einvernehmen mit den Provinziälverbänden und Bezirksrabbinaten arbeitet. Als wesentliche Aufgabe fällt den Vertrauensleuten auch die Buchführung von L i q u idationen' Von Kleing-emeinden zu. Hierbei handelt es sich vorwiegend um den Anschluß der Kleingemeinden an eine größere Nachbargemeinde — eine Auflösung der Kleingemeinden kommt nicht in Frage, solange dort überhaupt noch Juden wohnen, und ist auch nicht 'empfehlenswert, weil sich durch die Eingemeindung am leichtesten die weitere Erhaltung - der Friedhöf e in den Kleingemeinden ermöglichen läßt. Nach eiher allgemeinen Aussprache über das Referat wurde, dem Kassierer und dem geschäftsführenden Ausschuß Entlastung erteilt, der neue Haushaltsplan .genehmigt und-die Neuwahlen der Verbändskörperschaften vorgenommen. Schweiz. Aus der Sitzung der Jewish Agency. Zürich, 20. Aug; , Die für Freitag Vormittag angesetzte Schlußsitzung des Plenums des Council der Jewish Agency ist; auf Samstag Abend verschoben worden, da die politische Kommission ihre Arbeiten noch nicht beendigt hatte und der Konflikt zwischen der Warburg'Gruppe und der Mehrheit noch nicht beigelegt war. Im Laufe ndes Freitag sind; die Besprechungen zwischen Präsident. Weizniärin und Felix M. Warburg über die Forderurig der Nichtziönisten nach Wiederherstellung''der Parität in den Körperschaften' der Jewish Agency fortgesetzt Worden. Die 'Verhandlun- .ge;h\ nehmen einen.. Erfolg Versprechenden .Verlauf. Weizmann hat Warbiirg zugesagt, daß ier alle;Anstrengungen t machen: ■ werde;: um ■) die : Ziqriisten zum Einlenken zu bewegen. - •'• f Die politische Könimission, die ihre Beratungen in den frühen Morgenstunden unterbrochen hatte, setzte diese im Laufe des Tages weiter fort. Man sucht nach einer Formel, die die. Wünsche der Nichtziönisten nach Herbeiführung eines Ausgleiches mit den Arabern mit '> der vom Zionistenkongreß angenommenen politischen Resolution in; Einklang bringt. Die Sitzung der politischen Koriimfesibh .wurde;; auf Verlangen der' ■ misrachistischen, Kömmissiönsmitglieder vor Eintritt des Sabbat unterbrochen und wird vor ..der Sitzung des Plenums am Samstag Abend weitergeführt werden. '•' " Die nichtzionistischen Mitglieder des Cquncil aus Amerika, England und. / arideren westeuropäischen Ländern haben arii Freitag*'Nachmittag einegesonderte Beratung abgehalten, um ihre endgültige Stellungnahme zu den politischen Hauptfragen festzulegend . - ' . '_: . _/:*; ,t:':;.v ' '. ■ . Die: Örganisations-Kommission der Jewish Agency befaßte;isich am Freitag mit den Reformeri', die sien im Hinblick .. auf die neugeschaffene Lage . als not-