Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 34 (27.4.1937) [27.8.1937]
- Date
- 1937-04-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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27. April 1937 Der Israelit Nr. 34 Seite 9 v on der Organisation selbst; als dem Rahmen, Hin wenden zur Arbeit, die das Ziel und die Aufgaben derselben bilden soll, möchte ich eine Anregung an' die agüdistischen Frauen und Mädchen geben. Eine isde ägudistische Frau,' ein jedes agudistisches Mäd chen verpflichtet sich feierlich, eine Art Maaser der eigenen Arbeitskraft und Zeit, der agüdistischen Organisation zur Verfügung zu steilen. Diese Zeit und Kraft muß sich in die. Erfüllung def Pflichten gegen G'tt und Nebenmenschen, in die Erfüllung der Pflichten gegen sich selbst, in die Leistung sozialer Hilfe, in die 'Schaffung eines Finanzinstruments und>, in die begeisterte Werbung für Agudas Jisroel umsetzen! Unsere Arbeit leitet das Streben, die Mentalität der Ost- und Westjüden in immer fortschreitender Annäherung mit dem Ziel; ijur- Einheit des jüdischen Volkes, aufeinander abzustellen und Anregung für die Intensivierung ■ der Gruppenarbeit zu geben. Schließlich ist es Aufgabe der Konferenz, über. die Form der Organisation, die.\Ausgestaltung ihrer . Glte der und das Verhältnis derselben zueinander, sowie über ihr V.erhältnis;'-:2iM;.,\.'^eit-Ägü4ä -Beschluß zu" fassen." (Wir behalten uns; vor,- den weiteren Inhalt des Referates in einerspätereii^Nummer z;u bringen. Red.). ' •vv;;/.v--;./\--.v;:;> yö Darauf betrat der Präsident - der Wel'tagüdä, Herr Jacob Rosenheim, die Rednertribüne, um der Frauenkönferenz im Auftrage des Waad Hapoel sei nen herzlichen Willkömmengrüß zu entbieten. Unvollkommen wäre auch die Agudas Jisroel, sagte Rosenheim u. a., fehlte ihr die tatkräftige Mit arbeit der Frauen. Auch die ägudistische Organisa tibn sei ein neugeschaffener Organismus, der zu einem vollständigen Gänzen zusammengefügt werden müsse Der Redner begrüßte daher den Versuch, neben die allgemeine Organisation .eine der Frauen zu steilen, um so die Vollkommenheit der Agudas Jisroel näherzubringen. In warmen Worten drückte Herr Rösenheim der Präsidentin der Frauenkonferenz, die in großer Selbstlosigkeit und Aufopferung die "Führung der neugeschaffenen -Organisation übernommen habe, den Dank der Aguda-Zentrale aus. Eine wesentliche Aufgabe der Frauenorganisation sieht Herr Rosenheim darin, die immer noch bestehenden Vorurteile der Juden in den verschiedenen Ländern unter- und; gegeneinander niederzureißen und daraus eine Einheit, eine ägudistische Einheit, zu schaffen. Es sei das die gleiche Einheit, die erstrebt werden müsse in der gemeinsamen Erziehung, die Väter und Mütter ihren Kindern ' ängedeihen lassen; , , . Im Anschluß an die Ausführungen des Präsidenten Rosenheim entbot Frau Oberrabbiner Schreiber, Bratislava, der Konferenz im Namen der Aguda-Frauen- und Mädchengruppen in der Sloväkei ihren herzlichen Willkommensgruß. Sie schilderte, wie aus dem Grundgedanken heraus, ein geistiges Zentrum auch für Frauen und Mädchen zu schaffen, die Preßburger Aguda-Frauengruppe gegründet und mit welchem Beifall dieser Versuch dort aufgenommen wurde. Frau Dr. Buxbaum, Jerusalem, entbot in kurzen, herzlichen Worten in hebräischer Sprache die Grüße des Heiligen Landes. Frl. Chaje Gourarie, Tel Awiw, überbrachte die Grüße der Benos in Erez Jisroel. Frl. Weißkohl, Lodz, überbrachte Grüße aus Polen und Frau Schmulewitz , Kowno, sprach im Namen der litauischen Agudamädchengruppen, insbesondere für die litauischen Beth Jäkob-Schulen. Frau Rabbiner Henkin, Schedowa, gedachte in warmen Worten der Gründerin der Beth Jakob-Bewegung, Frau Sara Schenirer s. A., die auch in Litauen diese wunderbare Bewegung Öis Leben gerufen habe und der deshalb die litauischen Frauen zu größtem Danke verpflichtet seien. Auch Frau Meirowitz, Riga, gedachte der Gründerin der Beth Jakob-Bewegung. Frau Ernestine . B o n d i,, Wien, überbrachte die Grüße der österreichischen Frauen- und Mädchengrüppen und wünschte der Konferenz einen glücklichen Verlauf ihrer Verhandlungen zürn Besten der Aguda-Frauenbewegung und zur,Stärkung der- Agudas Jisroel. Frau Betty Wreschner, Zürich, verdolmetschte die besten Wünsche der A^udo-Frauengruppen in der Schweiz, in England,- Dänemark und.Höllandi Frau Franzi Golds chmidt-Lcwenstein, Zürich, ergriff nunmehr das Wort* zu ihrem Referate Die geistige Durchbildung der agüdistischen Frau." Die Rednerin schilderte an Hand des „Schema"-Gebetes das Leben der jüdischen Frau. Sie sagte, daß die Frau zuerst an sich selbst arbeiten müsse, bechol ewowcho, bechol nafschecho uwechol meäudecho, um iich so selbst nach allen Richtungen zu einer vollkommenen jüdischen Frau zu entwickeln. Es : dürfe -ber nicht dabei bleiben, sondern auch nach außen •labe die Frau die Verpflichtung, als jüdischer Mensch Aufzutreten und. der Welt den wahren jüdischen Menschen zu zeigen. Uwlech'techo waderech, auch der Straße des Lebens muß die ägudistische Frau äen ihr' vorgeschriebenen* Weg beispielhaft gehen.. Vor allen: Dingen aber hat die Frau das .iWedibarte bom" zu beherzigen, sie hat die Worte der Tauroh ihren Kindern einzuhämmern und die Verpflichtung zu erfüllend die Erziehung zu überwachen. . Daraus «wachse die jbesbndere Aufgabe der agüdistischen frau, an sich selbst zu arbeiten, um. so die Basis iür das ihr auferlegte Erziehungswerk zu schaffen, i Mi( Dankesworten der Vorsitzenden für die Rednerirmen und dem Ausdruck der Freude für das gute Gelingen des Eröffnungsabends wurde die Versammlung geschlossen. . , Die Delegiertinnen blieben dann noch einige Stunden in zwanglosem Beisammensein beieinander, um sich kennen zu lernen, um auch auf diese Weise, die weitere Zusammenarbeit für die Frauenorganisation zu fördern. . In der Sitzung , am D o n ne r s t a g V o r m i t ta g schlägt die Vorsitzende die Bildung von Kommissionen. vor. Der Vorschlag > wird angenommen, und die »Kommissionen nach Anhörung der Wünsche der Landsmannschaften gewählt. Anschließend gaben die : Vertreterinnen. der > einzelnen Länder Tätigkeitsberichte über die Arbeit in den Heimatländern. . Am Fr e i t ag begann die Sitzung mit einigen besonders, instruktiven Referaten über die Beth Jakob? Bewegung... < - Frl. Anni Karmel, Wien, sprach über das Thema: Die Stellung, der orthodoxen Frau im Judentum. Rednerin führte aus, daß noch vor ca. 20 Jähreh im Osten die Talmidei Chachomim eng und Ständig mit der Thora verknüpftwären, daß aber ihre Frauen nur vom Kaschrüth Und von den allerwichtigsten Aufgäben einer jüdischen Frau wußten. Im übrigen hatten die Frauen keine Gelegenheit, sich geistig' auszubilden,' oder sich eine Vorstellung von den. Schmerzen des jüdischen Volkes zu machen. Auf die Dauer, konnte das den Frauen natürlich .nicht genügen, zumal sie um sich herum eine ganz neue und bisher unbekannte Welt erblickten," die in ihrer Anschauung freilich ungebundener war., Dies war ein,e Welt, die die jüdische. Frau bei den Männern nicht finden konnte und sie' fühlte sich dadurch von der eüropäisch-zivilisierten Welt, in deren Mitte sie ja schließlich lebte, fasziniert. Die jüdische Frau im Osten stand zwischen zwei Welten, die eine, die sich vollkommen von ihr abschloß und die andere, die ihr gesellschaftliche Aussichten bot, und die durch das starke Betonen des Aulom haseh besonders lockte. Die Folge davon war natürlich die ' Preisgabe der jüdisch-weiblichen Persönlichkeit an die Umwelt, und somit der Abfall vom Religionsgesetz. In dieses Dilemma griff nun mit starker, zielbewußter Hand das segensreiche Werk von Beth Jakob ein. Beth Jakob hat heute 55 Lehrerinnen- Bildungsanstalten und 390 Schulen, Aie von etw3 40 000 Kindern besucht werden. Beth Jakob ist ein Begriff geworden, der in der ganzen jüdischen und nicht nur in der orthodoxen jüdischen Welt den besten Klang hat. (Lebhafter Beifall.) Im Anschluß , an, dieses Referat sprach Frau H am burger, Großi Gernauti, über E r z i ehungs- und Lehrziele von Beth Jakob. Rednerin schildert das besonders große Elend, die Not und Armut, unter der die jüdischen Massen des Ostens seufzen, eine Armut, von der man sich, wenn man sie nicht selbst gesehen hat, kaum eine Vor-: Stellung machen kanni Diese soziale Not zwingt die Beth Jakob-Organisation auch dazu, nicht nur, wie sie es bisher getan hat, Lehrerinnen auszubilden, sondern ihr ganzes Augenmerk auch auf die Ausbildung der Schülerinnen in anderen weiblichen Berufen ZU richten. Beth Jakob legt aber auch Wert darauf, dem sozialen Hochmut, der sich gerade oft in jüdischen Kreisen findet, zu steuern und die von ihm erzogene Jugend dazu zu bringen, daß alle jüdischen Mädchen vorurteilslos jede Arbeit, die ihnen geboten wird, ausführen. (Weitere Berichte folgen.) Ägudistische Jugend-Tagung. Im Rahmen der Kenessio Gedaulo war auch eine :Tagung der Delegierten der agüdistischen Jugend? Organisationen aller Länder vorgesehen. Die feierliche Eröffnungssitzung der Jugendtaoung fand nun programmgemäß am Mittwoch, den 18. d. MM um 5 Uhr nachmittags unter dem Vorsitz eines von allen Ländern beschickten Präsidiums im Kurhause statt. Die Eröffnungssitzung, die einen überaus zahlreichen Besuch aufwies und sich durch eine besonders gute Disziplin auszeichnete, war von einem programmatischen Referat des Vorsitzenden der Zeire Agudas Jisroel in Polen, Rabbiner Hirschhorn, Jaworzne. ausgefüllt. In seinem Referat setzte Rabbiner Hirschhorn die Motive auseinander, die zur Gründung einer agüdistischen Jugendbewegung geführt haben. Unsere Jugend will nicht als selbständige Organisation innerhalb der Bewegung, sondern' als ein wesentlicher Bestandteil von ihr betrachtet werden. Die vornehmsten ' Aufgaben der Jugendbewegung sind neben der Arbeit an sich selbst--also der geistigen und sittlichen Vervollkommnung — die Mitwirkung auf allen Tätigkeitsgebieten der Agudas Jisroel. Die ägudistische Jugendbewegung will die Gesamtarbeit aktivieren und sie vertritt den Standpunkt, daß die ägudistische Erziehung schon im Kindesalter in den Schulen beginnen sollte. Die orthodoxe Jugend leidet unter dem Mangel an einer geeigneten religiösen Jugend-Literatur. Es wäre daher die Gründung eines eigenen Verlages, ähnlich dem Beth Jakob-Verlag, anzustreben, Die iy2 stündige Rede fand bei den Zuhörern begeisterte Aufnahme. Die Konferenz vertagte sich dann für Donnerstag abends zur ersten Arbeitssitzung. In den folgenden Sitzungen hielten prominente Führer Ansprachen an die versammelte Jugend. . Um die Kenessio Gedaulo herum. Tätigkeitsbericht der Keren Hathora- und Beth Jakob-Zentrale. Die Keren Hathora- und Beth Jakob-Zentrale hat der Kenessio Gedaulo einen umfangreichen gedruckten Tätigkeitsbericht vorgelegt, der einen überaus interessanten Einblick in die Entstehung und Entwicklung der beiden Erziehungsfonds der Agudas Jisroel und ihre Arbeit während der letzten Jahre gewährt. Das im H ermon-Verlag, Frankfurt a. M., gedruckte Buch enthält in chronologischer Reihenfolge die Protokolle aller Keren Hathora-Konferenzen und deren Beschlüsse, weiters Nachrufe auf die Heimgegangenen des Keren Hathora, einen'Bericht über die Studienfahrt nach den Ländern des Ostens im Jahre 1931, über die Rüßlandhilfe des Keren Hathora und gesondert über das Beth Jakob- Werk. Als Beilagen sind Berichte aller einzelnen Landesorganisatiönen des Keren Hathora und Beth Jakob abgedruckt. ' Aus dem Bericht geht hervor, daß die Keren Hathora-Zentrale, die ihren Hauptsitz in London hat, über Zweigverwaltungen in Afrika, Amerika, Belgien, Tschechoslovakei, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Holland, Italien, „Jugoslävien, Lettland, Litauen, Oesterreich, Palästina, Polen, Rumänien, der Schweiz und Ungarn verfügt. Beth Jakob-Lehrerinnenseminare gibt es neben der Hauptanstalt Krakau noch vier, und zwar in Wien, Bratislava, Czernowitz und New York. - Die' Zahl der Schulen beträgt: In der Tschechoslovakei 21, England 2, in Frankreich 1, in Erez Jisroel 26, in Italien 2, Jugoslavien 2, Lettland -1, Litauen 18, Oesterreich 1, Polen 225 (27 Ü09 Schülerinnen), Rumänien 8, Beßarabien 1, Ungarn 11, Vereinigte Staaten 1. Die ZaHl der Jawne-Schulen beträgt. 92 ■ (8279 Schülerinnen), der, Ghörew-Schulen 208 (32:226 Schüler), der Jeschiwoth Ketanoth des-Chorew 137 (11.957 Schüler). Konferenz der. Westeuropäischen Landsmannschaften, Unter dein Vorsitz von Maitre Mathieu Müller, Paris, fand' Schabbos, 14. Elul, eine Konferenz der Landsmannschaften von Belgien, England, Frankreich, Holland und der Schweiz statt. Die im Prinzip 1935 auf der Antwerpener Tagung gegründete "Gemeinschaft gab sich die Richtlinien für die kommende Zusammenarbeit. Als Vorort wurde Paris bestimmt, wo unter der Leitung von Maitre Müller das gemeinsame Büro der fünf Länder mit einer bezahlten Kraft eröffnet wird. Diese Zentrale soll das Organisatorische und die Propaganda der beteiligten Staaten übernehmen, soweit die einzelnen Landesorganisationen dies nicht besorgen können. Für Ende Oktober ist ein Treffen der Delegierten und der Jugend der fünf Länder in Paris geplant im Rahmen einer gemeinsamen Reise - zur Weltausstellung. Als nächste dringende Programmpunkte wurde bestimmt, im Namen der Agudas Jisroel für die Koscherfleisch-Versorgung und Tefillin zu sorgen und eine Aktion für den Schmitto-Fonds zu unternehmen. Gemeinsame Beratung der Poalim und Zeirim. Die Delegierten der Poalim der Agudas Jisroel im Heiligen Lande und die der Zeirim in Polen benutzte» den freien Schabbos Nachmittag, um sich bei einer zwanglosen Zusammenkunft im großen Kongreßsaal zu treiien. Die Beratungen sollten vor allem alle Anwesenden zu einer noch intensiveren Arbeit für Erez Jisroel anspornen und darüber hinaus Klarheit über die grundsätzlichen Richtlinien schaffen, die die Poalim und Zeirim von der Tribüne der Kenessio Gedaulo vertreten wollten. Viel bemerkt wurde die erfreuliche Tatsache, daß am Präsidialtisch die Vertreter der Poalim und Zeirim, trotz mancher Gegensätze, die in einigen Ländern zwischen ihnen bestehen, friedlich nebeneinander saßen, um mit vereinter Kraft der Idee und Organisation der Agudas Jisroel zu dienen. Bei der Konferenz sprachen als Vertreter der Zeirim der Agudas Jisroel in Polen deren Vorsitzender, Rabbiner Hirschhorn-Jaworzna, ferner die Herren Landenberg und Meiseis. Für die, Poalim im Heiligen Lande sprachen Leon Fischer-Schein und Jakob Katz, Petach Tikwah.