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Der Israelit · 1937-04-27 · Heft 34 (27.4.1937) [27.8.1937] · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 34 (27.4.1937) [27.8.1937]
Date
1937-04-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr, 34 D s r a e Ii t 27. April 1937 herzliches Begrüßungsschreiben des High Commissioner in Jerusalem durch H, Goodman zur Verlesung, das großen Jubel auslöste. Der höchste Beamte Palästinas wünscht den Beratungen des Kongresses besten Erfolg. Darauf ergreift unter feierlicher Stille der Präsident des Zeritralrates, Oberrabbiner Lewin, das Wort. Im Lichte der großen Kandelaber strahlt das schöne, ehrfurchtgebietende Gesicht und die Stille im Saale verrät die Größe des Augenblickes.^ Es war immer so in Israel, sagt er, daß es in entscheidungsschweren Momenten seine Führer, die Lehrer der Thora befragte. Der Rabbinische Rat hat in vielen Sitzungen mit sich gerungen und G'tt um den richtigen Weg angefleht. Kurz Und in großen Strichen umschreibt er dann die Beschlüsse und ihre Bedeutung, um dann dem Luzker Raw, Rabbi Saroczkin, das Wort zur Verkündung der Be Schlüsse zu erteilen. In die in steigendem Maße anhaltende Spannung des Hauses dröhnen die wuchtigen Worte des Spre chers. Es sei im jüdischen Kreise üblich, vor jeder heiligen Handlung ein kleines Einleitungsgebet zu sprechen. Man sagt beim Kiddusch"'Wi frw nao» man bittet um die Aufmerksamkeit der Hörer. In anderen Fällen sucht man mit einem 'Wl pin *lin sich selbst für die Handlung zu weihen. Es bedarf in diesem Falle keiner Aufforderung zur Aufmerksamkeit, das beweise die Fülle und die Stille im Saal. Er selbst aber, Redner,- sei von der historischen Bedeutung des Augenblicks so erfaßt, daß er sich mit einem Gebete für das, was er zu verkünden hat, weihen möchte. Urim wetumim geben die G'ttesstimme wieder .aber nur dem König,, dem Hohenpriester. Kommen die jüdischen Volksmassen in solcher Anzahl zusammen, dann ist das Königtum G'ttes und das Königtum des Volkes hergestellt. * oy >B»n tpjtnna ^bis jinra 'm Und nun verkündet der Luzker Raw unter atemanhaltender Aufmerksamkeit den Beschluß des Rabbinischen Rates in hebräischer und jiddischer Sprache. Das ganze Auditorium, etwa zweitausend Menschen, erheben sich dabei spontan von ihren Plätzen und hören die Proklamation stehend an. Jacob Rosenh e i m verliest dann die Proklamation auch in deutscher Sprache. (Der Wortlaut der Proklamation des Rabbinischen Rates befindet sich an erster Stelle unserer Nummer.) Es folgt dann die Verlesung der Resolution der Politischen Kommission in der ihr von der Exekutive gegebenen Form durch Jacob Rosenheim. (Auch diese Resolution befindet Sich auf Seite 1.) Rosenheim gibt zu jedem der vier Punkte der Resolution kurze Erläuterungen und bittet um einmütige und debattenlose Annahme. Als sich Senator Trockenheini vom Präsidium dennoch zum Worte über einzelne Punkte meldet, kommt es zu einem kleinen Zwischenfalle, wodurch Trockeöheim am Reden verhindert wird. Die Resolution wird dann, nachdem Rosenheim erklärt hatte, daß seine Erläuterungen seine eigene Meinung darstellen und den G. A. nicht verpflichtet, einstimmig ohne Diskussion angenommen. In gehobener Stimmung wird nach 10 Uhr diese bisher denkwürdigste Sitzung der Kenessio Gedaulo geschlossen. Die Welle der Begeisterung, die sich in Gesang und "chassidischen Tänzen ausdrückt, hält noch bis Mitternacht an. Der letzte Tag der Kenessio Gedaulo. Marienbad, 25. Aug, Man rüstet sich zum Aufbruch, aber Aufbruch bedeutet nicht Abflauen des Interesses, sondern gesteigerte Spannung. Es ist der Tag der gefstigen Ernte nach schwerer mühsamer Arbeit in langen Tages- und Nachtstunden. So ist denn auch am Dienstag vormittag das Plenum wieder sehr stark besucht. Es werden Begrüßungsbriefe verlesen von Rabbi Chaim Oser Grodzenski, Wilna, Rabbi Isser Salman Meitzer, Jerusalem u. v, m. Auch mehrere Organisationen, unter ihnen der Misrachi, beglückwünschen die Kenessio Gedaulo in verbindlichen Worten. Mit einer kurzen Erklärung Trockenheims und einer nachfolgenden Bemerkung Jacob Rosenheims ist der kleine Zwischenfall von gestern abend, der im Grunde auf einem Mißverständnis beruhte, glatt und auf friedlichste Weise e r 1 e d i g t» Einer der Senioren und treuen Leiter der K. G., Oberrabbiner Zirelsohn, verabschiedet sich, und der Vorsitzende wünscht ihm im Namen der ganzen Versammlung, daß es 'ihm vergönnt sein möge, die nächste Kenessio Gedaulo in Jerusalem zu leiten. Es folgt nun die Verlesung einer großen Liste von Resolutionen, die die reife Frucht der emsigen Arbeit in den Kommissionen bilden. Sämtliche Resolutionen (sie kommen in den nächsten Nummern, soweit möglich, im Wortlaute zur Veröffentlichung) werden einst im - mig angenommen. Einen Höhepunkt bringt noch die Vormittagssitzung von Dienstag mit einer Abschiedsrede des Ger er Rebben. Was dieser Mann, dem die großen Gesten nicht liegen, auf dessen Wort aber Hunderttausende hören, bei der Eröffnung nur still angedeutet hat, spricht er jetzt mit aller Klarheit und Deutlichkeit aus: Man möge jede Art und jede Spur von tilh fiNJtP ausschalten und mit gemeinsamer Kraft in Frieden und Eintracht für '-JNItP* b^O arbeiten. Harry Goodman teilt noch offiziell dem Plenum mit, daß der Weltverband der religiösen. Journalisten und Schrift- Die französische Delegation. 1 Im Vordergrunde Rabbiner Dr. Langer, Rabbiner Dr. M u n k und Mäthieu Müller. s t e 11 e r in einer Sonderveranstaltung der hier weilenden Pressevertreter gebildet wurde. Zum Präsidenten des Verbandes wurde der Redakteur S. Schachnowitz gewählt (anhaltender Beifall). Am Dienstag mittag um 5 Uhr werden zunächst unter Vorsitz von E. Masur, Warschau, weitere Resolutionen verlesen und^ angenommen. Dann schreitet man zu den Wahlen für die Exekutive, den erweiterten G. A. (diesem sollen 31 Mitglieder angehören) und den Zentralrat, Während die Wahl der für den ZentraJr a t vorgeschlagenen Männer per Akklamation einstimmig bestätigt wird, spitzt sich die Wahl für den G. A. ein wenig dramatisch zu. Jacob Rosenheim macht seine Wahl zum Präsidenten von der Mitarbeit Dr. J. Breuers, Dr. Ehrmanns, Goodmans und Dr. Lewenstein, Zürich, abhängig. Dr. I. Breuer erklärt aber, daß. nachdem seine Vorschläge nicht ganz seinem Wunsche gemäß angenommen worden sind, er nicht in der Lage sei, die Verantwortung mitzutragen und die Wahl anzunehmen. Auf Antrag von J. M. Lewin wird zunächst der Waad hapoel (erweiterte Exekutive von 31 Mitgliedern) gewählt, dem überlassen wird, die Exekutive endgültig zu wählen. . (Der Bericht über die Schlußsitzung befin- "det sich auf Seite .2.) Der Frauen-Kongreß. Die Eröffnungssitzung des Weltkongresses der agudistischen Frauenorganisation (Histadruth Olamith Nschei Uwenoth Agudath Jisroel) fand am Mittwoch, den 18. d. M., im Beisein von mehr als Ij60 Delegiertinnen und vielen hundert Gästen im kleinen Kursaal unter dem Vorsitz von Frau Flora Rothschild, Antwerpen, statt. Die Vorsitzende, Frau Rotschild,, begrüßte die Erschienenen mit einem einleitenden, ausführlichen Referat. Frau Rothschild führte u. ä. aus: „Die Einberufung der ersten Welt-Frauenkonferenz ist die Willenskundgebung der agudistischen Frauen, sich zu organisieren, um im Bewußtsein ihrer Berufung zur Mitarbeit an der Verwirklichung der Taurohherrschaft ihre Aufgaben in Gemeinschaftsarbeit zu finden und zu erfüllen. Es bedarf wohl kaum einer Berufung auf die Tauroh und die Geschichte, denn im allgemeinen ist das Wirkungsrecht der jüdischen Frau so wenig fraglich gewesen wie ihre Wirkungspflicht. Das Neue aber, das zu gestalten uns vorbehalten bleibt, ist die Zusammenfassung des; einzelnen Wollens und des einzelnen Könnens, um überall dort schwesterlich mit der Kraft der Gemeinschaft auszuhelfen, wo das ^einzelne Wollen ungeweckt und verborgen schlummert, und wo die einzelne Kraft unzureichend ist, um ideelle und materielle Nöte zu beheben. Heute schon kann die neue Organisation stolz hinweisen auf die Ergebnisse, weiblicher Arbeit, die unser neues allweltliches Werk vorbereitet haben. Wir begrüßen die Vertreterinnen des Beth Jacob- Werkes in Litauen und Lettlands Abgesandte. Wir begrüßen die Frauen aus Deutschland, die in der Technik der Organisation und ihrem geistigen Schwung ihre numerische Kleinheit ausgeglichen haben. Wir begrüßen ferner die Beth Jacob-Lehrerinnen, die unsere Zukunftssaat in der ganzen jüdischen Welt ausstreuen. Wir begrüßen hiermit die Delegiertinnen aus allen Ländern, die uns morgen über den Stand der Organisationen in den einzelnen Ländern berichten werden, so daß Sie selbst sich ein Bild davon machen können, daß eine ganz ansehnliche Mitgift als Grundlage der neuen Verbindung eingebracht wird. Als unsere Zukunft, der unsere Liebe und unsere Sorgfalt, unsere Pflege und unsere Hoffnung gilt, sehen wir. die Vertretung der jugendlichen Gruppen vor uns. Sie sollen einbezogen sein in unser Ganzes. Wir lassen ihnen ihr Recht auf Jugend und Selbstgestaltung ihres Jugendlebens. Wir Frauen und Mütr ter wollen unsere Arbeit, durch sie jung erhalten, weil wir in ihrer Frische und Jugend eine Quelle unserer eigenen ständigen Verjüngung erkennen. Die Bnos-Jugend wird uns .r helfen können, die weniger glückliche Generation ihrer Mütter für die von ihr erkannte Aufgabe innerhalb der allweltlichen Organisation zu gewinnen. Wir dürfen die Hoffnung haben, daß trotz aller Neigung zur Kritik — die nun einmal zum Wesen echter Jugend gehört, aber häufig für uns Aeltere Ton großem Wert" ist — unsere Töchter unsere mütterliche Liebeswaltung dankbar spüren, und daß sie sich nicht scheuen, mütterliche Hände, die sich ihnen kameradschaftlich' entgegenstrecken, ehrlich zu ergreifen. Denn Mutter ufld Töchter, die aus der Tauroh ihre Richtung nehmen, wissen es, daß nach den Worten des letzten Propheten die Zuwendungen der Generationen untereinander ein Merkmal der kommenden Geullah sind. Lernen wir als Organisation der Frauen und Mädchen der Ägudas Jisroel unsere Einzelaufgabe als Agudistinnen ernster zu nehmen, als dies bisher im allgemeinen geschah- Gerade das können wir Frauer. von unserer Jugend lernen, die vielfach persönliche und geldliche Interessen hintenan setzt, um ihreir. Bund, ihrer Gruppe sich und ihre Freizeit zum Opfer in bringen. Es ist .das Wort „Opfer" seinem ursprünglichen Sinn nach zu nehmen, es bedeutet hier nicht "Verzicht, sondern Hingebung! Solche Hingebung allein vermag unsere zeitlichen Schwächen zu überwinden, um Ewigkeitswerte zu erfassen. Ehe wir uns

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