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Der Israelit · 1937-04-27 · Heft 34 (27.4.1937) [27.8.1937] · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 34 (27.4.1937) [27.8.1937]
Date
1937-04-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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aeite o lNr. J4 D Israelit 27. April 1937 ' Marienbad, 20, Aug*. Der Donnerstag war der Thora gewidmet. Die Verhandlungen am Vor- und Nachmittag gingen unter diesem Titel vor sich.. Wir hörten vormittags ein Referat von Rabbiner W. S. Jacobson, Kopenhagen, über den gesetzestreuen Chinnuch und weitere Referate von Rabbiner J. Bloch, Telsiai, .undf. .Oberrabbiner Eckstein, Sereth, über „Die Bedeutung der Jeschiwoth". Oberrabbiner Ungar, Neutra, sprach über „Taharas Hamischpocho". Am Nachmittag konnten in einer bis in die Nacht hinein dauernden Aussprache die Referate noch erweitert und vertieft werden. Die Vormittagssitzung stand unter dem Vorsitz von J. M. Lewin. Oberrabbiner Jesaias Fürst, Wien, entbietet zunächst dem Kongreß seinen Gruß, und ihm schließt sich mit Segenswünschen der Sadagorer Rebbe an. Sodann ergreift Rabbiner Jacbbson das Wort, zu seinem einleitenden Referate. Der Redner gedenkt mit ehrenden Worten noch einmal des Schöpfers und Leiters des Keren Hathora, Dr. Deutschländers, und der Frau Sara Schenirer s. A., sowie der anderen führenden Persönlichkeiten der ersten und zweiten Kenessio. Er teilt die Methoden des Chinnuch in drei Gruppen, die sich an folgenden Namen orientieren; Chofez Chajim, Rabbi M. M. Eppstein, Rabbi Jerucham (litauische Mussarmethode), der Lubliner Raw (polnische Lehrmethode), die Breuer'sche Jeschiwp in Frankfurt, ebenso Oberrabbiner Spitzer s. A. (ungarische Lehrweise, die auch in Deutschland üblich ist). Als Führer und Annehmer des mittleren Chinnuch nennt er Rabbi Beer Friedmann s. A. Jacobson' zählt dann im einzelnen die Tätigkeit und die Erfolge der Chorew-Schule in Warschau und der K. H.-Schulen in Litauen mit ihren 18.000 Schülern auf. Der K. H. sei leider längst nicht mehr imstande, seinen Verpflichtungen gegen die östlichen Lehrstätten nachzukommen. Daß die einzelnen Länder in ihrer Opferfreudigkeit für die K. H.-Schulen nachgelassen haben, hat insofern bei allem Bedauerlichen auch sein Erfreuliches, weil in den einzelnen Ländern ein Aufblühen der Thora einsetzte, das die ganze Kraft dieser Länder absorbierte. Referent nennt in diesem Zusammenhange auch die blühenden Jeschiwoth in Frankfurt a M. und in Montreux. Erfreulicher ist das Bild des Beth Jakob. Seine Haupterfolge hat jedoch Beth Jakob immer noch in Polen. Das Krakauer Lehrerinnenseminar floriert außerordentlich. Dort wird die neue Form der jüdischen Frau, die mitten im Leben stehend, doch ihre stillen jüdischen Tugenden behält, herausgebildet. Weitere Seminare arbeiten mit gutem Erfolge in Wien und Czernowitz. In Erez Israel entstand eine Beth Jakob-Bewegung aus eigener Kraft und eigener Initiative, was organisatorisch vielleicht nicht einwandfrei war, aber als Gegebenheit zu begrüßen ist. Man muß sich jetzt nun auch dem Ausbau des Beth Jakob-Werkes in Erez Israel zuwenden. Ein eigenes Sorgengebiet bildeten die aus . den Jeschiwoth hervorgegangenen Menschen, die irgendwie ins Leben eingereiht werden müssen. Man könnte diese Menschen sehr gut für die überseeischen Ansiedlungen als geistige Führer und Funktionäre verwerten. Es fehlt an guter Lehrliteratur für die Schulen. Jede Gelegenheit muß benutzt werden, die Thora als den Lebensnerv des. jüdischen Volkes zu proklamieren, wozu auch die Aufrufender, tPVm 'dienen. Ein Ansatz für die Versorgung d;er weiblichen Absolventinnen der B. J.-Schulen' ist mit dem Institut „Ohel Sara" gemacht worden. Das Referat, das mit einem geistvollen Thorawort schließt, findet starken Beifall, . ... , Der Sochaczower Rebbe verabschiedet sich mit herzlichen Segenswünschen vom Kongreß. Darauf beginnt die Diskussion mit einer Rede des Lucker Raw über die Not und Lebertsttötwendigkeit der Jeschiwoth. Am Nachmittag wird die Dehatte unter Vorsitz von Rabbiner Silv^er-, Cmcinnattr,: fortgesetzt. Rabbiner; B I.o c h , Telsiai, schildert die Eigenart d,er litauischen Jeschiwah. Es muß mit den allerneuesten Mitteln der Kampf gegen die G'ttesleugnung,. aufgenommen werden, die f ihrerseits über die. modernsten Instrumente verfügt. Oberrabbiner /Ecks t ein schildert das Wesen * ' ' 1 * ' '- i. ■ '. .. . .' " , ' ■" '. ' ' ' , i und die Lehrmethode der Jeschiwoth in den Ungarischen Nachfolgestaaten, Dazwischen sprechen der B o j a n ß r Rebbe und der § a da-, gor er Rebbe aus Wien, .herzliche Segens-, worte. Der Tiktiner Raw, Rabbi Ka 1 m a n o - w i t seh, richtet einen feurigen Appell an die Kenessio, das Thoralernen im Volke zu heben und zu fördern. ' Das darauf folgende Referat von Oberrabbiner Ungar, Neutra, über Taharas Hamischpocho hinterläßt tiefen Eindruck. Es ist ein Schrei aus wehem jüdischem Herzeh gegen einen Sittenverderb, der leider auch im jüdischen Kreise Platz gegriffen hat. Die Mahnungen werden ihre Wirkung nicht verfehlen. Wir hörten im Laufe des Tages und des Abends noch weitere Reden zur Qhinnuchfrage von Rabbiner Hager, dem Sokolower Raw, Rabbiner Sil b ermann aus Erez Israel ^und Rabbiner S i 1 v ,e r , der ein ihm über- Die Führer der Delegationen aus Deutschland und England tragenes Mandat, in Amerika für die Jeschiwoth zu wirken, mit Dank annimmt. Für den Rabb'inerverband in Litauen spricht Rabbiner B e n g i s , Kalvaria. Rabbiner W i t k i n überbringt noch einmal Grüße von den Lehranstalten in Erez Israel.. Einen Höhepunkt bringt der Abend noch mit einer äußerst wirkungsvollen Rede des Poniewescher Raw, Rabbi Kahnemann Nicht Geld brauchen wir,, sagt der Redner, sondern Menschen, die wir zu formen und zu sammeln haben! .Mit einer gleich beifällig aufgenommenen 'Rede von Rabbiner Lau, Piotrkow, schließt in vorgerückter Abendstunde^ der T h o r a tag, der viel Belehrendes, aber auch wertvolle Anregungen gebracht hat. : •' Während des ganzen Tages, ebenso am Freitag, arbeiteten die Kommissionen und Landsmanhschafte.n, jebensq die Frau e n k o n f e - r e n z , deren Beschlüsse noch im Zusammenhang bekanntgegeben werden. Nach Sabbatausgang. ii.: . .>! [!»'.':: Marienbad, 22. Aug» Ein . Sabbat war rasch vergangen, wie wir nB'ch keinen Säbbat.: erlebt haben. Von erster Morgenfrühe bis zur späten Vormittagsstunde .waren sämtliche, Räume, und Nebenräume; in den Hotels mit lialli$gehüllten Betenden, angefüllt. Marieribad wid^rnallte ybn' ^esanjg und' ThorätorlcsunjJ*/ Wo, zehn Leutfe kein Zimmer fänden, postierten; $^\\csiclji äüi Treppengang: unter freiem HimmelT oder sons.twö,; ürid äi'e1 Gemeinde Israels war hergestellt. Nachmittags gab 'es "Sitzungen anderer Art, L e rfrs tu h ü e ri , Vorträge, Aussprachen, t Die Jugend, die sch0 am Freitagabend in der großen Halle des Nat i o n ä 1 - H o t e 1 s eine Veranstaltung hatte setzte ihren Kenessiösabbat bis in /die Nacht fort. Ein Vortrag Oberrabbiner fDr. Carle, b a c h s hielt viele Hunderte - beisammen. ßje Frauen hatten ihre eigenen Sabbätyorträge, die Chassidim wären um ihre Rebbes versammelt Es war ein Oneg Sch abbat: von 24 Stunden,' jede von ihnen eine A1 i j a t h ' N « s c h o. m o, eine seelische Erhebung/ wie! sie viele unter den Anwesenden noch nie erlebt, haben. Die Nachtsitzung. , Gleich nach Sabbatausgang fanden sich die Kongreßteilnehmer zu einer Plenarsitzung im großen Kurs aal in fast so reicher Anzahl ein wie beinv Eröffnungsabend, so daß die Ordner wieder alle Hände voll zu tun hatten. Stand doch die Er e z I srael-Debatte auf der Tagesordnung, die Frage; aller Fragen, die Seele der ganzen Tagung. Den .Vorsitz hat Senator Oberrabbiner Zirelso h-jn. H. Goodman macht einige geschäftliche «Mitteilungen, sodann ergreift Dr. S. Ehr mann das Wort zum einleitenden Referat. In wuchtigen Sätzen erläuterte Ehrmann die Erez Jisroel-Arbeit, mit; der die Aguda steht und fällt. Die Kenessio soll in die Welt hinausschreien, daß, sollte schon die Teilung Palästinas unvermeidlich sein, der kleine Staat wenigstens vollkommen im Geiste der Thora. aufgebaut wird. Zu Beginn der Paläsünaarbeit der Aguda fehlten alle Voraussetzungen, wie sie ' nachher geschaffen wurden,' Chat am Sofer stellt die Mizwoh der Bodenarbeit in Erez Israel der dem Tefillimlegen gleich. Seit Bestehen der Agudaz'ertifikate hat man im ganzen 234 Familien, etwa 5000 Seelen, die Ausreise nach Palästina ermöglicht. Die Zahl der ,H a ch s c h a r o t h im Westen und in den Ostländern beträgt etwa 90; Die Poalim, die uns dort treu geblieben sind, sind unsere besten Pioniere. Nicht wir, aber auch nicht die-Zionisten bilden die Majorität des Judentums. Die Majorität setzt sich aus den ta^i^ii den sogenannten Neutralen zusammen, an die sich die P. Z. mit Erfolg gewandt hat. Erez Jisroel muß eine starke Agudas Jisroel haben, wenn dort den Arbeitern geholfen werden soll. Es herrscht Mängel an Menschen und Mitteln. Keren Hajischuw in Deutschland hat noch am besten gearbeitet. Die Zahl der agudistischen Poalim in Erez Jisroel beträgt zurzeit 4320 Seelen. Wir alle haben eine schwere Schuld an Erez Jisroel abzutragen und hier muß die Teschuwa einsetzen; eine Aufforderung, die durch den Aufruf, den tausend Rabbiner unterzeichnet haben, bekräftigt wird. Als zweiter Redner ergreift Herr Dr. Isaac Breuer, lebhaft begrüßt, das Wort. In der ihm eigenen logischen Schärfe und Dialektik legt Breuer Rechenschaft ab über das, was die Kenessio Gedaulo, die Uni das Bild des Jomkippur zu gebrauchen, schon bei „Mincho" angelangt ist, bisher erreicht hat. .Eines; wurde klar: Die Agudas - Jisroel hat eine starke Stütze im Volke-, sie hat Menschen und Kräfte wie keine andere Organisation, sie verfügt über das herrlichste Instrument! leider sind die Zionisten, die ein viel schlechteres Instrument haben, doch die besseren Spieler. Das Praktische, das die Kenessio Gedaulo noch in den letzten Tagen zu "schaffen hat, besteht in, der Bildung einer starken Leitung. Es muß ein richtiges Verhältnis zwischen Können und Wollen geschaffen werden, was nur durch eine starke Leitung geschehen kann, die aus sieben Männern besteht, welche hauptamtlich ihre letzte Kraft ihrer Aufgabe"widmen. Der »Redner verlangt eine klare Stel 1 u n g n a h m c des •R a b b i n i s c h e n ,R a t 'e s in Sachen von Palästina, denn die jüdischen' Massen erwarten ungeduldig von dieser obersten Stelle ein Wort' der Weisung. Wie man auch zu..;den Plänen .steht, die Tatsache, daß nach 2ÖÖÖ. Jahren wieder von einem Judenstaat in Palästina gesprochen wird, ist von so gewaltiger historischer Bedeutung," daß die geistigen Führer nicht schweigen dürfen. Der Jerusalemer Leitung erkennt Redner an, daß sie den Grundgedanken der Aguda, die G'ttesherrschaft . als bestehende Realität, in seiner Reinheit erhalten hat Aber die Mensche0 müssen für diesen Gedanken erzogen werden, %vaS nicht genügend geschehen ist. . Breuer schildert die unbeschreibliche .Armut, der- PoaHm, -die; Sorge uro das tägliche-Brot im buchstäblichen Sinne. M a-c h n e J,isröel muß als Ganzes' für die Poalim ausgebaut werden. Nachdem sich die Parzellierung des Bodens infolge der Wasserverhältnisse als undurchführbar erwies, muß. den Einzahlern ihr Geld gehend zurückbezahlt werden,. Heute hat die Aguda noch (ihren moralischen Kredit, sie darf ihri aber nicht " verlieren ' durch eine- Vernachlässigung ihret Pflichten gegen die Arbeiter inErez Israel, r Man spreche nicht von .;;palästinozentrisch'V whv.si«d aiIe t|h!o,r a z,e n tri sch; Von der t Kenessio Gedaujo wird eine Wendung ausgehen, möge es ehte Wendu.r'=, zum Guten sein.' '' " _

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