Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 34 (27.4.1937) [27.8.1937]
- Date
- 1937-04-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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27. April 1937. I .s r a c. Iii Nr. 34 Seite 3 pas jüdische Volk als Geschichtswunder und als Geschichtswirklichkeit. schlummernden Worte, sowie der Kampf um ihre harmonische Einheit buchstäblich'ein Kampf um G'tt, ist: das charakteristische Merkmal dei* abendländischen Geschichte, jfortsetzung von Seite Raumes, werden und bleiben können, wenn es nicht sogleich gedeckt durch G'ttes Wort, das Volk der Geschichte gewesen und geblieben wäre. Die nationale Selbstbehauptung des jüdischen Volkes war das Ergebnis eines geschichtlichen Entschlusses; ihre Durchführung eine völlig einzigartige geschichtliche Tat. Den Mut zu •'solchem Entschluß, die Kraft zu solcher Tat konnte die tiefste Einsicht; ins Wesen der Geschichte überhaupt dem jüdischen Volke spenden) die Einsicht nämlich,; daß diese Geschichte selber, ihrem -innersten Kern" nach, Wertgeschichte ist, Geschichte der sich entwickelnden, der sich entwertenden und;der sich steigernden Werte, und daß daher dem'obersteil, dem absoluten der Werten dem in der Bibel geoffenbarten G'tteswort und dem. diesem G'ttes wort sich völlig hingebenden Volk, die geschichtliche Zukunft sicherv sei. Vermöge dieser, dem jüdischen Volk durch die Bibel vermittelten Einsicht in den Wertcharakter der Geschichte, einer Einsicht, die überhaupt erst die klare Trennung der Menschengeschichte von der Chronologie einerseits and von der Naturgeschichte andererseits gestaltet und die denkbar schärfste Ablehnung der materialistischen Geschichtsauffassung; des Marxismus bedeutet, vermöge dieser Einsicht, die das jüdische Volk nicht, nur theoretisch in sich aufnahm, sondern auch buchstäblich' in seiner ganzen Galuth national lebte, muß es als Volk der Geschichte angesprochen werden. Es gibt kein zweites Volk auf Erden, das seine ganze nationale Existenz auf seinen Glauben an den Wertcharäkter der Geschichte und 'damit auch seinen Glauben an den endlichen Sieg de;s; obersten, des absoluten der Werte, gleich dem .jüdischen Volk, gegründet hätte. Volk der lebendiJ gen Bibel, Volk des ewig geltenden Wertes der Bibel, und Volk der wertgerichteten Geschichte ist wesensgleich. Von Hellas und Rom schreibt sich di& 'moderne Geschichtswissenschaft her. Dort ist;'der Begriff des Staates und wohl auch schon der Begriff der Gesellschaft gedächt 'worderij:.;tincl um Staat und um Gesellschaft konzentriert sich seitdem die Auslese der als geschichtlich erachteten Tatsachen. Aber nur G'ttes in der Bibel geoffenbärtes Wort, aber nur Jisraels Propheten geben der Geschichte der Menschen ein Woher . und ein Wohin, spannten sie zwischen G'tt-Schppf ers. Sechstagewerk und G'tt-Schöpiers Sabrbat, zwischen Schöpfungs a n f a n g und Schöpfurigs y b 11 e li d ü.n g ein und verliehen ihr durch die Wertidee die Sinnbezogenheit der Kul turent wickkmg, des Kulturzusammenhangs wajeworech ausöm. Elaukim, wajaumer löhem Elaukim:"peru urewu umirü/'e$::h6orez-,'---w;'c!liiwr.i. schuho; „Es segnete sie G'tt und es sprach G'tt zu ihnehi*. Seid frütMbar! ünd vervielfältigt euch\ und i0!iWäie '.Erde' '• uftil .-beherrscht sie;" Dieses Schöpfürigswort bringt!' die Grühderscheinungen des ge'sbhichtlichen Nebeneinander und Nacheinander der Menschen,:: bringt-1 Ehe, Familie, Ge7; Seilschaft und Staat unmittelbar mit dem Schöphmgszweck in Verbindung und weist damit der, Geschichte der Menschen, die Bestimmung zu, Kulturwerte?U erzeugen und am obersten der Werte, dfehi 'Schöpfünls'z w; ei ckv wie ihn G'ttes Wort offenbart,' äls Kultur z i e 1;, gemessen und gerichtet: zu S werden. Nicht nur die Bibel, sondern auch die4 von ihr verkündete Idee der Men's chh e i t, die Ku 1t u r i d e e , ohhÖTdie : letzten, Endes die Geschichte; der Menschen inür.K Na t u r g e s c h i c h t e wäre, haben von Jeruscholajim aus ihren Weg über die Erde genommen. ,Se Sefer Tauldaus Odom: „Dieses Buch — enthaltend G'ttes Ziel und Zweck der Schöpfung — macht das Wesen, den Sinn adamitischer Geschichte aus." Volk der Bibel und Volk der Geschichte ist eines. II. Die Geschichte ist das. eigentliche Thema der Bibel, vom G'tteswort der fünf Bücher bis zum Wort des letzten der Propheten. Dieses Thema Der Senior der.jKenessio Gedaulo Oberrabbiner" Wolf Kohn, Csorna (Ungarn) beschränkt sich keineswegs auf das j ü d i s c h e Volk, umfaßt vielmehr alle Völker der Menschheit. An die S c h ö p f u n g schließt die Bibel die Universalgeschichte an, und sie ist ihrder Inbegriff all, dessen, was die Freiheit der Menschen in Ehe, Familie, Gesellschaft und Staat, in G'ttes währendem ^abbat als G'tt?sschöpfung erstehen läßt. Universalgeschichte ist Schöpfungsgeschichte. Innerhalb dieser Universalgeschichte, die sich in der sabbätlichen Verborgenheit G'ttes vollzieht, ist aber dem jüdischen Volk eine andere .Bestimmung zugefallen als den Völkern der Erde, ilh idie 5e,ele a 1Ü e t Menschen hat G'tt die Werttoiejw üß tlh e i t des „JD'u s o 11 s t " gepflanzt, ,äüf' der"!die; Menschen fr e i h e i t und damit''die;Möglichkeit der 1 Schöpfungsgeschichte beruht. In der; Entfaltung dieses „Du sollst" als religio-> ses, als logisches, ethisches, ästhetisches und soziales Sollen vollzieht sich der menschheitliche: Kulturprozeß, der den Inhalt der Schöpfungsgeschichte ausmacht. In der harmonischen E i n - h ei t der Vielgestalt solchen Sollens,, nur als. Ideal ersehnbar, ahnen die letzten Geister der Menschheit, die e i ti s t i g e O f f en b a - rung G'ttes. Wenn der Einfalt, der, M atr.. t e r i a 1 i s;t e n G'tt einer längst i überwundenen;V e r g a n;ge!nh ei t angehört, so den Idead i s t e h! einer schier unerreichbaren Zukunft.: /Der wahrhaft:i:prometheiische 'Kampf um die Herausstellung der: im fünffachen „Du sollst" Von ihr sqheidet sich grundsätzlifch' die' Ge-.( schichte des jüdischen Volkes. Vom. ersten Tag seines geschichtlichen Daseins begriff sich das; jüdische Volk, auf Grund unumstößlicher Selbsterfahrung, als unmittelbare Schöpfung G'ttes, ' des'Schöpfers von Himmel und Erde, herausgetreten aus sabbatlicher Verborgenheit, um inmitten der Völkergeschichte mit ihrem tragischen Ringen um die Vielfalt und die Einheit des „Du sollst" einem einzigen Volke Dasein zu geben, das in G'ttes ihm geoffenbarten Wort sich dieser Vielfalt und dieser Einheit nicht aus ihm selbst, beileibe nicht aus ihm selbst, vermöge eigener Kraft und eigener Begabung entwickelt, sondern aus G'ttes Mund von außen an es gekommen, in hingeworfener, in Nselbstverlorener Demut bereits teilhaftig weiß und dessen Geschichte daher nur den Sinn haben kann, sich zur Höhe des ihm in der Thora inhaltlich anvertrauten „Du sollst" begriffen als Sollen der ganzen Schöpfung, zu entwickeln und nicht um W e r t e , sondern um Wert Verwirklichung in Ehe, Familie, Gesellschaft und Staat zu kämpfen. Diese hingeworfene, diese selbstverlorene Demut aus G'ttesmund von außen, die Werte hinzunehmen und in ihrer V e r w i r k- 1 i c h u n g i m L,e b e n den ganzen Sinn des na> tionalen Daseins zu finden, war unter allen Völkern zunächst nur dem jüdischen Volke zu eigen. Vermöge dieser Demut ward es auserwählt. Auserwählt zu höchstem Glück und auserwählt zu tiefstem Leid. Was den abendländischen Völkern idealfernes Ziel ist, die Heraus» Stellung inhaltlich bestimmter Werte und die Herausstellung der Harmonie ihrer Vielfalt; für das Bewußtsein des jüdischen Volkes hatte G'ttes Gnade ihm, dieses Ziel bereits in seiner nationalen Geburtsstünde in die Wiege gelegt. Ihm solltedas Heilige Land, das Land der Verwirklichung der ihm von G'tt geoffenbarten Werte, deren Einheit den obersten Wert, das höcnste Gut ausmacht, bedeuten, Das Heiligtum auf Zion: Symbol dieses höchsten Gutes; Jeruscholajims flutendes Leben: erfüllt und beherrscht von seinen Werten. Wäre es uns vergönnt gewesen, den Einklang zwischen Zion und Jeruscholajim dauernd herzustellen, wir wären das. glücklichste aller Völker geworden und es hätte Zion als Wahrzeichen des G'ttes der Schöpfungsgeschichte, Sehnsuchtsziel der Besten unter allen Völkern, in die Welt hinausgeragt; und es wäre Von Jeruscholajim weithin über die Erde ein Hauch jenes Friedens gedrungen,' den nur G'ttes lebenbeherrschendes Wort zu stiften ver-, mag. Schon die reine Selbstbehauptung dieses G'ttes-Staates auf einem Boden, dessen natürliche Lage das Begehren aller Nachbarn und der am Mittelmeer interessierten - Großmacht erwecken und unterhalten mußte, hätte als wahres , und echtes Q e schichtswunder die Ueberlegenheit des y.on G'tt geoffenbarten obersten Gutes und eines in seinem Dienst aufgehenden. Gemeinwesens über alle Werte erwiesen, denen sich die Völker der Erde Verschreiben, um auf sie ihr Dasein zu gründen/ '.' . . . ■ Aber es kam anders. Liegt die , Tragik . der Völker darin, daß ihnen kein Zion die Einheit inhaltlich bestimmter Werte kündet, so die Trag ik des j üdis-ch en Volkesin seinem in zweimaliger Staatlichkeit einstweilen erwiesenen. U n.v.e r m ö g e n , nach,;;Zions; oberstem ■. Gut das Leben Jeruscholajims zu meistern. (Zweimal: weitete sich die Kluft zwischen Zion und Jeruscholajim bis zur Unerträglichkeit, Zweimal erlöste" Jeruscholajims . Untergang jZipn aus. der Umklammerung einer Werte entfremdeten Wirklichkeit. i Kauft im auch Herrenwäsche, Trikotagen und Badewäsche f > Für die Feiertage 4en Mantel oejer Anzug j \ ig ü:tj;' :u ü $ * p;:r' ei s W e r t:'b e i •, u i} W,u U,s Cjh jTr-Y r b'e i tu i»g' ii-,'R4.rti|-]FüiPl,4l,ij W ■ '■— HInfJenburgplatz 12 am ' HäMptbähnhoji w ui>-