Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 34 (27.4.1937) [27.8.1937]
- Date
- 1937-04-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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«7-^*" •> V Seite 2 Nr. 34 D Israelit 27. April 1937 Die dritte Kenessio Gedaulo ist geschlossen! Schon einige Stunden vor der angesetzten Zeit am Dienstag abend wogt die Menge in den Vorhallen und Wandelgängen des großen Kursaales und um der. Eau herum, wächst'und wächst. Eine halbe Stunde vor Beginn ist der Saal mit sämtlichen Nebenräumen genau so besetzt wie am Eröffnungsabend. Nur daß jetzt die angesammelte Weihe eine innere Disziplin bedingt, die den Ordnern und Polizisten ihre Aufgabe leichter macht. Es ist die Neiilostunde des Kongresses, und die heilige Erregung spiegelt sich in allen Gesichtern, die unter den tausend Birnen der Kronleuchter und Kandelaber glühen. Der lange Pressetisch vor der Tribüne ist auf beiden .Seiten so yoII besetzt, daß man kaum die Ellenbogenfreiheit hat, richtig zu arbeiten. Oberrabbiner Ahron L e w i n , der nach Rosenheim die Kenessio Gedaulo genau acht Tage vorher eröffnet hatte und während der ganzen Zeit zu ihren fleißigsten und taktvollsten Leitern gehörte, führt auch jetzt den Vorsitz und hält die erste Schlußrede. Er gibt einen kurzen Ueberblick über die Tage der Verhandlungen, des harten Ringens, die im Ganzen, als Treffen des thoratreuen Volkes, so herrlich waren, daß sie jedem Teilnehmer bis ans Lebensende unvergessen bleiben werden. Die eigentliche Arbeit und Aufgabe der Kenessio Gedaulo beginnt erst jetzt: den Gedanken der Aguda in jede Stadt, jede Gemeinde und jedes Haus hinauszurufen. Er erinnert noch einmal an die Mahnung des Gerer Rebben zu Frieden und Eintracht. Als der Name des Präsidenten Jacob Rosenheim genannt wird, bringt ihm die Versammlung eine rauschende Ovation dar. Wir haben Vertrauen, sagt der Redner, zu unseren Sendboten, daß sie die ihnen von der Kenessio Gedaulo übertragene Aufgabe erfüllen werden, unsere Hoffnung geht aber noch weiter, daß alle, die gesinnungsge^ mäß zu uns gehören, recht bald zu uns kommen, so daß späterhin die Aguda nicht mehr eine Partei, "eine Organisation, sondern das Judentum schlechthin ist. Mit dieser Hoffnung nimmt Oberrabbiner Lewin Abschied von der Großen Versammlung. Mit einer tiefen, gedankenreichen und hinreißenden Ansprache folgt der Poniewescher Raw, Rabbiner Cahnemann. Das ganze Feuer des litauischen Judentums lodert aus dem Munde. f dieses körperlich unscheinbaren Mannes und zündet bis in die letzte Ecke. Man' bedauert nur, daß nicht das gesamte Israel in all seinen Teilen von diesem Schrei einer großen jüdischen Seele unmittelbar erfaßt wird. Rabbi Cahnemann sieht in der gegenwärtigen jüdischen Not allenthalben den Mahnruf G'ttes, und er selbst ist in diesem unvergeßlichen Momente der Schofar, die Posaune dieses g'ttlichen Mahnrufes. „Im brennenden Hause," so ruft der Rabbi, „schläft ein Mensch. Und die Retter überlegen, wie sie den Schlafenden durch Türe oder Fenster, vielleicht auch unter Einreißung der Wände, aus dem brennenden Hause retten. Weckt ihn doch, und er wird sich selber retten! Was wollen die Kurpfuscher und die kürzsichtigen Retter mit all ihren Teillösungen der jüdischen Probleme? Weckt doch den Schlafenden, rüttelt Israel auf, daß es die Flammen sieht und sich selber rettet!" Ihn . selbst beseelt der Glaube, daß Israel einmal zu G'tt in voller Buße zurückkehrt, genau so wie der Glaube an Mose h i a c h und an die Erlösung. Der Glaube an die Rückkehr des jüdischen Volkes gehört mit zu den Grundsätzen der miaS« Der aufgetauchte Gedanke des Judenstaates ist ein von G'ttaufgelassenerVersüchsba.lloTi. Es ist eine Anfrage G'ttes an uns: „Seid Ihr für die Geulla reif und bereit oder, nicht?" Zunächst ist dieser Ballon leer, fällt aber der Versuch gut aus,, dann kommt erst die wahre Geulla! . . . Es folgen weitere Schlußreden von Rabbiner Hirschhorn, Dep, M ün z b e r g, J. M. Lewin. Ersterer spricht für die Zeiire Agudas Jisroel in Polen und stellt als die erfreulichste Erscheinung der Kenessio Gedaulo die Tatsache hin, daß unsere Jugend auf unserer Seite war. Münzberg hebt das große Verantwortungsgefühl hervor, das diese K. G. gezeigt hat. Lewin sagt T\»T12 ntn OITI heute fängt der neue Tag, Tag der emsigen Arbeit für die Aguda an, .und wir sind stolz darauf, daß auf unserem Kongresse nicht allein von sachlichen realen Dingen gesprochen wurde, sondern daß in hohem Maße auch die Thora zu Worte kam. Dr. J. Breuer, freudig begrüßt, bittet, die Aguda nicht nach der gehobenen Stimmung von heute, sondern nach der Arbeit nach der K. G. zu bewerten. Wenn Gegensätzlichkeiten zum Vorschein kamen, so sind doch diese ein Zeichen der Stärke, denn die Schwerkraft des Judentums und der Aguda liegt nicht in schematischer Eintönigkeit, sondern in der' Mannigfaltigkeit; wie bei den Söhnen Jakobs, die alle das Sterbebett des Vaters umringen und von denen dennoch jeder seinen eigenen Segen erhält. Erez Israel ist nach seiner ganzen geographischen Lage gerade dazu geschaffen, Individualitäten herauszubilden, die sich aber alle auf dem Boden der Thora finden mögen. Um unsere Kinder in Erez Israel geht es, um die Thora im Lande der Thora.' ... Nach einer kurzen Pause, in der Listen für ]YHS ausgelegt, werden, wird die Schlußsitzung mit einer längeren Rede des Oberhauptes des Warschauer Räbbinates, Rabbi Menachem S e m b o , fortgesetzt, die mit Hinweis auf die vorangegangene Sammlung dafauf abgestimmt ist, daß wir dem Klall und der Aguda mit der .tPK byi 5?2üa mit dem Feuer in uns, das hier in acht Tagen so gewaltig angefacht wurde, dienen sollen. Es folgt, eine Begrüßungs- und Dankansprache an die Kenessio Gedaulo von Redakteur S. Schachnowitz im Auftrage des neugegründeten Religiösen Journalisten- und S c h r i.f t s t e 11 e r v e r b a ndes. Die gewaltigen Eindrücke in dieser erhabenen Geburtsstunde des Verbandes, so sagte Redner, werden die Männer der Feder nach Hause begleiten, ihnen stets vor Augen und der Seele bleiben, ihr Verantwortungsgefühl so stärken, daß sie nur das Beste vom Besten und das Reinste vom Reinen ihren Lesern zu bieten sich bestreben werden. Wie die Menschen, nach Ausspruch der Weisen, bei den Volksversammlungen aus Anlaß der TilHWT] rPS'fltyaW Inspirationen er^- hielten, so werden die Männer der Presse, denen die Aufgabe geworden ist, Horn und Dolmetsch der Ereignisse zu sein und die von den Führern gewiesene Wahrheit in die Massen zu tragen, von dieser Kenessio Gedaulo neue Impulse erhalten. Er wünscht den Kollegen am Pressetisch eine naiü n3TD im wörtlichen Sinne: „Schreibt gut, d. h. kündet die Wahrheit nach den Maßstäben der Thora, damit wir alle eingeschrieben werden D'llü D"n *1S03!" Unter anhaltendem Jubel betritt nun Jacob Rosenheim zum Schlußworte die Tribüne. Mit bewegten Worten spricht er den Dank an alle aus, die am geistigen Inhalte der K. G. teilhaben. Wenn die Veranstaltung auch einige technische Defekte gezeigt haben sollte, so sei dieses auf den unerwarteten Massenandrang zurückzuführen und darauf, daß die glühende und funkensprühende Volksseele oft alle äußeren und technischen Maßnahmen über den Haufen geworfen hatte. Das größte Erlebnis der K. G. ist, daß in entscheidender Stunde für das jüdische Volk der Rat der Weesen und der anerkannten Thoragroßen im mwn ^>m nxsn» d a.s e n t s c h e idende Wort g e s pro c h e'n-h a t, das voq der gesamten jüdischen Welt mit dem schuldigen Respekt gehört und aufgenommen werden wird. Wie der Regenbogen am Firmamente, So strahlte diese Versammlung alle Schattierungen innerhalb des Thorajudentums wider. Unter den Aktiven dieser Kenessio Gedaulo zählt der Redner das Jugendamt beim Waad hapoel, die Frauentagung u. a. m. auf. Es dürfte doch nun gelingen, drei oder vier Mitglieder der Exekutive im Hauptamte in London zu vereinigen. Von der Kenessio Gedaulo gingen neue Impulse für mifi und mft pttri aus, und die Resolutionen sind, nach dem Worte eines Redners, ein Gelübde, das einzulösen sich jeder bestreben wird. Wir sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß es zur Zeit iri Erez Israel nicht auf Worte, sondern ausschließlich auf Taten ankommt. Mit dem nspplpn in seiner Beziehung zu Volk und Land, zu "jEHj? py»' zur . Stätte der Schechina, und O^aTPH, dem Himmel, der uns im irdischen Leben den Segen spendet, atich mit Hinweis auf die Bedeutung des rpynw 3"iy — mit diesen Gedanken, für die der Präsident der Agudas Jisroel herrliche Formulierungen findet, schließt er se in e R e d e. Die dritte Kenessio Gedaulo wird damit kurz vor Mitternacht geschlossen. Ein Taumel der Begeisterung setzt im Saale ein, der sich in chassidischen Gesängen und Tänzen Luft macht. Weißbärtige, ehrwürdige Männer und Jünglinge reichen sich die Hand zu einem Reigen, Leuchten der Thora und jüngste Jeschiwajünger tanzen zusammen. Wo aber einer der Führer, vom Podium kommend, sichtbar wird und sich bescheiden durch den Saal schleichen will, wird er von der Welle erfaßt und hoch auf den Schultern getragen. Es herrscht freudige Entspannung wie nach Jomkippurausgang, da die feierliche Weihe von den Vorboten des einziehenden Freudenfestes abgelöst wird, Möge diese Freude in der Arbeit bestehen, in den Bahnen, wie sie die dritte Kenessio,Gedaulo und die H^nn'»Sn nsyvi gewiesen haben. (Die Berichte über die vorangegangenen Verhandlungen beginnen auf Seite 6.) Die Mandatskommission stimmt grundsätzlich dem Teilungsplane zu. Genf, 26. August. In einem von der Informationsäbteilung des Völkerbun de s herausgegebenen Commumque wird über den Bericht der Mandatskommission an den Völkerbund u. a. folgende Auskunft gegeben: „Der Bericht der Mandatskommission enthält: 1. die vorläufige Meinungsäußerung de? Kommission über das Palästinaproblem; 2. allgemeine Bemerkungen über die Unruhen von 1936 und die von der Mahdatarmacht ergriffenen Schritte und 3. besondere Bemerkungen über die Verwaltung des Landes." Die Mandatskommission zollt der Mandatarmacht Anerkennung für ihre Bemühungen während der letzten zwanzig Jahre, die in Palästina miteinander im Streit stehenden feindlichen Leidenschaften zu beschwichtigen. Es heißt dann zum Schlüsse: „Die Juden, die so oft zu Unrecht ungeduldig sind über die Schwankungen der Mandatarmacht bei der Errichtung des Nationalheims, mögen sich fragen, ob, es ein anderes Volk in der Welt gibt, von dem sie eine bessere Behandlung erfahren haben, und das sich um sie so viele Generationen lang so verdient gemacht hat. Die. Araber andererseits, deren Widerstand verständlich ist, mögen sich an den Beginn ihrer nationalen t Befreiung erinnern. Ohne die Bemühungen Englands gebe es weder ein Jüdisches Nationalheim noch einen freien Araberstaat atn Anfang des 20. Jahrhunderts." „ Herren- und Berufskleidung, Moß-Kon f e k t i o n uys-Verarbeiiu n g Frau F. MAIER Ww. Fahr g a s s e 94 ■1 Minute von der Konstabier Wache DAS LICHT DER EWIGKEIT!^ von Robb. Dr. Elie Münk in Ansbach ntnMUN üMUn., rrailKIUrl a. ™< broschiert RM. 4.00 Lwbd. RM. 5.oö Schützenstr. 12 . Postsch.• 19802