Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 34 (27.4.1937) [27.8.1937]
- Date
- 1937-04-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^j^g^p^jjpj^ä^^jji^ »v-Jt»jr») r i'? t-/- Ein Centraiorgan iür das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a. M. 27. April 1937 20. Elul 5697 Nummer 34 Entscheidimg des Rabbinischen Rates in der Palästina-Frage. Der Rabbinische Rat erklärt: a) Unser Heiliges Land ist uns vom Herrn der Welt in ewigem Eid- und Bundesschwur geschenkt worden, auf daß wir darin die Gesetze der Thora und ihre Gebote verwirklichen und dort ein Leben der Thora führen. Das jüdische Volk ist daher mit diesem seinem Lande mit allen Fasern seines Herzens und seiner Seele für alle Ewigkeit unlösbar verknüpft. b) Nachdem wir ob unserer Sünden aus unserem Land ins Exil wandern mußten, hat G'tt uns durch seine heiligen Propheten verheißen, daß er uns dereinst durch seinen Gesalbten erlösen wird. Der Glaube an diese Verheißung ist eine der Grundlagen der jüdischen Religion, verbindlich für jeden Juden. c) Der Anspruch des jüdischen Volkes auf das Heilige Land wurzelt daher in der Thora und den Propheten, den Boten G'ttes. d) Der Bestand eines jüdischen Staates ist nur möglich, wenn dieser Staat das Thoragesetz als Grundgesetz des Staates und die St aatsfuhrung die Herrschaft der Thora anerkennt. Ein jüdischer Staat, der diese Anerkennung nicht gewährt, bedeutet eine Verleugnung der, jüdischen Geschichte, eine Negation des wahren Wesens der jüdischen Nation und eine Untergrabung ihrer. Existenz. Ein derartiges Gemeinwesen verdient nicht den Namen eines jüdischen Staates. V ■ ■ II. - . Oer Rabbinische Rat erklärt, daß die Grenzen unseres Heiligen Landes durch G'tt, den Schöpfer des Himmels und der Erde, in seiner belügen Thora für alle Zeiten festgesetzt worden sind. Es ist daher unmöglich,; daß das.jüdische .Volk seinerseits in irgendeiner Weise auf diese Grenzen einen Verzicht ausspreche.sJeder derartige Verzicht wäre null und nichtig. ■ ' HL ■ Öer Rabbinische Rat erklärt, daß nach dem Daas Thora Verhandlungen und Beschlüsse über das Schicksal von Erez Israel, des Erbes des ganzen jüdischen Volkes, nicht geführt werden können ohne Zuziehung der bevollmächtigten Vertretung des. thoratreuen Judentums. Solche Verhandlungen über den Kopf des thoratreuen jüdischen Volkes hinweg widersprechen Recht und Gerechtigkeit. IV. Der Rabbinische Rat wendet sich an alle Juden der Welt mit dem heißen, flammenden Aufruf, in dieser Stunde geschichtlicher Entscheidungsschwere der Agudas Jisroel zu Hilfe zu kommen in ihrem Werke des Aufbaus des jüdischen Landes im Geiste der Thora und Emuna, ihr zu helfen in ihrem Kampfe um die Rettung der Heiligkeit Erez Israels und seiner Reinheit, ihrem Ringen um die Stärkung des orthodoxen Jischuw, in ihren Anstrengungen, dem gesamten Leben des jüdischen Landes den Stempel der Thora und Emuna aufzudrücken. Auf daß Erez Israel G'ttes Land bleibe, das Land, auf das Seine Augen stetig gerichtet sind, auf dem Seine Herrlichkeit erstrahlt und von dem uns G'ttes Königsherrschaft sich offenbaren wird vor den Augen aller Völker. Der Re solutions vor schlag der Politischen Erez Jisroel - Kommission. 1. Die Kenessio Gedaulo kann — bei aller Würdigung des Strebens der Peel-Kommission nach einer objektiven Lösung — dem von ihr vorgeschlagenen jüdischen Staat nicht zustimmen. 2. Die Kenessio Gedaulo hält die tatkräftige Durchführung des Mandates, verbunden mit einer zielbewußten Politik der Versöhnung zwischen den Juden und den Arabern für möglich. 3. Angesichts der ungeheuren Notlage . von großen Teilen des jüdischen Volkes erachtet die Kenessio Gedaulo die von dem Command Paper vorgesehene einstweilige. Einschränkung der Alijah und des Bodenerwerbs für untragbar. 4. Die Kenessio Gedaulo ermächtigt und beauftragt die politische Exekutive, Verhandlungen mit der englischen Regierung und dem Völkerbund aufzunehmen, um eine Lösung durchzusetzen, die den religiösen und m ateriellen» Bedürfnissen des jüdischen Volkes sowie seinen auf der Thora begründeten historischen Ansprüchen an das Heilige Land entspricht, (Bericht über die Abendsitzung von Montag siehe Seite 7.) Das jüdische Volk als Geschichtswunder und als Geschichtswirklichkeit. Von Dr. Isaac Breuer.*) . i . I- ■ ' Bis vor nicht langer Zeit waren die wenigen Freunde, die sich das jüdische Volk während seiner Wanderung inmitten der Völker unter ihnen erworben hat, meist gewohnt und geneigt, es als das Volk des Buches, als das Volk der Bibel in dankbarer Anerkennung zu bezeichnen. Die Rettung und die Erhaltung des geoffenbarten Wortes G'ttes für sich selbst und für die ganze Menschheit ist in der Tat die unschätzr bare Kulturleistung des jüdischen Volkes, das freilich seine eigene Rettung und seine eigene Erhaltung, zumal nach" Zerstörung seines Staates und nach Verlust seines Landes, nur seinem wahrhaft heroischen Entschluß zu verdanken hat, seine ganze nationale Existenz in den Dienst der Rettung und der Erhaltung des geoffenbarten *) Dieses Referat wurde am Eröffnüngsabend der Kenessio Gedaulo gehalten; v .G'ttes' zu stellen. Seinethalben, das nicht einzelnen g'ttnahen Menschen, sondern der ganzen Nation anvertraut war, und das seine volle -Verwirklichung nur in einem national staatlichen Gemeinwesen finden kann, hat das jüdische Volk das unsägliche Martyrium seiner nationalen Selbstbehauptung in einem nun schon fast zweitausendjährigen Galuth auf sich genommen und durch Vermittlung des G'tteswortes auch die lebendige Seelenbeziehüttg in G'ttes Land nicht einen Augenblick preisgegeben. Nicht als einem toten Buch, sondern als einem ewig aktuellen -Wert hat sich das Volk der Bibel dieser Bibel erhalten; und darum mußte das Volk der Bibel sich stets auch als Volk des Landes der Bibel begreifen. Es hätte aber das jüdische Volk niemals das Volk der Bibel, als eines ewig, aktuellen Wertes, und das Volk des Landes der Bibel, , als das .von G'tt diesem Wert zunächst zugewiesenen (Fortsetzung siehe Seite