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Der Israelit · 1937-08-20 · Heft 33 (20.8.1937) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 33 (20.8.1937)
Date
1937-08-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite-6 Nr. 33 D;e .r I. s;, r;; a .e ,1 i t 20. Augtist 1937 der englischen Regierung in E. J. ein jüdisches Staatswesen zu errichten. Es kann auch niemand die jüdische Aufbauarbeit im Innern des Landes leugnen. Jeder spürt sie am eigenen Leibe, in seinem täglichen Leben, sei es, daß ei* die Verkehrsmittel benutzt, wenn er den modernen Straßenbau sieht, der zum großen Teil jüdische Arbeit ist, oder wenn er die Früchte des Landes genießt, die jüdischer Fleiß zu einer besonderen Qualität entwickelt .hat. Wie ist es jedoch mit dem Geiste bestellt, der diese Arbeit jüdischer Hände beseelt. Auch da ist es leider kein Geheimnis, daß es zum größten Teile nicht der Geist der alten U eberlief er ung ist, der in Wirklichkeit Israel befähigt hat, alles Leid im Laufe des schon Jahrtausende dauernden Golus zu tragen, sondern der Geist der Auflehnung gegen dieses Gesetz, noch mehr der bewußten Ablehnung der besonderen g'ttlichen Fürsorge für unser Land. So kommt es, daß es der gesetzestreu lebende Jude im heutigen E. J. auch wieder in vielen Dingen des täglichen Lebens schwerer hat, als in den Gemeinden der Gola, daß er vor Problemen steht, die er dort garnicht kannte, einfach aus dem Grunde, weil Juden im j ü d i sc h e n Lande auf eignem Boden den Sabbat eniweihen, die Speisegesetze mit Füßen treten^ jüdische Sittenreinheit nicht kennen' und des Glaubens sind, je moderner sie das Leben in E. J. gestalten, je urijüdischer sie es führen, umsomehr dienen sie den nationalen Grundsätzen des jüdischen Volkes. Erst wenn man in E. J. genötigt ist, seinen eigenen Unterhalt zu verdienen, wenn man nicht nur als Tourist, womöglich mit gut gefüllter Reisekasse, einige flüchtige Wochen im Lande verbringt und naturgemäß vontdem alten, ewigen Zauber, der von ihm ausgeht, befangen ist, erst dann sieht und spürt man die Probleme in ihrer vollkommenen krassen Nüchternheit. Eine Organisation und eine Versammlung, die sich mit diesen Dingen befaßt, muß sie vor allem kennen, besonders aber gilt diese Forderung von den Führern, die verantwortliche Beschlüsse fassen und richtungweisend für praktische E. J.-Politik sein wollen. Es geht nicht an, daß Männer, die noch niemals in E. J. gewesen sind, selbst wenn sie sich noch so innig mit dem Lande verbunden fühlen, entscheidenden Einfluß auf praktisch politische Dinge in E. J. ausüben. Selbst ein früherer, längerer oder kürzerer Aufenthalt kann hier nicht mehr maßgebend sein. Damit kommen jetzt unsere ersten Forderungen an die Kenessio Gedaulo: Die agudistischen Kreise in E. J., besonders aber die agudistische Jugend verlangt, daß das Schwergewicht agudistisch politischer Entscheidung nicht am grünen Tisch in Europa liegt, sondern entweder in E. J. selbst, oder nur dann in Europa und in London, wenn dort genügend Kräfte vorhanden sind, die E. J. aus eigener Erfahrung kennen. Es liegt uns vollkommen fern, auch nur im geringsten das Verdienst Unserer bewährten Führer anzutasten, aber die Zeiten sind zu ernst, und die Dinge, die auf dem Spiele stehen, zu gewaltig, als daß wir unsere Kritik zurückhalten können. Wie war es möglich, daß im vorigen Jahre an der Kenessio Mechina in Marienbad E. J. kaum vertreten war? Die Stimme der wenigen, die dort anwesend waren, hat nach unserer Meinung nicht den genügenden Widerhall gefunden. Man hätte sonst z. B. nicht einfach den Forderungen der Poalim von mancher Seite, leider auch von rabbinischer, solch geringes Verständnis .entgegengebracht. Solche Dinge müssen das Vertrauen zur Leitung untergraben. E. J. ist heüte mündig geworden. Es ist mündig geworden durch seinen harten Existenzkampf, durch die politischen Erschütterungen, die es durchmachen muß, die noch heut 6'jniöht abgeschlossen sind. Die. Kraft des Erlebens und der Erfahrungen kann nicht durch, die i besten Zeitungsberichte und selbst die Darstellung des Erzählens ersetzt werden. Entweder müsseh sich die Männer, die in Europa für die agudistische E. J.-Politik tätig sein wollen, entschließen längere Zeit zum gründlichen Studium aller ein schlägigen Verhältnisse in E. J. zuzubringen, oder es muß ermöglicht werden, daß Menschen, die in E. J. leben, bei allen wichtigeren Beschlüssen nach London fahren können. An sich sollte auch in unserem Kreise in der Gola Propägändaarbeit für E, J. in ganz anderem Umfange als bisher, durch persönliche Werbearbeit agudisti scher Menschen, die in E. J. wohnen, getrieben werden. ' Die zweite Forderung, die die Kreise der Charedim an die dritte K. G. stellen, besonders aber auclvan den großen Rabbinischen Rat, lautet: Eindeutige Stellungnahme gegen die -Ent weihung des Thoragesetzes ini öffentlichen und privaten jüdischen Leben dieses-neuen E. J. Die K. G. muß gerade in diesem Augenblicke -feierlich erklären, daß ein Aufbau von E. J. ohne oder gar gegen die Thpra als Grundlage, in Wirklichkeit ein Niederreißen bedeutet, daß die schönsten Kibbuzin mit bestgepflegten, Bau erngehöften und die größten Fabriken mit den .modernsten Maschinen auf heiligem Boden die Keime des Verfalles in sich tragen, wenn sie die Sabbatentweihung auf den Schild erheben. Wir müssen vor den Augen der gesamten Welt erklären, daß jüdisches Nationalbewußtsein ohne Anerkennung der Thora als verfassunggebender Richtschnur, Irrtum und Verblendung ist. Gerade im gegenwärtigen Zeitpunkte, wo England den Juden auf ihrem historischen Boden politische Selbständigkeit geben will, handelt es sich hier nicht nur um eine inner jüdische Angelegenheit, sondern auch um Fragen von Bedeutung für die jüdische Außenpolitik. Wie ist es nun möglich, der Stimme der Aguda im großen jüdischen Leben in E. J. Ge- .hör zu verschaffen? Ganz allgemein möchten wir diese Frage zunächst in sehr einfacher Weise beantworten. Es kommt vor allem darauf an, daß die Aguda positive, sichtbare Leistungen aufzuweisen hat. Proteste, Versammlungen, schöne Reden, negative Kritik an dem, was die anderen tun, haben nur Augenblicksbedeutung oder verhallen leider ungehört. Die Aguda wird in E. J. einen ganz anderen Einfluß auf das öffentliche Leben gewinnen, wenn sie eine Reihe achtunggebietender Werte gschaffen hat. Wir zählen nur einige auf:.vor allem mehr Siedlungen, sei es als Kibbuzim oder in anderer Form. Aeußerst wichtig wäre die Schaffung einer jü-. dischen Tageszeitung, und die Beeinflussung der öffentlichen Meinung, die Dinge nur unter dem Gesichtswinkel des jüdischen Religionsgesetzes und dessen Lehre zu betrachten. Selbstredend müßte auch die Propaganda für die Agudo an sich in ganz anderer Weise aufgezogen werden, als dies bis jetzt der Fall ist. Die wesentlichste Aufgabe der Kenessio Gedaulo zur Erfüllung dieser Forderungen ist naturgemäß die Schaffung einer Finanzorganisatipn, die all diese Zwecke fördern, kann, in erster Reihe also eine gesunde Basierung des Keren Häjischuw. Nur noch zwei Punkte möchten wir in diesem Zusammenhang besonders betonen: einmal muß es der Kenessio gelingen, der Organisation der agudistischen Poalim den nötigen Rückhalt zu gewähren, dehn sie wird, bei der heutigen Konstellation der sozialen Verhältnisse in E. J. eine entscheidende Rolle im agudistischen Leben spielen1. Es ist kein Geheimnis, daß hier eine Reihe von erheblichen Meintingsverschiedenheien zwischen den Ppälini und def Leitimg der Landesorgariisation bestellt. Diese Differenzen müssen auf der, Kenessio Gedaulo, beseitigt werden. Wohl -gemerkt, verschiedene Strömungen in "einer Organisation sind ein Zeichen von/Gesundheit und ein Zeichen pulsierenden Lebens, sie dürfen hur nicht zur Hemmung 'der 'Gemeinschaftsarbeit führen.' Diesen 'Fragen ist daher die allergrößte Beachtung für die Gestaltung der' agudistischen Verhältnisse ,in E. J, beizumessen. , -7. ■ ■*%-. ■ ■ ■ ' -' ■ ..■ ■<■ ■> •' ' . , i Eine weitere Sorge betrifft die organisatorische Erfassung der agudistisch gesinnten Jugend in E. J. Ohne Nachwuchs kann keine Organisation gedeihen, und wie meisterhaft-gerade hier in E. J. die zionistische Organisation auf diesem Gebiete arbeitet, kann jeder wahrnehmen, der die Augen offen halt. Ein rückhaltloses Bekenntnis zur Ägudo legen einheitlich hut " die Zeire Agudas Jisroel ab, die sich aus " den schon früher hier seßhaften und eingeborenen Kreisen rekrutieren. Die eingewanderte ' Jugend aus Westeuropa, namentlich auch aus Deutschland, nimmt sonderbarerweise auch hier eine sehr kritische Stellung zur Aguda ein, die sich teilweise direkt in negativem' Sinne auswirkt. Ein erst in diesen Tagen in Jerusalem stattgehabter Kinuß, bei dem vor allem auch Jugend aus Tel Awiw und Petach Tikwa zugegen war, hat gezeigt, daß man immer noch an denselben Problemen krankt wie früher im Esra in Deutschland. Es ist hier nicht der Ort, um ausführlich, auf diese Dinge einzugehen, die eine gesonderte Betrachtung erfordern. Kur das eine sei hervorgehoben; man macht bei vielen dieser Jugendlichen eine feine Unterscheidung zwischen dem Agudismüs in der Idee und der praktischen Folgerung aus dieser Anschauung, die eigentlich zur . Beteiligung an der Aguda als Organisation führen sollte. Vor lauter Bedenken und Rücksichten auf andere will man „neutral" bleiben und kümmert, sich nicht darum, 6b der Aguda selber infolgedessen der Hauptnährboden entzogen wird* Es 'fehlt leider vielfach ein klarer Weg mit eindeutiger Zielsetzung, wie es. gerade vom erzieherischen Standpunkte aus erst recht erwünscht wäre, Auch hier sollte nach den früher in Israel gültigen Grundsätzen der, große Rabbinische Rat ein Machtwort sprechen.; Die Reihe der für Erez Israel auf der K. G. zu lösenden Probleme ließe sich noch beliebig vergrößern, vor allem müßte das für unsere ganze Zukunft so wichtige Chinuchproblem ausgiebig erörtert und geklärt werden. Wir wollen uns jedoch im Rahmen dieses Aufsatzes mit diesen wenigen Andeutungen begnügen. - Eines möchten wir zum Schlüsse mit aller Schärfe und Energie betonen: Es muß der K. G. diesesmal gelingen, Mittel und Wege zu finden, um die agudistische Gola in ganz anderer Weise als bisher für Erez. Israel finanziell einzuspannen. Gelingt ihr dies nicht, so darf man sich nicht wundern, wenn sehr bald die Wogen des praktischen Lebens in E. J. über die berechtigten Wünsche der Agudas Jisroel hinweggehen. Hoffen wir, daß die K. G. in Uebereinstimmung mit dem großen Rabbinischen Rate für alle diese, für Erez Israel so brennenden Fragen, das rechte Wort zur rechten Zeit finde! Wochenkalender. Vom 21. bis 28. August 1931/Vom 14. bis 21. Elul 5691 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag 21 14 : VTP Jp T^w ■ n 22 jl5 12 / •. 23 16 ns Aug. 24 W>« 17 IX 25 18 , 26 19 ■ 27 : 20 B2T;\ 28 , .« '• ' P ' '= Kian '5

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