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Der Israelit · 1937-08-20 · Heft 33 (20.8.1937) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 33 (20.8.1937)
Date
1937-08-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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m ^^^^w^^^'^w^^^^?^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Seite 2 Nr. 33 D Israelit 20. August 19C7 Was Wunder, daß gleichzeitig mit dieser ethischpolitischen und wirtschaftlichen Krisis der euro^ päisch-amerikanischen Kuüurwelt das jüdische Volk in den Strudel einer seit Jahrtausenden in dieser Allgemeinheit und Schärfe nicht dagewesenen Geschichtskrisis hineingeschleudert wurde. Ruht ja auf diesem Volke unablösbar die prophetische Verheißung: Krosicho bazedek weächsik bejodecho weazorcho lebrith Am leor gaujim/ Ich berufe dich um des sittlichen Ideals willen und halte dich fest, ich gestalte dich und gebe dich dahin zum Völkerbund und zum Lichte der Nationen. Mit anderen Worten, daß es Ferment, Ausgangspunkt des geschichtlichen Aufstieges der vielgestaltigen Völkerwelt zum Organismus werde und eben um des Schicksals dieser Nationen willen seinen Leidensweg über alle Kontinente der Erde zu vollbringen habe. Die weltanschaulich-politische Krisis der Kulturinenschheit und die nationale Existenzlfrisis des jüdischen Volkes, die dieses Volk heute bis in die Wurzeln seines nackten Daseins erschüttert, sie sind dem von Jeschajohos Seherworten erleuchteten Blick geradezu miteinander abgestimmte, dem gleichen Endziel zustrebende geschichtliche .Entwicklungstendenzen. ' Auf welchen Wegen im einz-elnen und in welchen Etappen der Lenker der Geschichte die .Nationen der Erde und sein Am Segulo dem gemeinsamen Tage der Erfüllung entgegenführt, ist unserem Blicke verhüllt. Zwei Dinge aber scheinen um so klarer äj Soll das jüdische Volk seiner metaphysisch geschichtlchen Aufgabe, genügen, das Ferment de organischen Einheitsaufbaus der Völkergemeinschaft zu werden, so muß es zu allererst selber dastehen als wiedergeborener, von G'tteswort als Zentralseele belebter Organismus. Ist dem aber so, so hängt das Schicksal der Welt an de Erfüllung der ägudistischen Aufgabe, aus den zer stückten Und zerrissenen, ihres seelischen Zusammenhanges beraubten oder nach falschen Orgahisationsprinzipien zusammengeflickten Gliedmaßen des jüdischen Volkskörpers diesen in seiner orga nischen Einheit wieder aufzubauen, wie er •am Sinai dereinst vor G'tt stand. Die liberal-individualistische Verirrung hatte die •organische Einheit des jüdischen Volkes zerrissen und verleugnet. Die zionistische Verirrung hatte das Am Segulo seiner Seele beraubt und es damit zu einem Wald- und Wiesenvolke in erborgtem Kul türflitter degradiert. War es nicht in der Tat ein offenkundiges Stück der Waltung der ihrem Volke und der Menschheit fürsorgeh äeflh'Bia nnawn daß unmittelbar vor der großen Weltsintflut, aus der Menschheits krlse und jüdische Volkskrise hervorgehen sollten, mit dem Tage von Kattowitz der Heilungsprozeß für beides in schüchternen Anfänge neingeleitet wurde? 'Was sind 25 Jahre für das Wachstum von geschichtsbildendeh Ideen? IHR 'W "kf> DK in« ÖV3 flK VnT>fl Mag der finanzielle und technisch-organisatorische Apparat, über den „Agüdas Jisroel" heute, 25 Jahre nach Kattowitz, verfügt, noch so wenig auf der Höhe der Vollendung stehen, mag „Agudas Jisroel" als Instrument praktischer Aufbauarbelt in Gola' und Erez Jisroel noch. so starke Aehnlichkeit aufweisen mit ihrem hinkend über, die Erde schreitenden Stämmvater und Schutzpatron' Jaäkauw Owinü — in der Tat hat die ni-nm* '-ioo uns mehr als einen Hüftballen in dieser Golüsnacht der 25 Jahre auszurenken gesucht —, daß heute dennoch Hunderttausende, Millionen jugendlicher jüdischer Seelen sich der unvergleichlichen Einzigkeit des echten sinaitischen jüdischen Völksgedanken im Gegensatz zu all seinen Verfälschungen bewußt und gewillt sind, ihre jung,?. Tatkraft in den Dienst dieses Gedankens zu stellen, das ist doch die Frucht des Ring an Ring ansetzenden Baumes, der am Tage von Kattowitz in den Boden der jüdischen Geschichte gepflanzt wurde. Und ein zweites scheint mir heute, im Lichte der Erfahrung, unverkennbar. Agudas Jisroel hat in bewußter Anerkennung. des Wahrspruches "tb f-nmtMri Ui wpbs vor 25 Jahren urfter Führung der damaligen Gedaulo Hador das Rechte getröffen, als sie es ablehnte, irgend ein äußeres politisches oder wirtschaftliches Allheilmittel, gleich dem Sozialismus oder dem Zionismus zur Rettung oder gar Erlösung des jüdischen Volkes zum Programm zu erheben oder auch nur sich auf irgend eine einseitige, populäre Deutung des Zeitgeschehens festzulegen. Ihre Schöpfer sagten sieh: Möge nur erst einmal der organische Aufbau des G'ttesvolkes begonnen haben, die einzelnen Glieder dieses" G'ttesvolkes anfangen, sich als Organe des Ganzen zu fühlen und ihre Wegweisung von den im Mittelpunkte stehenden Trägern der Tauroh empfangen, dann wird dieser Organismus der Thoranation auch in den dunkelsten Zeitläuften und inmitten der tiefsten geschichtlichen Verwicklung den rechten Weg zu finden und die höchsten natio nalen Aufgaben zu ergreifen und zu lösen wi die jede Zeit ihnen stellt. Von der Mannigfaltigkeit dieser Aufgaben in die ser schicksalschweren Stunde gibt die Tagesordnung unserer III. Kenessio Gedaulo ein getreues Spiegel bild. Zwei scheinbar entgegengesetzte, jedenfalls im starken Spannungsverhältnis zu einander befindliche nationale Aufgaben von höchster Aktualität stehen im Vordergrunde: Die politische — wirt schaftliche — religiöse Zukunft Erez J i s r o e 1 s , möge es nun in den bisherigen Formen die Golus-Heimstätte des jüdischen Volkes bleiben oder unter dem Namen eines j ü d i sehen Staatswesens neue trägische Problematik für das Volk der Thora heraufbeschwören und auf der anderen Seite der nun in der Tat immer stärker drohende Wandersturm, der — wie man befürchten muß — Massen des jüdischen Ostens über alle Kontinente treibt und — im diametralen Gegensatz zu der Konzentrationsbewegung nach der nationalen Heimat hin — die D iä s p p r a -Existenz der Juden und das Schwergewicht dieser Diasporaexistenz für das gesamte Volksschicksal immer mehr verstärkt.. Beides sind Geschichtstatsachen, die in ihrer Gegensätzlichkeit nicht nur ihre Deutung' verlangen, sondern vor allem die stärkste Kraftanstrengung des zum Leben erstehenden Thpravolkes; damit auf dem Boden des G'tteslandes nicht unter dem Schein einer künstlichen politischen Geula der Schechina der G'ttesherrlichkeit das bitterste Golus, das Golus bei „Juden" bereitet werde, und damit diejenigen, die ein schweres Schicksal über Ozeane hinweg das "un nmpi na-> nsnsi erfüllen heißt, sich selber und ihre Kinder vor den vernichtenden Wirkungen einer uferlosen Assimilation zu retten vermögen. Wir haben das Glück, Männer unter uns zu wissen, die sich mit dem Einsatz ihrer ganzen Persönlichkeit Tag und Nacht der. aufreibenden, die höchste Selbstverleugnung erfordernden ägudistischen E r e?. Jisroel-Arbeit widmen. Mögen sie heute bei den Delegierten und den .Freunden der Thora au*5 allen Ländern der Diaspora nicht nur ein williges Ohr finden, sondern tatbereite Mitarbeit und materielle Opferbereitschaft, ohne die auch die reinste und ehrlichste Begeisterung auf dem Boden der palästinensischen Wirklichkeit: keine dauernden Erfolge für die Aufrichtung der Thoraherrschaft erzielen kann. v ■rt'i?^ 'ib nilnoin. Kein sterbliches Auge vermag den Schleier zu durchdringen, der die politische und wirtschaftliche Zukunft der verelendeten um ihre, nackte Existenz ringenden jüdischen Volksmässen in den Ländern der Not, oder die /Entwicklung-der Zufluchtsstätte auf den Boden Erez Jisro eis ...verhüllt Das aber wissen wir um so sicherer, daß es*.nur ein unfehlbar wirkendes tausendfach., erprobtes, Mittel gibt, um die nationale E x i s t e n z. ,u-n-;, seres Volkes allen Wechselfällen der Geschichte zum Trotz ob . im Golus oder in Erez Jisroel zu sichern: nwnpn umin. - - . ■ Der Taur.oh und den Problemen der E r z i.e - hüng unserer Söhne und Töchter wird darum der. erste Tag unserer Beratungen über die. in ha lt.- liehen Aufgaben des o r g a n i s i er t e n. Kl all Jisroel gewidmet sein. Berufene Träger der Thora werden nicht nur zu Ihnen sprechen, sondern von der Tribüne dieses Parlamentes der Thora zur Gesamtheit des jüdischen Volkes; um ihr die lebenswichtige Bedeutung der Jeschiwo für die ganze nationale. Zukunft ans Herz zu legen und diesen wahren Pflanz- und Pflegestätten des ewig lebendigen, jüdischen Geistes neue Helfer und Sympathien in der Welt zu werben. Was in den Jeschi-: waüs als höchste Wissenschaft der Thoranation geoflegt wird, das muß alle Adern und Zellen des Volksorganismus in einem wohl ausgebauten und immer wieder der aufbauenden Kritik unterworfeheil mittleren und unteren Schulwesen durchdringen, wie es KerenHathora und B e th Jakob erstreben. Selbsterziehung und V o 1k s ef z i e hü fl g. auf breitester Basis, wie sie Mussar lehrt, sind auf dem Boden der Agudas Jisroel die natürlichen Blu> ten und Früchte des Thorageistes, sobald er nicht zur theoretischen Wissenschaft erstarrt, sondern in der Gestaltung und Beherrschung der Lebenswirklichkeit seinen idealen Endzweck erblickt. Die inneren sozialen Aufgaben, deren Lösung ich die ägudistischen Landesorganisationen vielfach mit größerem oder geringerem Erfolge gewidmet haben, werden angesichts der Ueberfülle aktuellen Beratungsstoffes voraussichtlich nicht zu ihrem vollen Rechte im Rahmen der Tagesordnung kommen' kön: nen, und auch die wichtigsten Beratungen über die Fragen des Chi.ssuk hadaß über die Rettung t der vielfach gefährdeten Sabbathut über die Maßnahmen zur Sicherung deir jüdischen F a m i 1 i c n. reinheit, des Schutzes der S p eis e g es etze und der S c h e c h i t o", der Beschaffung e in wa n dfreier Tefillin und M es ü s o t h u. a. m. wer" den zum großen Teil in dem. engeren Rahmen von Arbeitskommissionen stattfinden müsseh. Das gleiche gilt der Natur ""nach für die -finaaz i e 11 e n und organisatorischen Fragen, so wichtig sie für die innere Weiterentwicklung der Agudas Jisroel auch sein mögen. ■ ' - Agudas Jisroel ist, ich nehme das Wort wieder auf, das ich vor 14 Jahren auf der ersten Kenessio Gedaulo zu sagen mir erlaubte, kein Fertiges, keia Gewordenes, ist nicht etwas Statisches, sondern ein Dynamisches, eine Beweguni, Agudas Jisroel ist der Prozeß der allmählichen g z'. schichtlichen Wiedergeburt des T ho r avolkes in der Originalität seines einsamen G'tt gewollten Wesens, "iri ]i32r> -nai> dj in. Der eineinzige G'tt, zu dem wir uns dreimal täglich — von der Wiege bis zur Sterbestunde — immer wieder bekennen, hat sich um seiner erlösungsdurstigen Menschheit willen . das eineeinzige G'ttesvolk erschaffen, das sich in Agudas J.isroel zum ersten Male wieder der Welt in seiner wirklichen Wese n h ei t vorstellt. . - ■; ' •" Die Kenessio Gedaulo aber ist ein dreifacher Schofarruf dieser wiedererstehenden jüdischen Nation. Er ergeht an das Symposion der Nationen, Er ruft sie auf, über alle Verschleierungen und Verkleidungen, über alle Verkennung und alles Mißverstehen hinweg, das historiscie jüdische Volk in seiner wahren Gestalt, in seinem täglichen Märtyrium wie in dem religiösen Schwung seines unscheinbaren und doch so einzigartigen Alltagslebens zu erkennen, fordert sie auf, diesem Volke der Thora, wo immer auf Erden, g ewiß aber auf dem Boden seiner alten Heimat die volle Entfaltung seiner weltgeschichtlichen religiösen Mission zu ermöglichen, wie die Propheten sie verkündet, Aus " der Tiefe unseres Wahrheitsbewußtseins sollten wir es laut verkünden: Jüdisch sind wahrhaftig nicht Marxismus und Kommunismus, nicht Kapitalismus und Chauvinismus, auch nicht Rationalismus und Intellektualismus, möge« auch wölke Blätter, die sich in dem Mummenschanz der Assimilation vom alten Judenstamme loslösten, vielfach Träger und Künder aller dieser entweder die Nationen oder die Menschheit auflösender, ismen geworden sein, sie repräsentieren nicht dat geschichtliche jüdische Volk — jüdisch ist nur die von dem historischen jüdischen Volke unter unerhörten Opfern vollzogene Aufpräg.ung der Königsherrschaft des einen einzigen G'ttes auf die ganze Fülle menschlich-kultureller Werte, auf das Kleinste und Größte im Leben der I n - d i v i d u e n wie der Na Honen im Geiste unserer ewigen Lehre. \ Gewiß empfindet das jüdische Volk selber und gewiß empfinden auch wir, die wir uns Agüdisten nennen, am stärksten die Spannung zwischen fdeal und' Wirklichkeit im eigenen Kreise. Um dieser Spannung willen währt ja das Golus fort und sie im Kreise der treugebliebenen vor allein immer mehr zu beseitigen, ist der Sinn des zweiten Schofarruf es, des Rufs zur Teschuwoh,. der von der Tribüne dieser Kenessio Gedaulo in die eigenen Reihen hineintönt, . . Mehr und mehr ist all denen, die an dem großen organischen Lebensbäü der Agudas Jisroel als Werkleüte ^schaffen, das. Bewußtsein lebendig geworden, daß jenseits aller technischen und organisatorischen Apparate nur der Geist energischer, s i 111 i c Ii e t Erneuerung alle unorganische Zerrissenheit überwinden' und Zelle zu Zelle,' Glied zu Glied, Land zu Landj Bruder zu Bruder -führen kann. Wie die Männer der Großen Versammlung dereinst den Jizro ..däwäude soroh, den Trieb zuni Götzendienst aus der glitte des jüdischen Volkes bannten, so möge es Agudas., Jisroel, getragen von dem Aufschwung diese? ihachtigen Kinuß schei Zaddikim, gelingen, die 1 e t 7.- \t ep;Spuren jeder cur» nxiv die letzten Spuren ürihrüderlicher Lieblosigkeit aus dien Seelen der durch G'ttes Thora Geeinten zu reißen und die. .tiefe, verstehende Bruderliebe uns allen, wo. Wir auch stehen * mögen, welchem einzelnen Führer wir auch huldigen, ins Herz senken, jene wns änn» die die tiefste Voraussetzung alles ägudistischen Organisationswerkes ist. - Aber der dritte Schofarruf der Kenessio. Gedaulc er wendet sich an den weiten Kreis jüdischer Brt'v der und Schwestern,, die aus dem Taumel der Assimilation Unsanft aufgerüttelte jüdische J u g e n d f die den Irrtum ihrer abgefallenen Väter vielfach erkannt, den Weg der reihen Wahrheit aber, begreiflich genüg, noch nicht gefunden hat. An den Zugängen zu diesem Weg stehen noch immer d' - bösen Geister einer versinkenden geistiggeschichi liehen Epoche: Wissenschaftlicher Hochmut-und äst Herren- und Berufskleidung, M q ß ~ Ko nfe k t i o n lOD-Verai-beitung Frau F. MAIER Ww. Fahr g ass e 9 4 1 Minute von der. Konstabier Wache II DAS LICHT DER EWIGKEIT von Robb. Dr. Elle Münte in Ansbach broschiert RM. 4.ÖÖ Lwbd. RM. 5.ÖÖ VfcRLflG DES ISRAELIT UND HERMOH GMBH., Frankfurt a. M. Schützehs'tr. 12 Pöstsch. 19802

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