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Der Israelit · 1937-08-20 · Heft 33 (20.8.1937) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 33 (20.8.1937)
Date
1937-08-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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PÖer Israeli* J\ H Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains M JK MMM Frankfurt a. M. 20. August 1937 13. Elul 5697 Nummer 33 Die 3. Kenessio Gedaulo. Die Eröffnung der Kenessio Gedaulo. (Telefonischer Bericht) Marienbad, 17. August, Mitternacht. Soeben ist die Eröffnungssitzung der dritten Kenessio Gedaulo zu Ende. Der Kongreß- Saal, der mit Flaggen und Fahnen in der tschechoslovakischen Farbe und mit Losungen der Kenessio Gedaulo geschmückt war, war von etwa 600 Delegierten und über tausend Gästen aus allen Ländern der Welt besetzt. Vertreter der Regie ■ rung; der Stadtgemeinde und der Kurverwaltung in Marienbad hielten Begrüßungsansprachen. Der Präsident der Agudäs Jisroel- Weltorganisation, Jacob Ros enh eim, knüpfte in seiner Eröffnungsrede an die Kattowitzer Versammlung vor 25 Jahren an und erklärte, die Gründung der Agudäs Jisroel sei die natürliche Reaktion der historischen Wahrheit auf die Verweltlichung des Judentums gewesen, Die Huldigungsworte für den Präsidenten der Tschechöslovakei, Benesch, und den Alterspräsidenten Masaryk, fanden begeisterten Beifall. In später Abendstunde hielt Dr. Isaac Breuer sein Referat, das über eine Stunde die Hörer im Banne hielt. (Ausführlicher Bericht siehe Seite 3.) Die Eröffnungsrede Jacob Rosenheims. Maurai werabausail Hochverehrte Versammlung! 'fi Dttra San ina In tiefer Dankbarkeit gegen äen Lenker .der Zeiten, l»rt> lSJPJni Mö'pl «»nriP ^»w entbiete ich den nach einer Pause von acht ereignisreichen Jahren — zur dritten Kenessio Gedaulo der „Agudas Jisroel" endlich wiederum hier versammelten Abgesandten des thoratreuen , jüdischen Volkes; en Gruß des Willkommens. Es gilt dieser Cruß vor allem in Liebe und Ehrfurcht den ■iorej Hathauro, den Fürsteh der Thora, den tVutgliedern der Exekutive und des Plenums unseres Großen Rabbinischen Rates "' und all fen anderen Gedaulej Jisroel ascher mipihem '" au chajim, die hierher gekommen sind, um t iJrch .ihre Anwesenheit dem Parlament des thoraireuen jüdischen Volkes den Stempelder Legalität, Weihe der. geschichtlichen Einzigartigkeit des Taoravolkes zu verleihen, und von denen wir; zugleich aus dem Quell der Thoraweisheit die Wegweisung erwarten in all der schweren Problematik vor die sich das" geschichtliche jüdische Volk mit seiner Thora im Arme gerade jetzt gestellt sieht. Daß uns die Möglichkeit geboten ist, die 600 Delegierten unserer Landesorganisationen, die 150 Delegiertinnen unserer Frauenorganisationen, und darüber hinaus eine stattliche Zahl hervorragender jüdischer Führerpersönlichkeiten und Thoragelehrter aus allen Ländern auf diesem gesegneten Fleckchen Erde zu ruhiger Beratung zu versammeln, verdanken wir der gastfreien vorurteilslosen Gesinnung der tschechoslovakischen Republik. Ihrem Staatsoberhaupte, dem allverehrten Staatspräsidenten Dr. B e ■ Jacob Rosenheün n e s c h wie . seinem erlauchten Vorgänger Masaryk, diesem Manne, der der ganzen Welt Verkör-" perung edelster völkerverbindender Humanität darstellt, gilt daher unser erster Gedanke beim Beginn unserer Tagung. Nach Begrüßung der weiteren Vertreter der tschechoslovakischen Regierung und der Vertreter der Stadtgemeinde Marienbad, führte Jacob Rosenheim aus; Es sind eine große Reihe ernster Probleme jüdisch-politischen kultureilen, religiösen, wirtschaftlichen und organisatorischen Charakters,' die uns' in der vor uns liegenden Woche beschäftigen sollen, und deren Lösung zum Heile des jüdischen Volkes wir von der Konzentration aller unserer geistigen Kräfte im Rahmen dieser Kenessio Gedaulo unter gütlichem Beistande erwarten. Aber sie werden es verstehen, wenn ich in dieser Stunde des Beginnens für eine kurze Weile den Blick zurückwende zu jenem Tage von Ka.ttovn.iz, an dem vor 25 Jahren. unsere Organisation ins Leben trat, wenn ich dabei in tiefer Verbundenheit der damaligen Führer und Weggenossen gedenke, die nicht mehr unter uns weilen und die Veteranen von Kattowitz begrüße, die durch G'ttes Güte uns erhalten blieben und die in unserer Mitte weilen. Das Bewußtsein, nicht etwa einen Zweckverband gründen ZU wollen, der allerlei Gegenwartsaufgaben löst, sondern vielmehr der klare Wille, eine geschichtliche Tat zu vollbringen, hat über der Versammlung in Kattowitz geschwebt, eine Tat, die nichts weniger bezweckte, als die Wiedergeburt des vom Golus zerrissenen jüdischen Volkskörpers zu einem lebendigen, von der Thora beseelten Organismus, und wenn es mir damals vergönnt war, der großen Wende, die sich mit dem bloßen Entschlüsse zur Tat damit in der Geschichte des judischen Golusvolkes vollzog, schwachen rednerischen Ausdruck zu verleihen, so war ich wirklich nur , der Interpret einer in der Luft liegenden Idee. Es war die natürliche Reaktion der geschichtlichen Wahrheit gegen verhängnisvollen Irrtum des zionistischrassischen Organisationsprinzips, die damals aus dem gesunden Instinkte der der Religion treugebliebenen jüdischen Volksmassen zum Lichte des Bewußtseins empordrängte. Die jüdische Ueberlieferung lehrt uns das große Weltprinzip, daß roa* hkidi onpo n-apn daß die Vorsehung den Heilungsprozeß für so manche geschichtliche Katastrophe schon grundlegend vorbereitet, bevor noch die Katastrophe selbst in das Licht der geschichtlichen Erscheinung tritt. Mir scheint, daß sich dieses Prinzip auch in dem Erstehen der „Agudas Jisroel" unmittelbar vor dem Ausbruch der großen Völkerkatastrophe des Weltkrieges in überwältigender Deutlichkeit bewährt hat. Dieser Krieg war es ja, der unmittelbar oder mittelbar in der gesamten geistesgeschichtlichen Situation der europäisch-amerikanischen Kulturmenschheit auf weltanschaulichem wie auf ethischem-Gebiete. erst recht dann im Bereiche der Politik und Wirtschaft, die furchtbarste, noch immer andauernde K r i s i s heraufbeschworen hat. Diese Krisis hat, wenn man genauer zusieht, ihre letzte Ursache darin, daß die Kulturmenschheit biologisch und technisch überreif wäre, zu einem großen lebendigen Organismus neben und für einander lebender Völker zu werden, während die religiösethischen Kräfte, die zum wirklichen Aufbau dieses großen Brith Am, dieses lebendigen Organismus um einen beherrschenden M i 11 e 1 p u n k t herumnotwendig wären, völlig versagt haben. Der Völkerbund m u ß t e zerfallen, weil das übergeordnete Prinzip, weil das Gesetz fehlte, das die natürlichen Egoismen der souveränen Nationen in das Gefüge einer übernationalen sittlichen Weltordnung einbaut und das allein imstande ist, einen mechanischen Verband zum lebendigen Organismus zu erheben

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