Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-08-12 · Heft 32 (12.8.1937) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 32 (12.8.1937)
Date
1937-08-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2450992--83174-2541169
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

judcnstaatspartei und David ben Gurion vonder jjionishschen Exekutive ausgiebig zu Wort. .Großparin wünscht „keine Vollmachten für geschlagene Generäle!" Ben Gurion mahnt zur Vernunft, die befiehlt, daß man, auch eine Etappe in der Verwirklichung des Zionismus nicht aus dem Auge und aus der Hand läßt. Alle anderen. Reden dieser Nac-'1* schrumpfen im Vergleich zu den erschöpfenden und scharf pointierten Ausführungen der beiden Exponenten zur Bedeutungslosigkeit zusammen. Der Sonntag war mit einer Festsitzung im Staidkasino zu. Basel aus Anlaß des ,40jährigen Jubiläums des Kongresses ausgefüllt. Abends "um. 9 Uhr traf, der Kongreß wieder zu einer Plenarsitzung zusammen, in der die amerikanischen Neinsader, vor allem Dr. Stephen S. Wise und Rabbi Selver,/ihre ablehnende Meinung äußerten. Vom jHisrachi polemisierten Gedalja Bublik und Rabbi Fish mann gegen Weizmann. Grünbaum verteidigt noch einmal den Standpunkt der Exekutive. So geht das Rededuell zwischen Pro und. Kontra bis nach Mitternacht und schließt mit der Bildung einer Politischen Kommission, in der die einzelnen Fraktion«« entsprechend vertreten sind und die &ie Aufgabe hat, eine politische Resolution auszuarbeiten und dem Kongresse vorzulegen. Der Montag vormittag bringt noch Reden B ro detzkys gegen und Dr. Mayer Ebners für Weizmann. Die Hauptredner von beiden Lagern sind somit ziemlich alle zu Worte gekommen und man erwartet die Resolution der Politischen Kommission, die die Grundlage der Abstimmung bilden wird. Auch sind bereits' Vorverhandlungen über die Bildung der neuen Exekutive im Gange. (Letzte Berichte auf Seite 2.)-- Aus dem Berichte der zionistischen Exekutive an den Kongreß. Z ü r i c h , 6. August. Der Bericht des .Einwanderungsdepartements der Jewish Agency, der im Berichte der* Exekutive an den Kongreß enthalten ist, schildert noch einmal die Entwicklung der letzten Jahre in Palästina in all ihren Phasen. 29 Proz. der Einwanderer im Jahre 1935 kamen aus Deutschland. Erhebliche Beträge wurden für gewerbliche Ausbildung der Einwanderer ausgegeben. Diese Ausbildung wurde zum Teile im Technikum zu Haifa durchgeführt. Es werden im Berichte Einzelheiten über das Fortschreiten der landwirtschaftlichen Kolonisation angegeben, ebenso über die Jugendalijah. Durch die Unruhen Seien wesentliche Verluste entstanden, doch wurden neue wirtschaftliche Positionen gewonnen. Es wurden während der Unruhen etwa 100.000 Zitrusbäume, 70.000 Obstbäume und 75.000 Waldbäume entwurzelt, etwa 20.000 Dunam Getreide in Brand { gesteckt. Trotzdem ist ein Aufschwung und eine Vermehrung der Kolonisation, zu verzeichnen. Der Bericht des Keren K a j e m et h stellt fest, daß seit dem XIX, Kongreß eine weitere .Verlangsamungim Tempo der Bodenkäufe des Fonds eingetreten ist. Während in der Zeit zwischen dem XVIII. und XIX. Kongreß 32.100 Dunam gekauft wurden, waren es in der Berichtszeit*nur 24.400 Dunam, d. h .um 24 Proz. weniger. Die Tätigkeit des KKL wurde durch die hohen Bodenpreise gehemmt.. Während der Unruhen stagnierten Bodengeschäfte völlig. Auf Grund von Verhandlungen mit der ICA wird der KKL gemeinsam mit dieser unter bestimmten Voraussetzungen die jetzt im Besitz der Palestine Land Development Comp, befindliche Hule-Konzession erwerben. Die damit, verbundenen Ausgaben werden über eine Million Pfund gesehätzt. Ein Viertel ist für die Erwerbung der Konzession, der Rest für die Trockenlegung und andere Ameliorationsarbeiten erforderlich. Von der ICA. soll dem Keren Kajemeth ein Darlehen von 350.000 Pfund aüf vierzohn Jahre gewährt werden. Der KKL. wird dann weitere Obligationen in der Höhe von 250.000 Pfund zur Finanzierung seiner Bodenkäufe ausgeben. In der Berichtsperiode hat der Keren Kajemeth brutto ca. 826.000 Pfund gegenüber 583.000 Pfund in den beiden vorangegangenen Jahren aufgebracht. Der gesamte Bodenbesitz des Keren Kajemeth betrug Ende April 376.402 Dunam. davon 354.503 Dunm auf dem Lande und 21.899 Dunam in den Städten. Von den neuen landwirtschaftlichen Siedlungen, die in den beiden letzten Jahren auf Boden des KKL gegründet wurden, sind hervorzuheben: der aus Einwanderern aus Deutschland bestehende Kibbnz Hasorea in Jokneam, der Kibbuz des jugoslawischen Haschomer Hazair' .^Schaar Haamakim", ..Klar Hamakkabi" im Emek Sebulun^ und „Bet Hasühalta" nördlich von Tel Josef. Die Besetzung von B^den im Gebiet von Beisari und Zemach in den legten Monaten, ist als historisches Ereignis anzusehen. . In der Berichtszeit wurden TrockenlegungsarbeHen im Emek Chef er durchgeführt. Arbeiten zur Bekämpfung der Malaria im Kischon-Gebiet und im Emek Sehulun unternommen und verschiedene Siedlungen mit Wasseranlagen versorgt. Die Aufforstungstätigkeit hat sich verstärkt. Es wurden 635.000 Bäume auf ein'er Fläche von 2336 Dunam angepflanzt, während in den beiden vorangegangenen Jahren nur 295.000 Bäume auf 1400 Dunam gepflanzt worden waren. Die Gesamtzahl der vom Keren Kajemeth gepflanzten' Bäume beträgt heute 2191.839 Bäume; sie bedecken eine Fläche von 8992 Dunam. Auf dem Lande wurden 239 Pachtverträge, in den Si&dten 459 Verträge geschlossen. Die Gesamtzahl* der landwirtschaftlichen Pachtverträge beträgt heute. 1087, die der städtischen 1494, zusammen also 2581. Die Woche. Berlin. Der Sch'ocken -Verlag in Berlin hat eine vollständige deutsche Uebersetzung des Peel-Berichtes lerausgegeben. Der 463 Seiten umfassende Band ist mit dem gesamten Karten- und Tabellenmäterial des englischen Originals ausgestattet und macht das für das Verständnis der gegenwärtigen politischen Entwicklungen unentbehrliche Dokument dem weiten Kreis der deutschsprachigen Leserschaft zugänglich. —' Jm Verlage Josef Jastrow ist der Kalender der Jüd i s c h en Künstlerhilfe für das Jahr 5698 (1937/38) erschienen. Der Kalender vermittelt einen guten Ueberblick über das Schaffen jüdischer Künstler, Der Verkaufspreis ist für dieses Jahr auf RM.. 2.— festgesetzt worden. Der Ueberschuß aus dem Erlös wird jüdischen Künstlern, die in Berlin und im Reiche wohnen, zur Verfügung gestellt. Mannheim. Der Synodalausschuß bat auf einer kürzlich abgehaltenen Tagung dem Oberrat der Israeliten Badens die Ermächtigung erteilt, •■ Gemeinden a u f z u 1 ösen, die weniger als 20 Mitglieder haben. Der Verkauf der Synagogen aufgelöster Gemeinden soll hinausgeschoben werden, solange noch regelmäßige G'ttesdienste in ihnen stattfinden. — Die Vereinigung der Rabbiner in Baden hat beschlossen, zu ' Ehren, von Professor Dr. Stein, der vor kurzem als Präsident, des Oberrates der Israeliten Badens zurückgetreten ist, eine wissenschaftliche Sammelschrift herauszugeben, an der sich sämtliche Rabbiner, die während seiner Amtszeit in Baden tätig waren, beteiligen. Wien. Der österreichische Bundeskanzler, Dr. Kurt von Schuschn i g g, hat das Lager des Brit Trumpeldor in St. Gilgen am Wolfgangsee besucht. 180 Betarim in Uniform traten vor dem Bundeskanzler an. Prag. Erzbischof Dr. P r e- .can hat von seinem Sommersitz am Heiligen Berg an den Oberrabbiner von OImütz, Oppenheim, ein Telegramm gerichtet, in dem er ihn in herzlichen Worten zu seinem 70, Geburtstage beglückwünscht. Florenz. Am L a n d s c h u 1 h e i m Florenz, dem zahlreiche jüdische Schüler aus Deutschland, Oesterreich, Ungarn und Polen angehören, haben die ersten Reifeprüfungen für das italienische Abiturientenexamen und das englische school certificate stattgefunden. Das italienische Abiturim hat die einzige Kandidatin, eine jüdische Schülerin aus Deutschland, mit Erfolg bestanden. Saloniki. Der erste Jahrestag der Einsetzung der griechischen Nationalregierung unter General Metaxos wurde von den Juden Griechenlands testlich begangen. Bei einem feierlichen G'ttesdienst in der Salonikier Hauptsynagoge Bet Schaul sprach der Oberrabbiner ein besonderes Gebet für König Georg II. und Ministerpräsident Metaxas. Die Teilnahme an dem G'ttesdienst war außerordentlich stark. Tel Awiw. Nach einer soeben veröffentlichten Statistik beträgt die Durchschnittsziffer der in diesem Jahre erfolgten Geburten in Tel Awiw 10 bis 15 im Monat. Im Jahre 1936 hielt sich die entsprechende monatliche Durchschnitts^ ziffer auf 40 bis 50 Geburten. Es zeigt sich also, daß von 1936 auf 1937 ein sehr erheblicher Rückgang der Geburten in der Stadt Tel Awiw eingetreten ist. Von der Konferenz der WIZO. v Zürich. 5. August. Die leitenden Körperschaften des Weltverbandes zionistischer Frauen würden auf der 9. WIZO-Konferenz in der bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. Nur in der Galut-Exekutive tritt für Südafrika Frau Dr. Re inhold an die Stelle des bisherigerj Exekutivmitgliedes Frau Ethel H a y m a n. Ehrenpräsidentin der WIZO ist Viscountess Samuel, Ehrenvizepräsidentinnen sind die Damen Henrietta Irwel 1, M. G a s t e r und D. L. Natha n. Die Konferenz hat für die Arbeitsperiode 1937/39 ein Unterhaltsbudgets für' die bestehenden Institutionen im Betrage von 27.216 Pfund jährlich angenommen. Das bedeutet eine Erhöhung des bisherigen Budgets um rund 4000 Pfund. Ein besonderes Budget wurde für die Rückzahlung der zum Ausbau der Institutionen aufgenommenen Anleihen bewilligt; schließlich ein Zusatzbudget von 10.500 Pfund für Investierungen in Institutionen, Ausbildung von Instruktorinnen, organisatorische und soziale Arbeit in Palästina, für den Ausbau von Fachschulen für 14- bis 18jährige, städtische Fachkurse, einen Anleihefonds für Einwanderinnen mittleren Alters zur Ermöglichung der beruflichen Eingliederung und für die Erweiterung des Palästinapropaganda- und Touristendepartements. Der Palästina-Exekutive wurden weitgehende Befugnisse für die Verteilung des Zusatzbudgets eingeräumt. Beschlossen wurde ferner der Antrag auf Errichtung eines Frauendepartments bei der -Jewish Agency, die Forderungen nach finanzieller Unterstützung des WIZO-Werkes durch Palästinaregierung, Jewish Agency und Waad Leumi, nach Systematisierung der Hachschara in der Galut unter besonderer Berücksichtigung der Mädchen und nach Einbeziehung der Jugend Polens und anderer Notstandsgebiete in die Jugendaliia-Aktion. Die für alle WIZO-Mittflieder bestehende Verpflichtung zur Zah- . lung des Schekels wurde bestätigt. Ein Kongreßjubiläum. Basel, 10. August. Eine Feier zur Erinnerung an den ersten Baseler Kongreß fand' am Sonntag unter großer eindrucksvoller Aufmachung im Stadtkasino zu Basel, dein Schauplatz der ersten Kongresse, statt. Gedenkreden hielten Ussischkin, Weizmann, Oberrabbiner Ehrenpreis, Heinrich Löwe und Leib Jaffe, alle noch aus" der alten Herzl'schen Garde und Mitwirkende am ersten Kongreß. Die zionistische Fahne des ersten Kongresses wurde Ussischkin, dessen 74. Geburtstag zugleich gefeiert wurde, überreicht, der sie nach Jerusalem verbringen wird. Aus der Tagung der Mandatskommission. G e~TH f , 6. August. In der weiteren Behandlung des Jahresberichtes der Palästina-Verwaltung für 1936 am Donnerstag äußerten einige Mitglieder ihre Unzufriedenheit mit den Angaben der englischen Regierungsvertreter. Es wurde scharfe Kritik an der Palästina-Verwaltung im Zusammenhange mit den Unruhen geübt, während der Chefsekretär der Palästina-Regierung, Mr. Hall, die Palästina-Regierung vor dem Vorwurf, ihre Pflicht versäumt zu haben, energisch in Schutz nimmt. Es wurde auch das Problem des Bevölkerungsaustausches besprochen. Aus dem Tenor der Verhandlungen ergibt sich deutlich, daß die Mandatskommission den Vorschlägen der Untersuchungskommission nicht unbedingt günstig gegenübersteht. Kolonienminister Ormsby-Gore hat bereits am Donnerstag Genf wieder verlassen. Inzwischen ist der Ständigen Mandatskommission ein energischer Protest des Außenministers des Irak gegen die geplante Teilung Palästinas zugegangen, die wegen ihres scharfen Tones in den Wandelhallen des Völkerbundes lebhaft besprochen wurde. Die irakische Regierung stehe auf "dem Standpunkte, heißt es . darin, daß die Balfour-Deklaration bereits mehr als erfüllt sej und neue Konzessionen an die Juden nicht mehr in Betracht kämen. Wie man hört, habe auch die Irak-Regierung detaillierte Vorschläge für die endgültige Lösung des Palästina-Problemes dem Völkerbunde eingereicht. Am 6. August setzte die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes die Prüfung des Jahresberichtes für 1936 fort. Der Eindruck hält an, daß die Mandatskommission mit den Maßnahmen der englischen und Palästina-Regierung in letzterer Zeit nicht zufrieden ist. Es wird der Mangel an Autorität der Palästina-Regierunö den arabischen Stellen gegenüber beanstandet. Was die Einmischung der arabischen Staaten betrifft, so erklärt der Vertreter der Mandatarmacht. John Hall, die arabischen Herrscher hätten ohne Zutun der Regierung auf eigene Initiative gehandelt. Polen. Die jüdische Bevölkerung Polens in der Statistik» Warschau, 9. August. PAT (Polnische Telegraphen-Agentur) veröffentlicht eine Statistik der Bevölkerung Polens, aus der hervorgeht, daß unter den nichtchristlichen Religionen der mosaische Glaube am stärksten vertreten ist. Gegenwärtig leben in Polen 3 Millionen Menschen mosaischen Bekenntnisses, davon 78 Proz. in Städten. Am stärksten von Juden besiedelt ist die Umgebung von Lodz, Lublin und Bialystok. In der Krakauer Wojwodschaft bilden die Juden ein Viertel der Bevölkerung. In Posen und Pommerellen ist die Zahl der Juden nur unbedeutend.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.