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Der Israelit · 1937-08-12 · Heft 32 (12.8.1937) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 32 (12.8.1937)
Date
1937-08-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 32 D Israelit 12' August 193"/ Darum werden die Propheten mit ihrer Kritik der Sünde und Entartung Träger einer „überwertigen Idee", deren „Zeugnis über die Zu stände der Zeit, mit größter Vorsicht zu werten" sei, da „ihr Maßstab nicht die objektive Würdigung der geschichtlichen Wirklichkeit ist, sondern eine extreme grandios-einseitige Idealforderung" ist, (S. 111), ihre „Kritik als ein Urteil ab irato" muß, wie es nochmals heißt (S. 50), mit Vorsicht gewertet" werden. Es muß offenbar vorgebeugt werden, daß um Himmels willen nicht die prophetische Ethik etwa als absoluter Maßstab für den Gegenwartsjuden gelten solle! Der ganze' Spuk vom Wüstenideal zerrinnt wie alle Wellhausen'schen Gespenster im Tageslicht des schlichten, einfachen Bibelwortes. Auerbach, der unsren Quellen „jammervolle Gleichgültigkeit gegenüber dem politischen Geschehen" (S. 163) vorwirft, „tendenziöse Berichterstattung den nachexilischen Schriftstellern" zuschreibt, zeigt selbst eine jammervolle Gleichgültigkeit gegen die Worte der Bibel um seiner tendenziösen Berichterstattung. willen. .10103 ^OlSn ^> wer andre schlecht macht, hängt ihnen nur die eigenen Fehler an. (Kid. 70.) Wir verzichten dieses Mal darauf, den Widersinn von der Zerpflückung auch des Buches Bereschis, die Auerbach mit dogmatischer Sicherheit als selbstverständlich an.- f nimmt, noch einmal zu widerlegen. Die Arbeiten von D. Hoffmann, Jakob H o r o w i t z (über die Josefserzählung), Jacob Neubauer und B. Jakob haben so gründlich diese Quellenscheidung ad absurdum geführt, daß eine Wiederholung sich erübrigt, Statt dessen sei das Urteil eines gewiß liberalen Denkers angeführt, Martin Bubers: Dieser hatte sich erlaubt, die jüdische Idee des G'tteskönigtums als uralt "nachzuweisen, was Auerbach mit einer Handbewegung abtut*. Bubers Erweise seien nicht zu halten, da sie durchweg „jungen literarischen Schichten entnommen" sind. Darauf gibt jener dem Herrn, der „vom Wolkenthron der Schule über alles hinweg dekretieren will", die uns nicht neue, aber für alle Zerkrittler der Thora lehrreiche Antwort: („Königtum G'ttes" 1936, Schocken-Verlag, Berlin.) S. 36. „In der gegenwärtigen Entwicklungsphase der alttestamentlichen Wissenschaft ist eine so dogmatische Aeußerung merkenswert. Nahezu überall hat man zu spüren begonnen, daß die zu bewundernswerter Kunstfertigkeit gediehenen literarischen Methoden nicht zureichen, um die wirklichen Schichten zu unterscheiden, daß „formale Quellenkritik auf ' der Grundlage ganz unzureichender sprachlicher Kennzeichen und inhaltlicher Unebenheiten" (Stärk 1924) den Zugang zur Entstehungsgeschichte des Textes nicht zu erschließen vermag, und gerade die jüngere Generation bekennt sich zu der Einsicht, die einer ihrer namhaften Vertreter, selbst mit allen Feinheiten jener Methodik produktiv vertraut, so ausgesprochen hat (v. Rad 1934 Die Priesterschrilt im Hextateuch 37); „Trotz aller Literarkritik wissen wir von dem Wesen des alttestamentlichen Schrifttums und von den Gesetzen seines Wachstums, von seinen aufbauenden Kräften fast nicht s." Wenn dem Ungläubigen die überlegende Größe der Bibel, ihre ethische und geistige Macht in all ihren Teilen sich nicht erschließt, wenn ihm das Organ fehlt, das Wort der Ewigkeit und Wahrheit von Tagesweisheit und zeitgebundenen Erkenntnissen zu unterscheiden, dann muß wenigstens die Geschichte des jüdischen Volkes ihm das Auge dafür öffnen, daß in ihrem Geschehen eine höhere Waltung G'ttes sichtbarlich sich kundtut, Um ein Beispiel . herauszugreifen: Der englische Dichter Longfellow sagt in seinem Gedicht über den jüdischen Friedhof Newport: Doch. was gewesen, kehrt niemals wieder. ■ Die Erde stöhnt in Schmerzen und in Wehn, Erzeugt sich Völker, bringt keins zurück; Kein toter Stamm kann jemals neu erstehn. Ist es wahr, daß ein totes Volk niemals wieder auferstehen kann? Eine einzige Ausnahme gibt es von diesem aus Dichtermund gesprochenen Satz: Das ist das jüdische Volk. Nach; seiner Deportation in das babylonische Exil, nach seiner Loslösung vom Grunde des fleimatbodens und seiner Verpflanzung in eine andere Welt ist es dennoch wieder zum alten Leben, zur gleichen nationalen Selbstentfaltung wie vordem auferstanden. Es ist dies das einzige derartige Beispiel in der gesamten Geschichte der Völker; und wills G'tt, erleben wir an uns und in uns jetzt ein zweites Mal diese Wieder auf erstehung. Und hatten die Männer der großen Synode nicht Recht, daß sie in Israels Erhältung als des Volkes der Minorität, des Volkes der Befehdung, der Macht- und Gewaltlosigkeit die Krone aller G'tteswunder erkennen gelehrt haben? „Wenn ein Lamm inmitten von 70 Wölfen unversehrt bleibt, ist, das nicht Beweis und Ausdruck eines allgewaltigen überirdischen Schutzes?" Der' Geschichtsschreiber, der auf Schritt und Tritt auf Geschehnisse des Wunders in unserem Volkserleben geradezu . stoßen muß, der „die Orte sieht, um mit dem Talmud zu reden, an denen Israel Wunder geschehen sind," er müßte in scheuer Ehrfurcht die Beracha sprechen: „Gelobt sei G'tt; der meinen Vätern Wunder tat an dieser Stelle." Wie reagiert nun, so fragen wir, Auerbach auf die Außerördentlichkeit unserer Geschichte!' ■ (Fortsetzung folgt,) Korrespondenzen. Deutsches Reich, Preisausschreiben der Jüdischen Winterhilfe 1937/38. B e r 1 i n , 5. Aug. Die Zentralwohlfahrtsstellung der Juden in Deutschland als zentrale Trägerin der Jüdischen Winterhilfe fordert die jüdischen Künstler und die an der jüdischen Sozialarbeit interessierten - Mitglieder der jüdischen Gemeinden zur Teilnahme an einem Preisausschreiben auf, dessen Ergebnisse der Werbung für die Jüdische Winterhilfe dienen sollen. Das Preisausschreiben gliedert sich in folgende Gruppen: Gruppe A: Preisausschreiben für bildliche Werbung. Verlangt werden graphische, zeichnerische oder photographische Entwürfe, die in Ausführung und Ideengehalt dem Sinn der Jüdischen Winterhilfe Rechnung tragen und zur Veröffentlichung in der jüdischen Presse geeignet sind. Gruppe B: Preisausschreiben für textliche Werbung in der Presse, in Veranstaltungen und dem einzelnen Spender gegenüber (Schlagzeilen, Merksprüche usw.J, Gruppe C: Ideenwettbewerb zur Gewinnung von Anregungen, die sowohl für die allgemeine als auch .für die individuelle Werbung geeignet sind. Für die drei Gruppen A. B und C des Preisausschreibens sind jeweils drei Preise ausgesetzt; Gruppe A: 1. Preis: RM. 300.—, 2. Preis: RM. 200.—, 3, Preis: RM. 100.—; Gruppe B: 1. Preis: RM. 200.—, 2. Preis; RMMOO.—, 3. Preis: RM. 50.—; Gruppe C: 1, Preis: RM, 120.—, 2. Preis: RM. 80—, 3. Preis: RM. 40.—. Der volle erste, zweite und dritte Preis der Gruppen A und B wird zuerkannt für eine Entwurfsreine für die allgemeine Werbung oder für die Werbung für eine der besonderen Spendenarten (monatliche Geldspenden, Eintopfspenden oder Pfundspenden), die für ieden der sechs Winterhilfsmonate eine wechselnde Werbung vorsieht. Teilpreise werden dann zuerkannt, wenn nicht eine volle Entwurfsreihe, sondern nur einzelne Entwürfe preisgekrönt werden. —- Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe bleibt vorbehalten. Die Prüfung der Entwürfe und die Entscheidung über die Zuteilung der Preise erfolgt unter Ausschluß des Rechtsweges durch die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abt. ZentralwohllahrissleUe, in Gemeinschaft mit nach ihrem Ermessen hinzugezogenen künstlerischen Sachverständigen, Werbefachleuten und Persönlichkeiten aus den jüdischen Organisationen. Die preisgekrönten Entwürfe bleiben Eigentum der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, die damit das Recht der Veröffentlichung und Vervielfältigung erwirbt. Letzter Termin der Einsendung ist der 1. September 1937. Die Berliner Gemeinde sorgte in den Ferien für 2392 Kinder. Berlin. 9. Aug. Die Ferientageskolonien des Jüdischen Wohlfahrts- und Jugendamtes der Jüdischen Gemeinde Berlin haben mit dem 31. Juli ihr Ende gefunden. 2392 Kinder konnten während der diesjährigen großen Ferien in Tageskolonien oder Heimen untergebracht oder mit Hilfe der Gemeinde zu Verwandten geschickt werden. Unabhängig von dieser Betreuung von Kindern in den großen Ferien ist die während des ganzen Jahres durchgeführte Verschickung erholungs- und kurbedürftiger Kinder, die nach strengster ärztlicher Vorschrift vor sich »Seht. Hierbei werden rund 1000 Kinder von der Gemeinde betreut. Ferienkurs für Kinder aus Kleingemeinden in Hamburg. Hamburg, 9. Aug. Im Landjugendheim Wilhelminenhöhe der Hamburger Deutsch-Israelitischen Gemeinde wurde ein h Ferienkurs für vierzig Kinder aus Kiemgemeinden der Provinz Schleswig-Holstein eröffnet. Der Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins und der Hansestädte, Paul Möller, und Oberrabbiner Dr. Weiß-Altona begürßten die Kinder, die sich unter Leitung von Hamburger jüdischen Lehrern und Lehrerinnen im Heim erholen können und jüdischen Unterricht erhalten. Nach Beendigung des Kurses werden Kinder aus dem Rheinland in dem Heim einen Ferienkurs durchmachen und Insassen des jüdischen Waisenhauses in Dinslaken sich dort aufhalten, Schweiz. Der Zionistenkongreß in Zürich. Die Debatte. Z ü r i c h, 6, Aug, Zu Beginn der Vormittagssitzung am Donnerstag wurde abgestimmt, ob die Palästina-Debatte in öffentlichen oder geschlossenen Sitzungen abgehalten werden soll. Für die volle Öffentlichkeit setzten sich die Delegierten der Judenstaat spartei ein. Ihr Antrag wurde aber mit 285 gegen 115 Stimmen, abgelehnt, so daß die nächste öffentliche Plenarsitzung erst bei der Abstimmung stattfinden kann Nach der Oppositionsrede Ussischkins am Mittwoch, über die wir bereits kurz berichtet habe«, erstattete der Vorsitzende des Kongreßgerichtes, Sammy Gronemann, den Bericht über die Wahlen. Es sei möglich, sagte er, daß schon demnächst vor Ablauf der üblichen Frist, ein neuer Kongreß wird einberufen werden müssen. Die Debatte am D o n n e r s t a g wurde vöffl Mifirachi-Führer Meir Berlin eröffnet.' Er verweist auf das Ugandaproblem. Mit dem Grundgedanken der Weizmann'schen Ausführungen über Verhandlungen mit England sei Misrachi n i c h t einverstanden. Auf; die uns zugesprochene Möglichkeit einer Mehrheitsbildung in Palästina könne nicht verzichtet werden, Wir haben in den Jahrtausenden für das ganze Erez Israel gebetet und dürfen es unseren Kindern nicht antun, einer Zerreißung zuzustimmen. Ihm gegenüber vertritt Dr. Kleinbaum von den Allgemeinen Zionisten den Standpunkt, daß eine Verbesserung der Teilungsbedingungen aussichtsreicher sei, als eine Aenedrung der Interpretation des Mandates. Für die palästinensischen A r b e i t e r g r u p p e n verlangt David R e m e z , daß man die Vorschläge nicht annehme noch ablehne, sondern emstlich prüfe, Seine Ausführungen entsprechen einer von den Arbeitergruppen eingereichten Resolution, in dem Sinne, daß erst ein neuer Kongreß über einen neuen Tei- •lungsvorschlag entscheiden solle. In temperamentvoller Rede tritt Kurl Blumenfeld für Prüfung des Teilungsvorschlages ein. Die Freitagsdebatte brachte ferner eine Rede von Dr. Aron Barth, der wi Sinne Meier Berlins ausführte, daß wir mit einer Annahme in irgend einer Form unsere Rechtsbasis aufgeben. Dr. Ruppin sagte, es gäbe in Palästina zwei Millionen Dunam Boden, auf denen eben soviel öder noch mehr Menschen leben könnten, wie heute in ganz Palästina. Den Negew hält Ru'pp'" für ein Kolonisationsobjekt f ü n f t e r Ordnung. M*« sollte ^sich erst dann um ihn bemühen, wenn ^e anderen Möglichkeiten ausgenutzt sind. Im. übnu' n schließt sich Ruppin den Ansichten Weizmanns - Eine restlose Lösung der Judenfrage würde au".i ein größeres Palästina nicht bringen. Die Debatte schließt am Freitag gegen 6 Uhr n<it einer Rede Weizmanns, in der er auf alle Bnwendungen eingeht und noch einmal den Standpir v der Exekutive verteidigt. Z ü r i c h , 9. Au;: Nach der Sabbatpause trat *der Kongreß : Samstagabend zu einer Sitzung zusammen. In dic^A Nachtsitzung kamen beide Parteien, die Jasager ~ die Neinsager, durch Meir Großmann von 1 ■,er

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