Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1937)
- Date
- 1937-08-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Feuilleton- Beilage Der Nummer 32 Eindrücke in Paris. Die Lichtstadt. Wenn man kurz vor Mitternacht im Pariser Ostbahnhof ankommt, ist man überrascht, die „Lichtstadt" •wirklich und nicht nur im symbolischen Sinne als Stadt des Lichtes anzutreffen. In der „Stadt an der blauen Donau" sah sich die Donau erst nach vielen Tagen, und dann war sie gar nicht blau. Von „Athen an der Spree" sieht man bei der Einfahrt im Anhalter Bahnhof weder was von Athen noch von der Spree. Die Rieseenstadt an der Themse liegt jenseits des Kanals. Wer pochenden ~ Herzens durch die Straßen der „Ewigen Stadt an den sieben Hügeln" wandelt, muß bis zum Pantheon oder Kolosseum vordringen, um etwas Ewiges zu . sehen. Paris empfängt uns indessen gleich bei der Ankunft mit einem gewaltigen Lichtmeer, als wollte es sagen: „So bin ich wirklich, eine Lichtstadt". Alles ist von hellem Lichte überflutet: die Schienenander swo, die' zur Arbeit eilenden. Männer sehen , in ihren flachen Strohhüten noch bürgerlicher als anderswo aus, die Frauen mit ihren Markttaschen, die langen weißen Brotstangen, uneingewickelt unter dem ■ Arm, sind gewiß nicht wie aus. den Modeheften der eleganten Pariser Welt geschnitten. Wo ist Paris? Es geht mit berühmten Städten oft genau wie 'mit berühmten Männern. Man kennt Letztere von ihren Büchern her und ist im ersten Augenblicke, wenn man ihnen menschlich nähertritt, enttäuscht, Einfaches und' KlGinmenschIioh.es bei ihnen, wie bei allen anderen Erdgeborenen, zu entdecken. Freilich sehen wir sie bei näherem Kennenlernen gerade von der Ebene des Menschlichen aus. um. so schöner in die volle Höhe ihrer Bedeutung steigen. So verhält es sich auch mit berühmten. Städten. Man ist ein wenig aus den. Wolken, gefallen, auch in Paris hinter leuchtenden Fassaden schwarze Brandmauern zu sehen, unter strahlenden Bogenlampen Mülleimer und Kehricht, menschliche Ruinen in Gärten vor alten Schlössern. Neben der Seele der Stadt, die sich wie jede Seele, im Verborgenen, hält,, drängt sich zunächst, um mit Zola zu reden, in der Gegend der Markthallen der B a u c h. von Paris auf. Hat man aber erst einen Blick auf Paris getan, da wo es Paris ist, hat man die Boulevards im> abendlichen Glänze ihrer Lichter und Menschen gesehen, ist man bei wachsender Morgensonne durch die weiten Blumengärten zwischen den monumentalen De-nkmälero in stränge in der nicht einmal übermäßig großen Halle, das Menschengewirre auf dem Riesenrechteck vor dem Bahnhof, die besetzten gelbschimmernden Stühle unter den» weißglühenden Kugeln vor den Cafes, die von allen Seiten aneinander vorbeisausenden Autos und Autobusse, die melodisch singenden Zeitungsverkäufer.. Man weiß gar nicht, woher diese Taghelligkeit kommt, da man fast gar keine Bogenlampen-sieht. Sie scheint von all der . wachen Munterkeit in den Stimmen, Gesichtern und Bewegungen zu kommen, die so gar nichts Mitternächtiges an sich haben. Die Sonne blieb hier, wie in Gibeon, stehen, und der Mond ist vielfach überstrahlt . . . Der erste und der zweite Eindruck. Am Morgen sieht die Welt ganz anders aus, auch in Paris. Wenn ich vom hohen Balkon der uns von einer, in der Sommerfrische weilenden Familie lie-; benswürdigerweise überlassenen Wohnung in f.den ersten Frühstunden auf die Straße herabschaue, sehe ich eine wogende . Flut von Menschen und - Wagen, die anwächst und abebbt und in ewigem Gleichklang bleibt, ohne nur eine Minute auszusetzen. Ein Hexen«: kesselnder nie zum Ueberkochen kommt. Eine Ruhe und ein Gleichmaß liegen über dieser Unrast, wie ich sie in keiner Stadt der Welt gesehen habe; eine Harmonie der Dissonnanzen, als wäre das Ganze ein von geheimer Hand dirigierter Massentanz. In regelmäßigen Intervallen leuchten auf dem welligen Pflaster zwei Reihen von stahlhellen Knöpfen auf, die die Straßenübergänge bezeichnen und den von allen Seiten ansausenden Automobilen Halt vor «dem Fußgänger! gebieten. Innerhalb > dieses Kreidekreises kann, wie man mir sägt, keinem Passanten -etwas passieren. Er kann wohl überfahren werden1,; j, aber; das'Recht bleibt auf seiner Seite . . ' . Also das ist Paris! Paris, das man von Kindheit her als Glanzpunkt der Welt in der Seele trägt, das man in den „Geheimnissen von Paris" erlebt hat. das man 'voii. Alexander Dumas, Victor Hugo, Emile.; Zola her als den . Turmbau menschlichen Glückes und Elends, des Lichtes und des > Lasters: kennt! Die . Häuser ragen-hoch und steil zum Himmel'*hinauf,, sind aber hier gewiß nicht schöner als in Frankfurt und Äußenhof des, Palästinapavillons aufr der Pariser- Internationalen Ausstellung den Tuilerien promeniert; stand man am Trocadero vor dem Tore der Welt, die für einige Monate auf , dem riesigen Ausstellungsgelände zu beiden Seiten der Seine und um den Eiffelturm Herum ihre Völkerschätze zeigt; hat man sich an der bezaubernden Pracht der Warenauslagen am Louvre berauscht, vielleicht auch unter der goldenen, weithin sichtbaren Kuppel des Napoleon-Grabdenkmales vom Geiste der letzten Geschichte Europas sich ein wenig ansprechen zu lassen, oder, von der Höhe des Sacri Coeur einen Blick auf die uns zu Füßen wie auf einem Teller ^sich ausbreitende Riesenstadt mit ihren Kuppeln, Zinnen und Türmen geworfen — hat man dies alles und Unzähliges mehr flüchtig gesehen, dann geht einem erst eine Ahnung auf von dieser^ Stadt der tausend Wunder- und Geheimnisse, und wir wissen, wie vermessen eswäre, so manMnur wenige Tage die Dächer .und Denkmäler, Mauern und Menschen von Paris gesehen hat,, von Paris sprechen" und schreiben zuf wollen, ' _ Das soll in diesem Zusammenhange : auiih; nicht geschehen, es soll Iedigliph. einiges faber das. jüdische Leben in dieser europäischen Stadt' der . Städte , berichtet! Verden,: so weit es dem Berichterstatter in den. wenigen' .Tagen; zu Gesicht ' und zu Ohren gekommen ist. —tz. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Berlin, 5.; Äug. Die Er h,e;s:t|i n e ,E s ch e\-\ b a c h e;r|t S t i f t u n g hatin diesem; Sommer zum neunten. Male aus ihren Mitteln Beihilfen zur Ausbildung von Mädchen und Frauen gegeben. Derartige Zuschüsse sollen Erleichterung und Förderung ein auf dem Wege zur Erwerbsfähigkeit,; auf p der,_ :Grundlage gelernter Arbeit, Die Freunde; der Stif tung und. alle die* welche zur Zweckes:- beitragen wollen; .seien auf; die Adressedes Schätzmeisters;hingewie5e^i:; Direktör,. Ben^rip,, Charlottehburg, Bism-arck^Str, 102, Pöstscheckkofl.tq:. Berlin 7000, Deutsche: Effekten- und. Wechseij&ai^; Berlin W. 8. - - V- - ' Mussarvorträge _in:: Altona.. Altona* 3. Auguct. Es ist überaus begrüßenswert;: daß. Herr Ober.rabbiner Dr. W e i s z (Altona) es unternommen hat, e^nen AppeU zu bewußt jüdischer: Gestaltung, des Lebens an den jüdischen Menschen .durch, ölfentliche Vorträge in weite Kreise seiner Gemeinde .zu trafen In den vergangenen Wochen kielt OJberrabhiner Dr! Weisz in den ostjüdischen Synagogen, in der Adolf. Straß e und . Wohlersallee in Altona äUwöchent!:. ch Mussarvorträge, die nicht nur von. den. Mitgliedarn der Altonaer Gemeinde, sondern. auch, von Hamburg aus zahlreich besucht wurden. In der Synagoge Adolfstraße sprach Oberrabbiner Dr.. Weisz an Hand des klassisch gewordenen Werkes der Mussarliteraiur des „Messillat Jescharim" von R. Mos.che Chaiim Luzzatto (1707—1747), in der Wohlersallee ausgehend von ausgewählten Stellen der „Schaare. Teschuwa" des R. Jona (um 1200) über das Ideal jüdischer Lebenshaltung und -heiligung, wiec: es uns überliefert ist und von uns wieder erreicht, werden muß. In den einleitenden Vorträgen würde der.'schöpferische Gedanke des Mussar deutlich:, die. Beobachtung de-s religiösen Gesetzes darf nicht gewohnheitsmäßig erfolgen, sondern in ständig bewußter, Selhstformunrf muß die Beziehung zwischen -.Cutt. und Mensch, die Idee des religiösen Gehorsams, die Dankessichuld des menschlichen Lebens klar r werden, und jeder Tat> muß die Nachdenklichkeit überdie; Aufgaben des Lebens an den. Menschen herantragen. Ziel des Mussar ist die., täglich neu erarbeitete und empfundene Verbindung ■ mit G'tt, ist die vom. tiefsten. Lebensgründe, her fließende Beseelung des religiösen Dienstes. Mussar verhindert däsr, Erkalten tmä Erstarren der religiösen Uebung, legtstetsdie: seelischen Fundamente bloß, auf denen-das Ge.bäude des jüdischen Tages errichtet wird. In meisterhafter Weise und mit dem ganzen-Feuer der-ihm eigenen Beredsamkeit verstand es Oberrabbiner Dt. Weisz, den Text der beiden Werke durch'; Heranziehung oäralleler Stellen aus der midraschischeh und agadischen Literatur zu ungeahnter Aktualität zu erwecken. In den elf-Vorträgen, die bisher-gehalten wurden, wurden die verschiedensten Lebenslagen in ihren Möglichkeiten und Gefahren , deutlich. Die verpflichtende Heiligkeit jüdischer Leb'ens- und Weltanschauung manifestiert sich nicht nurtheoretisch, sondern verkörpert sich über den religiösen Gedanken hinaus in der Heiligung des Wortes; des Blickes, alles Tuns. Mit aufrüttelnden Worten wurde die Unnahbarkeit vieler gegenwärtiger Zustände innerhalb unserer Gemeinschaft aufgezeigt, die allein auf einem Vergessen; des formenden Lebensprinzipsberuhen. — Die rege- und interessierte" Beteiligung an diesen Vorträgen von Oberrabbiner Dr.- Weisz zeigt den Anklang, dendie Vorträge bei der-stets wachsenden Zuhörerschaft gefunden haben. Eib ist daher zu hoffen, daß-diese Vorträge bald ihre Fortsetzung. finden werden. Jacob Rosenheim in Montreux. . Montreux, 9. Äug. i ■ . * ' ■ s Am vergangenen. SflnDdLag. erlebten wir die Freude*, vom Präsidenten, der. Agudas Jisroel, Herrn Jacob Rosenheim, besucht zu werden. Bei. seiner. Aa^ kunft in der Je&chiw.Q wurde Herrn Rosenheim, von den Bachurim freudig, empfangen. Der Rosch-Jeschiwo, Herr Rabbiner E. B ots c h k o ,-begtiüßle in herzlichen Worten, den illustren Gast. Alsdann gab Herr Rosenheim, in einer begeisternden Absprache seiner Freude.. Ausdruck, daß er bei seiner schweren und verantwortungsvollen Arbeit zwischendurch auch wieder mit Jugend zusammenkommen könne, mit Jugend, die die Avantgarde des thöratrejtt«tt Judentums bildet und. aus der ihm später treue, Helfer und Kämpfer für dasgleiche* Ideal erstehen, W/erden, um ,zu ihr als Freund und Lehrer zu^spr^hjsn. We'ter drückte, er fseine Freude und Genugtuung: über das Werk von Montreux aus und berührte, dann das iieutige Ecez, Israel-Problem. E i n e Lösung nur gibt es: Alijahl nach: Erez Israel rein als Erfüllung des g'ttliehen . .Gebotes, den, materiellen Aufbau nicht als Selbstzweckt, sondern! nur als Mittel zu..benützen, um einen G'ttesstaat wie einst im heiligen; Lande'zu errichten, das aHein kann uns die endliche GevAdh bringen. Begleitet von geistreichen Worten des Roseh-Jesehiwo und von den Gesängen der Barhtl* irm, mußte unser geschätzter Gast uns schon wieder verlassen, um - zu wichtigen Besprechungen - nach^ -^u" Jrich: zu reisen. Uns ließ er nur seine herzlichen Worte zurück, die Wir-aber .yn' uns tragen üaid; die uns mer Leitstern sein wer4«i; . -'',V - \?ll''""r Burghaun, 9. Aug. Dieser .tage, ist/ dfö& Er^if tung einer priva^u, ju'd i s c h e n *A f' n!f.l? in, unserer Gen^^Je^ yqm M^;rung eines S>taa4s^ iJie «nll tVvi^t^mliar. hrniFfnot tin'A vrijl Schule soll am fc> $|j$emberi öröffnet und JeJ Kindern,.; der ' Gemiy^n' Burghaun,. ,; Hünf$$ :m? Eiterf eld;;besucht :^e?d^;den;vLe^erjH? werden. : .. ../ ' : '"'. ''r/':^'