Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1937)
- Date
- 1937-08-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1?. Aügamt 33937 . Der I s t a £ .1 i i Nr. 32 Seite 7 Kein jüdisches Haus ohne die KEREN HATORAH Sammeldose! Bitte Dosen bei der Zentrale anfor der n .- Ha rh b urg 13, Heinrich Barthstraße 21 zur vornehmsten Pflicht unserer Menschen auf Hachs-hara, in' der .Erkenntnis der großen Aufgabe sich zu ihrer Meisterung persönlich vorzubereiten. Realismus und Innerlichkeit -„-wirken zusammÄr im-Sinne; jüdisch-geistiger üenschenformung. Isaac Breuer, der diese beiden Eigenschaften immer herausstellt, genießt, auch das ist die Meinung vieler, die volle Autorität, auf die iman.-sich stützen will. Wir halten es für ein bitteres Unrecht, einen Gegensatz zwischen Ideologen und T^aDDiner: zu konstruieren. Beide baüen auf demselben Grunde, ' beide stellen innerlich beglaubigte Autoritäten dar, wenn ihre. Persönlichkeit die inn?re Geschlossenheit aufweist} die ihr Führer* ium erfordert. Um „die,~Erlösung der Nation". ringen wir alle, alle, die. um die Thora ringen, alle, die sich in. selbstloser Bereitschaft um die Männer, scharen, die sich um das leidende jüdische Volk bemühen. Isaac Breuer fordert die "Führung der eyVm Welches ist denn der Sinn der Sätze: Es.geht um die Erlösung der Nation! Ist dieser Ruf schon einmal in Klarheit und Eindeutigkeit von den Großen Israels und, gestützt auf sie, von der Aguda in die Welt hinausgegangen? Wir . sind überzeugt, ,daß die von Abraham Wolf dargestellte Problematik nicht besteht. Wir harren auf das "Wort unserer führenden Männer, und wir sind entschlossen, nach Maßgabe unserer Kraft, im Sinne und im Geist dieses Wortes zu arbeiten. Kongreßzeitung der Kenessio Gedaulo. Gelegentlich des dritten 'Weltkongresses der Agudas Jisroel, der vom 17. "bis 23. August in Marienbad stattfindet, wird eine offizielle K o n g r e ß z e i - tung herausgegeben. Die erste Nummer erscheint am 17. August und kostet im Abonnement RM. 2.-—, In Deutschland ist sie, unter Beifügung des Bezugspreises, bei Joel S ä n g e r , Frankfurt a. M., Herderstraße 30, zu bestellen. Radio-Berichte über die K. G. Der Radio in Prag wird in seiner deutschen Sendung um 18.40 Uhr, während der iKongreßdaüer; täg- 1 lieh die Berichte über den Gang der Verhandlungen ■der Kenessio Gedaulo durchgehen. .Die Delegiertenwahlen für die Kenessio. Gedaulo. Wie J. P. B. berichtet, fanden die Delegierten- -wahlen für die . K. G. in .allen Ländern, der Welt starke Beteiligung. In Warschau haben annähernd 10 000 Menschen gewählt. Hunderte konnten nicht mehr rechtzeitig ins Wahlbüro gelangen, das 9 Uhr abends geschlossen werden mußte. In Lodz haben sich auch solche Kreise an den Wahlen beteiligt, die bis jetzt der aktiven Agudaarbeit fernstanden. Der Andrang war so-groß, daß man eigene Polizeiposten vor den, Wahllokalen zur Aufrechterhaltung der Ordnung aufstellen mußte. Die Mitglieder der polnischen Landesorganisation wie des Zentralrates sind bereits nach Marienbad abgefahren. Die polnische Gruppe, etwa 200 Mann, tritt die Reise am Montag, den 9'. Elvi, an. Eine größere Gruppe von Delegierten und Gästen wird auch aus Amerika erwartet. : Die belgische Delegation wird von Oberrabbiner Rothenberg angeführt, die schweizerische von Dr. Robert Guggenheim, die h o 1ländische von Oberrabbiner Hirsch, Zwolle und Dr. Hausdorf, die englische von Rabbiner R a b i n o w i t s c h und H. A. Goodman. Eine Agudadelegation beim litauischen Innenminister. Eine Delegation der Zeiire Agudas J i s-. r o e 1 in Litauen wurde vom In n e n m irni s t e r empfangen, der sich von ihr über die Probleme der A. J. und der K. G. informieren ließ. Die Delegation se;zte sich zusammen aus Rabbiner A. M. Bloch. R^Bbiner A. Braude und H. N. Levitan. Agudas Jisroel-Qrtsgruppe Karlsruhe. In einem einstündigen, sehr eindrucksvollem Referat erstattete der Delegierte der hiesigen Orts-, grippe, Herr Joseph Alt mann, den zahlreich er: sc-1ienenen Mitgliedern Bericht über die Nürnberger D^egiertentagung. Er behandelte alle Fragen und Probleme, die dort besprochen wurden, insbesondere der, Antrag der hiesigen Ortsgruppe und seine Auswirkung. Er vermittelte ein anschauliches Bild der geistigen Strömungen, die auf der Tagung und in den henlichen Reden der Abendkundgebung hervorfr't'en. Seine von Herzen kommenden Worte fanden ei;;y dankbare und nachhaltige Aufnahme. — Vor der Wahl der Delegierten zur K. G. referierte Herr Rabbiner Dr. K. Michalski in der Ortsgruppe . über „25 , Jahre Aguda". Er* streifte die gegenseitigen. Beziehungen der Organisation und der Ortsgruppe in VerT; ganoenheit und'Gegenwart und wies auf die Bedeutunv; der K. G. für die Zukunft des gesetzestreuen Judentums .hin.- ' ./S- -; - -.• '<-', . '-!-—. . , S Von Oberrabbiner Dr. Jos, Carlebach. :? (Fortsetzung.] Wir führen im Folgenden die einzelnen Bestimmungen auf, die nach Auerbach zeigen sollen, , daß sich das Volk bei diesem feierlichen Staatsakt auf Torath Kohanim, die Priestertora i 1 Esras verpflichtet habe. Wir fügen jeder dieser Bestimmungen eine Charakteristik hinzu, wie sich in Wirklichkeit diese Bestimmung zum Leviticus verhält. Die erste Bestimmung (bei Auerbach § 2) ist das Verbot der Mische he. Das steht im Deuteron omium, und wurde von dort ausdrücklich hergeleitet. (Neh. 13.) Im dritten Buche Mosches steht davon kein Wort § 3, Wenn Landesbewohner Handelsware am Sabbat zum Verkauf bringen, werden wir sie nicht am Sabbat nehmen. , Kauf und Verkauf am Sabbat ist aber in der ganzen Thora nicht verboten, Es ist nur rabbinische Bestimmung. § 4. Wir werden im siebten Jahr jedes Faustpfand preisgeben. Das ist Bestimmung des Deuteronomium 15, nicht der Thora „Esras". § 5. Wir legen es uns als Pflicht auf, ein D r i 11 e 1 des'Schekels zu erlegen zum Dienst des.-Terripels. - ■ ': Die Thora befiehlt aber den halben Schekel. Dies ist also eine in der Bibel nicht befohlene, besondere Auflage. § 5b. Nach Losen verteilen wir .auf uns. die Pflicht, ein Holzopfer ins G'tteshaüs zu bringen. Ein solches kennt die Thora nicht. § 5c. Die Erstlinge unsres Bodens Jahr um Jahr zu bringen. Das ist ein Gesetz aus Deuteronomium 26. § 5d. Die Truma und Challa ins G'tteshaüs den Priestern und Lewiten in'die Kammern des Tempels zu bringen. . ( Solche Bestimmung kennt die Thora nicht,, Es war eine Sonderregelung. Es ist also keine einzige Vorschrift aus der „Thörä Esras". Es sind vielmehr der Mehrheit nach „rabbinische Bestimmungen", Sondergesetze und .'Zaungesetze, für die eine Verpflichtung (amana) übernommen wird, Nach talmudischer Lehre sind alle genannten Vorschriften „von den Weisen". Denn auch das Schmitta- und Jowelgesetz galt nach biblischer Vorschrift damals nicht mehr. Das erneute Mischeheverbot bedeutete entweder die Abgrenzung selbst gegenüber den Nationen, die nicht zu den eingesessenen sieben Völkern gehören, auf die allein die Thora ihr Verdikt ausspricht, oder sollte-selbst Proselyten vorübergehend^ausschließen.' (VergL Ber. 8b nrnY>a iioan xh) ausschließen. Diese' Urkunde ist also in der Tat „eines unsrer wichtigsten geschichtlichen Dokumente." Aber nicht im Sinne unsres Wellhausen'schen Adepten, sondern ganz im Gegenteil: es beweist unwiderleglichi daß damals die .Thora nicht proklamiert worden sein kann. Wie sollten sonst sofort im Momente der Gesetz verkündung Erweiterungen und Zusätze gemacht worden sein? Die Thora war vielmehr längst bekannt; die junge Gemeinde des zweiten Staates aber gab sich, aus den Bedürfnissen des Augenblicks heraus, Sonderäuflagen und Spezialregelungen, Takanot, und mußte darauf "alle in Eid und Pflicht, nehmen. Aber für Auerbachs methodisches Vorgehen ist die Von ihm gebrachte Argumentation; y e rh'i C h t e n 4. Sie zeigt, mit welchen Taschenspielerkünsten er hantiert, wie er auf die Leichtgläubigkeit der Leser spekuliert, offenbar aus seiner bibelkritischen Schule gewohnt, „unkritisch" obenhin mit Scheinbeweisen die Dummen einzufangen, '" ." . Wir aber haben in der Schule des Talmud denken gelernt; wir werden uns kein X für ein U vormachen lassen. Ist jene Amana eine Verpflichtung auf die Priesterthora gewesen, so muß sie von ihren Gesetzen handeln und nicht von ganz anderen Dingen ... Diesem Idol der neuprpklamierten „Pries.terthora" Esras zuliebe wird nun überall das Priestertum herabgesetzt, bald spricht er von der „Geistesarmut der Priester, die nur ihre materielle Basis sichern wollen" (S. 79), Wendungen, die an Korachs Demagogie erinnern, bald wird (S. 59) erlogen, daß in der Rechtssprechung, „einer durchaus weltlichen Angelegenheit" nach den Quellen nirgends priesterliche Richter auftreten, (trotz Deuter, 17, 8) oder es wird gegen das ausdrückliche Zeugnis der Bibel behauptet, in den Listen der Rückkehrer wären die Priester erst an letzter Stelle genannt (siehe dagegen Nehem, 7, 7), während sie sich später in' den Vordergrund gedrängt hätten, werden die Prophetien Secharjas, der dem Hohepriester eine Krone vindi-. ziert, als „überarbeitet" erklärt, ja sogar der Stammbaum Esra als „gefälscht" (S. 239) bezeichnet. Diesem Idol zuliebe wird die Offenbarung der Thora in der Wüste natürlich geleugnet. Das Volk der „Wüse", das sich einen Wüstendämon zum G'tt kreirt, kommt vielmehr mit „nomadischen" Erinnerungen belastet ins gelobte Land. Daher sei der Gegensatz Wüste und gelobtes Land der Urgegensatz, um den die jüdische Geschichte kreise, Auerbach will bei Volk und Propheten ein „Wüsteriideal" konstruieren, das eine Art Kulturfeindlichkeit erzeugte und immer wieder zum Durchbruch kam. „Das Wüstenideal wurde für die Prophetie eine richtende Kraft". Man wird erstaunt fragen, was ist denn das für ein Ideal? Wo kommt je in den Propheten davon etwas vor? Man höre und staune! „Es ist zunächst das einfache schlichte gradlinige Leben des Menschen in der Wüste. Ihm gegenüber erscheinen die Güter des Fruchtlandes als Verweichlichung und Verirrung". Merkwürdig, hatten denn alle Sittenlehrer der" Menschheit, die ein schlichtes Leben fordern, .^in Wüstenideal? Hat schon je ein Sittenlehrer etwas andres als Schlichtheit der Lg-» bensführung gefordert? Es ist einfach „Systemkonstruktion", diese -Selbstverständlichkeit jeder sittlichen, gesunden Seinshaltung mit der Wüste in Verbindung zu bringen, Unwahr aber ist, daß die Güter des Fruchtlandes von Propheten als Verirrung und Verweichlichung betrachtet werden. „Sie werden heimkommen und jubeln auf der Höhe Zions, Hineilen zum Gute G'ttes, zu Korn und Most und Oel Zu Herden der Schafe und Rinder", sagt Jirmija (31, II). Ist das ein Wüstenideal? (Ebenso Jes. 24, 7—9; 35, 1—2; 51, 3; 55, 3; 60, 65, 21; Jirmija 31, 4—5; Hosea 14, 7; Arnos 9, 13—14 und tausend andre mehr). Man sieht, Auerbach spielt mit einem Wort, um die Abhängigkeit der jüdischen Lehre von örtlichen Zufälligkeiten vorzutäuschen.