Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1937)
- Date
- 1937-08-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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TT Seite 6 Nr. 32 Der Israelit ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^Sß^ \ 12. August 1937 E R E Z n i ISRAEL Irgun Noar Charedi „Esra" in Erez Jisrael, Zum ersten Treffen des Bundes in Jerusalem. ,15. bis 17. Aw 5697. Aus kleinen Anfängen entstanden in verschiedenen Orten des Landes im Laufe des vergangenen Jahres unabhängig voneinander Gruppen charedisoher Jugend, die es sich zur Aufgabe machten, Schuljugend und arbeitende Jugend zu sammeln, und ein Milieu zu schaffen, dessen Ideale Vervollkommnung jedes Einzelnen in Thora und Midoth zur Verwirklichung im Leben der Allgemeinheit in Erez Jisroel sind, sowie Verwurzelung auf dem Heiligen Boden und Verknüpfung mit dem Jischuw in seinen verschiedenartigen Lebensformen. Es gilt, eine Gemeinschaft zu schaffen für alt-palästinensische und neueingewanderte Jugend, sie beide miteinander und mit dem Lande zu verbinden und in ihnen das Bewußtsein der Verantwortung für Thora, Land und Volk zu verankern. Schwer ist die Lage des charedischen Chinuch und der charedischen Jugend im Lande, unklar und umstritten ihre Wegrichtung, doch groß sind ihre Aufgaben für die Zukunft. Besonders schwer sind auch die äußeren Bedingungen zur Schaffung eines Jugendbundes, Am 15. Aw fand in Jerusalem das erste Treffen verschiedener gleichgerichteter doch bisher unabhängiger Bünde aus Jerusalem, Tel Awiw und Petach Tikwah statt. Die Tagung gliederte sich in zwei Teile: 1. Führertagung, Referate und Aussprachen über Ziele und praktische Aufgaben des Bundes, Erziehungsfragen, Stellung zu verschiedenen Fragen des Landes, organisatorische und technische Fragen. 2. Ein Treffen der Gruppen mit gemeinsamen Ausflügen und Heimnachmittagen. , Es wurde die Vereinigung sämtlicher Gruppen zu einem Bund beschlossen. Der Bund ist organisatorisch unabhängig, doch steht er der agudistischen Poalim-Organisation und ihrer Ideologie nahe. Es wurde eine Führerschaftsleitung gewählt, bestehend aus den Chawerim Pinchas Wollmann, Tel Awiw; Josef Schönberger, Jerusalem; Schmuel Auerbach, Petach Tikwah. Die Aufgaben der Führerschaftsleitung sind u. a.: Festlegung' von Richtlinien und Arbeitsplänen für den gesamten Bund, Erweiterung des Bundes und seines Kreises durch Propaganda und Beteiligung an einer bestehenden charedischen Zeitschrift, Gründung neuer Gruppen, Errichtung eines Keren Halimmud, Einrichtung von Abendkursen, Aufnahme der Verbindung mit gleichgesinnten Bünden in der Gola. Den Höhepunkt der Tagung bildete eine Seuda schlischith, bei der Raw Jakobowicz, Jerusalem, sprach. Die Chawerim schieden in gehobener Stimmung und mit der Gewißheit, daß der neugegründete Bund seinen Weg in Erez Jisroel gehen wird. i Allerlei aus Erez Israel: Jerusalem, 9. August. Einer Meldung des „Haarez" zufolge, hat die Palästina-Regierung beschlossen, der Stadt Tel Awiw das unbeschränkte Recht zum Ausladen vo'n Waren aller Art im Hafen von Tel Awiw zuzugestehen. Diesem Beschluß gingen langwierige Verhandlungen zwischen dem High Commissioner und dem Bürgermeister von Tel Awiw voran. Neue Terrorakte ereignen sich leider immer noch. In einem Dorfe in der Nähe von Dschenin wurden 74 Araber unter dem Verdachte verhaftet, an einem Ueberfall auf amerikanisch-jüdische Touristen teilgenommen zu haben. Es handelt sich um eine Gesellschaft, die in Autobussen des „Egged" auf der Fahrt von Haifa nach Tel Awiw angehalten und ausgeraubt wurde. Ein Auto wurde sogar durch Schüsse beschädigt- Man hofft, nun die Schuldigen, die sich nach der Tat in die Berge zurückgezogen hatten, erfaßt zu haben. Diese und ähnliche Ueberfälle haben dazu geführt, daß in mehreren Dörfern der Gegend. die Kollektivstrafen, die ihnen gestundet wurden, rigoros eingezogen werden. ' Sehr schmerzlich berührt die Kunde einer jüdischen Abordnung, die Hebron besuchte, daß sie den dortigen1 jüdischen Friedhof zum Teil entweiht vorfand. Die Tore, die zu der gemeinsamen Grabstätte der Märtyrer von 1929 führen, sind, zerteümmert - und die Oelbäume daneben verbrannt. Auch einige Grabsteine sind entweiht und zerbrochen. •. - Eine sog. „Liga der Rächer" verschickt Drohbriefe an jüdische Organisationen und Persönlichkeiten, um diese einzuschüchtern. Auch Führern der A g u'd a s Jisroel in Jerusalem wurde in solchen Briefen der Tod angedroht. Die Polizei hat Untersuchungen eingeleitet. Agudistische Schutzgarde im Kibbuz Chofez Chajim Die hier Abgebildeten sind durch die Hachschara des Noar Agudati gegangen und haben fast durchwegs die Frankfurter Thoralehran-, stältJeschiwa besucht. Der High Commissioner hat in den letzten Tagen eine Anzahl jüdischer Siedlungen in Schomron besucht. In seiner Begleitung befand sich der Direktor der Pica, D. W o 1 f s o h n; Eine . Abordnung des Arabischen Frauen- Komitees hat bei dem anglikanischen Bischof Protest gegen die Rede des Erzbischofs von Canterbury bei der Palästina-Debatte im Oberhaus erhoben. Er habe, so behaupten die arabischen Frauen, in dieser Rede die arabische Nation zugunsten der Juden herabgesetzt. lang einer Beschießung von allen Seiten her ausgesetzt. Während des Angriffes hat, das .arabische Nachbardorf Idnabya die Wasserzufuhr zu der jüdischen Siedlung abgeschnitten. Es wurden starke Polizeiverstärkungen in die Siedlung entsandt und mit Hilfe von Spürhunden eine Nachforschung nach den Angreifern durchgeführt.. Die Palästina-Polizei verfolgt die anscheinend umstürzlerische Tätigkeit arabischer Intellektueller, von denen bekannt geworden ist, daß sie in der Umgebung von Safed und Nazareth an militärischen Uebungen; teilgenommen haben. In Dschenin würde ein. Auto mit Steinen beworfen. Der jüdische Chauffeur wurde verletzt, der Passagier, der gleichfalls Jude wart wurde nicht getroffen. Vier Araber wurden im Zusammenhang mit diesem Anschlag verhaftet. Zweistündiger Angriff au! Kiar Menachem. .... Jerusalem, 10, August. Eine bewaffnete Araberbande hat am Dienstag die jüdische Siedlung K'far Menachem bei Gedera angegriffen. Die Siedlung war zwei Stünden Neue landwirtschaftliche Siedlung in Süd- Palästina.' ,. Jerusa-kem, 1.: August. Im südpalästinensischen Steppengebiet bei Beer Tuwia, 27 km küdöstlich von Rechowot, wurde eine neue Siedlung, die den Namen Kfar Menachem erhalten hat, gegründet. Etwa 80 bis 100 Chaluzim aus Giwat Brenner haben, mit allen nötigen Materialien ausgestattet, den Siedlungspunkt schlagartig besetzt. Ein Wasser- und Beobachtungsturm wird errichtet und eine Stacheldrahtumzäunung hergestellt, Vierzig Wächter haben die Siedler begleitet und Beobachtung spunkte auf den umliegenden Bergen besetzt. An der Landnahme beteiligten sich zahlreiche Gäste aus den benachbarten Kolonien. Es wurde . sofort ein Grenzwall errichtet, der 8 mhohe Beobachtungsturm aufgestellt und eine Werkstätte erbaut. Auf dem Beobachtungsturm wurde ein Scheinwerfer angebracht. Ein Mitglied der Arbeitergruppe erinnerte daran, daß während der Unruhen alles verbrannt worden ist, was die Gruppe im Laufe eines_ Jahres aufgebaut hatte. Der* Tag, an dem die' Arbeit von Neuem aufgenommen werden würde, sei von allen Mitgliedern der Gruppe herbeigesehnt worden. 24 neue Kooperativ-Gesellschaiten in drei Wochen. Jerusalem, 1. August. In den letzten drei Wochen sind 24 neue Kooperativ-Gesellschaften, 12. arabische und 12 jüdische, registriert worden. Bei den arabischen Genossenschaften handelt es sich um Kredit- und Weidegenossenschaften. Fünf von ihnen haben ihren Sitz im Unterdistrikt Akko, je 2 in Nablus und Tulkerem, je eine in den Unterdistrikten Ramie, Dschenin und Gaza. •- Von den jüdischen Genossenschaften ist eine e'tä& Arbeitskooperative in Jerusalem, weiter eine Bäckereigesellschaft in Kfar Saba und eine Transportgenossenschaft in Tel Awiw. In Natania und in einer anderen Siedlung wurden landwirtschaftliche Absatzgenossenschaften gegründet, Siedlungsgenossenschaften in Uscha bei Haifa und El Roi. Registriert wurden ferner Darlehens- und Spargenossenschaften, ein? Baugenossenschaft in Kfar Saba, eine Genossenschaft für Rückversicherung in Tel Awiw und eine; Genossenschaft zur "Errichtung von Gemeinschaftswohnun" geh in Tel Awiw. . '•' , - Aus der Agudas Jisroel-Bewegung, Probleme agudisüscher Führung, Bemerkungen zu dem gleichnamigen Aufsatz Von Rabb. Abraham Wolf. Von Herbert Sonn in Halberstadt Die Ausführungen von Rabbiner Abraham Wolf (Nr 31 des „Israelit") gipfeln* in der Forderung, den Rabbinen die Führung der agudistischen _ Bewegung zu übergeben; denn nur sie böten uns die Gewähr daß Agudas Jisroel die vom Thorageist "geformte Bewegung bleibe. Die a^na stellten' die Autorität dar, die unseren agudistischen Weg jüdisch legitimieren. Das Hauptproblem, das Abraham Wolf herausarbeitet, lautet: Thora und Wirklichkeif. „Nicht die Wirklichkeit, nicht der Staat, ist Objekt der Thora, sondern die Seele des jüdischen Menschen und des jüdischen Volkes." Allein gerade aus den Werken und Aufsätzen Isaac Breuers geht das Ringen um die Seele des jüdischen Volkes deutlich hervor. Gerade Breuer hat immer mit Nachdruck in allen seinen Aeüßerungen auf die Pflicht der Durchheiligung des jüdischen Menschen hingewiesen. Ist es dehn nicht Wahrheit, daß wir Mensehen in. der Wirklichkeit def Geschichte leben? Ist es nicht wahr, daß das Ringen unseres Goluslebens um die Verwirklichung der nnri in diesem Leben und Leiden geht? Nennen wir nicht seit dem Bestehen unseres Volkes das Sinnen um den Wachstumsprozeß dieser Nation, das Sinnen um,Ge-j schichte? Die, jüdische Geschichte der letzten Jahrhunderte ist ohne die Kenntnis der' geschichtlichen Wirklichkeit der Welt, in deren Rahmenauch unser Leben seine Bahn zieht, nicht zu begreifen undzu deuten. Qerade. Isaac Breuer hat titts die andersartige Gesetzlichkeit jüdischer Geschichte gelehrt (vgl. „Wegzeichen", „Judenproblem" und „Der neue Kusari"). Das Hineinwachsen in diese Gedankengänge verbürgt den sittlichen Wert jüdischer Erziehung, denn diese gründet ja in der Arbeit am objektiv^ Gut der s-nifl- Nur in dieser Arbeit ruht die Bürgschaft für das Gelingen, des Erziehungswerkes. Di? Wirklichkeit in die höhere Daseinsform der Thora emporzuheben, sind der Inhalt und das Ziel des Kampfes, den Isaac Breuer. seit Jahrzehnten führt. Gewiß ist die höchste Form unseres jüdischen Lebens dfe der 'n rrm!?- Aber 'die Arbeit 'n hat doch auch ihren Sinn und ihre gottgewollte Bedeutung. Noch nie hat Erziehung ihr Ziel erreicht, wenn sie nicht von den Gegebenheiten ausgegangen wärr, um sie zu gestalten, nicht aber, um von ihr gestaltet zu werden. Die Menschen, die heute , im Noar Agi" dati stehen, um sich für Erez Israel vorzubereiten, danken es Isaac Breuer, daß er die umfassende jp" schichtliche Aufgabe des" jüdischen Volkes, in ds? Sprache l unserer Tage formuliert -hat. Noch/;kernet unserer Chawerim ist s es in den Sinn gekommen, die persönliche Aufgabe der Erziehung zu den rmw deshalb etwa zu vernachlässigen. Es gehört ja gerade.