Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1937)
- Date
- 1937-08-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 32 s die Entscheidung ihrer D^ru.» daß sie in Kenntnis der Verzweiflung, die die aussichtslos scheinende Zukunft in '"X in ihren Kreisen auslöst, Wege finden wird, ihr zu helfen. Resümieren wir; der Weg, den wir bisher gingen, war nicht der richtige. Wir haben alles andere getan, als das, was uns als Glieder der Organisation in erster Reihe obliegt: für die Stärkung der Organisation zu sorgen. Wir haben das Haus vom Giebel aus gebaut, Leistungen wollten wir schaffen, Hochhäuser, ünd zur Grundsteinlegung fehlten uns die Bauleute. Zum Richtfest kommen sie alle, besser zum rran Tun* aber vom Bau drückt sich so mancher, der in Marienbad mit dem Kongreßabzeichen seine Verbundenheit mit der Organisation bekundet. Beginnen wir damit, unsere Arbeit ernst zu nehmen, indem wir „Arbeiter" suchen und die Salon-Agudisten dahin verweisen, wohin sie gehören: auf die Galerie, dann werden wir ein erheblich dezimiertes, aber arbeitendes Parlament haben. Schonende Behandlung unserer aktiven Kräfte, wäre ein besonderes Kapitel, über das viel zu schreiben wäre. Es ist nachgerade ungeschriebenes Gesetz der A. J. geworden, daß ihre Gremien von oben bis unten Freiwild für eine Sorte von Kritikern sind, die ihren Agudismus erst dann verspüren, wenn die erschienene D Israelit Hörerzahl als willkommenes Objekt, rhetorischer, unsächlicher, aber mit desto größerem Beifall aufgenommener Ergüsse erscheinen. Ich glaube, daß die Agudisten nirgendwo so lieblos sind wie in agudistischen Versammlungen. Es erklärt dies zum Teil, daß sehr viele befähigte Menschensich* zurückhalten, innerhalb der Organisation tätig zu sein. Sollen denn nur die ,,Dickfelligsten" Möglichkeiten der Betätigung im agudistischen Kreise haben? Die leitenden Instanzen hätten wohl Möglichkeiten, hier energisch Wandel zu schaffen. Hören wir auf, große Baupläne zu planen ohne die Zimmerleute. Suchen wir auf der bevorstehenden großen Tagung nicht nach papiern.en Resolutionen, sondern nach den vielen arbeitsfreudigen Menschen, die in ihrem verhältnismäßig kleinen Aufgabenkreis gewillt sind, die an sie gestellten Anforderungen zu erfüllen, fordern wir von ihnen von Zeit zu Zeit Rechenschaft über das Geleistete, lassen wir sie nicht allein in ihren Sorgen um die Hebung der Organisation, dann wird, allerdings viel langsamer, als es die Großspurigen zu sehen wünschen, die Organisation, s. G. w., heranwachsen und allmählich auch die Aufgaben erfüllen können, die heute noch unerreichbar erscheinen. Möge )die fi^tta ''DJS den rechten Weg finden! 25 JAHRE AGUDA. Vno Dr. Isaac Breuer. (Schluß.) Dem formellen Agudismus ist, wie jedem Formalismus, zu eigen, daß er eine Idee nur denkt, aber nicht schaut, daß bei ihm nur der Verstand in Tätigkeit tritt, nicht aber die Vernunft. Indem der formelle Agudismus die Idee der konstitutiven Alleinherrschaft der Thora über die Nation nur denkt, entblutet er sie zu einem reinen Thema, wandelt er sie zu einem logischen Begriff, aus dem er nach den Methoden der Logik Konsequenzen zieht, die ihm zu Forderungen werden, denen eine Beziehung zur Wirklichkeit nicht innewohnt. Als Rabbiner Hirsch V"j?lST die gleiche Idee nicht nur dachte, sondern auch schaute, ward sie ihm sofort, wie jede echte Idee, zum wahren und eigentlichen Wesen der ihn umgebenden konkretesten Wirklichkeit, die ihm alsbald zum Bilde einer in Lehre und Leben G'tt höri-, gen, G'ttes Namen in aller Oeffentlichkeit heiligenden Gemeinschaft sich gestaltete, deren Aufbau auf Basis dieser Wirklichkeit und gemäß der in dieser Wirklichkeit potentiell vorhandenen Möglichkeit das Werk seines Lebens galt. j Die erdachte Idee kann nur fordern und. ist daher, ungeschichtlich' wie sie ist, von jeder Beziehung auf die Wirklichkeit frei. Die erschaute Idee muß handeln, aber der Schauplatz der Handlung ist die geschichtlich gegebene Wirklichkeit. Seit zwanzig Jahren, mindestens, wird der formelle Agudismus nicht müde, in Erez Israel die Alleinherrschaft der Thora zu, „fordern". War vorhin gesagt, daß dieser Forderung eine Beziehung zur Wirklichkeit nicht innewohne, so ist diese Bemerkung jetzt dahin zu berichtigen, daß immerhin dem formellen Agudismus die Wirklichkeit insofern in Betracht kommt, als er sie auf Grund seiner Forderung bewertet und meistenteils — verwirft. Logisch unwiderlegbar stellt der formelle Agudismus fest, daß die Jewish Agen.cy mit ihrer Unterstützung des Erziehungswesens, daß K e n e s - soth Jijßrael mit ihrem ' Waad Leumi, K e - r e n K a j e m e't h mit seinem Sabbatentweihung duldenden Boden, Kere.n Hajessod mit den von ihm gestützten "thoraleugnenden Schulen, Histadruth Haowdim als Organisation des Thoraverrats, die zionistische O r g a - 12.;August -■ 1937 n i s a t i o n wegen ihrer Ablehnung der Thore als Konstituante, der M i s r a c h i als bloße Fraktion dieser Organisation: daß sie alle thora- ■ widrig seien und als solche von der Aguda bekämpft werden mußten. Diese Urteile, stehen dem formellen Agudismus, hierin gan2 ein Lehrbuch angewandter Logik, endgültig fest. Eine Nachprüfung erscheint ihm höchst überflüssig, ja schädlich, selbst wenn diese Urteile;-- kehrt man sich von der Theorie zur Praxis, nichts mehr und nichts weniger bedeuten, als die las c restlose Ablehnung der heutigen Wirklichkeit von Erez Israel, in die sich die agudistische Alij ah so lange verfolgt sieht, als man ihr eine a n d e r e-W i r k 1 i c h k e i t nicht zu bieten vermag. Der formelle Agudismus fühlt sich weder verpflichtet, mit einer vorhandenen Wirklichkeit zu rechnen, noch auch etwa diese Wirklichkeit zu erfassen und sie umzugestalten. Meist kennt er sie sogar nur höchst ungenau oder gar nicht. Sein Verfahren ist streng deduktiv, nicht induktiv. Sein Verfahren ist logisch unwiderleglich. Aber wehe den -— Opfern dieses Verfahrens: der agudistischen Alijah. — — Als Rabbiner Hirsch V*j?lXT auf Grund der von ihm geschichtlich erschauten Idee sich entschloß, das mährische Landesrabbinat mit der Führung eines einzigen Haufens zu einem Privatverein zusammentretender Menschen zu vertauschen, war er sich durchaus klar darüber, daß er durch freiwillige Verlegung; seines Wohnsitzes nach _ Frankfurt gemäß der damals vorhandenen Wirklichkeit zunächst einmal Mitglied einer völlig thorawidragen Organisation, nämlich der Frankfurter Israelitischen Gemeinde, wurde. Schwerlich wird man einen Unterschied zwischen rechtlichem uiid tatsächlichem Zwang aufrecht erhalten können. Man wolle auch nicht verkennen, daß Rabbiner Hirsch und sein Kreis zunächst auch die Vorteile ihrer rechtlich erzwungenen Mitgliedschaft zur „Israelitischen Gemeinde" genossen: Fried h,o f! Die Feststellung der Thorawidrigkeit der Frankfurter Israelitischen Gemeinde war ihm nicht der höchst bequeme A b s c h 1 u ß eines deduktiven Verfahrens, sondern der höchst mühevolle Beginn einer induktiven, die Wirklichkeit anpackenden und gestaltenden Tätigkeit, und erst als er der Wirklichkeit, im Kampf der Thora um sie, seine eigene Gemeinde abgerungen hatte, seine eigene Gemeinde, in der die Alija der „Ausgetretenen" völlig ihr Genüge finden konnte, damals erst ward ihm die auch des rechtlichen Zwangs entkleidete Zugehörigkeit zur „Israelitischen Gemeinde" zum Verrat an der Herrschaft der Thora, zur Hemmnis unserer — Erlösung. — — Der wahre Trost. Aktualisierung eines agadischen Wortspieles, Ein schönes und sinniges Wort läßt uns die Reihenfolge der sieben Trosthaftoroth, die aus. verschiedenen Teilen des Buches Jesaia zusammengetragen sind, in folgendem Zusammenhange begreifen. Der Prophet kommt mit seinem Doppeltroste zum Volke »«y iana tan:- Enttäuscht klagt aber Zion: Hat mich denn G'tt verlassen, meiner vergessen, daß Er, der mich mit eigener Hand geschlagen hat, statt aus eigener Hand den Trost zu spenden, den Boten schickt? 'jmip vn 'n '33T3? rvx hjsjii, Unverrichteter Sache kehrt der Prophet zu G'tt zurück mit den Worten; n»nw tii1? msMD ''ay Die Arme und Sturmgepeitschte ist nicht getröstet, will von mir, dem Menschen, keinen Trost annehmen. Da ruft G'tt ergänzend und berichtigend nanmn sin •> 3 a s ' 3 a k- Nicht Du, der Prophet, sondern Ich bin es, der ihnen den Trost bringt. Worauf dann der Jubel von mpy ,a-i bis wwk w anwächst. Vielleicht nur als Wortspiel gedacht, erhält doch d:-?2 Darstellung tiefen Sinn, heute sogar einige aktuelle Bedeutung. Eine Trostbotschaft ging durch die Lande, just um die Zeit, da wir um Zion und Jerusalem trauerten. Palästina soll zweitausend . Jahre, nachdem die römische Faust unser Heiligtum zerschmettert hat, uns wieder zugesprochen .werden. Aber enttäuscht und .«ntmutigt jammert Zion: „Hat mich denn G'tt verlassen, meiner vergessen?" Ein Judenstaat ohne Zion, ohne Jerusalem, die Stadt, die immer als Zentrum und Inbegriff des heiligen Landes und heiligen Lebens genannt wird? Ein, Judenstaat ohne Hebron,, die Stadt der Vätergräber, ohne die Möglichkeit zu geben, am Grabe der Mutter Rahel auf eigenem Boden zu beten? Zion- Jerusalem weint. Und ein Sturm erhebt sich, Sturm der Entrüstung, Sturm des Protestes ii»ma 8^> ai»Vö ">a& Arm und sturmgepeitscht und ohne Trost steht Zion, steht Israel nach dem ersten Heilesschimmer. Da ertönt die Stimme G'ttes "m »33» >33x Israels Heil, wahres und letztes Heil — das haben zweitausend Jahre Galuth gezeigt — ist nicht an Boden Gebunden, kommt von anderen Höhen, aus anderen Tiefen, aus dem ,33tt» Nur wenn'wir eingedenk des ""Stc aus Sinaihöhen, unseren Weg gehen, erlangen wir die Höhe, von der herab der Künder der Haftora den Frieden und das Heil ausruft; ,uvoib» -icnn /»bn nrjnrvte vhu n-3 .Wie schön ist es, wenn sich auf den Bergen die Füße des Verkünders zeigen, der den Frieden hören läßt, das Gute kündet, das Heil bringt und Zion zurft: Dein G'tt regiert.! Zu den Völker- und Städtenamen. Von Herrn Rabbiner Dr. A n s b a c h er, Wiesbaden, erhalten wir folgende Zuschrift.' Der * Versuch des Herrn S. Speier in Nr. 27 Ihres Blattes, das Wort Tiff« in na's Kap. 10, 11 als Ortsnamen aufzufassen, ist sehr einleuchtend, wird auch vom Diain bestätigt, nxiins pci Interessanterweise wurde diese Auslegung auch von den A u s g r a ' bungen an jenen alten Stätten in Elam und Aschur bestätigt. Vor einer Reihe von Jahren fand man dort nämlich Keilschriften chamitischen Sprachidioms, bald führte man es, als eine Waffe gegen den biblischen Bericht ins Feld, der Aschur zu den 'Semiten zählt. Als man aber weiterforschte, ergaben tiefere Schichten Urkunden s e m i t i's c h e r Sprache. Es war somit trefflich der Tauroh-Bericnt bestätigt, wonach Aschur selbst zu OV '33 zählte, ß's aber Nimrod dorthin kam, - brachte er als Charrnte seine Sprache und Kultur mit, so daß die oberen Schichten aus dieser Periode stammen. Damit erklärt sich der Ausdruck iro^M» rpwsi >nni. . N. begann seine Herrschaft in Babel, verlegte sie aber nach Aschur. — Wir sehen hier buchstäblich die Bestätigung des..Satzes "»sn psn ritts. daß die „Wahrheit aus den Tiefen der Erde heryorsprießt.'' Rabb. Dr. Ansbacher, Wiesbaden.