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Der Israelit · 1937-08-12 · Heft 32 (12.8.1937) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 32 (12.8.1937)
Date
1937-08-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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f^^v^^^^^r^Ti^rx^^^i 12. August 1937 1 i t Nr. 32 Seite 3 Agudas Jisroel als Organisation. (Fortsetzung von Seite 1.); gen meist nichts getan wird. Es ist nun wirklich nicht nötig, daß alle Delegierten sämtlichen von einander außerordentlich verschiedenen Arbeitsgebieten gleiches Interesse eritgegenbrinbringen. Unsere Tagungsleitungen müßten mehr als, bisherihrGn Menschen Aufgaben zuweisen, die ihnen gemäß sind. Dazu gehört die Sammlung der Kräfte, die Sinn und Interesse für organisatorische Arbeit haben und vor allem gewillt sind, auch nach der Tagung auf ihrem Posten prak t i s c h e A r b e i t für die Organisation zu leisten. - i Ueber die Notwendigkeit diese? Art Arbeit sollte eigentlich nicht gesprochen werden müssen, Kommt doch m. E. alles Versagen unserer großen Pläne von dem Mangel an Organisation. Wir haben uns nicht bemüht, Menschen für Agudas Jisroel zu werben'und wollen agudistische Leistungen vollbringen. Wer soll denn die Menschen stellen, wer das Geld schaffen, wenn wir die Organisation noch nicht aufgebaut haben? Ohne sie werden unsere, schönsten Resolutionen papierne Beschlüsse bleiben. Die Organisation wird nicht durch bezahlte Sekretäre repräsentiert, sondern durch eine große Zahl von Menschen, die bereit sind, der Agudas Jisroel Zeit und Geld zu opfern. Diese zu gewinnen, muß die erste und oberste .Aufgabe der zahlreichen Delegierten sein, w'enn sie wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Sie auf diese Verpflichtung hinzuweisenTund vorzubereiten, ist eine der wesentlichsten Zwecke einer Kenessio Gedaulo. Die Scheidung, die eine kluge Tagungsleitung vornehmen wird, muß "aber auch nach der Tagung strenge durchgeführt werden. Jeder, der in einem agudistischen Gremium sitzt, müßte ein genau umschriebenes Arbeitsgebiet haben. In die Organisationsleitung der Länder gehören in erster Reihe die Menschen, die gewillt und befähigt sind, für die Organisation praktische Arbeit zu leisten. Unentbehrlich sind uns auch diejenigen, die nicht die Möglichkeit haben, für A. J. „tätig" zu sein, aber die Fähigkeit besitzen, von Zeit zu Zeit ihre von Klugheit und Lebenserfahrungen überprüften Anschauungen in den Dienst unserer Sache zu stellen. Für sie , müßte in allen leitenden Instanzen ein besonderes- Gremium geschaffen werden, das sich zur Exekutive verhält, wie etwa der Aufsichtsrat zum Vorstand einer Gesellschaft. Das Zusammensein von nichttätigen „Ratenden" mit den tätigen; oder tätig sein sollenden Vorstandsmitgliedern wirkt sich außerordentlich ungünstig aus. Eine klare Trennung zwischen handelnder Exekutive und beaufsichtigendem Rat müßte auch im Zen t r a 1 j/a t durchgeführt werden. Die Exekutive des, Zentralrats müßte die Vertreter der Ländesorganisationen umfassen, die in; ihrem ' Lahde nicht nur fiktiv, sondern tatsächlich die Organisationsarbeit leisten. Der Zentralrat müßte alljährlich zusammentreten, ohne großen Geldaufwand, im wesentlichen nur die interessierten Vertreter der einzelnen Landeäorganisationen, um über die gemeinsamen, vor allem organisatorischenAufgaben zu bej i'aten, wozu es weder des Aufgebots des gesamten. G. A.noch des gesamten Rabbinischen Ra- 'fes. bedarf. Durch häufigeres Zusammenkommen m kleinerem Kreis könnte mehr fruchtbare Ar>; feeit geleistet werden,** als: beh. einetn Maisseri-. treffen alle sieben Jähre. Nächst dem völlig fehlenden Organisator i s c p.Te n Ä u f bau will e n,; kommt es auf &e. p rajkjti s-c h e;X eis t;ti|n;g{ an. Ich glaube, wir' haben zu vieli^heoretw^ert. Mit! einem. -Eif^rV [ der einer größeren Mizwo Würdig wäre, haben wir .um Paragraphen gekämpft, um Ideologien gerungen. Nicht daß unsere Führer zu wenig Praktisches geleistet haben! Sie haben sich mit der ganzen Kraft ihrer Persönlichkeit für die praktischen Ziele der Agudas Jisroel eingesetzt, aber sie haben die Agudisten nicht zur praktischen Arbeit erzogen, ja, man hat den Agudisten auf allen Tagungen Gelegenheit gegeben, ihr Nichtstun mit ideologischem Geschwätz zu bemänteln. Die Existenzfrage der Agudas Jisroel lautet: Kann sie praktische Au f gaben lösen? Es ist ein Fehler der Gegenwart, unter praktischer Arbeit zunächst die materielle Versorgung oder materielle Hilfeleistung zu verstehen. Es ist zweifellos, daß die Agudas Jisroel auf Grund ihres Menschenmaterials in erster Reihe berechtigt un d verpflichtet wär.e , auf geistigem Gebiete Praktisches zu leisten. Die Organisätionsleitung müßte vor allem den ..Geistigen Arbeitern" ihrer Organisation diese Aufgaben stellen. Es sollten aus ihrer Reihe Kommissionen gebildet werden, die nicht nur während der Tagung, sondern vor allem , n a c h der Tagung ihre Arbeit aufnehmen, um auf den Gebieten des Kascherns, Taharäs Mischpocho, der Jugenderziehung durch Presseartikel, Ausgabe von Lehrbüchern, ja vielleicht durch Herausgabe von D^ISO den geistigen Einfluß ihrer starken Persönlichkeiten besser! der Organisation nutzbar zu machen, als'wenn sie den finanziellen und organisatorischen Beratungen ohne innere Anteilnahme folgen. Wieviel ist schon über die grauenhafte Areligiosität großer Teile der palästinensischen ßevölkerung geschimpft worden! Fragen wir uns, was hat Agudas Jisroel bisher getan, um Aufklärendes in diesen Kreisen zu verbreiten? Haben wir diej4Macht der zum Teil dem Religiösen nicht abgeneigten Presse im Kampfe für die Tauroh schön eingesetzt?; Die praktische Ar bei t wird auf Tagungen durch Resolutionen repräsentiert. Eine Resolution ist ein Anfang^ und muß kein schlechter sein. Aber hüten wir uns doch davor, im Taumel der Begeisterung Resolutionen zu fassen, die im Ausmaß ihrer Pläne die derzeitigen Kräfte unserer Organisation in lächerlicher Weise übersteigen. ' Auch der Landau'sche Vorschlag bezüglich des Keren Hathora leidet an diesem Fehler m, E. Warum mit Errichtung von Erziehungszentralen posaunen, da wir doch wissen, wie schwer die bestehenden Beth Jäkob-Seminare um ihre Existenz ringen? Daß der NKeren Hathora in Deutschland eine unentbehrliche Aufgabe erfüllt, durch Unterstützung von Bächurim, ist allbekannt. Wenn es ihm,' d. h. vor, allem dem ausländischen Keren Hathora ermöglicht wurde, neben der Erhaltung des Beth Jakob-Schulwerks; die Bezahlung einiger Lehrkräfte in überSeeischen Einwanderungsgebieten, /für ein Jahr wenigstens, durchzuführen, so wäre damit niehi^ erreicht als mit der Planung: großerUProjektej denen Wir nicht {Gewachsen siti&' ' ''' '"! Geben wir auf unseren Tagungen mehr Ze:i.t für die Ausarbeitung der Vorschläge und Re.splutionen. Eine m den Sitzungen scnriell aufs geduldige ■ Papier hihgewörfene und'per Akklamtion jangenommerie" fie-• Solution . stellt keine Leistung dar. In stundenlanger; Beratung : der Kommissionen" müßten erhstabgewogene, in ihrer -Tragweite dachte Beschlüsse gefaßt und Üriter der Mithilfe der ' für ihre Durchführbarkeit vlerantwörtlichenl .:.;;"" — ' l'i it;,:iii;r^-^::MHiWi^; Kommissionsmitglieder zur Ausführung gebracht werden. Beschränken wir die Plenumsverhandlungen auf das notwendigste Maß: homiletische Erörterungen sollten von der Tagungsleitung unterbrochen werden, die Exekutive sollte in Kurzreferaten zu den wichtigsten Problemen der Organisation Stellung nehmen und zur Diskussion --nach sachlichen Gesichtspunkten — nur einen beschränkten Kreis zulassen. Die Geschäftsordnung der Kenessio Gedaulo bietet genügend Handhabe dafür. ' Ueber die Vor- und Nachteile der Teilung Palästinas kann unendlich viel — geschwätzt werden. Wir sind damit bei der - Politik angekommen. Die Exekutive hat in zwei voneinander sehr verschiedenen Auslassungen öffentlich zur Tagesfrage unserer Politik das Wort genommen. IMan wird es wohl nicht als Fehler bezeichnen können, wenn Exekutivmitglieder, die in zwei Erdteilen leben und keine Möglichkeit haben, ihre divergierenden Anschauungen durch mündliche Aussprache in gewisse Uebereinstimmung zu bringen, in gegensätzlichen Aus- Rührungen zunächst Stellung nehmen, da ja in diesem Falle das Schweigen völlig falsch gedeutet würde. Ob es aber politisch richtig war, kurz vor Veröffentlichung des Berichts, die von aller Welt erwartete Teilung und die damit verbundene Gründung des Judenstaates so in Grund und Boden zu verdammen, wie es unser verehrter Herr Dr. Breuer getan hat, dies kann — und das wird er sicher selbst zugeben — recht bezweifelt werden. Die Wahrheit muß nicht immer in aller Oeffentlichkeit gesagt werden, ganz gewiß nicht auf politischem Gebiet. Ich stimme den vorwöchigen Ausführungen des Herrn Rabbiner Abr. Wolf darin vollkommen zu," daß die entscheidenden politischen Fragen von den Großen der Tauroh entschieden werden müssen. Die Agudas Jisroel befand sich seit ihrer Gründurig in der Gefahr, ein politisches Instrument von „Laienfürsten" zu werden. Die Befürchtung wird immer bleiben, da die großen Rabbiner durch ihre rabbinische Tätigkeit nicht die Möglichkeit haben, an den täglichen Sorgen und Entscheidungen einer Organisation teilzunehmen und dadurch, beim besten Willen der Organisätionsleitung, häufig vor fertige Tatsachen gestellt _ werden, Es werden wohl alle Eingeweihten der derzeitigen Leitung attestieren, daß sie immer bestrebt war, die Fühlung mit den Großen der Tauroh aufrecht zu erhalten und sich nach ihrem Votum in ihren Entscheidungen zu richten. Es wird Aufgabe der Kenessio sein, bei , der Wahl der neuen Exekutive darüber zu wachen, daß darin kein Wandel eintritt, ff Es ist in erster Reihe die Aufgabe der zu wählenden Exekutive, neben der ernsten Frage der Organisierung der großen Massen, die noch nicht bei uns sind, aber ideologisch zu uns gehören, neben der Lösungl der religiösen prakti-l sehen Fragen den1 Kurs 1 zu bestimmen, den politischen Kurs, iiieht nuis gegenüber, der Mandatsmach't Palästina, sondern und vor allem gegenüber den anderen jüdischen Organisationen:. Die Jugend, vor allem Deutschlands, drängt. Sie will Entscheidungen. Sie kann es verlangen, weil gerade sie, mehr als beinahe alle bei der Tagung erscheinenden Agudisten, von dieser Frage das Sein öder Nichtsein ihrer Zukunft1 abhängig glauben. Vieles spricht gegen das* Drängen dieser Jugend. 5 Wird nicht gerade «dieser verzweif elte Druck-nach außen alle Grenzen ün^ Dämme, die halachische Erwägung nachge1 bend. zur Sicherung^ aufstelle über den Haufen rennen?,Die, Jugend.isJ;;.gläubig vertrauend kuf 'liw . '•''•'ISi.:;', ..... ■:■ -;■;•■ >.—_—, . I,,, ßfß[M c h u lia' hl äj Hg, •ijgjjÄ niijfeil^;^rankfu*t;a.:M.' Hinäenburgp|atz 12. am' Hauptbatiiriiof

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