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Der Israelit · 1937-08-05 · Heft 31 (5.8.1937) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 31 (5.8.1937)
Date
1937-08-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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5. August 1937 Der Israelit Nr. 31 Seite 9 Korrespondenzen. Deutsches Reich« Der Hilfsverein warnt. Berlin, 28. Juli. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland mu3 wiederum, vor «Personen warnen, die an Angehörige von Auswanderern herantreten, um von ihnen durch Vorspiegelungen verschiedener Art und häufig unter Berufung auf den Hilfsverein oder den Joint Geld zu erlangen. Insbesondere handelt es sich hierbei um einen Schwindler, der sich. Dr. Frank oder Burnett nennt. Der Hilfsverein bittet, niemandem, der sich auf ihn beruft und sich nicht genau ausweisen kann, ohne vorherige Erkundigung beim Hilfsverein selbst Geld zu geben. Diese Bitte gilt auch für den Joint. Vier Jahre Jüdischer Kulturbund Berlin, Berlin, 28. Juli. Zu Beginn des fünften Jahres des Bestehens des Jüdischen Kulturbundes in Berlin erscheinen die von ihm herausgegebenen Monatsbjätter als Sonderausgabe. In ihnen wird Rechenschaft gegeben über das, was der Kulturbund in den vier Jahren seit seiner Gründung geleistet hat, Es wird ein .Aufruf an die Mitglieder gerichtet, das bisherige Werk zu stützen und auszubauen. Intendant Dr. Kurt Singer schreibt über das Motto „Erleben und Bekennen", das der Kulturbund an den Beginn seines neuen Theaterjahres setze. Kunst sei auch heute lebensnotwendig. Ein Bekenntnis zum jüdischen Kulturbundtheater sei Bekenntnis zur Idee und zur Leistung. Schweiz, Die Verhandlungen der Mandatskommission in Genf. Ormsby-Gore wünscht schnelle Entscheidung, G e n f , 3. August. Seit Freitag verhandelt die Ständige Mandatskommission über den Palästinabericht der britischen Regierung. Keine Mandatskommissionsberatung ist bis jetzt von allen mit so großer Spannung verfolgt worden wie diese Tagung, die über die Zukunft Palästinas zwar noch nicht das letzte Wort sprechen, aber zu ihr einen entscheidenden Beitrag liefern wird. Von den hier anwesenden. Delegationen aller jüdischen Organisationen ist bereits gesprochen worden. Im ganzen befinden sich hier fünf jüdische Delegationen, neben denen der Jewish Ageney, des Waad Leumi, der N. Z. 0. und der Agudas Jisroel auch eine von Stephen S. Wise geführte amerik an ische Abordnung. Die Tagesordnung für*die Sitzungen der Mandatskommission umfaßt fünf Punkte: 1. Prüfung dei noch ausstehenden Punkte aus dem Bericht der Palästinaverwältung für 1935; 2. Prüfung des Berichtes der Pälästinaverwaltung für 1936; 3. Beratung einer großen Zahl von Petitionen, die der Kommission unterbreitet wurden und Palästina betreffen; 4. Prüfung des Berichtes und der Vorschläge der .Kgl. Palästina- Kommission; 5. Prüfung des von der britischen Regierung im Zusammenhang mit dem Paläsünabericht veröffentlichten Statement pf Policy. Am Freitag, den: 30. Juli, vormittags, trat die Kommission zur ersten Sitzung zusammen. Vorsitzender der Kommission ist der Belgier Pierre Orts. Er teilte in seiner Eröffnungsrede mit, daß die Vorschläge der Mandatskommission zu dem Palästina- Bericht dem Völkerbundsrate bei' seiner im September stattfindenden Tagung vorgelegt werden soll. Die erste öffentliche Sitzung ging rasch und ohne besondere Feierlichkeit zu Ende. Am Nachmittag ergriff in nichtöffentlicher Sitzung der Kolonienminister Ormsby-Gore das Wort, um als Führer der britischen Delegation den Standpunkt der englischen Regierung zu erklären. Der Minister betonte die Notwendigkeit für die Kommission, sich nicht allein mit den Unruhen der letzten Jahre zu befassen, sondern das Gesamtproblem aufzurollen. Er schilderte den Teilungsplan als einziges Mittel, die Bestrebungen der Araber und der Juden in Palästina miteinander in Einklang zu bringen? Auf Einzelheiten der Vor« schlage der Kgl. Kommission habe sich die britische Regierung, die den Plan im ganzen genehmigt habe,, nicht festgelegt. , Der Minister erörtert darauf, den Plan der Teilung, wie er aus dem Berichte der Kgl. Kommission und der Regierungserklärung bereits bekannt ist. Das Ziel ist B e e n d i g u n g des Mandats für Trans Jordanien und den größeren Teil Palästinas und Schaffung zweier neuer unabhängig e r s o u v er ä ne r Staaten, eines arabischen und eines jüdischen, Der Minister übersieht die Schwierigkeiten der Ausführungen nicht, man müsse sie aber überwinden, da die Lösung im Interesse des \Friedens Palästinas und seiner Nachbarländer notwendig sei. Einer Grenzkommission, die zur Festsetzung der Grenzen gebildet werden soll, werden große Aufgaben zufallen, und auch die Bildung dieser Grenzkommission müsse auf dieser Tagung besprochen werden. Am Samstag, den 31. Juli, hielt die Mandatskommission ihre zweite geschlossene Sitzung ab, die sichmit den Darlegungen des Kolonienministers befaßte. Ein Mitglied beanstandete, daß die Ausführungen des Kolonienministers den Anschein erwecken, als sei die Teilung bereits eine beschlossene Sache, ob- Die Woche. Leipzig. Der älteste jüdische Friedhof in Leipzig, der Friedhof im Johannistal, wird demnächst aufgehoben werden. Der Friedhof, der 1815 von der Stadt Leipzig zur Verfügung gestellt wurde, ist seitdem im Eigentum' der Stadt verblieben. Bis zur Gründung der Gemeinde Leipzig, i. J. 1946, diente der Friedhöf vornehmlich für ' die Bestattung verstorbener Messebesucher,, bis zur Errichtung des Friedhofes an der Berlinerstraße i. J. 1861 für die Bestattung von Gemeindemitgliedern. Im Jahre 1864 wurde auf dem Friedhof die letzte Bestattung vorgenommen. München. Das Präsidium des Rates des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden hat nach Anhörung der zuständigen Bezirksrabbinate die Kuitusgemeinden Achplshausen fRabbinatsbezirk Kitzingen) und Trappstadt (Rabbinatsbezirk Burgpreppach) als a u f#- gelöst erklärt. Warschau. Ein in Warschau abgehaltenes Tennis-Ländertournier zwischen Polen und Italien ist von dem jüdischen Tennismeister Witt mann gegen den Italiener Quintoviglio gewonnen worden. Die Zuschauer bereiteten dem Sieger stürmische Ovationen und trugen ihn auf den Schultern vom Sportplatz. Kownp. Der aus fünf Mitgliedern bestehenden litauischen Repräsentativ-Mannschaft, die sich zu dem Internationalen Schachtourmer nach Stockholm begibt, gehören drei Juden an. — Bei dem von den litauischen Automobilklubs veranstalteten großen Autorennen „Rund um Litauen" haben die jüdischen Automobilisten Bimstein und Maikin den zweiten bezw. dritten Preis gewonnen. Paris, Viscount Samuel hat in Begleitung seiner Gattin am Sonntag, den 1. August, den Palästina-Pavillon der Pariser Weltausstellung besucht. Er äußerte sich über Anlage und Ausgestaltung des Pavillons sehr anerkennend. — In Paris wurde am 30. Juli der Weltkongreß für Demographie eröffnet. Auf dem Kongreß werden auch jüdische Probleme behandelt werden. Dr. Julius Brutzkus wird einen Vortrag über „Demographie der Juden", Dr. Ignaz Zollschan über „Die Bedeutung des Rassenfaktors für die Entstehung der Kultur" halten. — Dr. David Schweitzer, der Vizepräsident des europäischen Council des American Joint Distribution Committee und Finänzdirekior des Joint, ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. Es soll darin ein Zeichen gesehen werden, wie die Französische Regierung die Arbeiten des Joint Distributio-i Committee in Frankreich und in anderen Ländern einschätzt. Jerusalem. Der 32iährige Sohn des verstorbenen zionistischen Führers Dr. Jechiel Tschlenow, Segw T s c h 1 e n o w , ist in der Kwuza Mischmar Haemek tödlich verunglückt. Er wurde von einem wildgewordenen Stier aufgespießt. wohl die Mandatskommission über den Plan noch gar nicht gesprochen habe. Auch am Samstag ergriff Ormsby-Gore das Wort und ging nach Erörterungen der Lage in Palästina auch auf die Lage der Juden in der Welt ein, die die Bedeutung der Balfour- Deklaration erst ins rechte Licht rücke. Er berichtete auch über das Scheitern der Bemühungen zur Einberufung des Legislative Council. Der Minister wünscht eine sofortige grundsätzliche Entscheidung, um im Anschluß daran die Einzelheiten und auch die Befugnisse der Grenzkommiss'ion zu beraten. Die~britische Regierung sei daran interessiert, daß die Angelegenheit m ö g - liehst schnell geklärt werde. In der Debatte wandten sich mehrere Mitglieder dagegen, das Projekt in so großer Eile durchzupeitschen. Die festgesetzte Tagesordnung sehe übrigens vor, daß zuerst über die Berichte der Palästina-Verwaltung für 1935 und 1936 wie über die diversen Petitionen beraten werde. Montag und Dienstag werden die Beratungen, wiederum in nichtöffentlicher Sitzung, fortgesetzt. - . ■ Tschechoslovakei. Jüdische Gemeinde-Autonomie in der Tschechoslovakei. Prag, 28, Juli. Am 1. August endet die Frist, die das Innenministerium den jüdischen Kultusgemeinden zur Ueberreichung von Vorschlägen über ihre Organisation gestellt hat. Der Oberste Rat der jüdischen Kultusgemeindenverbände in Böhmen und Mähren.-» Schlesien hat einen Entwurf ausgearbeitet, durch den das allgemeine und geheime Proportionalwahlrecht in den jüdischen Gemeinden eingeführt wird. Höchstes Vollzugs- und Kontrollorgan soll der Oberste Rat der jüdischen Gemeindeverbände mit einem Rabbinerkollegium und einem Rabbinatsgericht in religiösen Fragen sein. Die Verhandlungssprache des Obersten Rates soll nach dem Entwurf tschechisch sein. - Polen. Nachspiel zu dem „Erlösungsmarsch nach Palästina", Warschau, 30. Juli. Der Führer des abenteuerlichen „Erlösungsmarsches der Zehntausend" nach Palästina, Adv. Wilhelm R y p p e 1, ist von einem Warschauer Amtsgericht wegen Wachebeleidigung zu 300 Zloty Geldstrafe oder 15 Tagen Gefängnis verurteilt worden» Der Angeklagte gab zu, beleidigende Aeußerungen gegen die Polizei getan zu haben, als sein Zug 16 km von Warschau entfernt aufgelöst wurde. Es sei dies aber in Erregung geschehen, als er sah, daß seine Leute blutig mißhandelt wurden. Auf Fragen der Verteidiger erklärte Ryppel, er habe zwar keine schriftliche Erlaubnis zu der Veranstaltung des Marsches gehabt, jedoch geglaubt, daß eine solche nicht erforderlich sei. Der Regierungskommissar sei über alle Einzelheiten unterrichtet gewesen und auch dem Ministerpräsidenten habe er seine Absichten in einer dreiviertelstündigen Audienz dargelegt. Jüdische Gemeinde Warschau zum Teilungsplan. Warschau, 27. Juli. Die Warschauer Jüdische Gemeinde hat an Kolonienminister Ormsby-Gore folgendes Telegramm gerichtet: „Als größte jüdische Gemeinde der Welt begrüßen wir. das in dem Bericht der Kgl. Kommission enthaltene Versprechen, den jüdischen Staat wieder zu errichten, protestieren aber gleichzeitig dagegen, daß für den jüdischen Staat Grenzen bestimmt werden, die im Voraus seine Lebensfähigkeit vernichten und zu der Balfour-Deklaration und zum Mandat im Widerspruch stehen. Wir appellieren an das Gewissen und die Großmut der großen englischen Nation und -fordern sie auf, die erhabenen humanitären Verpflichtungen vollständig zu erfüllen, die sie gegenüber dem jüdischen Volk durch die Balfour-Deklaration übernommen hat." f Frankreich. Eröffnung des Internationalen Pavillons auf der Pariser Weltausstellung. ° Paris, 29. Juli. In der Ansprache, die der Generalkommissar der Pariser Weltausstellung, Labbe, anläßlich der Eröffnung des Internationalen Pavillons gehalten hat, widmete er auch anerkennende Worte den Kulturellen Leistungen, die von Juden vollbracht worden sind. In dem Internationalen Pavillon ist auch eine jüdische Kulturausstellung untergebracht, die Anfang August eröffnet werden soll, i „Wir freuen uns," sagte Generalkommissar Labtse, „daß unter den vielen Nationen, die in diesem Pavillon Platz gefunden haben, sich auch eine befindet, die unter alle Völker zerstreut ist, und trqtz dieser Zerstreuung hohe kulturelle Werte hervorgebracht hat." - England. Wird Degania dem jüdischen Staatsgebiet s einverleibt? London, 28, Juli. In der Unterhaussitzung vom 28. Juli setzte sich der Abgeordnete Thos. Williams warm dafür ein, daß der Frage der künftigen staatlichen Zugehörigkeit v^jn Degania, der ersten jüdischen genossenschaftlichen Siedlung in Palästina, besondere Aufmerksamkeit gewidmet werde. Nach den vorläufigen Vorschlägen der Kgl. Kommission soll Degania, das am Ostufer des Tiberias-Sees liegt, nicht in das Gebiet des geplanten jüdischen Staates fallen. Unterstaatssekretär Sir Lambert Ward, der die Anfrage im Namen des Kolonienministers beantwortete, erklärte, es würde reichlich Zeit zur Prüfung solcher Fragen sein, bevor die endgültige Entscheidung über die Grenzziehung gefällt wird. Als Abg. Williams seine Forderung erneut vorbrachtei und hervorhob, daß schon bei der ersten Teilung Palästinas Degania aus dem Gebiet Transjordaniens ausgenommen worden ist, antwortete Sir Lambert, er glaube, daß diese Frage jetzt von dem Kolonienminister erwogen werde, (ITA.)

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