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Der Israelit · 1937-07-29 · Heft 30 (29.7.1937) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 30 (29.7.1937)
Date
1937-07-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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29;fJuli 1937 Der Israelit Nr. 30 Seite 7 Nach einer Schilderung «der Hintergründe dieser Ausschreitungen wird der Ministerpräsident als Regierungschef und Innenminister, gefragt, ob ihm die Ereignisse in Czenstochau am 19. Juli und den folgenden Tagen bekannt seien, ob eine Untersuchung darüber geführt worden sei, warum die Situation nicht von Anfang an beherrscht (wurde, ob die Schuldigen,' zur Verantwortung gezogen werden würden, und ob die Regierung beabsichtige, Maßnahmen zu treffen, um eine Agitation .zu unterbinden, die zu antijüdischen;'Unruhen, ' zur Vernichtung von jüdischem Hab und Gut und zur Beraubung der jüdischen Bevölkerung ihrer Arbeit und ihres Verdienstes führt. Es wird gefragt, ob die Regierung Maßnahmen treffen werde,, um der jüdischen Bevölkerung die Sicherung von Leben, Gesundheit und Vermögen zu garantieren. (ITA,) England. ' Kalenderreform. London, 22. Juli. In der letzten Sitzung der Anglo Jewish Association teilte Chiefrabbi Dr. Hertz mit, daß ein Wiedererwachen der Agitation für die Acht- Tage-Wbehe festzustellen sei. Diesmal seien die treibenden Kräfte nicht die großen Universitäten und Gelehrten-Gesellschaften, sondern amerikanische Finanzkreise. Unglücklicherweise habe die Sache dies mal einen Anstrich, der recht gefährlich aussieht. Chile ist veranlaßt worden, die Sache als Mitglied des Völkerbundrates zur Sprache zu bringen und es ist tatsächlich in einer vorbereitenden Sitzung beschlossen worden, den Gegenstand auf, die Tagesordnung der Rats-Sitzung im September zu setzen. Der Plan würde, wenn er ausgeführt werden sollte, die Kontinuität der überlieferten 7 Tage-Woche zerstören und einen schweren Gewissensdruck für die religiösen Kreise zur Folge haben. Nach den Palästmadebatten im Ober- und. Unterhaus. London, 25. Juli. Das überraschende Resultat der Unterhausdebatte am Mittwochabend haben wir bereits an leitender Stelle, der jüngsten Ausgabe gebracht. ..Ueber den Gang der Debatte, die diesem Beschluß vorangegangen ist, sei noch einiges, nachgetragen; . .. . .-_ Die Aussprache begann unter außerordentlicher Spannung und bei Anwesenheit der gesamten Regierung mit dem Ministerpräsidenten an der-Spitze'mit einem ausführlichen Expose-*'des Köloriienministers über die Arbeit der1 "Kommissiöh. Nach ihm begründeten die Abgeordneten Morgan Jones und1 Themas Williams im Nanie'n der '■ LabWr-Party einen Abänderungsantrag, in dem Sinne, daß die Vorschläge der Kommission noch einmal von einer gemeinsamen Kommission überprüft werden, bevor sich' das Parlament. auf sie festlegt. James de R oth s c h i 1 d macht als' erster der Komriussionden Vorwurf, daß ' sie ihre Aufgabe überschritten hätte. Sie habe nicht allein Mandat und Balföür-D'eklärätion zerrissen, sondern auch Pal ä s t i n ä s e 1 b s t. Es folgt - darauf die bereits dem Sinne nach wiedergegebene Rede von Winston Churchill zur Begründüng seines Antrages, der auch von Lloyd George warm unterstützt wird. Für die Opposition spricht Herbert Morrison und im Namen der Liberalen Sir Archibald S i n c 1 a i r7 auch der ehemalige Kolonienminister r A m e r_.y.- Letztere . plädieren für eine Aussprache und Verständigung zwischen Juden und Arabern.! . .Der Kolonienminister verteidigte in seiner Rede die Stellung Aer] .Regierimg- und gab:. bekannt, daß' die Araberstaaten den, Peel-Bericht nicht schlechtweg ablehnen. ^Der, Peel-Bericht wird für. imm^ri als, endgültige^ Feststellung . der .''justprischeh. Wahrheit bestehen \bleib,en.".. Zuni sog. M a c M a h o n i-.B r ije f, auf den, sich .die _^ab,crvfjqr..jtf»d! ^üjJerhalb .Palästinas berufen, sagte-der.. Minister, er habe 1916; im, arabischen, Büro unter Leitung von MacMahon ige-, arbeitet und könne"' erklären, daß 'ni&ma'ls Sein Mitglied des Büro versprochen habe, Palästina westlich des Jordan zu den Gebieten zu zählen, in denen eine arabische Unabhängigkeit; zu fördern sei „Die Balfour-Deklaration war ein überlegter Akt des gesamten Kriegskabinetts". Es sei nicht Palästina als 'Heimfürdie ' Juden, sondern ein jüdisches NätiorialEeim 'in/ Palästina versprochen worden. Wedelder Judenstaat noch arabische Selbstverwaltung können unter'dem Mandat verwirklicht werden. Der Minister1 erklärt im weiteren den Plan der Dreiteilung des Landes 'und 'hält "'das weitere Verbleiben Englands 'in Palästin'ä .als ' wesentlich für die freundschaftliche Regelung ' zwischen den Nätiiönaiitä^en. Es genüge vorerst; daß der!a I i g e?m e i n e^.Gr 11 ti ds ä t z der' Teilung1' vom'1 Parlament angenommen werdet' ' [ Nach weiterer,, Aussprache wird Churchills' Ab"; ändervingsantrag, in der von uns berichtete^ porm a n g e n ö~mm e n. . . ,-: : Preisseglossen in England und Palästina, - - " L 0i'rid o riy-.26. Juli. Die Londoner Zeitungen nehmen keine einheitliche -Stellung zur' Entschließung des Unterhauses -ein. Der „Star" stellt fesj, daß wohl viel kritisiert,; aber von -keiner Seite ein annehmbarer ^Gegenvorschlag gemacht wurde. „Daily Herald" sagt, die Regierung wird aus' den Debatten die Ueberzeuguug gewönnen haben, daß die Teilung keine brauchbare Lösung darstelle. „Manchester Guardian" rät den Juden, sich dennoch mit dem Gedanken der Teilung vertraut zu mächen. Der Plan werde segenverheißend werden, wenn die unumgänglichen kleinen Aendferungen getroffen sind. Die-jüdische Presse Palästinas begrüßt mit Genugtuung die Entschließung des Unterhauses, Die Niederlage des ursprünglichen Regierungsantrages, so schreiben die Zeitungen, habe eine ermutigende Wirkung auf die palästinensische Bevölkerung ausgeübt. „Dawar" ersieht aus den Debatten, daß die Mehrheit der englischen Parlamentarier der Mandatsziele eingedenk bleibe. Die Woche. Paris. In Marseille ist in hohem Alter der aus Saloniki stammende Finanzier und Philanthrop Alfred M i z r a h i gestorben. Er war der Gründer der „Banque de Salonique",' die er jahrelang geleitet hat. Der Leitung des großen Tabakkonzerns „Ths Commercial Company of Salonica Ltd." gehörte er bis zu seinem Tode. an. Jüdische und nichtjüdische Wohlfahrtseinrichtungen , waren von ihm stets in, reichem Maße gefördert worden. Belgrad. Durch königliches Dekret ist der Richter am Appellationsgerichtshof Avram R u s s o zum Mil- ' glied des Obersten Gerichtshofes Jugoslayiens ernannt worden. Es ist das erstemal, daß ein .Jude dem Obersten Gerichtshof angehört. Athen. In hohem Alter ist in;Arta der Öberrabbiner der dortigen Jüdischen Gemeinde, Samuel D a n i e 1, gestorben. An der Beisetzung nahmen alle Mitglieder der ."Jüdischen Gemeinde, der griechisch -orthodoxe Bischof, der,Bürgermeister der Stadt, der Polizeidirektor und Vertreter aller Zivil- und Militärbehörden teil. Der Sarg wurde von einem Ehrenbataillon der griechischen Armee begleitet, der städtische Chor sang Träüefchoräle. Tel Awiw* Im > Alter von 69 Jahren ist das Mitglied der Bilu^Gruppe,' die 1889 die' Kolonie Chedera gegründet hat,.;Menachem Mendel Chan- - k i nein Bruder des durch seine Tätigkeit bei den Bddenkäufen bekannten Jehoschua Chankin, gestorben. In der „Times" nimmt Sir Henry MacMahon zu dem vielgenannten MacMahon-Brief zugunsten der Araber selbstdas Wort: „Im Laufe der letzten, Debatte in beiden Häusern des Parlaments, schreibt' -Sir Henry, ist vielfach auf dÄ5 „MacMahon-Versprechen" ..Bezug genommen worden, insbesondere auf den jTe^l des Versprechensi der Palästina betrifft und für das eine Interpretation von den Juden und eine andere von den Arabern verlangt' wurde. Ich fühle mich'daher veranlaßt, eine Erklärung zu dem Gegenstand abzugeben, aber ich will mich dabei auf den jetzt in Frage stellenden Punkt, beschränken, d. h., ob beabsichtigt war oder.; nicht, daß der Teil Syriens, der jetzt Palästina heißt, in die Gebiete eingeschlossen werden sollte, für welche in meinem Versprechen die Unabhängigkeit der Araber garantiert worden ist. Ich halte es für meine Pflicht, zu erklären, und ich tue dies bestimmt und nachdrücklich, daß ich, als ich dieses Verspre chen König Hussein gab, nicht beabsichtigte, Palästina in das Gebiet einzuschließen,1 für das arabische Unabhängigkeit versprochen wurde. Ich hatte damals auch allen Anlaß zu glauben, daß die Tat- Sache, daß Palästina in "meinem Versprechen nicht einbegriffen war, von König Hussein wohlverstanden worden ist." Die Fortsetzung der Oberbausdebatte. London, 25. Juli. In der Fortsetzung der Oberhausdebatte am Mittwoch sprach nach den bereits genannten Rednern auch Lord R e a d i n g. Er-gehöre einer zionistischen Organisation nicht an, erklärte er, daher könne er ganz objektiv urteilen. Die Kommission habe seiner Ansicht 'nach ihre Befugnisse weit überschritten. Lord Strabolgi erklärt als Fachmann, daß vom militärischen Gesichtspunkte aus der Teilungsvorschlag gänzlich unbefriedigend sei. Sprecher der Regierung war am Mittwoch Luftfahrtminister Lord S w i n t o n. Er ist der gegenteiligen Meinung, daß der Vorschlag alle stategischen Gesichtspunkte berücksichtigt. Der jüdische Staat würde ganz' unabhängig sein. Die Kommission gäbe sowohl den Arabern wieden Juden das unschätzbare Geschenk der Freiheit und des Friedens. Eine Entschließung wurde im Oberhause nicht angenommen. Bulgarien« Aüfenthaltsrecht für türkische Juden in Bulgarien. Sofia, 19. Juli. Nach längeren Verhandlungen hat die türkische Regierung sich bereit. erklärt, 200 türkisch-jüdischen Familien, die von Ausweisung bedroht waren, weil ihre alttürkischen Pässe von der neuen Regierusg nicht anerkannt wurden, provisorische Pässe auszustellen. Die bulgarischen Behörden haben daraufhin diesen Familien Aufenthaltserlaubnis erteilt. , Emir. Abdullah' von Transjordahiett' ' war;als,> der kommende , K 0ni;g von, Ar.abi-e n bei" einer Teilung-Palästinas gemannt worden. Indes scheint " seine Popularität bei der M ü f t i p'a r't e i, die heute die Palästinaaraber beherrscht, nicht' s'ehigroß zu sein. Seine Botschaft, nach Veröffentlichung des. Peel-Berichtes, - die durch ihren f mäßige.n'; Tor. sich-vonden schärf en; (Sprache der arabischen Führer stark abhebt, ist vom Obersten Ätfa bi s c<h;e n Komitee sehr kühl aufgenommen worden. »' Personalien* » Trauerfeier um Rabbiner Dr. Lichtig ^»^T. Hamburg, 26. Juli. Zu einer außergewöhnlich eindrucksvollen Trauerfeier gestalteten sich die bangen wehmutsvollen Stünden, in denen sich alle Rabbiner Großhamburgs, die Spitzen der Gemeinde und des Synagogenverbandes wie die Vertreter der verschiedenen Institutionen und ein stattlicher Kreis von Schülern, Freunden und Verehrern um die Bahre von Rabbiner Dr. Lichtig ^»"stzum ewigen: Abschiednehmen scharten; In stilleip, ernstem Schweifen, mit weinendem Herzen lauschte^ der große Kreis der Versam- . melten 4en stilvollen, gedankenreichen Worten, mit denen "de* 'Oberrabbiner noch einmal die Persönlichkeit^ das-Wesen und Wirken! des Verewigten in gc- 'treuer Nachformung> meisterhaft;, zeichnete^ und die; ganze Schwere des,. Verlustes fühlbar .machte.' Im Hause, an der Stätte trauten vorbildlichen Familienlebens zunächst widmete Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach innige tief ergreif ende Worte aufrichtiger Trauer. Tiefergriffen nahm dann noch einer der vielen Schüler, Herr B, J, Jacobson, von dem Lehrer und Meister Abschied. Der ganze tiefe Schmerz des Jüngers beim Heimgänge seines'-'"»an durchzitterte die innigen Worte der Würdigung. Die wunderbare Meisterschaft im Lehrvortrage wie die seltene Hingabe an seinen Beruf wie an seine Schüler, die dem '"viel Betrauerten eigen waren, 'sichern ihm ewiges Gedenken und dauerndes Fortleben im Munde fund im'Geiste der Schüler und Verehrer. 7. n-asjn Hamburg, 23.,. Juli. Im..Alter von 74 Jahren starb Rabbiner Dr. Immanuel P/1 ät o, Rabbiner an einer der Hamburger Klaus-Synagogen. Er amtierte seit 1901' in Hamburg und "ist literarisch mit zahlreichen Arbeiten über religions-philosophische Themen hervorgetreten. ltJ Ausführliche Würdigung erfolgt in nächster Kummer.

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