Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1937)
- Date
- 1937-07-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 30 Der Israelit W 29, Ji^li 1937 „Großartigkeit" unsrer Geschichte, um ihrer Wahrheit willen. Wie steht es mit dieser Wahrheit? Ist es überhaupt möglich, daß die Thora statt am Ad fang am Ende der biblischen Bücher, statt Ausgangspunkt aller Prophetenreden ihr Abschluß gewesen ist? e Das ist unmöglich. Denn noch vor der Sammlung des Kanon durch die Männer der großen Synode hat sich ein Zweig vom Judentum getrennt, gleich bei Beginn des zweiten Reiches, und dieser hat, noch bevor Esra nach Erez Jisr.ael kam, schon die ganze Thora in ihrer Endgestalt mitgenommen und beibehalten, das sind die Samaritaner. Dieses Faktum macht die ganze Wellhausen sehe Hypothese zunichte. Denn es ist unmöglich daß diese Feinde des jüdischen Volkes von Esrä ihrem bittersten Gegner, 100 Jahre nach ihrer Trennung, sein neues Gesetzbuch übernommen hätten. Vielmehr müssen sie das Fünfbuch schon vor der Zeit des babylonischen Exils, da mals noch in der althebräischen Schrift, als ein , zige und wichtigste Urkunde der G'ttesoffen barung sich zu eigen gemacht haben. Auerbach wußte das; er fühlte, daß an den Samaritanern, diesen Gegnern des Judentums, die Einheit und Echtheit der Tora Moses sich unwiderleglich erweise. Was ist zu tun? Er müßte die ganze Geschichte der Samaritaner umformen, mußte aus den Feinden Israels, die Serubabel 586 zum Tore hinauswies, zu Freunden und Bundesgenossen Israels machen, mit denen sogar Esra zuerst paktiert und dann plötz lieh wieder gebrochen hat. Darum mußte alles für gefälscht erklärt wer den, was die letzten Bücher der Bibel über die Schomronim berichten. So kommt er zu dem Versuch mit untauglichen Mitteln, aus Secharja 7, 2 eine Belegstelle für die Verbindung der Samaritaner mit dem Tempel zu Jerusalem her zuleiten, ein Versuch, dessen Sinnlosigkeit wir im Früheren dargelegt haben. Mit anderen Worten nach Auerbach hätten die Bearbeiter der Bibel die Fälschung der Thora als eines uralten Gesetzbuches Israels mit der Fälschung der Geschichte der Samaritaner gedeckt. Aber warum denn? Lag doch den Gesetzgebern jede „Absicht der Täuschung" fern. Warum erdichteten sie denn die Legende, Serubabel habe die Sa-» maritaner so brüsk abgewiesen? Und diese Entstellung des wahren Hergangs, der noch in aller Erinnerung war, mußte sich doch allen Zeitgenossen als ein Betrug selbst entlarven! Eine Behauptung, deren Unwahrheit zutage kommt, wird doch niemand aufstellen. (Jebamoth 93.) Wäre es für Esra nicht weit angebrachter gewesen, sein neu proklamiertes Gesetzeswerk dadurch in seiner Autorität zu stützen, daß er darauf hingewiesen hätte, sogar die feindlichen Kuthim haben es angenommen und sanktioniert? ' Aber Auerbach beweist selbst wider seinen Willen die Unnahbarkeit dieser Behauptungen. Auf S. 248 nennt er einen Abschnitt: . Die Verpflichtung auf das Gesetz. Iis "heißt **da: am 1. Tischri 445 berief Nehemia. eine allgemeine Versammlung des Volkes:' Esra/' verliest „sein Büch des Gesetzes"-1 Den Höhepunkt bildet der 24. Tischri. „An diesem Tfige . . , wurde in feierlichem Bundesschluß zwischen G'tt und Volk ein Dokument des Vertrages ('amanah) unterzeichnet, in dem das Volk sich auf das Gesetz verpflichtet.";,Di& Verpflichtungsurkunde ist im Wortlaut erhälten und ist eines unsrer wie h't i g - sten geschichtlichen Dokumente . . . leider aber fehlt die Erzählung über den Bundessc h. 1 u ß s e 1 b s, t." (Natürlich, denn er hat nicht -stattgefunden. -Auerbachs „leider" ist köstlich. Herzliches BeileidO „Die Bestimmungen dieses Vertrages, den man die Konst i.t u t i o n des n e ü e ri'Ju -; dentums nennen * kann, v e r.d i e n e n d i e höchste Beachtung," (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Deutsches Reich» Neues Vorstandsmitglied der Berliner Jüdischen Gemeinde, Berlin, 23. Juli, In einer am Freitag Nachmittag stattgefundenen Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde wurde die Amtsniederlegung von Direktor Georg Kareski als stellvertretender Vorsitzender der Berliner Jüdischen Gemeinde zur Kenntnis genommen und Ministerialrat i. R. Fuchs zum Mitglied des Vorstandes der Gemeinde gewählt. Entsprechend den. Gepflogenheiten ist zu erwarten, daß über den Verlauf der Sitzung ein offizielles Communique der Gemeinde herausgegeben wird. Die Lage bei der Iwria-Bank in Berlin. B e r 1 i n , 26. Juli. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin teilt mit: Infolge über den Rahmen einer Genossenschaftsbank hinausgehender Kreditgewährungen waren bei der Iwria-Bank G. m. b. H. in Berlin Liquiditätsschwierigkeiten eingetreten. Im Interesse der Einleger und zur Vermeidung wirtschaftlicher Störungen haben die ' Gemeindebehörden Maßnahmen zur ordnungsmäßigen Fortführung der Geschäfte eingeleitet. Im Zusammenhang hiermit ist die Geschäftsführung in andere Hände gelegt worden; eine demnächst - zusammentretende Genossenschaftler- Versammlung wird einen neuen Aufsichtsrat und Vorstand wählen. Fortbildungskurs . des Jüdischen Lehrervereins ' :; in Bayern. Würzburg, 23. Juli. Von Dienstag, den 20. Juli bis Donnerstag; dea 22. Juli, fand in der Turnhalle der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg ein Fortbildungskurs des Jüdischen Lehr.eryereins statt. Es gab ein"" vollbesetztes Haus '-und alle waren , mit Interesse dabei. So lösten auch die Vorträge, welche eine persönliche; Stellungnahme zu, im allgemeinen noch -nicht ausgereiften Problemen ^erforderten, lebhafte Diskussionen aus, wie das Referat des Herrn Dr. L e s c h - n i t z e r , Berlin, Arbeit 4er . Schulabteilung in der Reichsvertretung''," welches mehr' oder weniger in eine Betrachtung--über das Problem „Deutschunterricht in der jüdischen Schule" hinauslief, oder der. Vortrag des Herrn.' Dn J a c o b s o hjft , Berlin, über „Methodik des, mp,d^rn^n;HebKä^sch'*,^^^^s Herrn Dr. .L ubins k?:,;'Be.rlih,;ii,Diei^Prpbletne' der" Berufsausbildung der 14' bis 17Jährigen", .."Herr Direktor S t o 11 sprach über „Probleme der Naturwissenschaft und ^Weltanschauung". Bei den genannten Referaten konnte man eine mehr 'öder weniger kritische Stel« lungnahme einnehmen und: äußern; bei den Mischna* vortragen des Herrn .Rabbiner W e i.ß war man aber nicht nur interessiert,! sondern man mußte ihm geradezu andächtig in;die fSphären seines talmudischen Wissens folgen. Ein Besonderer Genuß 'war auch das Referat;! des Zeiche^ehrers.: Herrn Zi&'g he ri, München, :,,ZeichenünteTricht; und Kunstbetrachtung". Hier sprach der«; Künstler.;;Mit' -Leibesübuhg^ii unter Leitung, des Herrn Oberlehrer B o e h m endigte jedes Tagesprogramm.': ..;h Vi; * 'v 1: /Man fühlt sieh iu ' Dank , verpflichtet; gegenüber der ■ Vorstandschaft vdes Lehrervereins;;und>'C^en Referenten %ür die gelungene Tagung ünd\ la'st. >not least' gegenüber der Leitung; der Lel^rerbUdungsänstalt ' für die Vorzügliche Verpflegung.*•'j^:.-5''! Schweiz. Von der Mandatskommission. .-. Wv';-':1- .':. G e n i ,*;22. Juli. Auf eine Abfrage" im Unterhause wird bekanntgegeben, . daß,,; der 'Kolonienminister Ormsbly- G o r e , der frühere Chefsekretär 'von Palastina, John H. Hall und der Sekretär der Kgl. Koibmission,' J, M a r t i n , sich: na;ch . Genf begeben, um die, britische Regierung vor. der;.. M a n.d,a t sk o.mmi ssi o.n jzu vertreten.. <(...... , .;. tDie Nachricht, daß der Großmufti in Jerusalem und N a sh a shib i, die sich zu diesem Zweicke'^ die Hand reichen, ebenfalls' zur; Berätüug, i'der>' Mandatskommission;.nach'' Genf kommen, i„wird' dementiert. , .....-.. i Rumänien.- ' Neue Leitung der Jüdischen Gemeinde Czernöwitz. C z e'r n p w i t z , 22. Juli. An der in Czernöwitz durchgeführten Neuwahl der Vertretung der' Jüdischen Gemeinde haben 8893 Wähler teilgenommen. Von den 50 Mandatejri entfielen 14 auf die Liste Dr. Gutherz (Agudas Jis. roel), 10 auf den „Bund", 9 auf die Liste Dr; Ebner. 8, auf die Liste Dr, Menczer, 6 auf die Liste" Greif 3 auf die Liste Steinberg. Bei der in Anwesenheit von 41 Mitgliedern der Gemeindevertretung vorgenommenen Wahl des Vorstandes wurde nach mehreren Wahlgängen Dr. Karl G u t h e r z zum Gemeindevorsitzenden gewählt. * * Bei antijüdischen Kundgebungen am 22, ds. wurden der 70jährige Kaufmann Nathan Brodmann und Asriel Blaukopf so schwer verletzt, daß sie ir.s Krankenhaus gebracht . werden mußten. Wie nachträglich gemeldet wird, konnte einer der Täter ver« haftet werden. - Polen. Die Haltung Polens zum Palästinaproblem, Warschau, 22. Juli. Aus,polnischen politischen Kreisen erhält die ITA, folgende Darstellung über die Haltung Polens zu dem Palästina-Problem im Zusammenhang mit dem Bericht der Kgl. Kommission. ■ Die polnische Regierung stand dem Streben der verschiedenen Völker nach Selbständigkeit stets mit größter Sympathie gegenüber. Eine besonders positive Haltung nimmt Polen gegenüber den Bestrebungen und Idealen des Zionismus ein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Palästina aufzubauen und dort ein Heim für Millionen Juden zu schaffen, was die Juden in Polen in so hohem Maße betrifft. Die bejahende Einstellung der polnischen Juden zum Zionismus und seinen Bestrebungen ist auch auf internationalem /Forum bei verschiedenen Gelegenheiten zum Ausdruck' gekommen. ' Das von der Kgl; Kommission vorgeschlagen Teilungsprojekt kann nur insofern begrüßt werden, als es wirklich die, Entstehung eines unabhängige» jüdischen Staates beschleunigt; es muß aber berücksichtigt werden, daß das kleine Gebiet, in dessen Rahmen der jüdische Staat entstehen soll, seine Aufbaumöglichkeiten stark einengen wird. Die vorgesehenen Grenzen zwischen dem jüdischen und dem arabischen Palästina sind für die Juden, die ein aktives; Element sind, ungünstig, ausgefallen. Im Rahmen ihres eigenen Landes werden die Juden d;e Möglichkeit haben, in den ersten Jahren eine größere Einwanderung aufzunehmen, sie werden aber dann bald die Einwanderung einstellen oder jedenfalls stark, beschränken, müssen. Die starre Festlegung von Grenzen muß daher als unerwünscht für die jiidische -Expansion bezeichnet werden.. Es wäre noch verfrüht, über das Vorgehen Polens auf internationalem Boden in der Sache der britischen Regierungserklärung etwas zu sagen. Die Texte der Berichte; und der^Erklärung sind jetzt Gegenstand sorgfältigerLprüfung. Es werden auch die Aeußerungen und Vorschläge der interessierten Gruppen gesammelt, insbesondere die der polnischen Juden. Das gesammelte Material wird gründlich bearbeitet und soll die Grundlage für die Orientierung der maßgebendenpolnischen Kreise bilden, die be' rufen - sind, zu dem ganzen Fragenkomplex Stellung zu nehmen, r —- ■- \ '.; Neue Palästinazertifikate, sollen sofort ausgegeben werden. Waise hau, '23. Juli. Natfh Meldungen der jüdischen Presse Polens sollen1''die^.SÖOO1'. Palästittä'-Eihwanderungszertifika'te für die Zeit Vom 1. August 1937 bis;l. August 1938 von der britischen Regierung der Exekutive der Jewish Agency sofort ausgefolgt werdend 60 Pröz. der Zertifikate sollen auf/Polen entfallen.' .Die1'Zertifikate sol- "lep. nur 1äh''Fanutien!rabigeg'feben'Veird^n/ Interpellation im polnischen; Sejm über die Ausschreitungen in Czenstochau. Warschau, 25. Juli. M der auf 2"4. Juli abgehaltenen Sejm-Sitzu.nif wurde die von dem Abgeordneten Dr. J. G*o 11 Ii e beingebrachte Interpellation über die j u d.e n f e i n dliehen Au s s ehr e i t u n g e n; verle^en^ Die Interpellation, schildert kürz den .Vorfall, uef zu diesen, Ausschreitungen .geführt hat,, berichtf* darin über, die behördlichen Maßnahmen, die auf die Vorstellungen von - Vertreternder Jüdischen Gemeinde hin ,getroffen worden sindSund . beschreibt dann;!den Verlauf der Ereignisse,' wie ,sie sich Uli' Anschluß' an ein«? flafiofiälradikale Versammlung, entwickelt rhaben«;' Trotz '--der Schwierigkeiten,, denen Schadensermittlung begegnete, wurden. -206 Familien* festgestellt, die Schäden in der Höhe vqn 300.0^0 Zloty erlitten haben. Neben der großen Zahl nicht gemeldeter Personen, die leichte' Verletzungen fr' litten haben, wurden zwanzig Fälle schwerer-:K8rperbeschädigung registriert. v :