Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1937)
- Date
- 1937-07-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2450990--83145-2541138- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 2× ep/1047930
- Amman 1× ep/1044017
- Lod 1× ep/1045074
- Ramat Gan 1× ep/1048073
OCR text
Seite 8 Nr. 30 Der Israelit 29. Juli 1937 E R E Z ISRAEL Allerlei aus Erez Israel. "Jerusalem, 26. Juli, Daß die ernstlichen Versuche der MandatarmachI, eine reinliche Scheidung, auch auf Kosten der beiden Nationalitäten, herbeizuführen, zunächst zur Besinnung und Befriedung beigetragen haben, läßt sich nicht verkennen. Trotzdem gibt es noch eine sog. nSchwarze Hand", der noch am letzten Dienstag zwei Araber zum Opfer gefallen sind. Es handelt sich um zwei arabische Bodenmakler in Haifa und in Jaffa, die von Mitgliedern der genannten Terror - Organisation erschossen wurden. An verschiedenen Stellen fand man auch wieder Waffen. An der Eisenbahnkreuzung von Lydda platzte eine Bombe, ohne Schaden anzurichten. Aus Amman wird gemeldet, daß dort zwei Araber aus Jerusalem unter der Beschuldigung verhaftet wurden, die Ermordung mehrerer transjordanischer Notabein geplant zu haben. Die in B e i r u t erscheinende arabische Zeitung „El Lahar", ebenso die Bagdader Zeitung „Istitklal" wurden in Palästina für 14 Tage verboten. Sie hatten nämlich Berichte über Unruhen in Palästina gebracht, die vollkommen aus der Luft gegriffen waren. Der Kommandant des auf der Reede von Jaffa ankernden englischen Kriegsschiffes „Hasting" hat dem Bürgermeister von Tel Awiw einen offiziellen Besuch abgestattet. Mehrere amerikanische Senatoren und Staatsbeamte sind in Palästina eingetroffen, die, ohne ihrer Mission einen offiziellen Charakter zu geben, die Lage in Palästina kennenlernen wollen. Der städtische Haushalt von Jerusalem und Tel Awiw im letzten Finanzjahr, Jerusalem, 22. Juli. Die „Palestine Gazette" veröffentlicht Einnahmen und Ausgaben der Städte Jerusalem und Tel Awiw, in dem am 31. März 1937 abgelaufenen Finanzjahr. Die Einnahmen von Jerusalem sind mit 77,812 Pfund um rund 1000 Pfund hinter dem Voranschlag zurückgeblieben. Die tatsächlichen Ausgaben betrugen 120.962 Pfund, um 15.500 Pfund weniger als in dem revidierten Voranschlag vorgesehen war, jedoch um 15.000 Pfund mehr als nach dem ursprünglichen Voranschlag erwartet wurde. Die Abrechnung enthält keine Angaben über die Abdeckung des 43.000 Pfund betragenden Defizits. Es werden auch keine näheren Angaben über die 51.387 Pfund betragenden »außerordentlichen Ausgaben" gemacht. Die Einkünfte der Stadt Tel Awiw dagegen waren um 8000 Pfund höher als die Ziffer des Voranschlages. Sie betrugen 472.305 Pfund. Die tatsächlichen Ausgaben machten 466.907 Pfüfld aus, um 22.000 Pfund weniger als die entsprechende Ziffer des Voranschlages. Etwa 10,000 Pfund wurden beim Gesundheits-, Erziehungs- und Wohlfahrtswesen eingespart, die Ausgaben für außerordentliche öffentliche Arbeiten blieben um 7700 Pfund hinter den iitt Voranschlag angesetzten Betrag zurück. Für das Finanzjahr 1937/38 sind Einnahmen in der Höhe von 548.593 Pfund vorgesehen. Man erwartet um 80.000 Pfund höhere Einnahmen als im Finanzjahr 1936/37 aus Gemeindesteuern, Lizenzgebühren usw. Die Ausgaben werden mit 478.373 Pfund veranschlagt. Davon sollen auf den Gesundheitsdienst 122.000, auf Erziehungswesen und Sozialfürsorge 141.000 Pfund entfallen. Der Betrag für Pensionen und Gratifikationen wird von 1518 auf 7850 erhöh!, dagegen wird der Posten für außerordentliche öffentliche Arbeiten von 80.000 auf 58.000 'Pfund herabgesetzt. Jüdischer Bodenerwerb in Palästina. — Neues Stadtviertel in Tel Awiw. Jerusalem, 19. Juli. Das statistische Bulletin der Palästinaregierung stellt fest, daß in den Monaten Januar bis Mai 1937 Bodentransaktionen im Umfange von rund 47:000 Dunam und im Werte von 2.114.000 Pfund durchgeführt wurden. Der Dürchschnittspreis betrug somit 45 Pfund pro Dunam. Der Bodenpreis ist gegenüber dem gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres j?esunken. Er betrug damals im Durchschnitt 54 Pfund pro Dunam, und es wurden 50.000 Dunam im Gesamtwerte von 2.733.000 Pfund verbezw, gekauft. Von Juden wurden in den ersten fünf Monaten 1937 rund 32.000 Dunam im Werte von 1.651.000 Pfund gekauft (Januar bis Mai 1936: über 34.000 Dunam im Werte von 2.105.000 Pfund). Verkauft wurden von Juden 21.700 Dunam (1936: 9375) im Werte von 1,493.000 Pfund (1936: 2.011.000 Pfd.). Von Arabern wurden 1937 bis Mai 14.000 Dunam gekauft und 24.819 verkauft, Ausländer kauften 839 und verkauften 476 Dunam, Stadtgemeinden und die Regierung kauften 126 und verkauften 15 Dunam. Der Nettozuwachs des jüdischen Bodenbesitzes in den, ersten fünf Monaten 1937 betrug 10.269 Dunam, die Nettoabnahme des arabischen Bodenbesitzes. 10,743 Dunam. Der Bodenbesitz der Regierung ist um 20, der der Stadtgemeinden um 91 Dunam gestiegen. Bpdentransaktionen durch Ausländer endeten mit einem Nettozuwachs von 363 Dunam. Mit Hilfe eines von der Gesellschaft Bizzur gewährten Darlehens wurde im März mit dem Bau eines neuen Stadtviertels in Tel A w i w begonnen. Das Viertel wird hauptsächlich aus Wohnhäusern für die Arbeiter des Tel Awiwer . Hafens bestehen. 130 Arbeiter sind bei *den Bauarbeiten beschäftigt. Die für das Viertel vorgesehene Bodenfläche reicht für die Errichtung von 200 Einzelwohnhäusern und 100 Wohnungen in gemeinschaftlichen Wohnblocks aus. In diesem Jahre werden etwa 50 Einfamilienhäuser und 50 Wohnungen in Gemeinschaftshäusern gebaut. Die Errichtung des gesamten Komplexes wird einen Kostenaufwand von 40.000 Pfund erfordern; an den Baukosten beteiligt sich auch die Allgemeine Hypothekenbank Palästinas. (ITA.). Der Geldumlauf in Palästina sinkt. Jerusalem, 19. Juli. Seit der Krise, die vor 2 Jahren in Palästina entstanden ist, sinkt der Geldumlauf andauernd. Die Unruhen haben zu einer weiteren Verringerung des Geldumlaufes beigetragen. Ende Januar 1936 waren 5.717.000 Pfund Noten im Umlauf, Ende Mai 5,672.000 Pfund. Ende Januar 1937 war der Geldumlauf ' auf 5.066.000 Pfund, Ende Mai auf 4.807.000 Pfund gesunken. Er ist um 11 Proz. kleiner als im Mai 1936. Der Hartgeldumlauf betrug Ende Januar < 1936 581.000 Pfund, Ende Mai 1936 584.000 Pfund. In diesem Jahre ist aber auch der Hartgeldumlauf gef.'tilen. Er betrug Ende Januar 555.000 und Ende Mai 517.000 Pfund, weist also gegenüber dem letzten Jahre einen Rückgang von 13 Proz. auf. Palästinensische Baubewegung L J. 1936. Jerusalem, 19. , Juli, Nach den Aufstellungen der statistischen Abteilung der Palästina-Regierung sind i. J. 1936 in den vier jüdischen Siedlungen Petach Tikwa, Rischon le Zion, Rechowot und Ramat Gan 230.000 Pfund in Neubauten investiert worden, gegenüber 695.000 Pfd. im vorangegangenen Jahre. In den rein arabischen Städten sind die Investitionen in Bauten von 664.000 auf 287,000 Pfund gefallen. Wesentlich kleiner war der Rückgang in den Städten mit gemischter Bevölkerung; in Jerusalem von 1443.000 auf 1.385.000 Pfd.s in Haifa von 2,258.000 auf 2.172.000 Pfund. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Die Vorbereitungen für die III. Kenessio Gedaulo, <•' M a r i e n b a d , 21. Juli, Die unter Leitung des bekannten < Marienbader Hoteliers, Herrn Kurt Leitner, stehenden Vorbcreitungsarbeiten für den Kongreß sind in das entscheidende Stadium eingetreten. Das Kongreßbüro teilt uns mit, daß über 1000 Gäste nicht nur aus europäischen Ländern, sondern auch aus Amerika, Asien und Afrika erwartet werden. Die von Staats¬ und Stadtbehörden gewährten Ermäßigungen für Visa, Bahnfahrten, Kurtaxe, Bäder usw. haben überall eine große Begeisterung hervorgerufen, so daß täglich Neuanmeldungen einlaufen. Eine große Anzahl von führenden Persönlichkeiten und bedeutenden Rabbinern aus Ungarn und Tsohechoslovakei sind bereits in Marienbad eingetroffen, um noch vor dem Kongreß eine Kur zu nehmen. In den nächsten Tagen und Wochen werden weitere 70 rabbinische Persönlichkeiten, die sich 'nach acht Jahren zum ersten Male wieder hier in Marienbad versammeln, um über die Probleme des Judentums zu beraten, eintreffen. Begünstigungen für Teilnehmer an der III. Kenessio Gedaulo in Marienbad. Vom Büro der K. G. in Marienbad wird uns geschrieben; Folgende Begünstigungen sind für K. G.¬ Gäste vorgesehen: a) Kurtaxe. Delegierte und Kongreßgäste, die sich nur 8 Tage in Marienbad aufhalten, haben pro Tag die ermäßigte Passantentaxe von f£c. 2.— zu entrichten. Nach 8 Tagen erfolgt die Vorschreibung der Kurtaxe durch das städtische Kuramt, worauf eine 50prozentige Ermäßigung gewährt wird. Zur Erlangung dieser Ermäßigung ist es erforderlich, daß der Meldeschein des betreffenden Kurhauses durch das Kongreßbüro bescheinigt wird. Die Ermäßigung der Kurtaxe ist bereits in Kraft getreten und .gilt auch für jene Delegierte und Gäste, die sich nach der Kenessio Gedaulo in Marienbad aufhalten. — b) Bäder: Delegierte und Kongreßgäste genießen für Bäder eine 20prozentige Ermäßigung, wobei zur Erlangung derselben ebenfalls die Bestätigung des Kongreßbüros erforderlich ist, — c) Reise: Das Eisenbahnministerium gewährt auf Grund der vom Kongreßbüro ausgestellten amtlichen Legitimationen eine Fahrpreisermäßigung von 50 Proz. für ausländische Delegierte und Gäste sowie 33 Proz. für Inländer. — Die auf Namen lautende Legitimation muß rechtzeitig beim Kongreßbüro angefordert werden. Die begünstigte Fahrkarte kann auch bei jedem ausländischen Reisebüro gekauft" werden. Es ist jedoch erforderlich, bei Eintritt auf tschechoslovakisehes Staatsgebiet die Legitimation an der Grenzstation abstempeln zu lassen. Die Rückresie kann nach jeder beliebigen Grenzstation angetreten werden. Außerdem tritt die ermäßigte Fahrt auch auf Umwegen über Prag in Geltung. — d) Visa: Delegierte und Kongreßgäste jener Staaten, mit welchen Visazwang besteht, erhalten auf Grund der Legitimationen Gratisvisum zur Reise nach Marienbad. Wir machen darauf aufmerksam, daß jene Legitimationen für Delegierte nur dann durch das Kongreßbüro ausgestellt werden, wenn die amtliche Delegiertenliste seitens der zuständigen Landesorganisationen bereits vorliegt. Gästelegitimationen werden nur dann ausgestellt, wenn die' zuständigen Landesorganisationen dieselben, auf Namen lautend, anfordern. Für Delegierte und Gäste mit staatenlosen Pässen ist jeweils ein separates Ansuchen an das Außenministerium in Prag erforderlich. Das Kongreßbüro hat Vorsorge getroffen, daß die Erteilung der Einreiseerlaubnis auf telegraphischem Wege schnellstens erfolgt und ist das Vorbereitungskomitee bereit, alle diese Ansuchen raschestehs durchzuführen. Zu diesem Zwecke ist es erforderlich, folgende Daten dem Kongreßbüro mitzuteilen: Name des Antragstellers, Datum und Behörde, die den Paß ausgestellt hati Gültigkeitsdauer des Passes (wobei darauf zu achten ist, daß derselbe mindestens 2 Monate Gültigkeitsdauer besitzt), rgenaue Adresse des Antragstellers. In jedem einzelnen Falle wird dem zuständigen tschechoslovakischen Konsulat seitens des Außenministeriums telegraphisch der Auftrag zur Erteilung der Einreise erteilt. Ein Kinus Agudati in Kischinew, In Kischinew fand die große Agudä-,Versammlung am 28. und 29. Siwan statt. Auch hier standen Dr. S. Ehrmanns Referate im Mittelpunkt der Beratungen. Die Eröffnungssitzung war so stark besucht, daß der große Raum kaum ausreichte. Die Begrüßungsrede Oberrabbiner Zirelsohns, Mitglied des Rabbinischen Rates, brachte eine erschöpfende Charakteristik der Agudas Jisroel in ihrem Verhältnis zu anderen jüdischen Organisationen. Es folgt eine große Reihe von Reden und Begrüßungen- Zuletzt ergreift Herr Dr. Ehrmann das Wort, der alle bisherigen Reden zu einem großartigen Gesamtbild zusammenfaßt, und dann alles in diesen großen Rahmen hineinstellt, was über das Ju« biläum der A, J, und über die Aufgaben der kömmenden K, G. zu sagen ist. Eingehend bespricht Redner die Jirziehungsfrage, die Beth Jakob-Bewegung und das Poalimproblem. Das zweistündige Referat wird öfters durch Beifallskundgebungen unterbrochen. In den folgenden Arbeitssitzungen werden die' Forderungen der beßarabischen Agudisten an die kommende K. G. genau präzisiert, und man beschließt über die Gründung eines religiösen E rz i e h e r - seminares in Beßarabien.