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Der Israelit · 1937-07-29 · Heft 30 (29.7.1937) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 30 (29.7.1937)
Date
1937-07-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr, 30 Der Israelit 29, Juli IQ37 Die Thora uns und den kommenden Geschlechtern zu erhalten, ist die unabweisbare Pflicht eines jeden Juden! Kannst Du nicht selbst durch „Lernen und Lehren" diese Pflicht erfüllen, so verhelfe wenigstens anderen dazu. Stütze und fördere den KEREN HATORAtfJ Keren Hatorah, Hamburg, Heinrich ßarthstraße21,Postscheckkonto: Hamburg 24753 25 JAHRE AGUDA. Von Dr. Isaac Breuer. (Fortsetzung.) Nicht aus freiem Willen beschreiten wir diesen Weg. Wie wir einst aus Mizrajim getrieben wurden, so hat uns die Vorsehung! in die neue Zeit — gejagt. Zum Greifen deutlich sehe ich es: die Zeit des nationalen Geschxchtswunders ist^, zu Ende. Die Zeit nationaler Geschichtsbewährung hat begonnen. A g udismus im materiellen Sinne ist nationale Geschichtsbewährung. — Mit krankem Herzen, der Verzweiflung nahör fühlen es ja alle: Was geht denn vor seit den letzten 150 Jahren? Trägt die Thora die Treuen nicht mehr? Schwindet die Liebe zur Thora? Schwindet die Kraft zur Treue 2U G'tt? Woher der Abfall auf allen Seiten? Allenthalben der Verrat? Was ist es vor allem mit Erez Israel? Droht gerade vom Lande der Thora dem Volke der Thora Verderben? Was wird erst morgen und übermorgen? Wohin der Weg? — Wohin der Weg? In die Wirklichkeit! Morgen und übermorgen? Erez Israel, wenn wir es verdienen! Von Erez Israel Verderben? Verderben oder rettendes Heil, je nach unserem Verdienst! Verrat, Abfall, Kraftlosigkeit, Lieblosigkeit? Das Wunder, das bergende Wunder ist zu Ende! Die hereinbrechende Wirklichkeit fordert ihre Opfer, und nur die Besten bestehen! — Verlaßt euch nicht mehr auf das Wunder in geschichtsfremder Tatenlosigkeit! Es allein trägt euch nicht mehr! Suchet der anstürmenden Wirklichkeit nicht zu entfliehen in geschichtsfeindlichem Un~ ■ verstand/ Sie ist schneller als ihr! Entziehet diö Schulter nicht der schweren Aufgabe, die G'tt selber euch gestellt: Traget die Thora in die Wirklichkeit und verdienet euch — Erez Israel! --- Nur ganz allmählich ist im verflossenen Zeitraum der Agudismus als tatenfordernde, zu Taten treibende Ideologie — jede andere Ideologie ist leeres Geschwätz! — hervorgetreten. Die Aguda leidet nicht nur an dem brüchi-" gen Torso ihrer Organisation, sondern auch an einem empfindlichen Mangel an Persönlichkeiten, die sie in ideologischer Besessenheit vorwärts treiben. Und letzteres ist mitwirkende Ursache für ersteres. — Woran liegt es? Da ich dies schreibe, sitze ich, die Gastfreundschaft unseres bewährten agudistischen Kämpen Elijahu Münk genießend, auf einem hinreißend herrlichen Stück heiliger Erde, den Blick immer wieder auf einige der Hügel gerichtet, die Jeruscholajira umgeben, Hügel in Sonne gebadet, die selbst die leisesten Farben froh und jung aufleuchten läßt, sitze ich unter einem Schatten spendenden Pfefferbaum und denke nach. — Woran liegt es? - Seit mindestens zwanzig Jahren suche ich die Geister und die Herzen unseres Volkes für den Agudismus als Weg vom bergenden Wunder über die gefährliche Wirklichkeit ins bergende Erez Israel zu gewinnen. Ich habe in den Reihen unseres Volkes leider sehr viel Beifall, leider sehr wenig Kritik und leider sehr wenig ■— Helfer gefunden. In diesen zwanzig Jahren hat die geschichtliche Erfahrung in furchtbarer Weise bereits Vieles bestätigt, was sich mir in geschichtlicher Zeitenschau entrang. Während dieser zwanzig Jahre ist längst Erez Israel in den Mittelpunkt des agudistischen Interesses und des agudistischen Tuns gerückt. Aber selbst an der - geschichtlichen Erfahrung hat sich der Agudismus nicht als geistig-seelische Treibkratt entzündet, und nicht er steht meist hinter dem agudistischen Erez Israel, sondern schwächliche Nachahmung des Zionismus oder schwächliches Zurückweichen vor der pochenden Not. — Es war wohl mein größter Fehler, als ich mir vor vielen Jahren von Freunden einreden ließ, auf Gründung einer eigenen agudistischen Partei innerhalb der agudistischen Organisation zu verzichten, weil es angeblich möglich sein werde, binnen Kurzem die ganze Organisation für meinen Agudismus zu gewinnen. Binnen kurzem —: zwanzig Jahre bedeuten eine lange Zeit.. Hält die Organisation h e u t e so weit? Wird die dritte Kenessio Gedaulo darüber Klarheit bringen? Ist eine eigene agudistische Partei auch heute noch eine Notwendigkeit? Und wer macht'mit? — Denn Klarheit muß kommen. Nur aus der geschichtlichen Schau einer Ideologie läßt sich der nationale Wille entflammen, der die Nation auf ihrem schmerzlich gefahrvollen und schmerzlich verlustreichen Weg in die Welt der Wirklichkeit mit äußerster Kraft verteidigt und ihr das bergende Erez Israel der Thora erkämpft. Die nationale Organisation der Thora hat diesen nationalen Willen bis heute nicht erzeugt. Deß sind der Keren Hathora und der Keren Hajischuw furchtbar beredte Zeugen! Ohne diesen nationalen Willen geht es nicht. Formell mag — vielleicht! — die Weltorganisation eine Weile noch ohne ihn bestehen können. Aber letzten Endes werden alsdann Keren Hathora und Keren Hajischuw lediglich die Zahl derer vermehren, die für die Thora und für Institutionen des Heiligen Landes um kärgliche Groschen betteln. Die Aguda ist alsdann ein mehr oder weniger reüssierender — Verein unter Vereinen. Ueber einen solchen Verein aber schreitet der eherne Schritt der jüdischen Nationalgeschichte hinweg. — Welch gewaltiges Stück jüdischer Nationalgeschichte liegt zwischen Kattowitz und der dritten Kenessio Gedaulo! Wie offenkundig liegt heute der einheitliche Zusammenhang zwischen dem nationalgeschichtlichen Geschehen im Heiligen Lande und dem nationalgeschichtlichen Geschehen im ganzen übrigen Auslande! Aber selbst in besten agudistischen Kreisen findet man heute noch die unsäglich törichte Frage, ob die Aguda „palästinozentrisch" sein solle oder nicht, hört man selbst heute noch für das agudistische Interesse an Erez Israel den offensichtlich verlegenen, lediglich aus dem formellen Agudismus geschöpften Hinweis auf die — zeit-, los ewige Pflicht „zur Bewahrung des Landes Israel", veranlaßt jede Konjunkturschwankung unter selbstverständlicher Anerkennung dieser seitlos ewigen Pflicht und freilieh mit tiefem „Und es sei, wenn Ihr. höret"____ Zum Woehenabscatdtt, . Von A. Mannheimer in Dettelbach. Gustav Theodor Fechner (1801—87), Professor in Leipzig, Begründer der Psychophysik, Erforscher der Seelen Vorgänge auf experimenteller Grundlage, kommt in seiner Naturbetrachtung ins Gebiet der Metaphysik, des Glaubens, der Mystik. Die heüigsten Anliegen des Menschenherzens greift er auf, wie die Titel seiner Bücher besagen: Zend-Avesta „Ueber die Dinge . des Himmels und des Jenseits vom Standpunkt der Naturbetrachtung" ■— „Das Büchlein vom Leben nach dem Tode" — „Die Tagesansicht gegenüber der Nachtansicht" — „Nanna oder über das Seelenleben der Pflanze" usw. In Fechners Weltbild ist die. Erde ein beseelter Organismus; er kennt nicht nur eine Tierseele, sondern auch eine Pflanzenseele, In zahlreichen und tiefgründigen Analogien führt er sein gewaltiges Gedankengebäude auf, das heute noch in Erstaunen setzt. Nur andeutungsweise können wir an dieser Stelle vermerken, daß Fechner hier die Wege kreuzt, welche große jüdische Denker und Philosophen, Rambam, R. Jizchak Luria u. a. m. längst vor ihm beschritten hatten. Der Wochenabschnitt ap? läßt die Erde in unsern Augen auch beseelt erscheinen, allerdings nicht ganz so wie in Fechners Weltbild. Die Erde hat eine Seele, die Pflanzenwelt, welche sie trägt, ist beseelt, allerdings nicht t direkt und riaturhalt; diese Seele ist von Israel geborgt und bedingt in ihrem Wesen und Wirken. Und auch bei Israel handelt es sich nicht um. Originelles. Der Schöpfer des Alls ist der nTOTMn yrm, der Herr dieser Seele, die; in Seinein Sittengesetz, in Seiner ewigen Thora atmet und pulst. Diese dreigliedrige Kette der Kausalität für das Erdennud Weltbild darf an keiner Stelle brechen oder irgendwie zerrissen werden. wa«?n vnv dr '>m ,, W e n n ihr hören werdet ..." wenn. An die Willensfreiheit des Menschen ist die Möglichkeit von Bestrafung oder Belohnung geknüpft. Du bist verantwortlich, du allein, G'tt appelliert in eindringlichem Rate an den guten Willen: D"na nirnv so wähle doch das Leben! Als Lohn verheißt der Woehsnabsehnitt Dinge, die jedem nahe, ach, so nahe liegen: Getreide für dein tägliches Stückchen Brot, Oel und Wein, Gras für dein Vieh im Stall und auf der Weide, ■»nun .»nnav Ich gebe das, Ich allein Ich habe euch in der Hand, je nachdem ich den Regen sende "iny> zur gewünschten Zeit oder den Himmel verschließe, was den Hunger und'schließlichen Untergang nach sich ziehen würde- So äußert sich Lohn und Strafe für euer heilig-sittliches Verhalten im Erträgnis des Ackers, auf dem kein Halm reift, kein Perlchen Tau glänzt ohne G'ttes Zutun. Den Ernst dieses Wortes unterstreicht der Talmud (Traktat Taanit) durch den Satz; den Schlüssel des Regens gibt G'tt nicht aus Händen, nicht einmal einem Engel. Er duldet auch keinen Eingriff bezw. den Wahn eigenmächtiger Abänderung von mensch-' licher Seite; \schon der Gedanke ist sündhaft. Freventlich sprachen die Geschlechter in Noachs Tagen' Wozü den belästigenden Regen? Uns genügt der Tau. Bedürfen wir des Niederschlags, so holen wir ihn uns vom Himmel hernieder! Vernichtung und Zerstreuung war die Strafe für solche Auflehnung gegen G'ttes festgefügte Naturordnung. Selbst der fromme Prophet Elijahu mußte dafür büßen, daß er in der Ankündigung der dreijährigen Hungersnot eigenmächtig auch vom Ausbleiben des Taues sprach, nicht nur des Regens. Drei Jahre auf der . Flucht vor König Achab bildete die Strafe. W93 Baa^K "H3» 'Witt Ich allein gebe rechtzeitig den Regen eurem Lande, Die jüdische Tradition kennt sogar Gerichtstage, eigens für das Feld. Am nos fällt G'tt das Urteil über die Getreidearten, am Wochenfeste über die Getreidearten, am Wochenfeste über die Baumfrüehte, am nvsio über den Regen, die Niederschlügt' So sah das jüdische' Volk im reifenden Feld, im blühenden Baum den Finger G'ttes, nicht etwa einen starren Ablauf natürlicher Vorgänge, eine Art Fatalismus. Noch mehr. In letzter Linie gilt der SegetJ des Erdbodens als gewaltige und offensichtliche Antwort auf unser heilig-sittliches Verhalten im Smtte des Sinaigesetzes. Darum ward die jüdische Volksseele aufs tiefste erschüttert, wenn Regenmantel sich einstellte und Mißernte drohte. Man schlug sieb an die eigene Brust. Fasttage und fromme Baß* Handlungen wurden festgesetzt, die sich im Laufe &t Wochen vermehrten und verschärften. Man ents:>;?te jeder frohen Lebensäußerung. In den' inhaltstl; Bußandachten, oft auch freiem Marktplatz '0ter Aussetzung der heiligen Lade abgehalten, zog :nao Parallelen mit der Vergangenheit, erinnerte a° schwere leiten unserer Geschichte, in denen > G'tt sich des Volkes gnadenyoll erbarmte: n»'w ns> A"iCO der Letzte sollte wissen und fühlen, welch fur~htbarer Ernst aus dem VW n« '*,*n zu uns sprüht. Nur auf solchem Seelengrunde konnte Kalirs gu.dfl| Feder die wundervolle Komposition des '"W" j-.o« DW -Gebetes aufbauen. Dort suchte er seine tiye. Täglich liest der Jude zweimal den Absei" ynv ns '»nv Enthält er wirklich nur „Alltägliche '

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