Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 29 (22.7.1937)
- Date
- 1937-07-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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n) Juli 1937 Der Israelit Nr. 29 Seite 9 E R E Tischobeäw in Jerusalem. 20.000 Juden demonstrieren, — Zug zur Westmauer* Jerusalem, 19. Juli. Die gesamte Judenheit Palästinas hat am Tischo b' A w eine ergreifende Kundgebung gegen die Abtrennung Jerusalems/ vom geplanten Judenstaat veranstaltet. Am Samstag abend zogen nach dem Kinnot 20.000 Menschen in geordnetem Marsche zur Westmauer. Der Vorbeimarsch wickelte sich in voller Ruhe ab. In ernstem Schweigen bewegte sich der Zug. Einmal wurde Halt gemacht und sämtliche Teilnehmer sprachen laut den Schwur: „Im eschkachec.h' Jeru'schalajim tischkagh je_ mini". Am Sonntag waren ebenso wie am Vorabend alle Synagogen des Landes überfüllt. Viele. Tausende, die keinen Platz finden konnten, waren Samstag abend in den Straßen von Jerusalem, Tel Awiw und in allen Landesteilen versammelt, um die Kinnot zu hören, die durch den Jerusalemer Sender verbreitet wurden. Die Sonntagsausgaben der hebräischen Zeitungen brachten Aufsätze, denen die Aussprüche der Propheten Über die Wiedererrichtung Jerusalems als Heilige Stadt zugrunde liegen. Die Polizei verhaftete in Jerusalem sechs Revisionisten, die Plakate mit Protesten gegen den Bericht der Kommission angeschlagen hatten. Sie wurden am folgenden Tage wieder auf freien Fuß gesetzt, nachdem ihrer einer eine Geldstrafe von 50 Pfund erhalten hatte. Aus dem religiösen Leben in Erez Israel. Jerusalem, 19. Juli. Oberrabbiner Duschinski begab• sich zu Erholungszwecken nach dem Auslande und wird zu Anfang Elul in Marienbad zur Kenessio Ged a u 1 o eintreffen. In einer Botschaft an alle Charedim Erez Israels verabschiedete sich der Oberrabbiner von seiner Gemeinde mit der Mahnung, in entscheidender Stunde für die Thora in Erez Israel einzustehen. Vertreter der Charedimgemeinde und der Agudas Jisroel begleiteten den Oberrabbiner nach Haifa auf das Schiff. Aus verläßlicher Quelle wird berichtet, daß eine Delegation, die unter Führung von Oberrabbiner Herzog beim Waad Leun« und der Exekutive der Jewish Agency um Unterstützung der Jeschiwoth vorstellig war, von diesen Instanzen kalt abgewiesen wurde. Diese Tatsache erregte peinliches Aufsehen in den Kreisen der Gesetzestreuen innerhalb der Kenesseth Israel-Gemeinde. Ein Vorkommnis in Haifa zeigt, daß ein gewisser Jugendkreis in Palästina nichts vergessen und nichts gelernt hat. Zehn Mitglieder des „Haschomer Hazair" aus Amerika, die als Hilfspolizisten vereidigt werden sollten, weigerten sich, den Eid vor der offenen Bibel abzulegen. Erst als der Kommissar darauf bestand und ihre Aufnahme von dieser Form der Eidesleistung abhängig machte, bequemten sie sich, der jüdischen Bibel mit ihrem Eide ihre Anerkennung zu zollen. Vorbereitungen für die Kenessio Gedaulo. Jerusalem, 18. Juli. Eine öffentliche Versammlung in Haifa, in der Dr. Isaac Breuer über das Wesen der Agudas Jisroel und ihre Aufgaben in der Stunde der Entscheidung sprach, fand so zahlreiche Beteiligung, daß viele wegen Ueberfüllung zurückgehen mußten. Im Anschluß an das Referat wurden mehrere wichtige Beschlüsse gefaßt. Auch sonst beschäftigt die Kenessio Gedaulo alle Gemüter. Besonders in den Kreisen der P o a 1 e Agudas Jisroel wird eine fieberhafte Propagandatätigkeit entfaltet. Die Sela-Aktion weist gute Erfolge auf. Die Delegiertenwahlen für die Kenessio Gedaulo finden dieser Tage statt. Der Tenor aller Reden und Beratungen auf den Versammlungen ist: „Keine Verzweiflung! Die Bewegung schreitet fort, trotz allem und allem!" Allerlei aus Palästina. Jerusalem, 19. Juli. Im Monat Mai 1937 sind weniger Juden in Palästina eingetroffen als abgereist. Im Vorjahre sind RAEL im gleichen Monat 2261 Juden eingewandert, dieses Jahr nur 807. Im Stadtrat von Tel Awiw führte der Bürgermeister Israel Rokeach Klage darüber, daß in bestimmten Fällen die Palästina-Regierung Arbeitsbeschaffung in Tel Awiw erschwert hätte. Amtlich wird mitgeteilt, daß James de Rothschild zum lebenslänglichen Präsidenten der P i c a gewählt worden ist. In Petach Tikwah ist das Wahlalter von 21 auf 25 Jahre heraufgesetzt und das Wahlrecht vom Besitze von mindestens zehn Dunam Boden abhängig gemacht worden. Auf Proteste in London hat der Kolonienminister von der Palästina-Regierung einen Bericht darüber eingefordert. Die hebräische Tageszeitung „Haboker" wurde wegen ihrer Stellungnahme zum Teilungsplan für 14 Tage verboten. Die Palästina-Regierung hat die Schaffung eines neuen Verwaltungsbezirkes für die Gebiete von Akko, Safed, Tiberias, Nazareth und Beisan mit dem Sitz in Nazareth bekanntgegeben. Diese Verwaltungsmaßregel steht in keinem Zusammenhang mit der künftigen Gestaltung in Palästina. „Palestine Gazette" bringt eine Verordnung des High Commissioner, wonach die Eröffnung eines neuen Landungspunktes in „Kfar Witk i n " (im Emek Chef er) gestattet wird. In dem neuen „Hafen" werden Segelschiffe, die Düngemittel bringen, anlegen können. Arabische Banden versuchten in der Nacht zum 9. Aw Angriffe auf das Jerusalemer jüdische Viertel Beth Hakerem und Ataroth. Jüdische. Hilfspolizisten konnten die Angriffe mit der Feuerwaffe abwehren. In der gleichen Nacht gab es auch Schießereien in der Gegend von Nablus und Tulker e m. Auf jüdischen Feldern wurden Saaten angezündet. Arabische Führer wurden aus Nablus verbannt. Bei Bersheba wurde die Telegrafen-Leitung nach Tel Awiw auf 'einer Strecke von zwei Kilometern durchschnitten. jvS2> Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Die Berliner Kandidaten für die DelegiertenWahl zur Kenessio Gedaulo. Die Berliner Ortsgruppe der Agudas Jisroel hat folgende Kandidaten für die Delegiertenwahl zur Kenessio -Gedaulo aufgestellt: a) als Delegierte: Jacob Levy, Rabb. Dr. Hermann Klein, Dr. phil. Maximilian Landau, Rabb. Dr. H, A. Cohn, Fischl Gelernter, Josef Nagel; b) als Ersatzdelegierte; Markus Neuberger, Rabb. Dr. Michael Münk, Jakob Posen iun., Moses Feldmann. Aguda-Arbeit. im Bezirk Kassel. Herr Lehrer Plaut (Kirchhain) sprach in'. Ober» und Niederatila vor einer interessierten Zuhörerschaft über „Agudas Jisroel". Redner schilderte in sinstündigem Referat die Bedeutung und Arbeit der Organisation und richtete zum Schluß der Ausfüllungen an die Zuhörer den dringenden Appell, sich organisatorisch „Agudas Jisroel" anzuschließen. 25 Neumitglieder erklärten ihren Beitritt zur Agudas .nsroel, - «"ur Wahlordnung für die Frauenkonferenz der Histachuth Olamith N'schei Uwenoth Agudath Jisrael. Die Leitung der „Histadruth Olamith N'schei Uwenoth Agudath Jisrael" gibt folgendes bekannt: Auf Grund der Ermächtigung des geschäftsf Abfanden Ausschusses der Agudas Jisroel erläßt die Liitung der Histadruth Olamith N'schei Uwenoth Agudath Jisrael hiermit folgende Nachtrags Verordnung zur obenbezeichneten Wahlordnung: Die Vorsitzende der Histadruth Olamith N'schei Uwenoth Agudath Jisrael wird ermächtigt, für die E^th Jacob in Litauen und ähnliche Institutionen stimmberechtigte .Delegiertinnen zur Frauenkonferenz ernennen oder zuzulassen. Wie uns die Leitung der Histadruth Olamith Nschei Uwenoth Agudath Jisrael mitteilt, wfrd sie m den .nächsten Tagen die Tagesordnung für die Fi'auenkonferenz veröffentlichen. « Ein jüdisches Pressebüro, Vom Jewish Press Bureau in London wird uns geschrieben: Bezugnehmend auf den Artikel des Herrn Dr. Isaac Breuer in der Nummer .27 vom 8. Juli Ihrer gesch. Zeitung, in welchem der Verfasser auf die Notwendigkeit der Schaffung eines agudistischen Presseamtes hinweist, bedauern wir feststellen zu müssen, daß Herr Dr. Breuer scheinbar die Existenz des Jewish Press Bureau (J. P. B.) übersehen hat. Schon seit 10 Jahren gibt es unter dem Namen London Jewish Bulletin und seit der Uebersiedlung der Exekutive der Agudas Jisroel von Frankfurt nach London unter dem Namen Jewish Press Bureau ein 14tägig erscheinendes Organ, welches über die Ereignisse in der agudistischen Welt berichtete. Die Mitteilungen des J. P. B. werden laufend von der gesamten agudistischen, aber auch von der nichtagudistischen Presse selbst der außereuropäischun Länder, wie Nordamerika, Südafrika, Australien usw. gebracht. Es ist schwer anzunehmen, daß Herr Dr. Breuer diese Mitteilungen, die auch wöchentlich in Ihrer gesch. Zeitung veröffentlicht werden, übersehen haben soll. Die Anregung des Herrn Dr. Breuer betreffend Tagung der Vertreter der agudistischen Presse gelegentlich der Kenessio Gedaulo in Marienbad ist sehr wertvoll. Wir müssen aber feststellen, daß diese Anregung bereits in unserer Nummer vom 11. März 1937 auf Grund eines Artikels des Redakteurs der Jewish Weekly, der in vielen agudistischen Zeitungen abgedruckt wurde, veröffentlicht wurde. Die Einladungen zu dieser Konferenz sind bereits vor Wochen versandt worden. Agudistische Hachscharastelle in Beßarabien.. Zu den markantesten Persönlichkeiten der Agudas Jisroel gehört der beßarabische Oberrabbiher Rabbi I. L. Cirelsohn, Kischinew. Seinem Wirken ist es in erster Linie zu verdanken, daß eine blühende starke agudistische Landesorganisatidn in jenen Teilen Rumäniens (Beßarabien) zu verzeichnen ist, der direkt unter seiner Einflußsphäre steht. Anfang Tammus ds. Js. fand in Anwesenheit von Herrn Dr. Ehrmann eine Zusammenkunft der beßarabisehen Landesorganisation statt, bei welcher 12 Delegierte für die Kenessio Gedaulo gewählt wurden. Unter; den Leistungen xler beßarabihehen Aguda ist neben der Beth Jakob-Schule in Kischnnew, der Jeschiwa dort, den Abendkursen für Schulentlassene im Erwerbsleben Stehende, die Vorbereitungsarbeit für Erez Jisroel zu nennen. Am Rande des Schwarzen Meeres in T i g i n a hat der über die Grenzen Beßarabiens hinaus bekannte Agudaführer Abelmann eine Musterhachs c h a r a eingerichtet. Der Aguda-Kinus in Oradea. Wie in Czernowitz und Sered (siehe Bericht ia der jüngsten Nummer) ergab auch der Kinus Agudathi in Oradea einen Riesenerfolg. Aus allen Teilen Transsylvaniens waren die Zeiire Agudas Jisroel zusammengeströmt. Der Kinus, der von Herrn K. Kallmann, dem Vorsitzenden der Oradeaer Jugendgruppen der A. J., geleitet wurde, stand von Anfang bis zum Ende unter dem Zeichen der Kenessio Gedaulo. Schon in den diversen Begrüßungen wurde auf die bevorstehenden bedeutsamen Tage der A. J. in Marienbad hingewiesen. Herr Dr. S- Ehr mann, Frankfurt a. M., als Gast beleuchtete dann in einem einstündigen Referat die Tätigkeit der A. J. seit Kattowitz. Er hält auch- Abrechnung mit denen, die,, rechts von der A. J., vom Standpunkt der kleinen Kehillapolitik sich nicht zur .großen Klallperspektive der Weltorganisation aufraffen können. Die A. J. habe die orthodoxen Massen reif gemacht für ihren Kampf um ihre eigenen religiösen Interessen. Das Befh> Jakob-Schulwesen zeige, was auf dem Gebiete der Erziehung geleistet wurde. Redner kommt dann auf sein eigentliches Thema. zu sprechen, auf Erez Israel, und zeigt die Struktur der Poale Agudas Jisroel. Aus all den verschiedenen Gebieten und Bezirken der A. J.-Arbeit ergebe sich das reiche Programm der kommenden K. G. Die tiefen und klaren Ausführungen wurden mit größter Aufmerksamkeit angehört und rauschendem Beifall belohnt. Eine große Reihe weiterer Begrüßungen aus verschiedenen Städten und Agudainstanzen erfolgte und mit einem Schlußwort des Ehrenpräsidenten der Agudas Jisroel, Rabbi Elieser Freund, schließt die Eröffnungssitzung. Auf der folgenden Arbeitssitzung werden eine Reihe von' Beschlüssen als Material für die K. G. in Marienbad angenommen. Beschlossen wird auch die Gründung eines Zentralbüros der K. G. in Transsylvanien, mit dem Sitze in Oradea. Ein Vertreter von Marmarosch und zwei Vertreter von Siebenbürgen werden dem Zentralbüro angehören. Ein auf Vorschlag von Dr. Ehrmann neu gegründeter zeitweiliger Waad hapoel der Zeiire Agudas Jisroel wird die Propaganda und Organisation bis zur Kenessio Gedaulo leiten.