Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 29 (22.7.1937)
- Date
- 1937-07-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 29 Der I s r a e 1 i t 22. Juli 1937 Von dieser augenblicklichen Einwanderungssperre abgesehen, besteht aber Anlaß, erneut vor der Inanspruchnahme all jener Büros und Firmen zu warnen, die ihre Dienste zur Beschaffung von Einwanderungsmöglichkeiten nach Brasilien in Zeitungsinseraten anbieten. Die von diesen Büros angewandten Praktiken stellen häufig Verletzungen oder Umgehungen der brasilianischen Gesetze dar und bringen für die Einwanderer selbst das größte Risiko mit sich. Bezüglich des kürzlich im „Israelitischen Familienblatt" erschienenen Artikels über „Siedlung in Brasilien" ist festzustellen, daß der Hilfsverein keinerlei Unterlagen für die Beurteilung des dort angedeuteten Projektes erhalten hat und daher jede Verantwortung auf das entschiedenste ablehnt. Oesterreich. Der Bischof von Jerusalem begrüßt den Teilungsplan. Wien, 11. Juli. Anläßlich der Beendigung der Konferenz des Komitees für die Annäherung von Christen und Juden fand eine große öffentliche Versammlung statt, bei der auch der anglikanische Bischof von Jerusalem, Rev, Graham Brown, sprach. Er begrüßte den Teilungsplan als einen Friedensappell der Welt den Juden gegenüber und gab der Hoffnung Ausdruck, daß dadurch das Zusammenleben von zwei großen Kulturvölkern, der Juden und der Araber, im Interesse des Friedens und des Fortschrittes gewährleistet werden wird. Schweiz. Palästina im 'Statistischen Jahrbuch des Völkerbundes. Genf, 15. Juli. Im Sekretariat des Völkerbundes ist soeben das Statistische Jahrbuch für das Jahr 1936/37 erschienen. Die Bevölkerung Palästinas wird darin mit 1.300.000 Stellen angegeben. Die weiteren Angaben beziehen sich auf die Höhe des Import und Export im Lande. Der natürliche Zuwachs Palästinas sei relativ der größte in der Welt, wenn man von einigen Ländern in Asien und Afrika absieht, über deren Bevölkerungsbewegung keine Ziffern vorliegen. Die Geburtsziffern Palästinas bewiesen den hohen Stand der Hygiene und die Vitalität des Landes. Belgien. Zusammenschluß in der Emigrationsrrage. Brüssel, 19. Juli. Auf der hier tagenden Konferenz zur Regelung der Flüchtlingsfrage legte der Vertreter der Aguda, Advokat M. Müller, Paris, einen vom Präsidenten der Agudas Jisroel-Weltorganisatiott, Jacob Rosenheim, ausgearbeiteten Plan für einen engeren Zusammenschluß aller großen jüdischen Organisationen und Parteien zur Durchführung einer großzügigen planmäßigen Emigration von Juden aus den Auswanderungsländern vor. (J. P. B.) ' Polen. Agudas Jisroel in Polen für jüdische Einheitsfront. Beschlüsse des Zentralkomitees. Warschau, 12, Juli. Das Zentralkomitee der Agudas. Jisroel für Polen hat der ITA. folgendes Communique übergeben: In Warschau hat vor einigen Tagen eine Sitzung . des Zentralkomitees der Agudas Jisroel in Polen stattgefunden, die sich mit verschiedenen organisato« rischen Fragen und mit den Problemen der Mitte August in Marienbad zusammentretenden Dritten Kenessio Gedaulo befaßt hat. Weiter wurde die politische Lage der Judeli in Polen erörtert. Nach Referaten des Abgeordneten Minzberg und des Senators Trockenheim, sowie einer eingehenden Debatte sind folgende Resolutionen gefaßt worden: 1. Das Zentralkomitee,der Agudas Jisroel für Polen erachtet es als dringendes Gebot der Stunde, eine jüdische politische Repräsentanz zu schaffen, in der alle Richtungen innerhalb der polnischen Judenheit vertreten sein sollen. Die Repräsentanz soll auf Grund gegenseitigen Uebereinkommens auf allen Gebieten der Politik und Wirtschaft, soweit sie die, Juden betreffen, tätig sein, doch sollen Fragen religiös-kulturellen und weltanschaulichen Charakters nicht behandelt werden. 2. Das Zentralkomitee richtet an die jüdischen wirtschaftlichen Organisationen den Appell, sich nicht von Elementen beeinflussen zu lassen, die durch verschiedene Doktrinen und Parteiambitionen die iüdische Einheit stören wollen, die gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt lebensnotwendig ist, 3. Das Zentralkomitee ist der Meinung, daß angesichts der gegenwärtigen Lage der Juden in Polen die orthodoxen Vertreter im Parlament gemeinsam mit allen anderen jüdischen , Sejmdeputierten einen vereinigten jüdischen parlamentarischen Klub bilden sollen, dessen Arbeit auf gegenseitiger Verständigung und beiderseitigem Uebereinkommen aufgebaut sein soll. Jede prinzipielle Meinungsverschiedenheit im Klub soll der zu schaffenden jüdischen Repräsentanz zur Entscheidung vorgelegt werden. 4. Das Zentralkomitee erklärt, daß das organisierte religiöse Judentum gemeinsam mit allen änderen Teilen des jüdischen Volkes in Polen den Kampf für eine vollständige politische Gleichberechtigung fortsetzen und auf die verfassungsmäßig <?a rantierten Rechteder Juden als Bürger des Staates nicht verzichten wird. 5. Das Zentralkomitee spricht den orthodoxen Vertretern im Parlament die vollste Anerkennung und den Dank für ihre mutige, unermüdliche Verteidigung der jüdischen Interessen und der jüdischen Ehre aus. Die Woche- Berlin. Dr. Friedrich Brodnitz hat Anfang des Monats, kurz .vor seiner Auswanderung, sein Amt als Vorsitzender des Reichsausschusses der jüdischen Jügendverbände niedergelegt. Der Führerrat hat als Nachfolger von Friedrich Brodnitz zu seinem Vorsitzenden Hans Friedenth-al gewählt. Wien. Bei der Eröffnung der zweiten Tagung derösterreichischen Röntgenologen würdigte Bundesminister R e s c h die Verdienste des Pioniers der Röntgenheilkunde, Prof. Dr. Leopold Freund, der vor mehr als vierzig Jahren die Röntgentherapie begründet hat. An der Tagung der Röntgenologen beteiligten sich mehrere jüdische Gelehrte. Saloniki. Eine der führenden jüdischen Persönlichkeiten von Saloniki, Edwin S a 1 - t i e 1, der seit vielen Jahren das Amt des japanischen Konsuls in dieser Stadt bekleidet, ist vom Mikado in Anerkennung seiner Verdienste um die Vertiefung der griechisch-japanischen Beziehungen mit dem Orden der aufgehenden Sonne ausgezeichnet worden. Tel Awiw. Die mit den Schiffen aus Europa eintreffende Post ist zum ersten Mal im Hafen Tel Awiw ausgeladen worden. Bisher wurde die Post für Tel Awiw über Jaffa zugestellt, New York. Im Alter von 63 Jahren ist in, Portland Julius L, Meier, der in den Jahren 1931 bis 1935 Gouverneur des Staat.es Oregon war, gestorben. —Im Alter von 54 Jahren ist in New York der bekannte jüdische Publizist Dr. Abraham Coralnik gestorben. Dr, Coralnik hat auch mehrere Bücher in deutscher Sprache verfaßt, darunter das „Russenbuch" (1914) und einige Schauspiele. Algier. Im Alter von 74 Jahreft ist der Obeff abbifter von Algier, Samuel S e r o r , nach längerer Krankheit gestorben. Eine ungeheure Menschenmenge nahm an der Beisetzung teil. England. Jabotinsky vor englischen Parlamentariern. London, 13, Juli, Im Unterhaus hat eine von zehn konservativen Abgeordneten einberufene Versammlung englischer Parlamentarier stattgefunden, bei der der Präsident der Neuzionistischen Organisation, Wladimir Jabotinsky, einen Vortrag über die Vorschläge der Kgl. Kommission zur Neugestaltung der Palästina-Politik hielt. Personalien. Rabbiner Dr. Arje Leb Lichtig Hamburg, 20. Juli. Jäh und unerwartet wurde in der Nacht zum letzten Freitag Rabbiner Dr. Lichtig abberufen und mit ihm ist einer der verdienstvollen Dajonim der Hamburger Gemeinde, ein tan vnbn großen For« mats, der langjährige religiöse Führer und Berater des Heiligen Brudervereins unseret Gemeinde, der vielverehrte Lehrer wie im Mekor Chajimverein so auch unendlich vieler Kreise und nicht zu allerletzt der langjährige Rabbiner der Wallich-Klaui> dahingegangen. Wie von selbst löste die plötzliche Schmerzenskunde, die von Mund zu Mund sich fortpflanzte und Herz und Seele tief erschütterte, die bittere Klage allenthalben aus: sa U'J^na ma nbv ijwoima „Ach, der Tod ist durch unsere Fenster gestiegen, in unsere Hallen gekommen!" Wie bewährte sich da das Wort unserer Weisen: „Wenn ein „Frommer" das Zeitliche gesegnet, „der Weise" dem Irdischen den Tribut gezollt, dann beklagen alle wie Leidtragende seinen Verlust." Hundertfältig konnte man die Frage hören: Wo soll uns Ersatz werden, wie sich die Lücke schließen, die der Heimgang des großen Toten mit seiner überragenden Thorakenninis und felsenfesten G'ttesfurcht und seiner so vielfach bewährten Lehrkunst zurückläßt? Zu frisch und zu schwer ist die Wunde, als daß wir überhaupt schon voll zu übersehen vermögen den tiefen bangen Schatten, mit dem der Untergang dieser Thonisonne so viele unserer Hoffnungen und Beziehungen umdüstert. pasn bv?>an Wehe, daß wir ihn verlören, die wir so glücklich waren, ihn innerhalb unserer Gemeinde 31 Jahre zu besitzen und unter seinein Lichte Licht zu schauen. In Ungarn, diesem g'ttgcsegneten Lande echter und wahrer Thora vor 64 Jahren geboren, war Dr. Lichtig begnadet, schon \n ganz jungen Jahren durch sein scharfes und vielbewundertes Auffassungsvermögen und durch seinen großen Lerneifer zu Füßen hervorragender Lehre- und Meister des Thorawortes sitzen zu dürfen. AH' diese Geonim sahen in dem scharfsinnigen und für alles echt Jüdische aufgeschlossenen Knaben de« künftigen nnn.p voraus, berufen als Lehrer und Führer in hohem Maße Thorawissen und Thoralieba zu verbreiten. Im Alter von 17 Jahren wurde dev bevorzugte und um die Thorapalme so erfolgreich ringende Jeschiwohbochur vom Preßburger Raw mit dem Morenu-Titel gekrönt und dann von vielen anderen weit und breit anerkannten und verehrten Thoragrößen mit der „Hattoroh" ausgezeichnet. So ausgerüstet und für den heiligen rabbinischen Beruf wie selten ein anderer prädestiniert, eignete er sich nun auch reiche Kenntnisse in den Hallen allgemeiner Wissenschaft an, auch hier aus, dem Ganzen mit treuem Eifer erfolgreich schöpfend. Seine große Begabung wie die großen Erfolge seines Strebens fanden den ersten vollen Lohn, als ihn der ehrwürdige 3") Yon Nowe-Zamky, der Oberrabbiner Tigermann, zum Schwiegersohn erkor. Und nun war für Rabbiner Dr. Lichtig die Zeit gekommen, wo er aus dem reichen Borne seiner vielseitigen Gelehrsamkeit weiten und anspruchsvollen Kreisen spenden konnte. Diese fand er in Hamburg, dieser Muttergemeinde in Israel, die den jungen, so hervorragend vorgebildeten und besonders empfohlenen Rabbiner an die damals berühmte Wallich-Klaus berief. Was die Weisen bemerken: W> ''9Dpa wsia „Wer eine Leuchte werden soll, zeigt in seiner Jugend schon Zeichen und Proben künftiger Größe" bewährte sich an ihm in vollem Maße. Vielgestaltig und große Kreise der Gemeinde in ihren Bann ziehend, entfaltete sich die Lehrtätigkeit des neugewonnenen Klausrabbiners, der nicht nur Thora lehrte, sondern sie auch in vorbildlicher Weise lebte und durch seine menschlichen und jüdischen Tugenden zur Anerkennung und Würdigung brachte. Unendlich wurde die Zahl seiner Schüler, ganzen Generationen der Gemeinden ward er Wegbereiter zu jüdischem Leben und zu jüdischer Gesinnungstreue. Alle wußten, in Rabbiner Dr. Licutig besaßen sie einen Lehrer und Führer, der l^l „Thorawissen und allgemeine Bildung11 harmonisch verband und der berufene Interpret von a»aan mtas war und bei all' seiner philosophischen Durchbildung und gerade wegen dieser und mit dieser für die Erhabenheit und Reinheit unseres Judentums zeugte, Darum sahen seine Schüler in ihm ihren Führer und Berater, an den sie sich in allen ihren Lagen mit ihren großen und kleinen Sorgen wandten. Nicht minder ersprießlich war seine Tätigkeit ais „Maggid" der nump man unserer Gemeinde wie als deren Dajan, als der er im Oberrabbinat mit Eifer und Hingabe wirkte. Bei dieser so erfolgreichen und vielseitigen Wirksamkeit, in der der Mann hielt und zur vollen Entfaltung brachte, was der Jünglinij versprach, ahnte wohl niemand, vielleicht nur die Allernächsten, die den Gatten und Vater mit beispielloser Liebe und Fürsorge stets betreuten, daß dieser große Geist einen schwachen Krper zu meistern hatte und man um das teure Leben des geliebten Lehrers und Meisters zu bangen hatte. Vielleicht ist es aber gut so gewesen, daß den vielen vielen die bange Sorge erspart blieb. Um so größer war1 allerdings das Beben und Zittern der Schüler und Verehrer und Genossen, die sich plötzlich dieser edlen Persönlichkeit beraubt sahen und nun alles daran setzten, D^pV n»n nan den in den letzten Monaten ausgesprochenen Wunsch des n»3H p"HX zur Erfüllung zu bringen. Für viele war es gewiß. ein untröstlicher Gedanke, daß es ihnen nicht vergönnt sein soll, das Grab ihres geliebten Lehrers in besonderen Stunden ihres Lebens aufzusuchen und sein großes JVDT anzurufen. Vor dem letzten Willen aber des Verklärten, der aus echter kindlicher Pietät floß, beugten sich alle und dank ihrer aller Bemühungen und allen voran unseres verehrten Oberrabbiners wurde es möglich, noch ot>3 na alle Vorbereitungen für die Ueberführung seiner sterblichen Reste zu Vnias ^ap' zu treffen und in einer würdigen erhebenden Hespedfeier von Rabbiner Dr, Lichtig, ^xr-Abschied zu nehmep Wir behalten uns vor, auf diese Abschiedsstunde noch zurückzukommen, damit auch dTe größere' Qeffentlichkeit es erfahre, wie wahre, und echte Thoragröße Anerkennung und Würdigung findet,~" Dieser Gedanke möge einen Tropfen lindernden Balsams träufeln in die Herzen der gleichgestimmten treue« Lebensgefährtin, die in dem Bewußtsein, als T»»^n n3 Caan und Caan T»Vn als Priesterin des Hauses dem teuren geliebten Gatten dienen zu können, (das höchste Glück ihres Lebens fand und der würdigen frommen Kinder, die mit gerechtem Stolze 'jederzeit zum verehrten bewunderten Vater aufblickten. Mögen die großen Verdienste des verewigten Rabbiners und geistigen Führers segenwirkend sich erweisen innerhalb Hamburgs Gemeinde, daß sich an Rabbiner Dr, Lichtig voll bewähre nana* pns -i=t-