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Der Israelit · 1937-07-22 · Heft 29 (22.7.1937) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 29 (22.7.1937)
Date
1937-07-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 29_ -_-t: :il .»; Jude sich dieser schicksalshaften Ze.ugensqhaft entziehen will, da kommt eine verzerrte mnd verkrampfte Haltung zutage, das Renegatenge - sieht mit seinem dogmatischen Trotz, mit seiner inneren Zwiespältigkeit, mit seiner gelehrten Selbstverblendung. Er kann nicht - über -seine Geschichte, die Geschichte Israels ^Is ein.Nebenr geleise der Weltentwicklung hinwegSehn, er muß daher zu einem tractatus theologna , poliiicus greifen, zu dem Mittel der U m d e u t u n g . des G'ttlichen ins Menschliche, des ''Einmaligem ins Alltägliche, des Religiösen' ins zweckhaft Poll1 ' tische, zum Mittel der Enteignung und Entleerung, die dem überzeitlichen Worte seine Ewigkeitsbedeutung, seinen transzendent ten Ursinn nimmt, Aus; G'tt sprach wird: der Mensch sprach, aus Propheten werden ihm Dichter, aus Wundern historische Zufälle. Israel wird ein Glücksfall statt einer GJttesschöpfung der Weltentwicklung. Die Bibelkritik ist daher als „Wissenschaft" der Moderne kein Zufall. Sie m u ß t e von dem Vater der neueren Philosophie geschaffen werden als Ausdruck dafür, daß hier^ d i e Entscheidungsfrage der. geistigen M e n s c hh e i t liegt. Sein oder Nichtsein der immanenten Weltbetrachtung hängt von.dem Problem ab, das die Bibel dem Denken stellt; Und zwar die Bibel ' in ihrer überlieferten Gestalt. Nicht ob man an die Bibel glauben will, ist die Frage, sondern ob man, die literarisch-zeitliche Entstehung der Bibel, wie die Tradition sie behauptet, hinnehmen muß. Nicht ob Mosche die Wahrheit gesprochen, sondern ob Mosche seine fünf Bücher,-gegeben hat, diese einfache historische, aus allen Glaubensmanenten. herausgenommene Tatsächenfrage, ist das Kernproblem aller Gegenwart. Denn wanndiese; letzte Frage mit Ja beantwortet werdenmuß, dann ist die moderne Entwicklungstheorie, die Hypothese der Gleichmacherei in der: Geschichte, 'tödlich getroffen, dann ist die (Prophetie, die, übernatürliche, nicht rnehr^ zu leugnen, dann höri die Frage von dem echten. Ring auf. Was ist die geistige Situation, in die wir gestellt sind. Aus ihrem Ernst und ihrer Unerbittlichkeit haben wir die Werke derer zu prüfen, die in ünsrer Mitte die Geschäfte der wissenschaftlichen Aushöhlung und Zerstörung der jüdischen Position vollführen. Wie stellt . sich,, nach Auerbach der Geschichtsgang Israels (dar? , "' ' '" ' „Eben das ist bezeichnend für die tiefste Wesensart Israels; daß eine aus den gleichen urwüchsigen, magischen Wurzeln wie überall auf der Erde wachsende Erscheinung hier in innerer Entwicklung i D er I 's r a e I i t so umgewandelt und vertieft wird, daß vom "'Primi tiven nichts bleibt als gerade.noch der Name. Gan^ ähnlich ist es mit dem G'ttesbegriff gewesen, der vom nachtliclien .Schreckensdämon J. (Ex. 4, 24—26 Genesis 32, ' 25—-32) in wenigen-Jahrhunderten bis zum absolut einzigen G'tt des Himmels und des Menschen durchgeistigt wurdg. Und ebenso wurde die Sittlichkeit, aus bloßer Stämmestreüe und Blu^ räche sich " empör kämpfend, zur'1 hö'ehsten Ethik (Mich. 6, 8; Jer. 6, 16; Lev. 19, 18, 34). Ist es nicht großartiger, dieses Bild eines; kleinen. Volkes, . das aus Dumpfheit und Chaos sich zum höchsten' Licht hinaufringt, 'als die Vorstellung; daß am Anfang sei? ner Geschichte eine vollendete' Offenbarung steht;, hinter dter nur Abfall und zaghafte Annäherung; folgen kann?" (S. 106.) Nach Auerbach ist also die Art. des geschieht liehen Verlaufs eine G e s c h m a c k s f r a g e'. Der Historiker stellt die Sache so dar, wie sie ihm „großartiger" vorkommt; Nicht was geschehen ist, objektiv, wirklich; geht ifon, an, sondern wie es ihm gefällt, so wird die Geschichte;ZU|- rechtgemacht. Uns aber interessiert die Wunsch> phantasie des Schreibers absolut nicht; wir wollen lediglich und allein wissen,! was., geschehen ist und wie es ^geschehen ist. Wir verstehen es zwar voll und ganz, daß vielen die Offenbarung am Anfang unsrer VolksWerdüng und die daräus sich ergebende ewige V o.l k s y.er p.f 1 i c.Jh. '- tung mit ihren persönlichen und politischen Neigungen nicht in Einklang steht und sie lieber sehen, daß das Individuum oder die Kinder dei Zeit sich jeweilig ihr Gesetz, ,selbst schreiben. Die Vergangenheit, durch , die der geschichtliche Mensch bestimmt und gebunden ist, darf also nicht als eine von einem konstanten Überzeit liehen Ideal erfüllte dastehen, sondern unsere Vorgeschichte muß eine Zeit des . Suchfens. und Irrens werden, die auch" der Gegenwart ihr Selbstbestimmungsrecht läßt. Aber leider ver stößt es gegen die Wahrhaftigkeit, sich ein be liebiges Bild des Einst zu konstruieren. „Ewi^ still steht die Vergangenheit". Es läßt t sich von ihr nichts wegnehmen und nichts zu ihr hinzutun. Auerbach ist kein Historiker, sondern ein historischer Romanschrif tsteller, j ,der durch die Brille vorgefaßter persönlicher Geschmacksrichtung unsre Geschichte anschaut. Unser Geschmack ist ein anderer als der Auerbachs: Wir können wahrhaftig nichts Großartiges darin finden, wenn alle unsre biblischen und talmudischen Quellen auf Lüge gebaut sind, wenn die Tradenten unsrer Geschichte die Quellenschriften verfälscht, überarbeitet und mißbraucht haben. Wir kpnnen es uns nicht vorstellen, daß die Propheten und G'ttesmänner, die Männer der großen Synagoge und die Weisen des Talmud, Männer d e r g r ö ß t e n e t h isehen Gewissenhaftigkeit, die gro- Bod<?n sich abrollte, nicht* im geringsten minder hell als der aller unserer, Brüder. 7. Wenn also die Frage an. uns herantritt: Wohin zurück? —, dann lautet unsere Antwort nicht „ostwärts" und auch nicht „westwärts", sondern „zum Sinai", 2u der Seelenkraft der Jugend unseres Volkes, als es seinem G'tte zu unbebauten* ■ Landen folgte. Ein Midrasch nimmt ..die Worte des Jirmeja sehr wörtlich, der sagt: Dehn du, G'tt,-bist unser Vater; Abraham kennt""uns nicht, Israel erkenn! uns niclit: an. Der'''Midrasch' sagt:; Abraham,— der Reichste ,der Erzväter und Israel, der . Aermste -von ihnen, leisten nicht : einfnäl auf G.ttes Geheiß' für uns Fürbitte bei G'tt; ■vfce'hn' wir'kündigen; halten'sie:uns für vernichtenswert. Nur G'tt selber, und allenfalls Jizchak, der Geopferte und der Beneidete, der hier nicht genannt ist, hat ein mitleidiges Herz für uns. Den Sinn dieses Gleichnisses enthüllt wiederum unser heutiges Geschick: Es hat keinen Sinn, sich nach 'dem Glänze eines versunkenen patriarchalischen Zeitalters zurückzusehnen; - es hat' eben so wenig Sinn, sich 'in ein dem Elende Jakobs entsprechenden- Ghetto zurückzuwünschen und dessen Note in -Tu-ii genden umzudeuten.. Jizchak allenfalls, der Opfer-.: sinn" nämliöh unserer Väter und «ihr' stolzes Dahin---:1 schreiten durch" eine von Neidern erfüllte Welt, ode»" noch besser die' Rückkehr zum "Worte G'ttes selber,? das zeit- und räumlich grenzenlos: :funs beherrschen s soll, dasallein'''gewährleistet uns eine-Zukunft. Wp-r hin zurück? Zu-1 G'tt; selber zurück! „Wenn du ' zurückkehrst/ o Israel, dann mögest du t z ir mir zu- . rückkehrenl";i< .•:>; I a: 2WT) ^JOBr» 2Wh' hm"':". ♦ffistwn 'TP Aus einem Zyklus „Lieder der Seele" von Ben-Jamm. "ig Ich bin' Dein Gefäß;' Ich denke V; An" die Wunderbaren Stunden, " . .:j)a.t>Du meinen' Lehm re.rwähltestV'!U' Voller Steine, ..voller Risse, "itJ< "'3 Und Du ihn mit beiden Händen ' n Formtest;' acli, ich. brä^h*in:iStöcke, Doch Du hieltest' mich zusammen, Bandest, spanntest, schmiegtest leise, :War fein fernster'''Blick hernieder, Spürte strenges Glück der Formung, Dein Erwarten meiner Ordnung, Wurd' ich rund in Deinen Händen, Wollte Dein Umfassen fassen, Deine Hände.inie;mehr;,:lassen, . .- •Deinen Blick in mir bewahren,-, - '•«' Nidhts mehr iäls nur Dich':'-enthafte»/'r. '• -. '■■,f; ' Wüi-de "ViUMWÜ- Deinem Süße, - : , ''"Hätte.TDölnc,.'Fötm" tjnd 'FtijK?.li j?f "•- 5 ' . .'Doch ich|'<j.jleia,,j''aii.. einer 'Wjinde,''ft - ': .[ Seitj. .Dein Bjfck ,miäi,. trälT„,iind '^«^«Te^',' : .:!;,} Hände schaffend mich..umfingen..';.", ...J Glüht ein Wunsch in mir, daß-,einmal:? - :i! -1; Du :mich noch «mporhebst,, ,h<?he?-,; \ Als das «erste -Mal, 'zu Deinem;•' Antlitz: Sieh,' ich';; träge ' Durst' ff ach : '' Deinem Muhde1.''Ichrbiri Dein Gefäß." , J I t\ 1 : | ,. t ., I .. _" ■ . ■ 22. Juli 1937 ßen Menschheitsvorbilder und Menschheitsbild- . ner in Moral und Tugend, voll Reinheit >udes Wortes, des Strebens,und Denkens,, uns^geförspt und genasführt, uns Ammenmärchen und Täuschungen statt unanzweifelbarer Wahrheit / Vorgesetzt hätten. Wir können uns nicht vöh den Gesetzgebern des größten und1 erhabensten!Si{- en- und Religionsgesetzes denken, daß sie lKre eigenen Erzeugnisse unter falschem Decknapien dem Volke präsentierten und, durch solche Tar^ nung ihnen eine Autorität erschlichen; hätten. Es gehört schon eine Portion Frivolität: dazu, solche Teufelskünste als „großartig" zü~bezeichneh. Für Auerbach und seinesgleichen ist die von den Propheten uns tausendfach gegebene Behauptung, daß sie von G'tt eine Offenbarung empfangen haben, daß der Mund G'ttes geredet daß sie in das Geheimnis G'ttes eingedrungen, objektiv unwahr. „Er dichtet und sagtj! es geschah zu mir das Wort .G'ttes." (S. 119). Für Auerbach ist das Martyrium unsres Volkes, das für jedes jüdische Gesetz als G'ttesgesetz Leben und Vermögen und Blut hingegeben hat, eine große Selbsttäuschung, ein sinnloser Selbstmord. Für Ausgeburten der Galuthorthodoxie^. für religiös völlig indifferente Dinge und Systemkonstruktiönen sind die Scheiterhaufen bestiegen und tausendfältige „Opfer an Gesundheit und Lebensmöglichkeiten'gebracht worden. (Fortsetzung folgt.) Deutsches Reich, Richtlinien für die Stellung der Juden im Schulwesen. Berlin, 15. Juli, Mit Erla4::V.qm 2. Juli 1937 hat der Reichserziehungsminister eine Zusammenfassung der Richtlinien über ^die Rechtsstellung der Juden im deutschen: Schulwesen .gegeben, nach denen bis „zu einer späteren reichsgesetzlichen Regelung der Schulerziehung jüdischer Kinder zu verfahren ist. * Der Erlaß gejit davon aus, daß durch, das Reichsbürg.ergesetz' vom 15. September. 1935 und die erste Verordnung vom 14/November 1935 zum; Reichsbürgergesetz die Rechtsstellung der Juden im deutschen ^Reichsgebiet eine grundsätzliche fflärung erfahren hat. Diese Vorschriften sind auch für die Schuler-;?iehung der, jüdischen . Kinder von maßgeblicher Bedeutung. Der Erlaß behandelt die Zulassung der Juden,-zum Schulbesuch, die Teilnähme an Schulveranstaltungen besonderer Art, die Zulassung zur Prüfung als Nichtschüler und die Reifeprüfung an jüdischen Schulen sowie einige grundsätzliche Fragen der Lehrerausbildung, /; Hinsichtlich (;d,er : Zulassung zum " .Schulbesuch ist .zu > ^unterscheiden. zwischen, den Pf licht schulen (Volks¬ und Berufsschulen) und den .^ahlschulen (mittlere, höhere., und Fachschulen),. Die. Zula]ssung\ der. Juden* zum' Besuch der PflichtscKuien regelt.^(ch nach den allgemeinen gesetzlichen Bestimmühg^n'; über die Schulpflicht. Soweit keine jüdischen Privatschulen yofh^änden* sind, oder vön den Unterhaltsträgern der öffentlichen' Schulen besondere öffentliche Schulen für Juden errichtet werden, n e h iti e'n die jüdischen Schüler an dem Pflichtünterrieht der allgemeinen öffentlich-1? Schulen teil. Den Unterhaltsträgern der öfftätlichen Pflichtschulen wird nahegelegt, mit schul -^if" sichtlicher' Genehmigung besondere Schulen oder- Sammelklasseii' 'für jüdische Schüler 2u errichten ''*r«i;:- ■ -jji .; . v ■ . :.• , ,-,Für .die . Zülassiiqg,der Juden zujn. Besuch z& Wahlschulen bleiben die Bestimmungen, > des Gei:''t' zes. gegen die Ueberfüllung deutscher "Schulen '-'rt* .HochschÜlen vbm 2f : An^l 1933 s(RGBl.J I S. 225) vnd die dazu' er^angenfen; ^üsfü^üngsvb'rfe'chjfiften T&i&te" h&hd^^ßrvi^h'%Sx^^Tt jüdische Sphuler «in. HöKe/'s-"-'^ l,'5''Prbz.. dfer1.''gesaniiW''Weua'üfiiah^iiii zügelä? -0" werdq'n\; '' Die-; fönde?'.''Von j.ü d i s.c h e' n F r1^ r. t - lc a m'pri e fn'i'sihU 5jinJ1',dre '!;Änteilzahl!! nicht ,:^*st1' re^$4nl]:Ak'!Ortdä;fW^ ]'aiisschließlich je* Besuch jüdischer'"Scfiüfer bestimmte A^ahlschuleri gestehen, wird die Zahl der zülässi^eh Neuaüfn'ahnisn' jüdischer Schüler von der Schulaufsichtsbehörde lest--

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