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Der Israelit · 1937-07-22 · Heft 29 (22.7.1937) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 29 (22.7.1937)
Date
1937-07-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 29 Der Israelit '22. Juli 1937 KEREN HATORAH ist der Treuhänder des jüdischen Volkes für die Erhaltung seines nationalen Gutes vom Sinai. mßSSp^'itl Helfet dem KEREN HATORAH! BSII Keren Hatorah, H a m bu r g,H e i n r i c hß a rt h s t ra ß e 2 1, Postsch ec k kon to: Hamburg 24753 WSSm^ len Zionismus. Der noch ernstere Ausbruch von 1936 festigte dieses Bündnis'. Die Vertreter der Agudath Jisrael, die vor uns Zeugnis ablegten, unterstützten in allen, wichtigeren Punkten den Standpunkt der Jewish Agency In der Tat bedeutet Zionismus jüdischen Nationalismus, und wie überall, z. B. in der Nachkriegstürkei, ist die treibende Kraft des Nationalismus auch hier mehr politischer als religiöser Natur." Im 10. Kapitel, das der Einwanderung gewidmet ist, befürwortet der Bericht eine Aenderung der geltenden Bestimmungen dahin, daß das Recht der Jewish Agency, die bewilligten Einwanderungs-Zertifikate nach eigenem Eipnessen zu verteilen, beschränkt und auch diese Verteilung dem High Commissioner übertragen werde. Zur Begründung bemerkt der Bericht u. a.: *„Diese Fragen der Verteilung sind offenbar von äußerster praktischer Wichtigkeit für das Wachstum des National-Heimes. Diese bestimmen z. B. das Verhältnis, in dem etwa polnische oder deutsche Juden einwandern können, oder das Verhältnis zwischen den mehr altmodischen, .ortho: doxen Juden der Agudath Jisrael und denen von einer weltlicheren oder modernistischeren Anschauung und Lebensführung. Daß diese Fragen aber von einer Körperschaft entschieden werden sollen, die nicht nur unabhängig ist von der Regierung, sondern auf der anderen Seite einer von den Juden der Diaspora errichteten internationalen Organisation verantwortlich ist, gehört zu den bemerkenswertesten Zügen der ganzen Situation." Daran schließt sich dann der bekannte Vorschlag, daß für den Fall des Nichtzustandekommens des Teilungsplanes die Einwanderung auf fünf Jahre aus politischen Gründen auf 12 000 jährlich für sämtliche Kategorien zusammen beschränkt werden. Im 13. Kapitel, das von den öffentlichen Arbeiten handelt, werden die Beschwerden der Histadruth Haowdim, des Waad Leumi und der Agudath Jisrael hinsichtlich der Anstellung jüdischer Beamten im Staatsdienste erwähnt. „Die Agudath Jisrael-Zentrale behauptet auch, daß ihrer Organisation nicht genügend Regierungsarbeiten zugewiesen werden, und daß eine größere Zahl ihrer Angehörigen im Postdienst beschäftigt werden müßte." Mit Bezug hierauf heißt es dann an einer späteren Stelle: „Die Agudath Israel ist eine Gemeinschaft, der in Palästina etwa 50 000 Juden angehören. Für sie ist der jüdische Sabbat nicht bloß ein Jag der Ruhe; sie betrachtet ihn vielmehr als eine der Grundlagen des jüdischen Glaubens, und die Angehörigen dieser Gemeinschaft arbeiten an Sabbaten nicht. Es scheint, daß aus diesem Grunde eine größere Zahl von Mitgliedern dieser Gemeinschaft in so wichtigen öffentlichen Diensten, wie Post und Eisenbahn im Hinblick auf die öffentlichen Erfordernisse, nicht beschäftigt werden. Die Eisenbahn führt einen Sieben-Tage-Dienst und im Fahrplan ist kein Unterschied zwischen Sonntag und anderen Wochehtagen. Aus diesem Grunde werden jüdische Angestellte in den meisten Fällen gefragt, ob sie gewillt sind, am Samstag zu arbeiten, und es wird ihnen eröffnet, daß Samstag-Arbeit gefordert werden wird oder kann. Soweit wie möglich, bemüht sich die Verwaltung, den wöchentlichen Ruhetag in Uebereinstimmung mit dem religiösen Bekenntnis ihrer Angestellten zu gewähren." * * Der Jahresbericht der Palästina- Regierung an die Mandat-Kommission des Völkerbundes enthält ebenfalls eine Reihe von Hinweisen auf die im abgelaufenen Jahr von Seiten der Agudas Israel mit dem Waad Leumi und mit der Regierung geführten Verhandlungen. Ueber die ersteren heißt es unter Nummer 91, Seite 43 des Berichtes: „ „Die Verhandlungen zwischen dem Waad Leumi und der Agudas Jisroel, die im Mai 1935 begonnen wurden, mit dem Ziel, den legitimen Forderungen der Agudath Israel innerhalb des Rahmens der Regeln für die jüdische Gemeinschaft Rechnung zu tragen und die durch den Tod von Oberrabbiner Kuck unterbrochen worden waren, sind im Berichtsjahre nicht wieder aufgenommen worden im Hinblick auf die Unruhen und weil die Ernennung eines Nachfolgers für den heimgegangenen Oberrabbiner noch nicht erfolgt war. Unbeschadet der zwischen den beiden Gemeinschaften bestehenden Differenzen in religiösen Dingen, haben sie,auf anderen Gebieten des öffentlichen Lebens zusammen gearbeitet, dort, wo nationale oder äußere Interessen, im Gegensatz zu inneren und Gruppen-Interessen, in Frage kamen. So haben sie z. B. weiter gemeinsam gearbeitet in städtischen Angelegenheiten, im jüdischen Stadtrat, sowie bei den Diskussionen und . Erklärungen der jüdischen Gemeinde und der jüdischen Agentur in Bezug auf die Vorschläge für den Legislative Council. Die Verständigung mit der Jewish Agency in Bezug auf die Einwanderungszertifikate ist weiter in Kraft geblieben." Ueber die Schechita-Angelegenheiten sagt der Bericht: „Ein legaler „Religiöser Rat" wurde in Jerusalem gebildet, um sich mit allen religiösen Angelegenheiten, welche die lokale Gemeinde betreffen, und besonders mit der Administration der mit dem rituellen Schlachten der Tiere im Zusammenhang stehenden Dinge beschäftigen soll. Bisher gab es vier unabhängige Körperschaften, welche die rituelle Schechita in Jerusalem kontrollierten. Durch die Vermittlung des neu gebildeten Rates ließ es sich ermöglichen, drei der in. Betracht kommenden Gruppen in ein einziges Komitee für die Kontrolle der Schechita zu vereinigen. Die Agudath- Israel fährt fort, ein eigenes Schechita-Komitee zu unterhalten." . Auf Seite ll4 wird darauf hingewiesen, daß einige neu eingeführte Aenderungen von Verwaltungsbestitnmungen die „Rechte und di& Lage derjenigen Juden, die aus der offiziellen jüdischen Gemeinde ausgeschieden sind oder auszuscheiden wünschen, nicht: berühren." Ferner wird darauf hingewiesen, daß in den Angelegenheiten der Wahrung der jüdischen Interessen an der Westmauer und anderswo Waad Leumi, Oberrabbinat und Agudath Israel zusammengewirkt haben. In diesem Zusammenhang wird auf die Verordnungen von 1927 hingewiesen; „welche Vorschriften enthalten, die~ die Freiheit des Gewissens und der Religion denjenigen Juden sichern, die der oiüziellen Gemeinde nicht anzugehören wünschen." In dem Kapitel, das sich mit dem Schulwesen' beschäftigt, wird folgende Tabelle der orthodoxen Schulen mit ihrer Schülerzahl für die Jahre 1934/35 und 1935/36 angegeben: 1934/35 1935/36 Schulen Schüler Schulen Schüler Agudath Israel: 10 978 18 1783 Pekidim u. Amarkalim: 2 339 1 285 Privat: 151 11056 168 11948 In dem vorjährigen Bericht waren die dort gegebenen Ziffern, nämlich 175 Schulen und 17234 Schüler nicht die Endziffern des Jahres. Wie aus dieser Tabelle zu ersehen, hat eine bemerkenswerte Verstärkung der erzieherischen Tätigkeit der Agudath I s r a e 1 - O r g a n i - s a t i o n stattgefunden. Einige von diesen heuen Schulen schließen sich enge dem modernen hebräischen Schultyp an, obgleich sie ihren strengreligiösen Charakter beibehalten. Die hier angeführten Zitate aus den beiden neuesten offiziellen Dokumenten über Palästina werden eine Rolle zu spielen haben; wenn es giit) die Grundlagen für das in Aussicht stehende jüdische Gemeinwesen im Geiste der Gewissensfreiheit zu legen. f^lP^W Zurück —, wohin? Prophetische Worte und Bilder. Von Zofeh. „Nimm eine Mühle und mahle Mehl!" Das sind die Worte, die Jesaja (47, 2) in seiner Weissagung über den Untergang des feindlichen Reiches Babel diesem Lande entgegenruft. Die Talmudweisen verstehen diese Worte als auf die Blütezeit Babels bezogen, als es glaubte, einer großen Weltmacht Israels entgegen getreten zu sein. Man mahlt ja, sagt der Midrasch, nicht Mehl sondern Korn. Babel aber und allen Feinden des G'ttesvolkes sei es hiermit gesagt: Ihr irret! Im Kampfe gegen Israel mahlet ihr niemals Korn, sondern was ihr zermahlet, war schon vorher fertiges Mehl. „Einen toten Löwen hast du gemordet, ein zermahlenes Mehl gemahlen, eine verbrannte Stadt eingeäschert." So sagt das Gleichnis. Und die Lösung gibt uns — unser ^heutiges Erlebnis. War das, was die Ereignisse der letzten Jahre uns nahmen, noch Korn, das da zermahlen wurde oder schon Mehl? War das noch die alte Geistesmacht des Löwen von Juda, die uns geraubt wurde, wo unsere Gemeinden auseinanderstoben, oder war da auch ein toter Löwe erschlagen worden? Ein unwillkommener Zufall spielte mir eine „Israelif-Nümmer von 1922 in die Hände, in der vom damaligen jüdischen Leben zahlenmäßig noch lebensfähiger Landgemeinden Deutschlands einiges ZU lesen stand; das Wort Materialismus war darin öfters klagend wiederholt. Wir wollen nicht zu dem Unglück der Gegenwärt noch« Zurechtweisungen häufen. Aber wir wollen bekennen, daß wir einer Rückkehr nicht zu demjenigen Judentume Deutschlands bedürfen, das unmittelbar vor der großen Wandlung lebte, sondern zu dem eines schon vor längerer Zeit versunkenen Geschlechtes, nicht zu Trümmern, sondern zu einer Stadt, nicht zu Mehl, sondern zj Korn. Das Vollkornjudentum, die unversehrte Jüdischkeit, der täglich bewährte Löwenmut jener Zeiten soll wieder auferstehen, die im Ab-harachamimgebete rühmend erwähnt werden, Zeiten des schwersten Erwerbes und des bittersten Martyriums, Zeiler. aber auch, in denen die aus der thoragemäßen Lebensweise resultierende hohe Zucht uns auch auf dem Gebiete des Erwerbslebens zu Leistungen befähigt hatte, wie sie das Nachkriegszeitalter in seiner Genußsucht nicht mehr kannte, leider auch nicht im Gesetzesbefolgerkreise. 2. Zu einzelnen hochgestellten Persönlichkeiten seines Zeitalters konnte auch Jirmeja (22, 15) sagen: Hat nicht auch' dein Vater gegessen und getrunken, aber Recht und Gerechtigkeit dabei geübt, so daß ihm damals wohl war! Wenn er aber das Volk als Ganzes zurechtweisen mußte, dann konnte er „vor den Ohren Jerusalems" nur ausrufen; G'tt gedenkt zu deinen Gunsten der Liebe deiner Jugend ... Die kurz vor der Katastrophe erlebten Jahre später Scheinblüte eines überalterten Volkslebens werden hierbei gar nicht in die Erinnerung zurückgerufen. Tief in die Vergangenheit taucht sein Blick zurück, in die Jahre, da Israel seinem G'tte in ein unbebautes Land folgte wie eine junge Braut dem Trauten ihrer . Jugend ... 3. In unserer allen Prophetentumes entbehrenden Zeit spricht G'tt zu uns nur in den Rätseln des Weltgeschehens. Dieses Rätsel aber lösen uns doch: die Worte der alten Propheten.' Wir hören mehr, als wir davon ertragen, von dem Zwange zur Primitivierung, dem im Heiligen Lande und anderwärtsunsere hinaustreibenden Kinder ausgesetzt werden. Auch wir Zurückbleibenden erliegen mehr oder nun' der diesem Zwange. Wir lesen' aber aus diesem Gc schehen nur zu deutlich den Willen G'ttes heraus» uns an die Zeit zu erinnern, die hierzulande weit hinter uns, weit vor unserer Generation liegt: Wir sollen wieder an die Jahre des mühevollen Aufstrebens denken, die vor dem großen Aufschwungs des letzten Halbjahrhunderts lagen, denn diese früheren Jahrzehnte, nicht unsere jüngste Vergangenheit, enthüllen den Heroismus, mit dem g'ttesfürch'ig? jüdische Menschen den Weg aus kleinstädtischen uou kleinen Verhältnissen zu gesegnetem Erwerbe '^d zu gleichzeitig großzügiger Entfaltung jüdischen gemeinde- und . Stiftungsleberis fanden. Wir: mü^e^ bekennen, <|aß wir,, wie es das norddeutsche «jid das sefardische Machsor immer schon in der ■ Vk;duj lasen, wir mitsamt unseren Vätern schon gesün al* haben. Wir sollen ganz gewiß nicht die Frimitivtät unseres heutigen Lebensstandärdes oder un<s^r Kinder als einen Selbstwert begreifen. Aber wir len aus diesem Zwange lernen: Der Weg zur G)'^ G'ttes zurück, führt über die harte Landschaft ^s Lebens, das unsere Altvorderen führten, die sich ' ''f* emporkämpften, bevor sie die Leuchten des dam-"'"* gen Lebens unserer Gemeinden und Bünde wur an- 4. .Ein Zufäll führte mich vor einiger Zeit vor Parocheth, dessen Inschrift' ein auch .nur entferste* Mitglied jüdischer Familien dieses Landes "nichtJ2^0 ein leises, aber nachhaltiges Grauem lesen' koni"*'

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