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Der Israelit · 1937-07-22 · Heft 29 (22.7.1937) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 29 (22.7.1937)
Date
1937-07-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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^r^stf-pj "•.vSPtf*"* * *• ü'^^^>!v'T^t'^*,*^<Sv>* * Juli 1937 prortsetsvng TSB Seite L) mit der Zeit erweisen wird. Vom Standpunkt des britischen Großen Generalstabs und der Admiralität istj freilich die vorgeschlagene Lösung durchaus verständlich. Sie sichert England die wichtigsten' militärischen Stützpunkte, während sie im Hinterland vorläufig, für eine gewisse Zeit, Ruhe schafft, so lange wenigstens, bis der. bevorstehende: Entscheidungskampf um das Mittel meer. ausgetragen ist. s Aber dann sollte der Bericht ehrlicherweise. nicht mit dem Anspruch antreten;,. > eine, .dauernde -, Befiiedun^s^ruadläge schaffen zu wollen. Was er vorschlägt, ist nicht eiae weitsichtige, nachhaltige long-term policy, sondern — trotz der scheinbaren Radikalität der Lösung — nichts weiter als eine vorläufige Jiiiiausschiebung der notwendigen Auseinandersetzung. . Die Kömmission weist selbst in Kapitel 20 des Berichts auf Kanada, Südafrika, Irland und Indien hin, wo ähnliche nationale Konflikte geherrscht haben oder noch herrschen, und doch ist es in allen diesen, zum Teil unsäglich komplizierten Fällen niemand eingefallen, das Problem durch einen derart radikalen Teilungsvorschlag lösen zu wollen. Daß die Argumente, mit welchen die Kommission dem naheliegende** Einwand zuvorkommen will, sehr überzeugend seien, wird sich wohl schwer behaupten lassen. Aber auch im einzelnen weist der Bericht eine Reihe, von rein logisch schwel* verständlichen Erwägungen und Vorschlägen auf. So wird zum Beispiel die empfohlene Subventionierung des neuen Araberstaats durch die Ju- ° \ den mit einer Erstattungspflicht der letzteren für den „Verlust arabischen Territoriums" begründet. Es wird hier offenbar von der Vorstellung ausgegangen, daß es sich nicht um zwei gleichberechtigte Parteien handelt, deren /Ansprüche sich auf gleicher Ebene befinden, sondern daß der Boden Palästinas primär den Arabern gehört, und daß diese für einen teilweisen Verzicht darauf besonders bezahlt werden müssen. Daß die bisherige größere Steuerleistung der Juden, die in mehr als vertretbarem Ausmaß zur Befriedigung der arabischen Bedürfnisse verwendet wurde, nun als Argument für die Subventionierungspflicht herangezogen wird, ist ein ganz besonderes Kuriosum des Berichts. Der Vorschlag wird nur verständlich, wenn man seinen praktischen Zweck ins Auge faßt. Er geht von der' Erwartung aus, daß der wirtschaftlich rückständige Araberstaat an dem Bestehen eines wahrscheinlich prosperierenden Judenstaats als Finanzielle unmittelbar interessiert sein wird, und daß er die Henne nicht wirdr schlachten wollen, die ihm die goldenen Eier legt- Es erweist sich auch hier wieder, daß der Bericht von Männern verfaßt ist, die mit der Psychologie der Orientalen vertraut sind —oder vertraut zu sein glauben. Gegen die Abtrennung des gesamten Negew, m welchem bereits bedeutende jüdische Interessen investiert * sind, müssen schwere Bedenken erhoben werden, ebenso wie gegen den gegenseitigen Boden- und Bevölkerungsaustausch, eine ■ MaLnahme, , die sich bisher in jedem einzelnen Fal: als verfehlt erwiesen hat. Daß ein Aufgeben jüdischer Positionen in arabischen Gebietsteil nicht im jüdischen Interesse liegt, braucht wohl nicht des näheren ausgeführt zu werden, Weiche Folgen für das W i r t s c h a f t s 1 e b e n die ungewöhnlich lange Uebergangszeit von drei Ja1"iven mit sich bringen würde, läßt sich leicht ermessen. Es ist übrigens interessant, daß nach en vorliegenden Berichten während der Ueber- £aigszeit wohl ein Verbot jüdischer Einwanderun& in arabisches Gebiet vorgesehen istf nicht D JLs.r a e I i t ajaer umgekehrt ein Immigfätionsv erbot für Araber in den jüdischen Landesteil. Die projektierte Lostrennung J er usalems stürzt die gläubige Judenheit in einen schweren seelischen Zwiespalt,; Einerseits scheint dem naiven jüdischen Empfincfen ein jüdischer Staat ohne .Jerusalem als Mittelpunkt, undenkbar, andererseits sträubt sich unser durch bittere Erfährungen gereiftes Verantwortungsgefühl davor, Jerüscholajim einem ' etwaigen thoralosen jüdischen Staat auszuliefern. Aber auch den. Verfechterja -. des}!; zweitehj Standpunktes" wür^v :e% unerträglich sein, wenn nicht wenigstens ein Teil Jerusalems in jüdischer Hand bliebe. . Und wenn'man ferner bedenkt, daß die vier Städte Haifa, jAfeko, Säfed und Tiberias für unbefristete Zeit unter englischem Mandat bleiben sollen, die souveräne Herrschaft des .Judenstaats sich mithin nur auf Tel Awiw und einige Kolonien erstrecken wird, dann kann man nicht umhin, zuzugeben, daß in; dem bösen \Xfitzwort vom „Judenstaat zu^ beiden Seiten des Jarkon" ein Keim von Berechtigung steckt. Der bekannte Araberfreund und die größte Autorität in vorderasiatischen Fragen St. John Philby hat offen erklärt, daß der Peel-Bericht in allem wesentlichen dem arabischen Standpunkt Rechnung trage. Wir können dieses Urteil nur unterschreiben. Auf weitere Einzelheiten kann und braucht auch in dieser vorläufigen Uebersicht nicht ein« gegangen zu werden. Denn das Schicksal des Berichts ist noch ungewiß. Wenn auch in England selbst mit einer Billigung durch die Parlamentsmehrheit zu rechnen ist, so ist noch nicht ganz klar, welche Stellung der italienische Vertreter in der Mandatskommission zu dem Projekt einnehmen wird, und es werden vor allem die Rückwirkungen der weltpolitischen Lage, insbesondere der weiteren Entwicklung des Spanienkonfiikts auf das Verhältnis Italien- England abzuwarten sein. Seitens der Regierung der Vereinigten Staaten ist allerdings ein ernsthafter Widerstand nicht zu erwarten. Die endgültige Stellungnahme der gläubigen Judenheit iestzulegen, bleibt den Beschlüssen der kommenden Keriessio Gedaulo vorbehalten. Durch das jüdische Volk geht jetzt eine Welle der Empörung und des Schmerzes über diese neue Verstümmelung unsrer verbrieften Rechte. Die Empörung wird noch ver- ,;: L.- _ Nr. 29 Seite 3 schärft durch das Gefühl, daß es so weit nicht hättet kommen brauchen. Ein unbeugsam entschlossener, einheitlicher Widerstand des ganzen Volkes hätte das Teiluhgsprojekt im Keime ersticken können. Und wir können die Vermutung nicht unterdrücken, daß die Kommission es nicht gewagt haben würde, einen derartigen Vorschlag anzubieten, wenn sie nicht das durch die zweideutige Haltung der verantwortlichen Instanzen begründete Empfinden gehabt hätte, daß gewisse maßgebende Faktoren in der heutigen jüdischen Führung sich — ähnlich wie die Kreise um Emir Abdullah —^ mit einem fait accompli rasch abfinden würden. . . ^Es ist ^etet^-~^nac^idem die Dinge einmal so weit gediehen sind — nicht die Zeit für eine Untersuchung, welche (zweifellos ehrenhaften und » subjektiv sicherlich von nationalem Verantwortungsgefühl getragenen) Motive zu dieser indirekten Preisgabe jüdischer Belange geführt haben. Es muß auch in diesem sehr späten Stadium versucht werden, zu retten, was noch zu retten ist. Der Widerstand des1 jüdischen Volkes gegen die unnatürliche und widersinnige Konstruktion darf nicht erlahmen. Natürlich darf es nicht bei bloßen Protesten bleiben, sondern es muß schnellstens ein diskutabler Gegenvorschlag , der allerdings gewisse Opfer erfordern wird, ausgearbeitet und rechtzeitig in Genf vorgelegt werden. Vor allem müssen die Wege zu einer direkten Verständigung mit den Arabern gefunden werden. Wenn aber der jüdische Staat in dieser verstümmelten Form — trotz aller Proteste und Gegenaktionen — doch Wirklichkeit wird, wird die gläubige Judenheit nicht intransigent abseits stehen, sondern sich in die nationale Arbeit eingliedern und mit allen Kräften für eine wahrhaft jüdische Ausgestaltung des neuen Staatswesens kämpfen. Es. ist klar, daß die Grundlagen für diese Mitarbeit konstitutioneil gesichert werden müssen und nicht von der Einsicht und dem guten Willen der jeweiligen Machthaber abhängig sein dürfen. Gleichzeitig bringt uns aber der Peel-Bericht — welchen Veränderungen er auch in Zukunft unterworfen werden mag '— mit aller Deutlichkeit zum Bewußtsein, daß die Lösung der materiellen Judenfrage nicht in Palästina liegt; und daß eine großzügige Inangriffnahme der Diaspora -Probleme nunmehr unumgänglich geworden ist. Die kommende Kenessio Gedaulo wird zu diesem Problemkreis ihr eindringliches Wort zu sagen haben. Einzelheiten aus dem Bericht der Royal Commission und dem Jahresbericht der Palästina -! Im folgenden sind aüs den beiden amtlichen englischen Berichten, die das Interesse der jüdischen Oeffentlichkeit zur Zeit in Anspruch nehmen, diejenigen Stellen zusammengefaßt, die sich im besonderen mit den orthodox,en Organisationen befassen. Der Bericht der R o y'a 1 C o m m i s s i.O:n unterläßt es im allgemeinen, die Gegensätze und Auseinandersetzungen innerhalb des jüdischen. Lagers zu erwähnen. Nur an einer Stelle des fünften Kapitels, das sich mit der gegenwärtigen Lage des Jüdischen Nationalheimes befaßt, und in dem die Psychologie der in Palästina lebenden Juden in kurzen Strichen anzudeuten versucht wird, heißt es: : „Dieser Sinn für eine Mission war, wie wir gesehen haben, ypn Anfang.,an stärk, und er hat'si'ch in dieser Stärke bis jetzt unverändert erhalten. Aber der Wechsel in seinem Charakter, der schon 1925 wahrzunehmen war, ist jetzt ausgeprägter. In den älteren Kolonien, die im weiten \Jmf ange russischen Ursprunges, sind, herrscht die religiöse Haltung gegenüber dem Nationalheim noch vor. Aber in einigen der neueren Kolonien und in den Städten sind dieeifrigsten und .missionsbewußtesten Juden oft lediglich Juden der Rasse nach und nicht nach ihrem Glauben. Um die Formulierung einer bedeutungsvollen Frage und ihrer Antwort in einer unserer Sitzungen anzuwenden, müßte man sagen: „Es gibt jetzt weniger Juden, deren M an d a i die Bibel ist, und dafür mehr Juden, deren Bibel das Mandat ist." Die nicht zionistische, orthodoxe jüdische Gemeinschaft Agudath Jisrael hat bekanntlich diese, wachsende Tendenz zur Verweltlichung beklagt und sie hat lange einen hartnäckigen Kampf mit der Jewish Agency geführt mit besonderer Beziehung auf die Zuweisung der Einwanderungs-Zertifikate. Nichtsdestoweniger hat ganz so, wie bei den moslemischen und christlichen Arabern, so auch bei den oi'thödoxön und nieht-orthodoxen Juden, die natio* naleyKrisis eine gemeinsame Front zustande gebracht. Den Unordnungen von 1933 folgte rasch eine Annäherung zwischen Agudath Israel und »dem öffiziel- Rai im SIRUMPFHAUS METZÜER ZEIL 87 H erre h Wasch e; Tri kotag en und Bade Wäsche I Große Preis vorteile für Herren-und Knabeiil&elcUmg frri diesfänlrigen '<:> in!' : Sommer-Schluß-Verkauf. 'tölitzeri'Sie die wenigen Tage;ab 26. Juli. Frankfurt a. M.; Hindenburgplatz 12 am. Hauptbahnhof

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