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Der Israelit · 1937-07-15 · Heft 28 (15.7.1937) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 28 (15.7.1937)
Date
1937-07-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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''^'i^S:^^?**^ m Feuilleton- Beilage Der Israelit Nummer 28 1937 Kenessio Gedaulo-Vorstimmung. (Schluß.) 3. Am "|^> rv?» war ich in Kaminiec. Mein „wanderndes Gewerbe" hat mich schon manche na1«?' besuchen lassen, hat mir das Glück gewährt, manchen ^na zu sehen, zu sprechen, vielleicht gar ihm näher zu kommen! Noch niemals aber habe ich eine solche Verwachsenheit, ein solches Eins-Gewordensein zwischen niw chi und r-irw ■»n erleben dürfen wie an diesem unvergleichlichen, unvergeßlichen naff» da ich in der reinen und geheiligten Nähe von Rabbi Baruch Ber Leibowitsch wv>bv weilte, dem pnm» T>nt>n von Rabbi Chajim Brisker ^"SI, dem Manne, den misnagdische Kreise als Gaon und chassidische Kreise als Zaddik verehren und der beides in vollendetstem Maße sein soll. Der j-pn*iy n^sn am Freitagabend, der myw ,am 1"-Dff- Nachmittag, die Stunden am Sonntagabend in seinem Haus bei dem unvermeidlichen „Bankett", wo die furchtbare Peinlichkeit des völlig unverdient Gefeiertwerdens durch ein Gefühl der Weihe abgelöst wurde, da der von seinen Schülern als „der heilige Rebbe" angesprochene, große Mann den Gast an der Hand nahm und ihn und „die dänische Kolonie", die sich so schnell und völlig in den Jeschiwohbetrieb eingeordnet hatte, segnete, da ein Sohn Frankfurts im schönsten „Jiddisch Frankfurter Mundart" den Geist Rabbi Chaim Briskers heraufbeschwor, dessen vielleicht nicht größte, aber gewiß schönste Tat — die Gründung der Agudas Jisroel war — all dies war seelische Erschütterung! Und da die Vertreter der verschiedensten Landsmannschaften den großen Geist der Gemeinschaft priesen, der alle eps*p verbindet und der im Jeschiwohtum seinen treuesten und tiefsten Ausdruck findet, da schwebte K. G.-Vorstimmung über diesen Kaminiecer Stunden, denn „den 'iirmi bbj< erfüllt und getragen von der min als organisierender Seele" will Agudas Jisroei, die K. G. stellt diesen ixrw bb? dar, und seine Seele lebt und treibt Blüten in diesen ni3T — sie pflegen die rm-> und pflegen die Kiman, auch diese in so vollendeter Form, daß unsere Kinder aus dem Westen ganz hineinwachsen in die Gemeinschaft der Lernenden und so, im Lauf der Zeit, selber zu vollen und ganzen fm»' "Oa werden. Leider war es mir nicht möglich, auch in B a - ranowiez und Mir zu sein, nicht möglich, u n - sern'Größten in Wilna zu besuchen, aber in den Tagen von Kaminiec konnte ich ablesen den gewaltig hohen Stand unserer JVYtnn rrt»1»?». und konnte bei wiederholten Begegnungen mit Rabbi Elchonon Wassermann und Rabbi Elieser Judo F i n k e 1 in Warschau unseren großen ovnja ins Auge sehen, und angesichts dieser Ragenden aus unseren nayia nnnn '^JQä wieder K. G. Vorstimmung spüren. Und auch das war schon so etwas wie K. G.¬ Aufgabe, daß ich in Abmachungen mit diesen a'ppin» die Wirtschaftslage unserer deutschen omro ordnen konnte, ordnen, nachdem unsere amerikanischen Gesinnungsfreunde für das laufende Jahr die erforderlichen Mittel bei den verständnisvollen Freunden im Kulturkomitee des „Joint" erwirkt hatten, rnm y>x map \>& as — und doch: die am meisten gehungert hatten, solleri die größten min »Ja geworden sein. So hörte ich es aus berufenstem Mund — und manches lobende Wort fiel gerade für die deutschen D'nm dabei ab: tjspk '33^ -üb n«rn» mwn — das Wort des S?"K1 klingt in neuem Rhythmus! Zwei unerwartete Erlebnisse hatte ich auf der Reise —: und sie ergriffen mich ganz tief! Ich ging in Warschau auf der Straße spazieren, und stieß plötzlich auf Rabbi Chonon Wassermann Wö'Vb». Schweiß troff von seiner hohen Stirn, in glühender Sonnenhitze ging er — fast wörtlich — von Haus zu Haus, um für seine na'»'» der es zur Zeit — abgesehen von ihrer großen Schuldenlast — am Notwendigsten gebricht — an Brot und Fleisch für die omro — Geld zu sammeln. Rabbi Wassermann — unser großer Führer und Mahner — der Verwalter des Chofez Chajim-Erbes — in solch herzbedrückender Not. Das Bild steht mir vor Augen, seit zwei Wochen, Tag um Tag! Wie .arm und wie reich sind wir zugleich! Und das andere Erlebnis: Die Kaminiecer Beth Jacob-Schule hatte mich auf na«?-Mittag zu einer „Prüfung" ihrer Kinder eingeladen. Ich registriere einiges: mian m»B? und rnmp* sagten die Kinder — 12- bis 14jährige Mädchen — auswendig auf und übersetzten tadellos, kannten die mattf»» 3« mit ihren nnVin. waren in den ersten drei Büchern des Win beschlagen, besser als wir Erwachsene, waren klar in der D»msan Di» nrav — und die Schule befindet sich in einem Raum, wo einem kaum möglich war, zu atmen. So viel innerer Reichtum, so viel äußere Dürftigkeit; wie arm und reich sind wir zugleich! Und da ich Rabbi Chonon sah, und da ich diese Schule sah, da ging mir ein Stich durchs Herz — und auch das schien mir wie K. G.-Vorstimmung! Bei uns ist so viel Pracht des Geistes, so viel Reichtum der Seele, so viel heilige Schönheit, und auf der K. G. wird sich das alles ein Stelldichein geben — und wir werden dennoch nur langsam, gar langsam an unserm großen Werk weiterbauen können, weil wir Orthodoxen gar so arm ' sind. Und wieder höre ich die Frage unserer englischen Beth Jacob-Repräsentantin; „Wie kann man unsern Geldmenschen all dies Große ins Bewußtsein bringen?", daß sie begreifen, wie arm und reich zugleich unser Osten, wie reich und arm zugleich unser Westen ist!! Unser Westen braucht ein wenig nur sich seiner Mittel zu entäußern, daß sich an ihm das KWJy »inj erweise, und daß unser Osten, unsere Rabbi Chonons, dadurch — zu leben und zu wirken vermögen in ihrem Reich der min, in ihren hohen und geläuterten Sphären! Auf einer der agudistischen ms'DK hat Rabbi Meir Schapiro das Wort von der agudistischen „Kopfsteuer" dahin gedeutet: „Wir mtö- Jideh geben den Kopf, und ihr, a»i?a-Jiden, gebt die Steuer!" Manche unseres. Kreises haben ihm dies als Witz gesprochene Wort verargt! ' Und doch: wenn wir ehrlich und unbefangen die Dinge sehen, wie sie sind, wenn wir den gigantischen Kampf aus eigenem Anschauen erleben, den das m)ö-Judentum wn seine geistige und sittliche Existenz führt, Kamp*i mitten aus tiefstem Ringen um sein wirtschaftliches, und oft um sein physisches, Dasein, und wenn wir dann damit unser eigenes Leben, das in vielen Fällen ja auch heute noch Wohlleben ist, vergleichen, dann verliert das Wort von der „Kopfsteuer" viel von seiner Bitterkeit! Und wenn wir es aufnehmen — und jeder nach seinem Können und Vermögen verwirklichen möchten, wenn wir uns zu vervielfachter Steuer entschließen könnten, um den Kopf zu retten, der zugleich unser Herz und unsere Seele ist, dann hätten wir unsere Pflicht erkannt, und wir wären in der würdigsten Vorstimmung zur Kenessio Gedaulo! W- S. J. Jüdische Erziehung und Bildung in heutiger Zeit. Von Dir. Dr. Elias. Ost und West ringen um neue Wege jüdischer Erziehung.. Das bedeutet nicht Ehrfurchtslosigkeit, auch nicht ein Mißtrauensvotum gegen den alten Weg, B'Ji»«i ibnv> es entspringt nur der Einsicht iu die selbstverständliche funktionale Verbundenheit alles erzieherischen Wirkens mit der Gestalt der Wirklichkeit. Welterschütternde Wandlungen gingen vor sich. Weltgeschichtliche Veränderungen in. der Struktur der Gesellschaft und in der Zusammensetzung der Mächtegruppen hat die Beziehungen der Menschen und Völker zu uns Juden gewandelt, hat vieles, was früher zum tragenden Grund jüdischen Lebens gehörte, abgetragen, dafür aber auch Möglichkeiten, die früher utopisch oder mindestens verbaut schienen, freigelegt. Die Zugehörigkeit zum Judentum, früher Privatangelegenheit und Sache persönlicher Entscheidung, ist heute ein Faktum, das zwangsläufig und schicksalsmäßig den einzelnen auch noch den Konvertiten, festlegt. Und wenn das Schicksal der Hunderttausende von Juden Deutschlands und Polens die Juden anderer Länder auch nicht zum Nachdenken über ihre Stellung in der Welt brächte, die Welt sorgte dafür. Wir werden in alle Winde verstreut. Wieder einmal. Die Umstellung auf neue Existenzbedingungen stellt die Aelteren auf eine harte Probe, weniger zermürbend, aber unendlich schwerer ist vielleicht der Kampf der Jugend draußen, die unter Umständen, von denen sie früher bestenfalls in Büchern gelesen hatte, ständig in Gefahr und ständig am Ende, sich neu einzurichten hat. Vielleicht nimmt sie es nicht so tragisch wie das Alter, — wie viel Tränen flössen und wie viel Kraft zerbrach, erfährt ja die Oeffentlichkeit nicht, — vielleicht wird sich dieses Schicksal für den Lebenswillen und die Lebenskraft der Ueberwinder und die Gemeinschaft, die sich aus ihnen zusammensetzt, segensreich auswirken. Die neue Gestalt Palästinas, wie es aus dem nun anhebenden schweren Kampf hervorgehen wird, mag einen mächtigen Auftrieb, mag tausend Kräfte der Judenheit zuführen, aber ob sich dies alles ebenso wertvoll für die geistige Gestalt des Volkes, für den jüdischen Gehalt und für den Willen zum Judentum auswirkt, vermögen wir nur zü hoffen, wenn ebenso wie die materielle Umstellung auch die geistige und seelische Grundmauer vorbereitet wird, die der veränderten Situation Rechnung trägt. Wer sich diese Situation — dazu gehören offene Augen — klar macht, kann nur warnen vor der .Illusion, als ob wir die Fehler der Vergangenheit, die oft nur Fehler ihrer Zeit und nicht des Prinzips waren, durch Rückfälle in das andere Extrem gut machten: durch Abschnürung von der Kultur der Umwelt, durch Zurückziehung auf uns selbst und auf die Thora als alleinigem B'ildungsgut unseres Volkes. Das Hauptargument' der Befürworter dieses Rufes war der Hinweis auf die bewährten Methoden des Ostens, der den selbstbewußten, der Thora dienenden und. das Leben meisternden Typ hervorgebracht habe, an dem es uns gebricLt. Es ist schon vielfach darauf hingewiesen worden, daß über dem schönen Bilde dieses Ostens die schweren Schatten übersehen werden, die seit Jahrzehnten sich darauf gesenkt haben und Rufe überhört werden, die von einsichtigen Beurteilern von dort zu uns herüberdringen, damit wir ihm im Kampfe gegen die Gefahren, die wir überstanden, helfen. Ein erschöpfendes Bild dieser Situation, in der sich die östliche Judenheit befindet, gibt uns das jüngst herausgekommene, auch "in anderer Beziehung aufschlußreiche, mit unendlicher Liebe bearbeitete Buch: Grundlagen gesetzestreuer Erziehung unserer Zeit. Von Juda Löb Wohlgemuth in Riga,') Mit einer Offenheit, für die wir ihm nicht genu« danken > können, legt er bereits in seiner Einleitung die entscheidenden Mängel bloß, die sich an den tragenden Säulen des gesetzestreuen Judentums gezeigt haben. Der Schmerz über die geistige Entwicklung der Jugend in Lettland, noch mehr aber der glühende Wunsch, ihr zu helfen und darüber hinaus dazu aufzurufen, allen ähnlichen Entwicklungsströmungen anderwärts und vor allem in Palästina einen wirksamen Damm entgegenzusetzen, rechtfertigt diese Offenheit zur Genüge. Lehrhaus, Familie und "Schule selbst, wo sie noch ungebrochen, haben sich nicht fähig erwiesen, die Entwicklung zu verhindern. Das geschlossene Milieu, in dem die Jeschiwoth wirkten, ist nicht mehr, die Wirtschaftslage; die den Familien Kopf und Zeit und Mittel ließ, die Erziehung der Kinder zu überwachen, hat sich erschreckend verschlechtert. Die Schulen sind aus der Obhut der Gemeinden in die Hände privater Unternehmer und der Parteien übergegangen. Die Jugend hat sich selbst emanzipiert und in einer eigenen Bewegung die Freiheit zu handeln und und zu urteilen und das Recht zur eigenen Aktivität für sich in Anspruch genommen und will von Autorität und Verantworfuni£ gegenüber anderen nichts mehr wissen.\ Und die Führer schweigen und machen andere dadurch irre Die Aufgeschlossenheit gegenüber dem, was in der Jugend und außerhalb der vier Wände des Beth- Hamidrasch vorgeht, ist bezeichnend für das Buch und läßt hoffen, daß der Verfasser in dem versprochenen zweiten Bande seines Werkes, der sich mit der Praxis der Schule und der Erziehung beschäftigen soll, ein Erziehungsprogramm aufstellen wird, das in Berücksichtigung der Lage unseres Volkes und der Jugend unserer Zeit und in Berücksichtigung der psychologischen methodischen und kulturellen Kernfragen der jüdischen Schule von heute neue Wege weist, um nicht nur der Bewahrung unserer Heiligtümer, sondern auch dem Aufschwung der Seelen zu dienen: misan bv Drrsjaa D'aaiö nbsnb D»sja »enis Daß dieses Programm aus tiefer Gläubigkeit und ernstem Verantwortungsgefühl gegenüber den Zäunen, die unsere Weisen aufgerichtet, geboren werden wird, dafür bietet der vorliegende Band Gewähr. Da ist keine Frage jüdischer Erziehung und keine Antwort, ob es sich nun um das Problem des omp'SKi» na jn oder um das der Thoraübermittlung an Mädchen, oder die Beschäftigung mit profanen Wissenschaften handelt, die sich nicht erst vor dem Forum des Talmuds und der Dezisoren zu rechtfertigen hätte. Der jüdische Erzieher und Führer muß zunächst tief untergetaucht sein in die Fluten der jüdischen Ueberlieferung. Das dritte Merkmal, das die "Haltung des Verfassers schon in der Einleitung kennzeichnet, ist d'f tiefe Ehrfurcht und rückhaltlose Bewunderung, die er Samson Raphael Hirsch nicht nur als geschichtlicher Größe der Vergangenheit, sondern auch als unübertrefflichem Führer durch die Zeit und für die Zukunft des Judentumes zollt. Samson Raphael Hirschs Kraft liegt nicht in einer Richtung, vielmehr in seiner „intuitiven Erfassung der Macht des gesetzestreuen Judentums. Sie hat ihm die Herzen gewonnen und gewinnt sie noch heute, wenn man seine begeisternden Worte liest und sich in den Reichtum seiner auf der Ueberlieferung unserer weisen ruhenden Gedanken vertieft. Darin ist er def legitime' Nachfahre aller der Gaonim in Israel, deren Wort die Masse vor der Sünde geschützt hat. Die Quelle seines Wirkens liegt in der Tiefe der jüdischen Seele, in jener Schicht, die unmittelbar z? G'tt steht, und in der es keinen Gegensatz gibt zwischen Thora und Kultur." (Fortsetzung folgt.) D'j'j'jra ö'iwi" mi-wvvsb *tväv «ini» mn "jun Tmv>~' Riga 1937. Gertrudes iela 105. (Auch beim Hermofl' Verlag, Frankfurt a. M„ Schützenstr. 12, zum Preise von Mk. 3.50 zu beziehen.) £ a m p C, n Elektrische Geräte - Kühlschränke Oft C U m tt n n 47

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